HVV und HOCHBAHN – Wer macht eigentlich was?

Gerade liest man es in der ganzen Stadt: Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) feiert 50. Geburtstag. Damals hat die HOCHBAHN den Verbund mit gegründet, wirft also streng genommen auch einen Blick auf die eigene Vergangenheit.
Vor diesem Hintergrund bleibt eine Frage, die nicht nur ich, sondern auch viele Fahrgäste sich schon einmal gestellt haben: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen HVV und HOCHBAHN?
Wir haben es uns diesmal ganz einfach gemacht und zusammengefasst, was die wichtigsten Aufgaben vom Verbund (HVV) und Verkehrsunternehmen (HOCHBAHN) sind. Das sind bei weitem nicht alle, sondern vor allem die, zu denen uns die meisten Fragen erreichen.

Einer für alle und alle für einen3-Ebenen

Ganz einfach gesagt: der Hamburger Verkehrsverbund sorgt dafür, dass der ÖPNV (egal ob U-Bahn, S-Bahn, Regio oder Bus) in Hamburg geordnet und einheitlich gut funktioniert. Vor 50 Jahren nämlich haben die vielen verschiedenen Verkehrsunternehmen die Stadt weitgehend zusammenhangslos und voneinander unabhängig mit Verkehrsleistungen versorgt. Mit der Gründung des HVV wurde dieses Problem gelöst, denn seitdem „orchestriert“ der Verbund das Verkehrsangebot der rund 30 Verkehrsunternehmen, die er unter seinem Dach vereint. Dafür macht der HVV die Vorgaben zur Angebotsplanung bzw. Verkehrsbedienung, was im Grunde bedeutet, dass er vorgibt, wo wie viel Leistung angeboten werden soll. Damit legt er die Grundlage für das Verkehrsnetz der Stadt und fordert die dafür nötige Leistung dann von den Verkehrsunternehmen wie der HOCHBAHN ein. Vor dieser Koordination gab es beispielsweise viele Parallelverkehre, also Gebiete, die unnötig von mehreren Verkehrsmitteln angefahren wurden. Heute sind dagegen Fahrpläne von ca. 700 Linien aufeinander abgestimmt. Linien und Fahrpläne unterschiedlicher Verkehrsunternehmen werden so sinnvoll miteinander verknüpft. Den Auftrag für den Betrieb einer Linie erteilt der HVV dann z.B. an uns, die dann die U-Bahn- oder Buslinie betreiben und auch an andere Verkehrsunternehmen wie z.B. die S-Bahn. Dafür stellt die HOCHBAHN die Fahrzeuge, die Infrastruktur (also Gleise, Haltestellen etc.) und das Fahrpersonal. Der HVV hat also gar keine Fahrzeuge und Fahrerinnen und Fahrer.

Was Fahrkarten und Tarife angeht, hat sich mit der Gründung des Verbundes vieles vereinfacht.  Vorher gab es nämlich für jedes Verkehrsmittel eine eigene Fahrkarte. Seit der Einführung des Gemeinschaftstarifs 1966 kann man mit derselben Fahrkarte alle Verkehrsmittel im Verbundgebiet nutzen. Entsprechend ist es also auch der HVV der Tarifzonen festlegt, die Arten von Fahrkarten (Einzelfahrschein, Gruppentickets etc.) festlegt und die Fahrpreise erhöht. Aus der Verantwortung ziehen können sich die Verkehrsunternehmen dabei jedoch nicht, weil die Anhebung auf deren Kostensteigerung basiert. Kurz gesagt: Steigen die Kosten für HOCHBAHN, S-BAHN oder VHH, müssen auch die Preise im HVV steigen. Daraus ergibt sich auch, dass die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf erst einmal in einen Pool beim HVV wandern. Im nächsten Schritt kommt dann, dass diese Einnahmen durch den HVV an die einzelnen Verkehrsunternehmen verteilt werden. Die Einnahmenverteilung erfolgt entsprechend der erbrachten Leistung der Unternehmen.
Dafür müssen alle Unternehmen auch die Qualitätsstandards (u.a. Pünktlichkeit, Sauberkeit und Sicherheit), die der HVV festlegt umsetzen. Die Standards müssen eingehalten werden, da sonst unter Umständen sogar Strafzahlungen fällig werden. Hierfür investiert z.B. die HOCHBAHN in die Modernisierung von Haltestellen und Fahrzeugen und entwickelt diese stetig weiter.

Für alle, die bis hierhin gelesen haben und sich der Komplexität des Themas noch nicht entzogen haben, wird es jetzt zum Abschluss noch mal richtig kompliziert. Im HVV gibt es nämlich eine Besonderheit: die zentralen Verbundaufgaben.
Das sind Aufgaben, die Mitarbeiter von den Verkehrsunternehmen quasi im Auftrag des HVV für alle Verbundspartner erfüllen. Dazu zählen zum Beispiel die HVV-Hotline, die Betreuung der Großkundenabos oder die HVV-Schulberatung.
Genauso ist es übrigens auch bei der HVV-App und der online Fahrplanauskunft geofox. Den Job übernehmen nämlich Kollegen von uns, die die Fahrplanauskunft aller Verkehrsunternehmen im HVV bündeln und in das System eingeben.

