U4 Horner Geest: Warum wird da eigentlich offen gebaut?

Seit Mai ist die Vorentwurfsplanung für die U4 auf die Horner Geest abgeschlossen. Dabei steht nun endgültig fest: die zwei neuen Haltestellen und die Strecke werden in offener Bauweise gebaut.
Aber offene Bauweise in bewohntem Gebiet und dann noch für einen U-Bahn-Tunnel? Manch Leser mag sich fragen, wie man das überhaupt ernsthaft planen kann.

Werfen wir also mal einen genaueren Blick auf das, was dort passiert.

A. Warum die offene Bauweise geeignet(er) ist

1. Die Strecke ist kurz und nicht tief genug

Die Neubaustrecke der U4 unterhalb der Manshardtstraße ist 1,9km lang. Hinzu kommen 700m für die Ausfädelung an der Horner Rennbahn. Mit einer Tunnelbohrmaschine macht der Bau aber erst ab einer gewissen Tiefenlage Sinn. Da die bestehende Haltestelle Horner Rennbahn und die angrenzenden Tunnelabschnitte, an die der neue Tunnel anschliessen müsste, sehr nah an der Oberfläche gebaut wurden, scheidet das Vortriebsverfahren hier aus. Letztendlich könnten nicht einmal 50% der Strecke im Schildvortriebsverfahren gebaut werden. Dazu kommt, das Tunnelbohrmaschinen sehr teuer sind. Alleine Vera, die Tunnelbohrmaschine für die U4 am Jungfernstieg, hat einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet. Und nach dem Bau ist sie dann eben einfach weg.

2. Haltestellen müssen offen gebaut werden

Die unterirdische U4 braucht – logisch – auch Ein- und Ausgänge zu den Haltestellen. Klar, die können auch in anderen Bauverfahren gebaut werden, die offene Bauweise ist hier aber einfacher und sicherer. Damit bleibt dann aber zwischen den Haltestellen nur noch so wenig Strecke übrig, dass es Sinn ergibt, auch den Rest offen zu bauen.

3. Die Strecke verläuft fast ausschließlich unter öffentlichem Straßenraum

Durch den Verlauf der U4 unterhalb der Manshardtsraße sind die Bedingungen für die offene Bauweise nahezu ideal. Denn die Straße kann nach Abschluss der Bauarbeiten ohne Probleme wiederhergestellt werden – besser noch: es besteht die Chance, dass der Straßenraum sogar besser wird (bessere Fahrrad- und Fußwege z.B.).

Aber das offene Bauen hat natürlich auch Nachteile und Auswirkungen auf das Umfeld. Für die Planer ist daher die Aufgabe, die Auswirkungen  soweit es geht zu minimieren.

 

B. Warum auch bei offener Bauweise nicht 6 Jahre lang ein Loch klafft

Die Lösung: Bauen in Abschnitten

Klar ist, die Häuser entlang der Manshardtstraße müssen auch während des U-Bahn-Baus für Anwohner, Müllabfuhr und die Feuerwehr erreichbar sein. Deshalb bauen wir in Abschnitten, sodass immer nur Teilbereiche der Straße gesperrt werden müssen. Nach aktuellem Stand sieht das so aus (und kann sich während der Entwurfsplanung noch ändern): 

So ist keiner der Abschnitte länger als 14 Monate offen, denn die Oberfläche wird so schnell wie es geht wiederhergestellt. Also quasi „Deckel drauf“ und weiter geht’s. Klar, Lärm und Dreck lassen sich auch da nicht vermeiden, bleiben aber im Verhältnis geringer. Unter Tage gehen dann die Arbeiten weiter, ohne, dass sie an der Oberfläche wirklich zu merken sind. Der Tunnel für die U-Bahn entsteht so also Schritt für Schritt (wie genau haben wir für die U4-Verlängerung am anderen Ende in der HafenCity schon mal filmisch erklärt).
Ja, das sind immer noch 14 Monate Beeinträchtigung, durch die Aufteilung in Abschnitten stellen wir aber sicher, dass jeder zu jeder Zeit in sein Haus kommt und auch weniger lange von Lärm und Dreck beeinträchtigt wird.

Die Detailplanung für die genauen Zeiträume läuft jetzt übrigens in der Entwurfsplanung so richtig an. Dann können wir Anfang 2018 schon konkretere Zeiträume nennen.



