Wie geht die Hochbahn mit dem Coronavirus um?

Seit über 100 Jahren trägt die Hochbahn Tag für Tag einen wesentlichen Teil dazu bei, dass die womöglich schönste Stadt der Welt am Laufen – oder besser gesagt – am Rollen bleibt. Diese Aufgabe hat die Hochbahn auch in Zeiten des Coronavirus. Aber wieso denn eigentlich, wenn Schulen geschlossen bleiben, alle ins Homeoffice gehen und entsprechend auch weniger Fahrgäste unterwegs sind? 

Es gibt immer noch viele Leute, die ihren gewohnten Weg zur Arbeit antreten müssen, aber auch Menschen, die nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arzt oder Supermarkt kommen. Und für diese Menschen hält die Hochbahn weiterhin ihr Mobilitätsversprechen. Sie hält am Fahrplan fest und reduziert in der aktuellen Situation keine Leistungen, weil sie den Menschen auch ermöglichen möchte, in den Fahrzeugen so gut es geht Abstand zu halten. Inwieweit das in diesem Umfang auch in den kommenden Wochen darstellbar und sinnvoll ist, hängt von vielen Fakten ab und muss immer wieder neu bewertet werden. 

Wie dem auch sei: Damit Ärzte, Polizisten und Kassierer und viele andere zu ihren Arbeitsplätzen kommen, ist in jedem Fall eine Gruppe von Alltagshelden unverzichtbar: Die Fahrerinnen und Fahrer der Busse, U- und S-Bahnen in Hamburg. Da nur mit ihnen das Leistungsangebot aufrechterhalten bleiben kann, gilt es natürlich, die Fahrerinnen und Fahrer bestmöglich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. 

Der Krisenstab der Hochbahn tagt seit Montag täglich und trifft auf Basis der Lagebeurteilung Entscheidungen zum Umgang mit der Corona-Krise. Er kümmert sich um alle Fragen rund um den Schutz sowohl der Hochbahnerinnen und Hochbahner als auch der Fahrgäste, managt die Maßnahmen und steht dafür natürlich auch im Austausch mit dem Robert-Koch-Institut und den Behörden. Für die S-Bahn und die VHH gilt dies genauso.

Welche Maßnahmen sind denn schon ergriffen worden? 

Bereits seit einem sehr frühen Zeitpunkt werden die Fahrerinnen und Fahrer beispielsweise mit Desinfektionsmitteln ausgestattet, da sie seltener die Möglichkeit zum Händewaschen haben. Auch die Absperrung des Busfahrerbereichs ist eine Maßnahme zu ihrem Schutz, die seit vergangenem Sonnabend gilt.

Zum Schutz der Fahrgäste wurde parallel dazu die Vorkehrung getroffen, die Türen aller Busse und DT5-Züge automatisch zu öffnen, um das Drücken der Türknöpfe zu vermeiden. (Update: bei Gelenkbussen mit dem Baujahr 2013 oder älter ist das automatische Öffnen der Türen nicht möglich. Hier gibt es die Möglichkeit, den Knopf mithilfe des Ellbogens oder dem Ärmel zu drücken, um einen direkten Kontakt zu vermeiden.)

Hochbahn Blog Umgang mit Coronavirus
DT5-Fahrzeug: Bei diesen Zügen werden die Türen automatisch geöffnet 
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DT4-Fahrzeug: Bei diesen Modellen ist das automatische Öffnen der Türen technisch nicht möglich. Deshalb ist das Drücken der Knöpfe weiterhin erforderlich. Tipp: Nutzt den Ellbogen oder euren Ärmel, wenn ihr direkten Kontakt vermeiden wollt. 

Darüber hinaus kamen bei einigen Fahrgästen noch weitere Fragen auf, beispielsweise zum Thema Reinigung und Desinfektion. Oder auch, warum die Türen automatisch geöffnet, aber die Haltestellen nicht pauschal angefahren werden, um auch das Drücken des Haltewunsches zu vermeiden. Und wieso weiterhin Klimaanlagen in den Fahrzeugen eingesetzt werden.  