Fazit: Alles was zentral geregelt werden sollte, wird zentral vom HVV geregelt. Alle anderen Aufgaben müssen die Verkehrsunternehmen selbst verantworten, die dabei auch quasi in einem Wettbewerb mit einander stehen. Also ein ausgeklügeltes System, das deshalb auch in ganz Deutschland nachgeahmt wurde.

 



5 Kommentare zu “HVV und HOCHBAHN – Wer macht eigentlich was?

  1. In der Praxis sind die Aufgaben nicht so klar getrennt, sondern sehr untereinander verklebt. Nehmen Sie mal die von Ihnen angesprochenen Verkehrsleistungen der S-Bahn und das direkt daneben klebende Idealbild der drei Ebenen. Man würde anhand Ihres Textes vermuten, dass Takte usw. vom HVV vorgegeben werden – als Teil der Angebotsplanung.

    Tatsächlich macht das aber per Verkehrsvertrag die politische Ebene. Die dafür nötige Kompetenzen sind in der Behörde angesiedelt, nicht im Steindamm. Der HVV als Regieebene kann nur in Nuancen eingreifen.

    Zusammengefasst ein wirklich sehr ausgeklügeltes System.

  2. Diese Struktur wirkt im ersten Moment toll: Ich kann mit einer Fahrkarte alle Unternehmen im Verbund nutzen. Mit der Abstimmung des Fahrplan ist es auf dem Papier auch gut. Die Praxis sieht aber oft nicht ganz so optimal aus.
    Beispiel: Ein Bus steht an der Haltestelle und ich bin in einem nachfolgenden Bus, der vor der Haltestelle an einer roten Ampel wartet. Wenn ich meinen Fahrer frage ob er den vorderen Bus zu bitten für mich als Umsteiger einige Sekunden zu warten, so klappt das innerhalb eines Unternehmens relativ gut; zu anderen Unternehmen gibt es immer wieder Probleme.
    Anderes Beispiel: Beim HVV gibt es keine Beschwerdestelle. Jedes Unternehmen hat sein eigenes Beschwerdemanagement. Ich musste schon mehrfach erleben dass ich mit dem Hinweis dass die Linie von einem anderen Partner betrieben wird und ich mich doch direkt an das entsprechende Kundencenter wenden möge abgewiesen. Ein Mailkontakt über die Webseite des HVV führte, wenn an einer Station mehrere Unternehmen halten oder Verstärker von anderen Unternehmen hinzu gebucht wurden, zu einem Hin-und-Her zwischen den einzelnen Unternehmen; immer lag die Schuld beim anderen Unternehmen.
    Weiteres Beispiel: Informationen der Leitstelle an die Fahrgäste werden nur innerhalb der jeweiligen Unternehmen weiter gegeben. Hier wäre, nach Regionen aufgeteilt, eine koordineirte Durchsage in allen Fahrzeugen unabhängig vom Verkehrsträger wünschenswert.

    Meine Zusammenfassung:
    Der HVV hat in den 50 Jahren viel erreicht. Dazu meine Gratulation.
    Dennoch bleibt für die nächsten 50 Jahre noch viel zutun; um in allen Bereichen eine Einheit zuwerden.

  3. „Alles was zentral geregelt werden sollte, wird zentral vom HVV geregelt.“

    Das stimmt leider nur bedingt, da es immer noch keine zentrale Anlaufstelle unter hvv.de gibt für kurzfristig auftretende Störungen. Gerade in den letzten beiden Jahren gab es doch 1-2 Herbststürme bspw, wo reihenweise Linien im HVV ausgefallen sind und es keine zentrale Stelle für Verspätungs-/Ausfallinfos gibt. Jedes Unternehmen meldete auch nur die eigenen Störungen und Ausfälle. Das ist jetzt immer noch so Praxis.
    Ich als Fahrgast hingegen kann doch nicht bei jedem einzelnen Verkehrsunternehmen erst nachforschen müssen ob meine Linie fährt. Wenn ich denn überhaupt weiß bei welchem Unternehmen die Linie denn überhaupt betrieben wird. Es kann doch nicht so schwer sein die betriebseigenen kurzfristigen Störungsmeldungen parallel auch an hvv.de zu melden, sodass man dort EINE(!) zentrale Anlaufstelle hat und gleich sehen kann „Aha, mein Bus M3 fällt aus, die U3 fährt auch nicht und die S-Bahn nur eingeschränkt“. Stattdessen muss ich hier sowohl VHH als auch Hochbahn als auch S-Bahn ansurfen. Kümmert euch mal bitte um solch ein Problem, der nächste Herbststurm kommt bestimmt.

  4. Sehr interessanter Beitrag, auch wenn ich mich meinen Vorrednern anschließen muss: Es geht besser. Vor allem was zentrales Auskunftssystem und das Beschwerde-Management gibt es noch viel Verbesserungspotential.

    An die Redaktion eine Frage: Sie schreiben:
    „…Dafür müssen alle Unternehmen auch die Qualitätsstandards (u.a. Pünktlichkeit, Sauberkeit und Sicherheit), die der HVV festlegt umsetzen.“
    –> Wo kann man dies genauer nachlesen und mehr dazu erfahren, wie diese Punkte eingehalten werden und wurden, wie gemessen werden, und welche Sanktionen gelten? Kontakt gerne an die hinterlegte Mailadresse. Danke!

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