Wohin der Aufzug an der U3 Mönckebergstraße kommt

Vielleicht habt ihr es dieser Tage mitbekommen: Die U3-Haltestelle Mönckebergstraße wird barrierefrei ausgebaut. Mit dem Planfeststellungsbeschluss liegt jetzt die Baugenehmigung vor. Doch der Weg dahin war gar nicht so einfach. Denn insbesondere die Lage der Aufzüge war eine besondere Herausforderung.

Aber fangen wir mal bei den Fakten an.


Zwei Aufzüge, Erneuerung der Bahnsteige und ein neuer Zugang

Für den barrierefreien Ausbau der Haltestelle bauen wir zwei Aufzüge ein (je einer auf jedem Bahnsteig), erneuern und erhöhen die Bahnsteige komplett und bauen Leitsysteme für Blinde und Sehbehinderte ein. Doch nicht nur das, die gesamte Haltestelle (immerhin eine unserer ältesten) wird komplett saniert und modernisiert und bekommt einen zweiten Zugang mit Treppen Richtung Hauptbahnhof.


Besondere Herausforderung: Die geeignete Lage für die Aufzüge finden

Neben den umfangreichen Umbaumaßnahmen war besonders die Suche nach dem geeigneten und besten Standort für die Aufzüge eine große Herausforderung für unsere Planer. Denn die besondere Haltestellenlage unterhalb der Möckebergstraße und damit einer der meist frequentierten Einkaufsstraßen Hamburgs, war gar nicht so leicht.

Wichtige Kriterien bei der Auswahl der Standorte sind unter anderem:

  • die bauliche Machbarkeit (ober- und unterirdisch). Schließlich muss der Aufzug sowohl auf den Bahnsteig als auch in den oberirdisch liegenden Straßenraum passen. Wer die Mönckebergstraße kennt, der weiß, das insbesondere die Bahnsteige recht schmal sind.
  • entspricht gesetzlichen Vorschriften. Z.B. müssen bestimmte Gehwegbreiten eingehalten werden und die auf den Aufzug wartende Fahrgäste dürfen kein ”Hindernis” für die ein- und aussteigenden Fahrgäste darstellen
  • keine Angsträume vor den Aufzügen. Aufzüge müssen so gebaut werden, dass sie nicht versteckt sind, sondern gut einsehbar und komfortabel nutzbar sind.
  • stadtgestalterische Aspekte und Orientierung für Fahrgäste. Aufzüge sollen möglichst dort heraus kommen, wo eine gute Orientierung im Raum an der Oberfläche möglich ist. Zudem sollten sie sich gut ins bestehende Stadtbild einfügen.

Die Lösung: Zwei gläserne Aufzüge vor dem Levantehaus und der Barkhof-Passage

Die Lösung, die nun gebaut werden soll, umfasst zwei Aufzüge vor dem Levantehaus bzw. der Barkhof-Passage. Hier stehen die Aufzüge in dem dafür vorgesehenen „Funktionsstreifen“ der Mönckebergstraße und führen von dort direkt auf den Bahnsteig. Damit entsprechen sie auch allen Sicherheitsanforderungen und behindern weder Fußgänger noch andere Verkehrsteilnehmer.

Visualisierung des künftigen Aufzugs vor dem Levantehaus.

Bei der Gestaltung der Aufzüge wurde sehr großer Wert auf Transparenz und Leichtigkeit gelegt. So sind die Aufzugskörper komplett aus Glas. Auch die Treppenzugänge zur Haltestelle werden Brüstungen aus Glas erhalten. Damit werden sich Aufzüge und Treppenzugänge harmonisch in das Straßenbild einfügen.

Visualisierung des Aufzugs vor der Barkhof-Passage

Die Treppen des zweiten Zugangs werden vom Ende der Bahnsteige Richtung Hauptbahnhof an die Oberfläche führen. Der Einbau erhöht nicht nur die Sicherheit durch einen zusätzlichen Fluchtweg, sondern sorgt auch dafür, dass die östliche Mönckebergstraße besser erschlossen wird.


Die verworfenen Alternativvarianten

Diese Varianten für den Aufzugstandort an der U3 Mönckebergstraße wurden geprüft.