13 Kommentare zu “U4 Horner Geest: Warum wird da eigentlich offen gebaut?

  1. In welchen Bauphasen droht für die Arbeitnehmer aus dem Osten Busersatzverkehr bzw. Unterbrechung des U-Bahnverkehrs zwischen Legienstrasse und Rauhes Haus und kann die Dauer der Unterbrechungen so kurz wie möglich gehalten werden, so dass die zeitlichen Folgen im Berufsverkehr und der Ärger mit den Arbeitgebern wegen des unpünktlichen Erscheinens an den Arbeitsplätzen abgemildert werden könnten? Durch Busersatzverkehr dauert es länger und für behinderte Arbeitnehmer wie Rollstuhlfahrer, Taubblinde und Blinde unzumutbar und nicht barrierefrei. Blinde und vor allem stark Hörsehbehinderte mit Tunnelblick bzw. Scheuklappenblick haben Orientierungsprobleme. Daher meine Bitte, dass die Hochbahn mit dem BSVH und anderen Behindertenverbänden zusammenarbeiten sollte, um das Problem für gehbehinderte, gelähmte, blinde und taubblinde Fahrgäste und Arbeitnehmer durch die monatelange bis jahrelange Unterbrechung des Zugverkehrs zu lösen und für barrierefreien und zeitverlustarmen Ersatzverkehr zu sorgen. Ich finde die Aufteilung in Bauphasen aber gut, um die Belastungen und Ärger abzumildern. Es wird also anders vorgegangen als bei der Verlängerung von Merkenstrasse nach Mümmelmannsberg, obwohl damals das weitgehend eine offene Bauweise war, die Möllner Landstrasse musste aufgerissen werden, um einen Tunnel zur Steinfurther Allee bauen zu können, das gleiche macht man ab 2019 mit der Manshardstrasse. 1985 Möllner Landstrasse und 2019 Manshardstrasse, beide Strassen haben baustellentechnisch etwas gemeinsam. So kann ich mir auch ein Bild machen.

  2. Nach jetzigem Stand wird es in der Bauphase 3A für mehrere Monate eine Unterbrechung der U-Bahn geben müssen. Da optimieren meine KollegInnen das Timing und den genauen Ablauf nun im Rahmen der Entwurfsplanung so, dass die Beeinträchtigungen so gering wie möglich gehalten werden können und alles reibungslos läuft. Einen Ersatzverkehr mit Bussen wird es natürlich geben. Dieser wird auch mit den Behindertenverbänden abgestimmt. Es soll schließlich jeder problemlos an sein Ziel kommen.

      • Nach aktuellem Stand vsl. zwischen Rauhes Haus und Legienstraße. Es wird nach derzeitiger Planung nur die Haltestelle Horner Rennbahn wegen des Umbaus gesperrt werden müssen. Im weiteren Verlauf der Entwurfsplanung kann es hier aber noch zu Änderungen kommen. Genaue Zeiträume stehen vsl. Ende des Jahres fest.

  3. Nicht zuletzt wegen der Erweiterung der U4 soll in Billstedt die Abstellanlage durch Betriebswerkstatt und Waschanlage ergänzt werden. Die Aufweitung der Gleise im Bereich Legienstr. dienten von Anfang an diesem Zweck, der nun endlich Realiität wird. Die Bauarbeiten hierzu sollten in diesem Frühjahr beginnen. Da ich in die Gegend nicht komme, frage ich an dieser Stelle, ob sich diesbezüglich schon etwas tut?
    Mit der Inbetriebnahme „Elbbrücken“ und der damit wohl verbundenen Taktverdichtung soll die neue Anlage dem Verkehr übergeben werden, soviel mir bekannt ist.

    • Meines Wissens nach stehen wir in den Startlöchern. Hier mussten einiges an der Fläche und der Legienbrücke vorbereitet werden. Wir bleiben dran.

    • Es wird jetzt die Baugrube für die Betriebswerkstatt gegraben, der Verbau wird gerade gerammt und verbohlt, für Fundamente und Kellergeschoss der Betriebswerkstatt. Und in der Haltestelle Legienstraße hat man schon für die Waschanlage planiert, bald wird man die Baugrube auch für die Waschanlage graben. Ich beobachte den Baufortschritt immer, da ich jeden Tag immer daran vorbeifahre. So hast Du eine konkrete Antwort zu Deiner Frage, wie der Stand der Bauarbeiten jetzt ist!

  4. Wir wohnen zu dem Bauzeitpunkt über 10 Jahre im Anna-Lühring Weg, ca.40 m vom Stadtteilhaus weg. Alleine das wir nie gefragt wurden sind ob wir das Haus wollten wurden viele gesunde Bäume gefällt und reichlich Parkplätze weg genommen. Nun hat man sich dran gewöhnt und dann jetzt der nächste Hammer! Die Planung der Stadt oder wer auch immer das macht ist Gelinde ausgedrückt Unfassbar.Nicht nur die Bewohner 3 Jahre Lärm auszusetzen, sondern jetzt auch zu überlegen Miethäuser dafür abzureißen ist eine bodenlose Frechheit. Wer entscheidet letztentlich welches Haus weg kommt? Und dann wird sicher wieder Natur weichen müssen, wahrscheinlich die Bäume die jetzt gepflanzt wurden?? Warum wird der kleine Bürger immer übergangen?? Es ist echt eine Schande, danke Stadt Hamburg.

