Maskenpflicht im ÖPNV

Ansteckungsrisiko mit Corona – Wie sicher ist der ÖPNV?

Aktuell liest man täglich in den Medien von wieder steigenden Infektionszahlen. So manch eine oder einer von uns mag sich vor diesem Hintergrund vielleicht schon gefragt haben, ob es wirklich sicher ist, nach dem Ende der Herbstferien nun wieder mit Bus und Bahn zur Arbeit oder Schule zu fahren.

Aber ist der ÖPNV in Anbetracht der Corona-Pandemie denn wirklich gefährlich?

Antwort: Nein, der ÖPNV ist nicht gefährlich

Zumindest nicht gefährlicher als andere öffentliche Orte. Laut Robert-Koch-Institut ist die Gefahr, sich im ÖPNV mit COVID-19 zu infizieren, sehr gering. Um das Infektionsgeschehen und die Infektionsumstände besser verstehen zu können, hat das Institut eine Analyse der Daten zu COVID-19-Fällen und -Ausbrüchen erhoben und unter anderem geschaut, in welchem Umfeld sich die Leute anstecken. Im Vergleich zu anderen Orten, wie beispielsweise dem eigenen zu Hause, sind die wenigstens Ausbrüche auf den ÖPNV zurückzuführen.

Aber woran liegt das? Schauen wir uns das einmal an.

Oberstes Gebot: Einhaltung der Anti-Corona-Maßnahmen  

Der wesentlichste Faktor, der verhindert, dass sich die Menschen gegenseitig anstecken, ist die Einhaltung der AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmasken. Diese Zauberformel wurde mittlerweile erweitert auf CAHAL – C für Corona-Warn-App und L für Lüften.

Heißt also, wenn alle diese Regeln befolgen, verringert sich das Ansteckungsrisiko erheblich. Klar, zu Hause trägt man wohl eher weniger eine Alltagsmaske und auch der Sicherheitsabstand lässt sich hier weniger einhalten. Daher vermutlich auch das erhöhte Ansteckungsrisiko im eigenen Heim. Aber wie sieht es denn in Bus und Bahn aus?

Inwiefern ist man im ÖPNV vor einer potenziellen Ansteckung geschützt?

Verkehrsunternehmen wie die HOCHBAHN haben von Beginn der Pandemie an zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um sowohl die Fahrgäste als auch die Fahrerinnen und Fahrer vor einer potenziellen Infektion mit dem Coronavirus zu schützen. Und diese Maßnahmen spiegeln natürlich einen Großteil der CAHAL-Regeln wider.

Alltagsmasken

Seit April gilt in Bus und Bahn eine Maskenpflicht. Damit diese Maßnahme auch wirkt und sich möglichst alle daran halten (ausgenommen natürlich Leute, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können), ist das Prüf- und Sicherheitspersonal von HOCHBAHN, VHH und S-Bahn verstärkt unterwegs, um die Einhaltung zu kontrollieren. Zusätzlich wurde eine Vertragsstrafe von 40 Euro bei Verstoß gegen die Maskenpflicht eingeführt, die auch Wirkung zeigt: Aktuell halten sich 95% aller Fahrgäste in Bus und Bahn an die Sicherheitsmaßnahme. Sie ist auch die wohl wichtigste Maßnahme unter allen, denn selbst, wenn die Fahrzeuge mal voll sein sollten und der Abstand von 1,5 Meter zwischen den Fahrgästen nicht mehr eingehalten werden kann, schützt immer noch die Maske vor einer Übertragung.

Hygiene

Seit Juni sind zudem Hygiene-Teams in Bussen, Bahnen und an Haltestellen unterwegs, um die Fahrzeuge und Anlagen zusätzlich zur täglichen Reinigung im laufenden Betrieb zu desinfizieren.