Verschiebung Aufzüge Richtung Osten (auf Höhe zusätzliche Treppe) (Variante E, lila)

  1. schlechte Einsicht in Aufzugsvorraum (Nische) bedeutet Angstraum/reduzierte soziale Kontrolle (unterirdisch)
  2. abgelehnt aus stadtgestalterischen Gründen

Verschiebung Aufzüge Richtung Westen: (Variante D, orange) 

  1. schlechte Einsicht in Aufzugsvorraum (unterirdisch)
  2. Aufzug steht an der Oberfläche weit ab vom Zugang und bietet keine Orientierung für Fahrgäste

Verschiebung vor C&A (also noch weiter westlich): (Variante C, blau)

  1. Durchgang Gehweg würde auf ein nicht zulässiges Maß verringert
  2. nicht genehmigungsfähig, da Treppen Entfluchtungsziel/Sicherheitsziel nicht mehr sicherstellen würden
  3. schlechte Einsicht in Aufzugsvorraum (unterirdisch)

Verschiebung in den Barkhof – zurückgesetzt von der Mönckebergstraße (Variante A, gelb) 

  1. schlechte Einsicht in Aufzugsvorraum (unterirdisch)
  2. Komplettabriss beider Mö-Grills und der Treppenhäuser erforderlich
  3. Leistungsfähigkeit Wegebeziehung (Querung/Zugang/Abgang Mönckebergstraße) deutlich reduziert

Verschiebung Aufzüge in den Barkhof – direkt an die Mönckebergstraße (Variante B, braun) 

  1. nicht zulässig, da direkt am Fahrbahnrand; Gefährdung Verkehrssicherheit
  2. Gefahrenquelle querende Fußgänger, die hinter dem Aufzug auf Straße treten
  3. Aufzüge liegen nicht mehr in den Funktionsbereichen, sondern mitten im Gehwegbereich und verschiedenen Wegebeziehung (schon heute ist es dort zu bestimmten Zeiten sehr voll/eng auf den Fußwegen)
  4. Bahnsteigebene: Aufzugnutzer und Fahrgäste, die in die Bahn ein- und aussteigen, würden kollidieren; gesetzlich vorgeschriebene Entflechtung von Warte- und Zugangsflächen wird nicht erreicht.

Die nächsten Schritte: So geht es weiter

Mitte September starten schon die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen. Das heißt, dass z.B. Leitungen von Strom oder Wasser so verlegt werden, um beim Bau nicht im Weg zu sein. Auch die Gastrobereiche in der Mönckebergstraße, die vom Bau betroffen sind, müssen dafür schon geräumt werden. Bevor das Weihnachtsgeschäft los geht, sollen diese ersten Arbeiten fertig sein. Die eigentlichen Bauarbeiten an der Haltestelle starten dann im Frühjahr 2020. Auch eine Streckensperrung wird unvermeidbar sein. Was das im Detail aber für unseren Betrieb und euch Fahrgäste bedeutet und welche Empfehlungen wir haben, zeige ich euch in einem späteren Beitrag.

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6 Kommentare zu: Wohin der Aufzug an der U3 Mönckebergstraße kommt

  1. Vielen Dank für die ausführlichen und interessanten Informationen was für Optionen geprüft wurde und warum die gewählte Lösung halt ausgewählt wurde.

  2. Sind diese hässlichen und unscheinbaren Glaspanele Treppenaufgänge? Wieso wird heutzutage so hässlich und steril gebaut? Ich glaube, der Mensch hat seinen Sinn für Ästhetik und Schönheit verloren.

    1. Was der eine hässlich findet, findet der nächste ganz schön. So ist das wohl immer mit der Gestaltung von Dingen. Bei der Gestaltung der Aufzüge wurde sehr großer Wert auf Transparenz und
      Leichtigkeit gelegt. So sind die Aufzugskörper komplett aus Glas. Auch die Treppenzugänge zur Haltestelle werden Brüstungen aus Glas erhalten. Damit sollen sich Aufzüge und Treppenzugänge harmonisch in das Straßenbild einfügen.

  3. Zwei Fragen:

    – Soll die Haltestelle Rathaus nicht auch barrierefrei werden?

    – Wird/Werden die Haltestelle(n) dabei für 120-Meter-Züge umgebaut? Wären ja immerhin 50% mehr Platz bei gleichem Takt möglich und politisch ist eine zukünftige Steigerung der Fahrgastzahlen ja gewünscht.

    1. Die Haltestelle Rathaus wird auch barrierefrei ausgebaut. Hierzu liegt aber meines Wissens nach noch keine Baugenehmigung und kein Timing vor. Zur zweiten Frage muss ich mich erst schlau machen. Ich weiß, dass die Optionen mit geprüft werden, aber eben nicht immer umsetzbar sind. Melde mich schnellstmöglich mit einer Antwort.

  4. Und an die sich bietende einmalige Gelegenheit, diese (und alle weiteren noch umzubauenden) Haltestellen der U3 auf 120m-Vollzug-Bahnsteiglänge zu erweitern, hat wohl niemand gedacht? Mit den neuen Treppenaufgängen am Ostende wird sich diese, vielleicht in naher Zukunft notwendige, Perspektive jedoch verbaut.

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