Hafengeburtstag: 3 Tage, 650 Zugfahrer, 4 500 Fahrten und Ich

Dieses Wochenende steht der Hafen mal wieder Kopf: schließlich ist das größte Hafenfest der Welt – zum mittlerweile 828. Mal. Eine Million Besucher werden dafür auch in diesem Jahr an den Hafenrand pilgern – Schiffe gucken, Essen, Trinken und Musik genießen. Und wer, wenn nicht wir, bringt einen Großteil der Besucher dorthin (und später auch wieder zurück)?!

Für mich dieses Mal besonders spannend, denn ich schau mir das nicht nur aus der Ferne an, sondern bin mittendrin: beim Winkerdienst.

Winkerdienst – Hilfe für unsere Zugfahrer

Diesen Hafengeburtstag sind 650 Zugfahrer auf rund 4 500 Fahrten unterwegs –mehr als an jedem normalen Wochenende. Klar, der große Besucherandrang will ja auch bewältigt werden. In dichterem Takt und mit längstmöglichen Zügen läuft der Betrieb bis spät in den Abend – und dank Nachtbetrieb am Wochenende auch die ganze Nacht durch. So fährt in Spitzenzeiten alle fünf Minuten eine U-Bahn mit bis zu 650 Fahrgästen pro Richtung an den Hafenrand. Und wo die einen aus der U-Bahn raus wollen, wollen mindestens noch mal so viele rein.

Genau hier komme ich ins Spiel – ich und meine anderen Kollegen, die „Winker“.

Denn wo Ströme von Leuten auf Bahnsteigen für Besucher höchstens ein wenig nervig sind, weil man nur langsam voran kommt, stellen sie meine KollegInnen aus dem Fahrdienst auf eine echte Nervenprobe. Volle Bahnsteige bedeuten zusätzliche Achtsamkeit – und, logisch, mehr Anspannung. Ganz praktisch ist aber vor allem die Abfertigung der Züge eine echte Herausforderung. Wann sind alle drin? Wann kann ich los fahren? Ist alles sicher? Weil das bei so vielen Fahrgästen echt schwierig werden kann, bekommen unsere Fahrerinnen und Fahren hier Unterstützung – von KollegInnen wie mir.

Wir „Winker“ helfen dann nämlich dabei, dass die Fahrerin/ der Fahrer weiß, dass sie/er nun abfahren kann. Das Ganze sieht dann so aus:

Ich lasse alle Leute aussteigen, dann neue einsteigen und gebe mit meiner grünen Kelle das Signal: meine Tür ist zu, alles ok, es kann los gehen! An jeder Tür steht ein „Winker“ – 12 sind wir heute insgesamt. Ich bin also quasi „Herrin der U-Bahn-Tür“. Unsere grünen Kellen zeigen wir einem Kollegen vom Betrieb, der in der Mitte des Bahnsteigs steht und den Zug „von Hand“ abfertigt. Heißt, die Zugfahrer warten nur auf sein Signal: er sagt ihnen, wann die Türen geschlossen werden können und los gefahren werden kann.

Wir „Winker“ arbeiten normalerweise in ganz verschiedenen Abteilungen bei der HOCHBAHN. Jeder, der will (und vom Betriebsarzt gründlich gecheckt wurde) darf sich freiwillig zum Helfen melden. Der Dienst ist so beliebt, dass sogar KollegInnen anderer Verkehrsunternehmen aus Berlin, München, Stuttgart und Wien zur Unterstützung anreisen – klar, Erfahrungsaustausch für Großveranstaltungen in ihren Heimatstädten ist das natürlich auch.

Wir „Winker“ helfen also bei der Abfertigung, sind aber auch Ansprechpartner für Information und Hilfe – leicht erkennbar an unseren grünen Westen.

Sicherheit vor Ort: Sichtblenden und Einbahnregelung

Zwei Sachen, die ich wirklich erst dieses Mal live komplett verstanden habe. Denn Sichtblenden und die sogenannte „Einbahnregelung“ bringen echt richtig was. Als Fahrgast fand ich das irgendwie immer doof. Unbequem und mein Lieblingsmotiv – Blick direkt vom Gleis auf den Hafen – war auch immer verstellt. Nach dem Winkerdienst heute verstehe ich jetzt aber, dass das den ZugfahrerInnen wirklich vieles leichter macht. So können wir nämlich ganz gut regulieren, wie viele Fahrgäste überhaupt auf den Bahnsteigen sind. Und niemand blockiert den Bahnsteig, weil er wegen der tollen Aussicht nicht weitergeht. So kommen sich an- und abfahrende Besucher auch nicht in die Quere – die einen kommen schnell aufs Fest, die anderen schnell in die Bahn nach Hause.

Und mal ehrlich, wer sich jetzt ärgert, dass er mal kurz vor der Haltestelle warten muss: Wir fahren alle paar Minuten einen Zug. Einer davon, ist ganz, ganz sicher Eurer.

 

 



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