Auch um diese Fragen kümmert sich der Krisenstab natürlich. Ich stelle euch einmal den aktuellen Stand zu diesen Punkten vor.

Zum Thema Reinigung und Desinfektion 

Die Busse und Bahnen der Hochbahn werden jeden Tag gereinigt. Darüber hinaus findet alle 21 Tage eine umfassende Grundreinigung statt.  

Nach aktuellem Kenntnisstand wird das Coronavirus primär per Tröpfcheninfektion übertragen, das heißt von Mensch zu Mensch beispielsweise über das Anhusten oder Anniesen. Die Schmierinfektion spielt zwar eine denkbare, aber nachgeordnete Rolle. Fasst sich also ein Erkrankter an den Mund oder die Nase und gibt euch dann die Hand, mit der ihr euch wiederum ins Gesicht fasst, ist eine Übertragung denkbar. Das klingt erstmal, als wäre es gut, Haltestangen und Co. extra zu desinfizieren. 

Das Problem: Sobald der erste Fahrgast die Fläche mit seinen Händen berührt, ist die Fläche nicht mehr desinfiziert. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass permanent Servicekräfte in jeglichen Fahrzeugen oder auch an sämtlichen Fahrkartenautomaten stehen müssten, um die Oberflächen pausenlos zu desinfizieren. Dasselbe betrifft ja beispielsweise auch Griffe an Eingangstüren oder Einkaufskörbe in Supermärkten, die viele Menschen anfassen.  

Dementsprechend also eine wenig effiziente und schlichtweg nicht umsetzbare Maßnahme. Viel zielführender und sinnvoller ist, sich gründlich und regelmäßig die Hände zu waschen und sich am besten nicht ins Gesicht zu fassen, um das Risiko einer Ansteckung zu verringern. 

Was das Thema Knopfdruck betrifft 

Wie auch bereits im letzten Blog schon mitgeteilt, werden die Türen in Bussen und DT5-Zügen automatisch geöffnet. (Auch hier das Update: bei Bussen mit dem Baujahr 2013 oder älter ist das automatische Öffnen der Türen nicht möglich.)

Allerdings ist nicht sichergestellt, dass die Busse automatisch jede einzelne Haltestelle anfahren. An weniger genutzten Haltestellen würde dies nur unnötig Zeit und Nerven der Fahrgäste kosten – gerade bei niedrigen Fahrgastzahlen würde die Anzahl der „sinnlosen“ Haltevorgänge noch höher als gewohnt. Der Druck des Haltewunsches ist also weiterhin erforderlich.  

Wenn man hier aber auf Nummer sicher gehen möchte, kann man den Haltewunsch ja auch mithilfe des Ellbogens betätigen, oder man zieht die Jacke etwas über die Hand und vermeidet so eine direkte Berührung. Dasselbe gilt natürlich auch für Fahrkartenautomaten. Alternative hier: Der Ticketkauf per App oder über den Online-Shop.  

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In den Bussen gilt aktuell der Einstieg hinten. Wenn Fahrgäste einsteigen wollen, öffnen die Türen automatisch. Eure Haltestelle für den Ausstieg steuert ihr weiter per Stopp-Knopf an. 

Falls ihr beobachtet, dass sich die Türen in Bussen und DT5-Zügen beim Halten nicht automatisch öffnen, könnt ihr diesen Hinweis gerne an den Kundendialog der Hochbahn weitergeben. Zum Hintergrund: Die Fahrerinnen und Fahrer müssen für das zentrale Öffnen einen Knopf extra drücken, seid also bitte nachsichtig, wenn das mal durchrutscht. 

Und was ist mit Klimaanlagen? 

Nach aktuellem Kenntnisstand tragen Klimaanlagen aufgrund ihrer Filterung nicht nachweislich zur Verbreitung des Virus bei. Deshalb werden sie bei Bedarf auch weiterhin in den Fahrzeugen eingesetzt, um den Komfort für die Fahrgäste zu gewährleisten.  

Wie ihr seht, setzt sich die Hochbahn intensiv mit der Frage auseinander, wie auch die Fahrgäste bestmöglich vor einer Ansteckung geschützt werden können. Am Ende ist es allerdings wichtig, dass jeder einzelne von uns durch bestimmte Verhaltensweisen mithilft und eigenverantwortlich handelt. 