Lüften

Busse und Bahnen sind quasi richtige Lüftungsmaschinen. An allen Haltestellen – und damit im Minutentakt – öffnen die Türen automatisch, sodass die Fahrgäste erstens nicht selbst den Knopf tätigen müssen und die Fahrzeuge zweitens eben auch regelmäßig durchlüftet werden. Hierfür wurden die DT4-Fahrzeuge der HOCHBAHN und einige Busse sogar extra mit einer entsprechenden Software ausgerüstet. Die Untersuchung des RKI zeigt, dass gerade schlecht belüftete Innenräume das Risiko einer Virusübertragung erhöhen. Für den ÖPNV bedeutet das also: Eine Sorge weniger.

Das hat allerdings auch seinen „Preis“: Auch in den kommenden, kälteren Monaten wird die HOCHBAHN an jeder Haltestelle „stoßlüften“. Hier geht Sicherheit vor Wohlfühltemperatur. Das heißt für die Fahrgäste: Es wird auch in den Fahrzeugen tendenziell kühler.

Aufenthaltsdauer

Neben dem Lüften kommt ein Umstand im ÖPNV hinzu, der das Risiko einer Infektion noch weiter senkt: Das regelmäßige Ein-, Aus- und Umsteigen sorgt dafür, dass man sich vergleichsweise kurz im unmittelbaren Umfeld von anderen Fahrgästen aufhält. In Büroräumen beispielsweise sitzt man oftmals über Stunden gegenüber oder neben derselben Person. Im ÖPNV ist dies meist nicht der Fall. Zumal die eigene durchschnittliche Fahrtdauer in der Regel auch verhältnismäßig kurz ist. Untersuchungen zu virushaltigen Aerosolen haben bereits gezeigt, dass diese meist erst bei längeren Kontakten übertragen werden – begünstigt dann, wenn Räume schlecht durchlüftet sind.

Trotzdem: Eigenverantwortung gefragt

Verkehrsunternehmen wie die HOCHBAHN ergreifen ihrerseits zwar bereits einige Maßnahmen zum Schutze aller. Am Ende des Tages zählt aber, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen und deshalb auch die Fahrgäste selbst Verantwortung übernehmen, wo möglich. Das gilt nicht nur für die Einhaltung der Maskenpflicht. Auch in Bezug auf die übrig gebliebenen CAHAL-Regeln – nämlich A und C – können die Fahrgäste selbst tatkräftig werden. Sei es also zum einen die Nutzung der Corona-Warn-App. Oder zum anderen die Möglichkeit, sich bereits beim Warten an Haltestellen besser über die gesamte Fläche zu verteilen. Dann sind die Fahrzeuge nicht nur an den jeweiligen Enden ausgelastet, während die Sitzplätze dazwischen – überspitzt gesagt – leer bleiben. Falls möglich, können Fahrgäste beispielsweise auch die Hauptverkehrszeiten meiden und vorzugsweise mit Bus und Bahn fahren, wenn insgesamt weniger Leute unterwegs sind. So lässt sich dann am Ende auch die Abstandsregel besser einhalten 😊

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15 Kommentare zu: Ansteckungsrisiko mit Corona – Wie sicher ist der ÖPNV?

  1. Wieso wurden nur DT4 für automatische Türen umprogrammiert? Wieso nicht auch ET 474 und 472 oder vielleicht sogar DT3 selbst wenn der selten ist?

    1. ET 474 und 472 sind Fahrzeuge der S-Bahn. Daher müssten Sie sich einmal an die Kolleg*innen dort wenden 🙂 Es gibt nur noch ein paar wenige DT3-Modelle, die als Ersatz- oder Verstärkerfahrzeuge eingesetzt werden. Und da Verstärkerfahrzeuge bei all den ausfallenden Veranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie kaum noch zum Einsatz kommen, gibt es eben nur noch in Ausnahmefällen DT3-Fahrzeuge im Einsatz. In diesem Blogbeitrag ein paar mehr Hintergründe dazu: https://dialog.hochbahn.de/u-bahn-heute-und-morgen/wieso-wir-den-dt3-verschrotten-und-trotzdem-weiterhin-im-einsatz-haben/

  2. Leider klappt es in den Bussen nicht immer mit dem Türen öffnen. Manchmal fahren die Busse auch an Haltestellen vorbei,wenn keiner aus- und einsteigen möchte. Die Bussecsind in den Stoßzditen so voll dass nicht mal ein halber Meter Platz ist. Ich kann nicht zu anderen Zeiten mit den Öffies fahren. Ich muss arbeiten gehen.

