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Busfahrer Benny: Warum ich manchmal keinen 50-Euro-Schein annehme

Moin liebe Blog-Leser, mein Name ist Benny und ich bin Busfahrer bei der HOCHBAHN. Seit etwa zwei Jahren fahre ich vor allem die Buslinien in der Innenstadt. Am liebsten fahre ich den 5er Bus – der hat von allem etwas – große Busse, eine relativ lange Strecke und viele Fahrgäste. Langweilig wird es hier nie.

Und klar gibt es in meinem Job auch viele Aufregerthemen, die ich von Fahrgästen höre oder selbst erlebe. Deshalb hat mich Pia eingeladen, diese Geschichten für euch im Blog zu erzählen und ich freue mich sehr, genau das ab sofort regelmäßig hier zu machen. 

Das erste Thema, das echtes Frustpotenzial für Fahrgäste aber auch für mich in sich birgt und für mich manchmal zu einem der stressigsten Punkte an meinem Job wird: Das Wechselgeld im Bus.


Die Sache mit dem Wechselgeld: Entweder du hast es nicht klein oder ich

An sich ist die Sache ja recht einfach. Du kannst dir bei mir im Bus eine Fahrkarte kaufen. Die meisten kaufen Einzelfahrscheine, maximal noch Tageskarten. Selten kauft mal jemand eine Gruppenkarte, die mehr als 10€ kostet. Heißt: Die Beträge, die gezahlt werden müssen, sind also immer relativ klein. Und ein Großteil meiner Fahrgäste bezahlt sie genau so: mit Kleingeld. Viele sogar passend, sodass ich gar nichts wechseln muss.

Jeden Tag steigen aber auch Fahrgäste ein, die mit einem Schein bezahlen wollen. Bei 5€ ist das halb so schlimm, auf einen 10er kann ich meist auch noch raus geben, aber bei 20€ oder sogar 50€ wird’s meistens eng. Denn oft habe ich ganz einfach gar nicht genug Wechselgeld dabei. Das hat aber auch Gründe.

Zu Beginn meiner Fahrt starte ich mit rund 40€ Wechselgeld. Immer. Mehr ist es nicht. Mit viel mehr Geld sollen und wollen wir aber auch einfach nicht durch die Stadt fahren. Und auf irgendeinen Betrag muss man sich am Ende ja einigen. Und eine Wechselstube bin ich ja nun auch nicht ;-).

Mein Wechselgeld habe ich als Kleingeld, also in Münzen. Scheine kriegst du von mir nur in Ausnahmefällen, wenn ich schon welche von anderen Fahrgästen bekommen habe.



Ich habe also vor allem dann ein echtes Problem, wenn du mein erster Fahrgast bist, der mit 50€ seine Fahrkarte für 3,30€ bezahlen will. Denn ich habe schlichtweg noch gar nicht genug Geld, um es dir zurück zu geben.

Und selbst wenn ich dir den 50er wechseln kann: Du bist mit deinem Wechselgeld vielleicht zufrieden, ich habe danach aber kein Kleingeld mehr für alle anderen und das Problem beginnt von Neuem oder verschärft sich sogar auf die kleineren Scheine oder schlimmstenfalls sogar auf das Münzgeld.

Fun Fact am Rande: Laut Beförderungsbedingungen (§7, Abschnitt 1) bin ich sogar nur verpflichtet, bis zu 5€ zu wechseln. Es wäre also rein theoretisch mein gutes Recht, alles darüber kategorisch abzulehnen.

Aber so funktioniert die Welt natürlich nicht. Also löse ich diese Momente anders.


Die Lösung(en): Geld wechseln lassen, Wechselgeldquittung oder Smartphone

Wenn jemand mit großem Schein bezahlt und ich nicht wechseln kann, dann bitte ich andere Fahrgäste um Hilfe. Das klappt meistens gut, aber eben nicht immer.
Laut der Beförderungsbedingungen müsste ich den Schein dann einbehalten und eine Wechselgeldquittung ausgeben. Dann musst du dir als Fahrgast das Wechselgeld in einer Servicestelle abholen. So richtig toll ist das aber weder für mich noch für dich, denn wer will seine frisch abgehobenen 50€ direkt wieder abgeben? In solchen Momenten kann ich die Diskussionen total nachvollziehen und vor allem kostet sie uns alle eins: Zeit. Diese Verspätung verärgert dann auch wiederum alle anderen Fahrgäste.

