U3 Innenstadt: Eine Baustellenbesichtigung in Bildern

Seit gut drei Monaten ist der U3-Streckenabschnitt zwischen den Haltestellen Hauptbahnhof Süd und Baumwall nun gesperrt. Der Grund: Hamburgs älteste U-Bahn-Linie wird umfassend saniert und instandgesetzt, damit wir auch die nächsten 100 Jahre weiterhin zuverlässig – und künftig auch barrierefrei – in die Innenstadt kommen. Was ist seither bereits passiert und wie schreiten die Bauarbeiten voran? Zeit, mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.

Rundum-Programm: von Haltestellen über Tunnelstrecke und Viadukt bis hin zum Trog wird alles frisch gemacht

Die Grafik zeigt alle Bestandteile der U3-Baustelle

Haltestelle Mönckebergstraße

Die Haltestelle Mönckebergstraße wird komplett saniert und modernisiert. Außerdem erhält sie zwei weitere Zugänge in Richtung Hauptbahnhof. Im Rahmen des barrierefreien Ausbaus werden zudem zwei Aufzüge und ein taktiles Leitsystem für sehbehinderte und blinde Menschen eingebaut sowie die Bahnsteige für einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg teilerhöht.

Tunnelstrecke zwischen Mönckebergstraße und Adolphsplatz

Der 1912 gebaute Tunnel wird zwischen der Haltestelle Mönckebergstraße und dem Adolphsplatz auf einer Länge von über 800 Metern instandgesetzt. Von außen erhält die Tunneldecke am Adolphsplatz in Bereichen der Großen Johannisstraße und an der Haltestelle Rathaus eine neue Abdichtung. Von innen werden Korrosionsschutz- und Betoninstandsetzungsarbeiten durchgeführt.  

Haltestelle Rathaus

Wie die Haltestelle Mönckebergstraße wird auch die U3-Haltestelle Rathaus barrierefrei ausgebaut sowie umfassend saniert und modernisiert. Ab Frühjahr 2022 sollen beide Haltestellen dann auch für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste komfortabel erreichbar sein.

U-Bahn-Trog am Mönkedammfleet

Die Erneuerung des U-Bahn-Trogs am Mönkedammfleet ist das Kernstück des Großprojekts und zugleich wohl auch die größte bauliche Herausforderung auf der Strecke. Nachdem nun bereits ein Dammbau errichtet und das Wasser im Mönkedammfleet abgesenkt wurde, werden nun die Trogwände und in Teilen auch die Sohle abgerissen und erneuert. Zudem werden rund 100 neue Gründungspfähle – sogenannte Mikropfähle – eingebaut, da die Holzpfähle, die den üblicherweise im Wasser liegenden Trog tragen, deutliche Erosionserscheinungen aufweisen.

Haltestelle Rödingsmarkt

An der Haltestelle Rödingsmarkt finden umfassende Instandsetzungsmaßnahmen an den Bahnsteigen, der Bahnsteighalle, den Treppenaufgängen sowie in den Schalterhallen statt. Zwischen dem Trog und der Haltestelle Rödingsmarkt werden darüber hinaus die signaltechnischen Anlagen, Schienen, Schwellen, Schotter und Stromschienen ausgetauscht.

Im Rahmen des Großprojekts werden zudem die vier Stahlviadukte Brücke Willy-Brandt-Straße, Haltestelle Rödingsmarkt, Graskeller und Mönkedammfleet sowie das Steinviadukt Mönkedammfleet instandgesetzt.

Bis uns die U3 ab März 2022 wieder frisch saniert in die Innenstadt bringt, ist noch einiges zu tun. Den Kolleginnen und Kollegen wünsche ich weiterhin viel Erfolg bei diesem Mammutprojekt!

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23 Kommentare zu: U3 Innenstadt: Eine Baustellenbesichtigung in Bildern

  1. Tolle Bilder! Werde mich demnächst mal auf den Weg machen, und alles vor Ort begutachten. Wenn man bedenkt, dass die Ziegelsteine schon vor 1912 verbaut wurden, ist das ja teilweise historischer Boden …
    Der Bauschutt wird zur Saarlandstraße gefahren – passiert das nur nachts, bei Betriebsruhe auf der U3 ?