    1. Das ist richtig – Die Busse halten natürlich nicht, wenn weder Fahrgäste ein- noch aussteigen möchten. Anders bei den U-Bahnen 🙂 Klar können nicht alle Fahrgäste flexibel auf andere Zeiten ausweichen. Daher meinte ich auch „wenn möglich“. Wenn aber schon ein paar die Hauptverkehrszeit meiden, kann es sich dadurch etwas entzerren.

  3. Sicherlich alles gute Maßnahmen, leider muss ich aber die Einschätzung teilen, dass zu wenig kontrolliert wird – habe seit fast zwei Jahren in einer Bahn nur eine Kontrolle erlebt.
    Außerdem ist das Bußgeld tatsächlich zu gering bemessen, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Fahren ohne Fahrschein 50% teurer wird, obwohl es bei der Maskenpflicht um Infektionsschutz geht und nicht „nur“ um verlorene Einnahmen (ist natürlich auch nicht schön).
    Dass einige Busfahrer*innen sich noch nicht daran halten, alle Türen zu öffnen, sondern lieber nur Türen freigeben, diese Einschätzung teile ich leider auch. Werden die Mitarbeiter*innen denn auch untereinander mal auf Fehlverhalten überprüft?

    Die Tatsache, dass in den U-Bahnen alle Türen automatisch öffnen, ist anscheinend noch nicht gut übermittelt. Selbst die Hochbahn-Wache schien dies nach Wochen nicht zu wissen, und öffnete die Tür per Knopfdruck. Hier wären weitere automatische Ansagen in Bus- und U-Bahn notwendig, um die Menschen zu sensibilisieren, immerhin ist dies bei vielen Fahrgästen über die Jahre vor Corona zum Automatismus geworden, selbst zu öffnen.

    1. Seit Einführung der Vertragsstrafe wird bereits verstärkt kontrolliert. Insgesamt sind 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im HVV-Netz unterwegs.
      Was das automatische Öffnen der Türen betrifft: Die Fahrerinnen und Fahrer werden natürlich sensibilisiert. Ich kann den Hinweis aber sehr gerne nochmals weitergeben. Ansonsten können Sie sich auch gerne an feedback@hochbahn.de wenden. Beim anderen Punkt haben Sie vermutlich recht – viele Fahrgäste drücken aus Gewohnheit automatisch den Knopf. Hierfür kommunizieren wir bereits auf unseren Social Media Kanälen sowie im Fahrgastfernsehen, um die Fahrgäste auf das automatische Öffnen der Türen hinzuweisen: https://www.facebook.com/hochbahn/videos/3126960564091354/

  4. Es wäre deutlich sicherer, wenn endlich (konsequent) gegen die Maskenverweigerer vorgegangen würde. Bislang habe ich nicht eine einzige Kontrolle bei täglich zwei Fahrten von 1h pro Tag miterlebt. Dafür aber immer Personen, die ihre Maske falsch oder gar nicht tragen.

    1. Es sind bereits 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Prüf- und Sicherheitsdienstes im Einsatz, um die Maskenpflicht zu kontrollieren und bei Verstoß auch Vertragsstrafen zu verhängen. Klar ist aber auch, dass die Kolleginnen und Kollegen nicht zu jeder Zeit und an jedem Ort gleichzeitig sein können.