Dann entscheide ich mich manchmal auch dafür, Fahrgäste dann einfach so ohne Fahrkarte mitfahren zu lassen. Das wird uns auch schon in der Fahrschule beigebracht, dem Kunden mit dem Service entgegen zu kommen. Kinder lasse ich grundsätzlich nie irgendwo stehen. Und viele meiner Fahrgäste fahren mit mir ja ohnehin bis zu einer Schnellbahnhaltestelle und können sich dann dort ihre Fahrkarte am Automaten kaufen. Sie kaufen sie also so oder so.

Aber natürlich macht auch ein bisschen der Ton die Musik. Veräppeln lasse ich mich nicht. Denn ja, es gibt auch Menschen, die den 50€-Schein bewusst wählen, um dann mit meiner Erlaubnis schwarz zu fahren. Das erkennst du als Busfahrer aber irgendwann. Hier bin ich dann auch mal rigoros und nutze die Wechselgeldquittung oder bitte den Fahrgast wieder auszusteigen und das Geld z.B. beim Kiosk zu wechseln. Da ernte ich auch schon mal verärgerte Blicke oder werde beleidigt, aber in dem Moment ist mir das egal.

Ich versuche auch immer einen Tipp zu geben: Nutzt die HVV-App und kauft euch die Fahrkarten dort. Ich habe schon erlebt, dass Fahrgäste, die das bisher nicht kannten, das direkt gemacht haben und um diese Möglichkeit sehr dankbar waren. Dann finde ich, ist uns beiden doch geholfen.

Ich bin aber auch gespannt, wie sich z.B. Systeme wie das PVS oder CIBO in Zukunft machen werden. Denn Kassieren ist heute eine der Hauptursachen für Verspätungen (neben dem Offensichtlichen wie Falschparker und Stau). Das wird es dann in Zukunft immer weniger oder irgendwann mal gar nicht mehr geben.

Meine Botschaft an euch: Wir Busfahrer wollen euch nichts Böses, wenn wir euren 50€-Schein nicht annehmen und in der Regel versuchen wir alles, um die Situation so zu lösen, dass sie für uns alle zufrieden stellend ist. Ich bin der Meinung: Mit ein bisschen mehr gegenseitigem Verständnis schaffen wir das. Jeden Tag ein bisschen mehr.


Über den Autor:

HOCHBAHN Busfahrer Benny

Benny ist seit zwei Jahren Busfahrer bei der HOCHBAHN. Fahren liegt ihm im Blut. Das macht er eigentlich immer schon – Auto, Motorrad. Hauptsache, es hat mindestens zwei Räder und fährt. Das Busfahren hat in seiner Familie Tradition: Schon der Opa war Busfahrer und hat ihm davon erzählt. Heute ist Benny für die HOCHBAHN vor allem in der City und im Westen Hamburgs unterwegs. Sein Motto: Je größer der Bus, desto besser. Doch auch die Straße an sich und der Kontakt zu den Menschen gefällt ihm an seinem Job. Ab sofort lest ihr hier im Blog regelmäßig Geschichten aus seinem Alltag und könnt ihm Fragen stellen, die euch schon immer interessiert haben.