    1. Das ist richtig – im Regelfall erfolgen die Fahrten der Arbeitszüge in den nächtlichen U-Bahn-Betriebspausen.

  2. Moin,

    Toller Fotobericht. Bitte mehr davon !!!

    Auch sehr schöne Inneneinblicke.

    Einen schönen Tag euch allen.

  3. Warum erhalten sie nicht auch eines der Schilder die freigelegt wurden? Die sehen doch noch recht gut aus. Leider hat man ja schon überall diese Schilder ersetzt.

    1. Was genau mit dem freigelegten Schild passiert, weiß ich gar nicht. Es wird jedoch auf beiden Bahnsteigen ein kleiner Wandabschnitt mit den ursprünglichen historischen Fliesen in Anlehnung an den Bestand wiederhergestellt.

  4. Toller Bericht und erstklassige Fotos.Auch ich finde die U3 als die beste Linie von Hamburg und nach über 100 Jahren im Einsatz ist eine Renovierung mehr als Korrekt
    Freu mich wieder wenn es wieder heisst nä Haltestelle Mönkebergstr.

  5. Guten Tag, im Text ist mir aufgefallen das die Stationen nur Teilerhöht werden sollen. Aus meiner Perspektive wäre doch jetzt der richtige Zeitpunkt um den gesamten Bahnsteig zu erhöhen, um wirklich langfristig ein Liniennetz anzustreben welches komplett Barrierefrei ist.
    Und einmal großes Lob für die interessanten Einblicke.

    1. Die Teilerhöhung hat mehrere Gründe. Zum einen sind die Decken auf den Bahnsteigen relativ niedrig, weshalb eine komplette Erhöhung die Haltestellen sehr eng erscheinen lassen würde. Folglich wäre auch der Durchgang unter den Zugzielanzeigern zu niedrig. Ein weiterer Grund sind die Treppen zu den Schalterhallen, die bei einer kompletten Erhöhung ebenso angepasst werden müssten.

      1. Der Aussage zur geringen Deckenhöhe, insbesondere unter den Zugzielanzeigern, kann ich nur bedingt folgen. Mein Gedanke bzw. meine Frage dazu ist: Kann man nicht die Schienenoberkannte absenken? Ich könnte mir vorstellen auf die Schotterbettung zu verzichten und ähnlich wie bei einigen ICE-Strecken eine feste Fahrbahn einbauen. Die relativ niedrigen Sockel, auf denen die Schienen montiert werden, sollten doch weniger dick sein als ein Schotterbett und Schwellen.

        Ein anderer Gedanke um Höhe zu gewinnen ist: Verzicht auf abgehängte Zugzielanzeiger, die quer zum Gleis montiert sind. Die Anzeigen könnten auch parallel zum Gleis entweder an der Wand oder zwischen den Gleisen aus Flachbildschirmen oder Projektionsflächen bestehen.

      2. Man muss ja nicht den Bahnsteig erhöhen, sondern kann auch das gleis absenken. Warum wurde das nicht gemacht?

      3. Ich nehme an, dass diese Maßnahme zu umfassend wäre, da es Auswirkungen auf die angrenzende Tunnelstrecke hätte.

      4. Ich muss mich korrigieren: Nur der Bahnsteig der U-Bahn-Haltestelle am Rathaus wird teilerhöht. Die Haltestelle Mönckebergstraße wird vollständig erhöht.

    1. Bis zum Frühjahr 2022 werden die beiden Haltestellen barrierefrei ausgebaut. Infos zur Lage der Aufzüge in der Mönckebergstraße finden sich in diesem Blogbeitrag: https://dialog.hochbahn.de/gute-fahrt/wohin-der-aufzug-an-der-u3-moenckebergstrasse-kommt/ . Auch dieser Blogbeitrag gibt einen interessanten Einblick: https://dialog.hochbahn.de/u-bahn-heute-und-morgen/u3-in-der-innenstadt-fuer-14-monate-gesperrt-muss-das-wirklich-so-lange-sein/ . Und genaue Infos zur Haltestelle Rathaus finden sich auch hier: https://www.hochbahn.de/hochbahn/hamburg/de/!ut/p/z0/04_Sj9CPykssy0xPLMnMz0vMAfIjo8zivTwsPA29nA183C0CXQ0CXfxDfUPMjIMDQ0z0vfSj8CsAmmBU5Ovsm64fVZBYkqGbmZeWrx8RnJpZkpqn4JqZnppXnJyRmAbk6RdkR0UCAHDh8os!/