  5. Es ist zwar zu begüßen, dass einige Maßnahmen ergriffen wurden, aber mal im Ernst: In der kalten Jahreszeit füllen sich die Busse und Bahnen noch mehr und die Corona-Infektionszahlen steigen momentan rasant an. Hamburg ist schon Risikogebiet.
    Masken, Abstand und Belüftung sind daher sehr wichtig. Da gibt es aber einige Probleme:

    Maske: Es gibt mehr als genug Menschen, die sich nicht daran halten, Alibi-Gesichtsvisiere benutzen, die Maske nicht richtig benutzen. Ich fahre jeden Tag mit dem Bus, aber habe kein einziges Mal gesehen, dass die Masken kontrolliert wurden. Ein Bekannter hat Kontrolleure ein einziges Mal gesehen, aber da wurde einfach die Maske wieder nach unten gezogen, sobald die Kontrolleure weg waren.
    Daher bitte viel stärker Durchsagen, Poster, Kontrollen, und ja, auch sehr offensiv Bußgelder androhen.

    Lüften: Die Türen werden viel öfter als früher automatisch vom Busfahrer geöffnet, aber häufig genug auch unterlassen. Bitte daher dies den Busfahrern nochmal bekräftigen, dass bitte immer alle Türen geöffnet werden.

    Abstand: Da hoffe ich, dass jetzt schon sich die Fahrgäste aufteilen, und Hochbahn zu den Spitzenzeiten mehr Busse einsetzt (an Wochenenden ist es zur Zeit beim 5er leider recht voll). Dass einige Bus- und Bahnfahrer der Hochbahn unbedingt mitten in der Pandemie egoistischerweise streiken müssen, und die Pendler einem höheren Risiko aussetzen, brauche ich glaube ich nicht näher zu erläutern (Es gibt natürlich auch Busfahrer, die ihre berechtigten Forderungen nach der Pandemie ansprechen wollen, und bei den Streiks aus Rücksicht, wie viele andere Arbeitnehmer auch, nicht mitmachen wollten).

    1. Im gesamten HVV sind 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Prüf- und Sicherheitsdienstes unterwegs, um die Maskenpflicht zu kontrollieren und bei Verstoß auch Vertragsstrafen auszustellen (nicht nur anzudrohen). Das gilt nun übrigens auch für Gesichtsvisiere. Klar ist aber auch, dass die Kolleginnen und Kollegen nicht zu jeder Zeit und an jedem Ort gleichzeitig sein können. Daher gibt es ja seit Beginn der Pandemie auch Durchsagen sowie Aushänge an allen Haltestellen und in den Fahrzeugen sowie Infos im Fahrgastfernsehen und auf den Social Media Kanälen.
      Was das automatische Öffnen der Türen betrifft, werden die Fahrerinnen und Fahrer natürlich bereits sensibilisiert. Kleiner Hinweis: Es kann kurz dauern, bis sich die Türen von selbst öffnen, daher im Zweifel ein paar Sekunden warten und nicht übereifrig den Knopf drücken 🙂 Sollten Sie feststellen, dass die Türen wirklich gar nicht von selbst geöffnet werden, können Sie sich gerne an feedback@hochbahn.de wenden.

  6. „Hier geht Sicherheit vor Wohlfühltemperatur.“
    Mir war es bisher im Winter eigentlich immer zu warm in den Zügen.
    Da nehme ich gerne Sicherheit UND Wohlfühltemperatur.

  7. Und warum achtet ihr nicht darauf? Beim Schienenersatzverkehr dränt ihr uns wie Tiere in die Busse. Die Aufpasser mit den gelben Westen rufen weiter rein da geht noch was, kuschelt mal ein wenig. Was macht ihr mit euren Kunden?

    1. Das Thema ist mir so noch nicht bekannt. Von welchem Schienenersatzverkehr sprechen Sie denn? Ich werde den Hinweis auf jeden Fall an die zuständigen Kolleg*innen weitergeben. In solchen Fällen ist aber natürlich auch Eigenverantwortung gefragt: Sollte ein Bus zu voll sein, besteht auch die Möglichkeit, auf den Nächsten zu warten.

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