Ein Danke für unsere Alltagshelden 

Was die Fahrerinnen und Fahrer betrifft, möchte ich an dieser Stelle einmal ein dickes Dankeschön loswerden und sowohl im Namen der Hochbahnerinnen und Hochbahner als auch der Fahrgäste betonen, dass wir mächtig stolz auf sie sind! Trotz der aktuellen Ausnahmesituation machen sie weiterhin einen tollen Job und sind für uns Hamburgerinnen und Hamburger tagtäglich unterwegs. Lasst uns nicht vergessen, dass auch sie Väter und Mütter sind, die in solch einer schwierigen Situation Beruf und die Betreuung ihrer Kinder zu Hause unter einen Hut bringen müssen. Deshalb sollten wir Verständnis haben, falls es ressourcenbedingt zu Einschränkungen im Betrieb kommen sollte. Aktuell ist dies nicht der Fall. Aber auch hier wird die Hochbahn Lösungen finden, wenn es knapper werden sollte. 

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14 Kommentare zu: Wie geht die Hochbahn mit dem Coronavirus um?

  1. Schade, dass in dem aktuellen Ersatzverkehr, zwischen Ohlsdorf und Fuhlsbüttel Nord, nicht die Möglichkeit in den Ersatzbussen besteht, die empfohlenen 1.50 m Abstand zu halten.
    .
    Aktuell sind im Bua nur etwa 30-50cm möglich. Bedingt dadurch, dass die Busse nicht permanent fahren.

    Vielleicht wäre die Streichung der Baumaßnahme hier aktuell sinnvoller gewesen?

    Alternativ einfach ständig Busse fahren lassen, damit kein Stau an Fahrgästen entsteht!

    Vielleicht einfach mal drüber nachdenken, Danke

    1. Vielen Dank für Ihren Hinweis! Die Sperrung auf diesem Streckenabschnitt ist beendet, das heißt, dass seit gestern wieder die U1 zwischen Ohlsdorf und Fuhlsbüttel Nord verkehrt. Auf regulären Busstrecken, die zu den Hauptverkehrszeiten ebenso hoch ausgelastet sind, setzt die Hochbahn ab morgen verstärkt Busse ein, damit sich die Fahrgäste besser auf die Fahrzeuge aufteilen und mehr Sicherheitsabstand halten können. Dies betrifft die Linien X86, 12, 13, 29, 130 sowie 146, 230 und 153.

  2. Ich würde mich freuen, wenn alsbald eine Lösung zum Pausieren von Hochbahn-Abos geschaffen würde. Ich gehe davon aus, mindestens im April nicht mehr ins Büro zu können. Für andere Zwecke nutze ich die U-Bahn nicht. Bei 91,10 € Monatspreis für etwas, das ich gar nicht nutzen kann, könnt ihr euch sicherlich auch in Anbetracht der ungewissen Jobsituationen meine Überlegungen vorstellen, sonst das ganze Abo zu kündigen.

  3. Moin. Eine nicht ganz ernst gemeinte Bitte: Habt wieder Verspätungen, Zugausfälle größerer Art oder was auch immer. Es ist doch irgendwie beklemmend wenn einem so ein großes Aufregerthema genommen wird. Ich kann damit nicht umgehen pünktlich zu fahren.

    1. Moin. Ich glaube die aktuelle Gesamtsituation in Deutschland ist für uns alle mindestens beklemmend. Die Bitte nehmen wir dann auch nicht ganz ernst. 🙂
      Weiterhin gute Fahrt und bleiben Sie gesund.

  4. Hallo,
    eine Frage beschäftigt mich die letzten Tage immer mehr. Was ist denn mit ihren älteren Mitarbeitern, die kurz vor der Rente stehen? Die über 65 Jährige gehören zur Risikogruppe. Warum beschäftigen sie als Unternehmen zurzeit noch diese Risikogruppe? So viele werden es ja nicht sein, dass der komplette Betrieb ausfällt.