  6. Ich danke Ihnen für diesen interessanten Statusbericht!
    Über die Bauarbeiten an der U3 hatte ich mich ein wenig in den letzten Blogbeiträgen informiert – so detailliert wie hier war es dort aber nicht.
    Sollte es dort etwas Neues geben, würde ich mich über einen weiteren Beitrag freuen 🙂

    Was mich interessieren würde (Vorschlag für einen Beitrag):
    Wie geht die HOCHBAHN damit um, dass sie viel weniger Fahrgäste, weniger Arbeit & weniger Einkünfte aus Fahrkartenkäufen hat? Werden deshalb intern bzw. Im Hintergrund Stellen abgebaut? Und vielleicht die Meinung von Bahn/ Bus fahrerInnen oder dessen Disponenten?

    1. Anregungen für künftige Blogbeiträge nehme ich natürlich immer gerne auf. Zu Ihrer Frage schonmal so viel:
      Die Fahrgastzahlen im HVV liegen derzeit bei etwa 45 Prozent des Vorjahres- bzw. Vor-Corona-Niveaus. Die Fahrgeldeinnahmen decken nicht die Kosten für Betrieb der Busse, Bahnen und Fähren im HVV, das war vor Corona schon so und gilt für den ÖPNV in Deutschland insgesamt.
      Trotz deutlich niedrigerer Fahrgastzahlen wurde der Betrieb – abgesehen von den Einschränkungen im Nachverkehr im Zuge der Ausgangsbeschränkung – fast in vollem Umfang aufrechterhalten. Die Mittel aus dem Rettungsschirm des Bundes haben maßgeblich zur Deckung des in diesem Zusammenhang deutlich angewachsenen Defizits beigetragen. Wir gehen davon aus, dass die noch andauernde Pandemie auch in diesem Jahr einen zusätzlichen Defizitausgleich erforderlich machen wird und der Bund entsprechende Mittel zur Verfügung stellt.

  7. Zwei Fragen hätte ich:
    Wie kritisch war denn der Zustand der Pfähle im Mönckedammfleet? (Bin vor Corona zweimal täglich auf diesem Abschnitt gefahren.)
    Warum wird das etwa 110jährige Stahlviadukt nicht generell neu ersetzt? Es müsste doch schon am Ende der Lebenszeit sein, genau wie der Viaduktbereich zwischen Baumwall und Landungsbrücken. (Ich kann mich entsinnen, dass bei der letzten Sperrung beim Neubau der Binnenhafenbrücke schon einmal Korrosionsschutzmaßnahmen durchgeführt wurden.)

    Ansonsten vielen Dank für diesen ausführlichen Fotobericht!

    1. Die genietete Rampe vom Tunnel zur Station Rödingsmarkt gilt immer noch unter Sachverständigen als herausragender Ingenieurbau und sollte erhalten bleiben solange dies technisch machbar ist.
      Allerdings gab es vor einigen Jahren eine Planung zur Verlegung der Haltestelle Rödingsmarkt in einen neu zu Bauenden Tunnel, angeblich existiert diese neue Haltestelle schon in Teilen.
      Und auch für die sich dem damals projektierten Tunnel anschließende Rampe wurde entsprechender städtebaulicher Raum freigelassen.
      Verkehrstechnisch wäre diese Streckenverlegung sicherlich sinnvoll gewesen, jedoch vom historischem Standpunkt aus betrachtet ist die heute noch bestehende Lösung befriedigender.

    2. Natürlich hat die HOCHBAHN bis zur Erneuerung des Bauwerkes Vorkehrungen für einen sicheren U-Bahn-Betrieb getroffen, z.B. die Reduzierung der Betriebsgeschwindigkeit, messtechnische Überwachungen und Sonderprüfungen, um eine Gefährdung des Betriebs auszuschließen. Und zur zweiten Frage: Die Stahlviadukte stehen unter Denkmalschutz und sollen deshalb so lange wie möglich erhalten bleiben. Es werden einzelne Tragglieder verstärkt, so dass die Viadukte nach Abschluss der Baumaßnahme noch eine Nutzungsdauer von mindestens 30 Jahren haben.

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