    • Wir wurden von der Stadt mit den Planungen zum U-Bahn-Netzausbau beauftragt. Deshalb planen wir die Verlängerung der U4 auf die Horner Geest und den Neubau der Linie U5.
      Für die U4 ist die Ausfädelung an der Horner Rennbahn geplant, die in Zukunft auf die Horner Geest fährt. Hier wird so ausgefädelt, dass keine Wohngebäude abgerissen werden müssen. Ja, es ist richtig, dass für den Bau der U4 Bäume gefällt werden müssen, die Oberfläche wird jedoch nach Abschluss wiederhergestellt und neu begrünt. Dazu sind wir verpflichtet.
      Seit Sommer 2016 sind wir mit unseren Planern im Stadtteil unterwegs. Bisher mit drei öffentliche Veranstaltungen, in denen ausführlich informiert wurde und auch Anregungen und Ideen von Anwohnern aufgenommen wurden. Hierzu sollten Sie als direkter Anwohner eigentlich auch eine Einladung erhalten haben. Bei diesen Terminen haben wir auch über kritische Themen, z.B. Baumfällungen diskutiert. Diese Transparenz ist uns sehr wichtig, deshalb wird es auch weiterhin Veranstaltungen vor Ort geben. Für die Zeit dazwischen gibt es hier bei uns im Haus eine Ansprechpartnerin für die Planung. Meine Kollegin Hanna Waeselmann erreichen Sie unter: 040 3288 5369 oder hanna.waeselmann@hochbahn.de. Vielleicht können Sie einmal Kontakt zu Ihr aufnehmen, damit Sie künftig sicher über die Veranstaltungen Bescheid wissen.

  5. Dann ist die Bautätigkeit schon voll in Gange. In den Medien gab es bislang nichts darüber, nur über die Absicht wurde seinerzeit berichtet. Die nächsten Tage komme ich selber einmal dorthin, um es zu sehen.
    Dann wird die Anlage im Zeitplan mit der U4-Verlängerung Ende 2018 in Betrieb gehen. Das passt dann zur Taktverdichtung, die es m.E. geben wird.
    Wenn dann Ende 2024 die Abzweigung zur Dannerallee in Betrieb geht, könnte es auch schon zeitgleich eine S4 nach Rahlstedt geben. In dem Zusammenhang gibt es gerade eine Diskussion über die Hst.Lage, um die Busse anzubinden, was nicht zuletzt der Entlastung der U1 Richtung Wandsbek-Markt dient. Für die Eröffnung der U4-Ost müsste sich im Busbereich sicherlich auch etwas ändern: z.B. die Linien durch die Manshardtstr. könnte man dann anders fahren lassen bzw. den 261 teilen, weil die Bedienung Horner Rennbahn-Dannerallee die U4 übernehmen wird.

    • Zur Betriebswerkstatt gibt es die nächste Zeit mehr Informationen. Für die U4-Verlängerung zur Horner Geest ist die Vorentwurfsplanung gerade abgeschlossen. Im weiteren Planungsverlauf wird sich auch der Busverkehr angeschaut und wie dieser während des Baus, aber auch nach der Fertigstellung aussehen wird.

  6. Wann wird es einen Architektenwettbewerb für die Gestaltung der Haltestellen Horner Rennbahn Süd (Richtung Dannerallee und Mümmelmannsberg), Stoltenstraße und Dannerallee geben und wie werden sie aussehen, wenn sie fertig und in Betrieb sind (Farb- und Materialgestaltung der Decken und Wände (siehe zum Beispiel Emailleplattenverkleidung der Wände der Haltestellen Steinfurther Allee und Schippelsweg, Überseequartier etc.), Art der Beleuchtung (zum Beispiel ähnlich Überseequartier (spiegelnde Beleuchtung, wird nach oben an die Decke angestrahlt und reflektiert), Hafen-City-Universität (farbenwechselnde Beleuchtung durch LED-Containerlampen) oder Mümmelmannsberg) und auch Kunstwerke und Malereien (siehe Schippelsweg zum Beispiel) oder Fotodrucke (siehe zum Beispiel St. Pauli mit Fussballspielmotiven an den Wänden der Bahnsteighalle)? Wann werden auch die ersten Bilder über die architektonische Gestaltung der beiden Haltestellen Stoltenstraße und Dannerallee zu sehen sein? In welcher Planungsphase wird das soweit sein?

    • Die optische Ausgestaltung kommt erst zu einem späteren Zeitpunkt. Für den Architektenwettbewerb gibt es bisher keinen Termin, der mir bekannt ist. So viel kann ich aber versprechen: bis Baubeginn passiert das 😉
      Im Ernst: sobald ich was weiß, würde ich dieses Thema auch hier auf dem Blog aufgreifen. Es ist ja schon sehr spannend, wie man letztlich zur finalen Ausgestaltung einer Haltestelle kommt und auch, durch welche örtlichen Rahmenbedingungen die Architekten da „begrenzt“ werden.

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