    1. Hallo,
      Für solche Fragen und Fälle stehen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gleich mehrere Ansprechpartner zur Verfügung – vom betriebsärztlichen Dienst über die Sozialberatung bis hin natürlich zur Führungskraft selbst. Dabei wird dann gemeinsam von Fall zu Fall entschieden, wie man mit der Situation umgeht.

  5. Hallo
    Ich fahre jeden Tag U Bahn und habe doch sehr stark beobachten können , das man recht alleine gelassen wird, gerade da wo nun die Bahnen sehr einsam sind und man zeitweise nur mit einen weiteren Fahrgast…oder halbstarke
    Jetzt wo kaum was los ist, wenig bis keine Fahrgäste zusammen sind..wäre doch schön wenn mehr Sicherheitspersonal zu sehen wäre…und sei es auch um GRUPPEN zu ermahnen …als Frau ist es sehr einsam gerade…

    1. Hallo,
      das kann ich gut verstehen. Unsere Kollegen sind auch unter den aktuellen Umständen immer noch im Netz unterwegs und gut verteilt, können aber natürlich nicht an allen 93 U-Bahn-Haltestellen bzw. auf allen Linien gleichzeitig anwesend sein. Im Notfall wird unser „mobiler Dienst“ informiert und zur Notfallstelle gerufen. Unsere Kollegen von der HOCHBAHN-Wache sitzen auch in der U-Bahn-Leitstelle und können per Knopfdrück über die Info-/Notrufsäule am Bahnsteig angesprochen werden. Auch der Fahrer ist über die Sprechstelle im Wagen erreichbar und kann die Kollegen aus der Leitstelle erreichen.

  6. Bus Linie 13 von Vogelhüttrndeich – Veddel und umgekehrt. Oft festgestellt das an Haltestellen die Türen nicht Automatisch geöffnet werden als hätten die Fahrer einfach keine Lust.

    Allgemeine Frage warum können Busfahrer nicht normal anfahren und bremsen besondere schlimm Linie 13. So was von Ruckartiges anfahren und bremsen das man sehr festhalten muss. einfach unnötig. Warum bremsen einige wie fahranfänger an Ampeln, als würden Ampeln sprungartig auf Rot springen. Absolut kein Verständnis. Kein Komfort an fahren. Nicht nur mir sind dadurch schon Sachen im Bus dadurch umgekippt oder gerollt

    1. All unsere Busfahrerinnen und Busfahrer sind instruiert, dass sie die Türen an jeder Haltestelle öffnen. Da hierfür ein extra Knopf getätigt werden muss, kann es eventuell mal passieren, dass diese Sonderregelung bei dem ein oder anderen durchrutscht. Bitte haben Sie Verständnis dafür. Wir haben Ihren Hinweis aber nochmals an den Betrieb weitergegeben.
      Zu Ihrer allgemeinen Frage: Grundsätzlich werden unsere Fahrerinnen und Fahrer natürlich ordnungsgemäß geschult. Sie können den Hinweis aber gerne an feedback@hochbahn.de weitergeben, die Kollegen dort werden der Sache dann nachgehen.

  7. Moin!
    Leider gibt es in dem Artikel noch einen Fehler!

    „Zum Schutz der Fahrgäste wurde parallel dazu die Vorkehrung getroffen, die Türen aller Busse und DT5-Züge automatisch zu öffnen, um das Drücken der Türknöpfe zu vermeiden.“
    Ähnlich wie bei der U-Bahn, ist es auch nicht bei allen Bussen möglich die Türen automatisch öffnen zu lassen. Die Gelenkbusse mit dem Baujahr 2013 oder älter ist dies, wie beim DT-4, technisch nicht möglich! Auch hier muss man die Türen über die Taster öffnen.

    1. Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe mich einmal bei meinen Kollegen aus dem Betrieb schlau gemacht. Sie haben recht – wir haben ca. 85 Gelenkbusse mit dem Baujahr 2013 oder älter, bei denen eine automatische Türöffnung nicht möglich ist. Wieder was dazu gelernt! Aber auch hier gibt es die Möglichkeit, den Knopf mithilfe des Ellbogens oder dem Ärmel zu drücken, um einen direkten Kontakt zu vermeiden.

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