 

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3 Kommentare zu: Busfahrer Benny: Warum ich manchmal keinen 50-Euro-Schein annehme

  1. Hey Benny,

    toller Einblick in deinen Alltag!
    Mich würde auch interessieren, wie Dich die Vorgaben zur Pünklichkeit im Stadtverkehr beeinflussen. Manche Busfahrer wirken auf mich besonders gehetzt, insbesondere wenn man merkt, dass sie besonders schnell anfahren wollen oder den Bremszeitpunkt in die Bushaltestelle sehr spät wählen, sodass es mich als Fahrgast fast umwirft.
    Wie gehst Du mir innerer Unruhe im Straßenverkehr um und wie leicht fällt es Dir, Deinen Fahrstil in angepannten Situationen Deinen Fahrgästen gegenüber anzupassen?
    Glaubst du, dass Dir ein Online-Feedback-System zu Deinen Fahrten, dass Deine Gäste während oder nach der Fahrt in Ihr Smartphone schmettern können, im Alltag helfen würde?
    Und in wie weit hilft Dir Dein Fahrgerät, Dein aktuelles Fahren vorausschauend zu gestalten? Gibt es Assistenssysteme wie in den neuen PKWs?

    freue mich auf eine Fahrt mit Dir!
    Gruß
    Reiner

    1. Hallo Reiner, danke für dein Feedback.
      Ich versuche mal, auf deine Fragen einzugehen. Über das Thema Pünktlichkeit könnte man vermutlich einen eigenen Blog-Beitrag schreiben 😛
      Zum Punkt „innere Unruhe“: Jeder Fahrer hat im Straßenverkehr seine Achillessehne. Ich persönlich rege mich über sinnfreie und riskante Überholmanöver auf.
      Also habe ich versucht genau diese Fahrzeuge/Fahrer-Typen frühzeitig zu erkennen. Wenn sie mich dann überholen, überraschen sie mich nicht mehr und ich kann die Situation zu entschärfen. In der Regel bedeutet dies Abbremsen oder bremsbereit sein. Ich fühle mich dann positiv bestätigt, die Situation richtig eingeschätzt zu haben und es entsteht erst gar keine innere Unruhe.
      Zum „Bewertungssystem“:
      Ich glaube ein solches System wäre für die Fahrt nicht hilfreich. Es gibt zu viele Faktoren, auf die wir keinen Einfluss haben, die aber unseren Fahrstil negativ beeinflussen. Jeder Bus bremst sich anderes und ältere Getriebe lassen den Bus z.B. auch schaukeln. Der Straßenverkehr in den Hauptzeiten (6-9 Uhr und 16-18 Uhr) macht pünktlich sein für uns schwer. Dazu kommen Falschparker, die Haltestellen blockieren, sodass wir nicht richtig heran fahren und Fahrgäste nicht bequem ein-und aussteigen können. Das ärgert auch mich, kann ich aber wenig beeinflussen.
      Zu den „Assistenzsystemen“: Vorrausschauendes Fahren kommt (wie auch beim Pkw) m.E.n. nur durch Erfahrung. Auf der Linie 5 haben wir unsere Busspuren, die ein wahrer Segen sind. Wir fahren an den meisten Ampeln per Sondersignal. Die meisten anderen Ampeln werden von uns jedoch beeinflusst. Dies erkennt man an dem weißen „A“ an der Ampeln. Fahrsysteme wie City-Notbremssysteme oder Spurhalteassistenten haben wir nicht an Board dafür aber mehrere Kameras.

      1. Hallo, Benny,

        im Westen von Hamburg, wo Du meistens unterwegs bist, mag es ja gut laufen mit der Busbeschleunigung. Ich wohne jedoch „am anderen Ende“, und da sieht es schon anders aus: Keine der Metrobus-Linien ab Wandsbek Markt ist busbeschleunigt, Fahrkartenautomaten und FIMS-Anzeiger sind Seltenheit, ebenso die Anmeldeampeln. Und soviel ich weiß, wird sich da auch nichts ändern, da Wandsbek mit Ausnahme der Linie 7 nicht für die Busbeschleunigung vorgesehen ist.
        In der HVZ stehen Linien wie die 9 im Stau und zu anderen Tageszeiten oder am Wochenende sind sie so langsam unterwegs (mit „Abbummeln“ an den Haltestellen), dass sie keine Alternative zum MIV sind. Mit dem Auto ist man leider in der Hälfte der Zeit am Ziel.

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