Das 9-Euro-Ticket für drei Monate – und dann?!

Seit Juni können Menschen den Nah- und Regionalverkehr bis einschließlich August für neun Euro pro Monat nutzen. Seither sind die Fahrgastzahlen im hvv zeitweise wieder bei knapp 100 Prozent des Vor-Corona-Niveaus angelangt. Heißt also: Die Nachfrage ist groß. Für viele stellt sich nun die Frage:

Wie geht es nach den drei Monaten weiter?

Ganz ehrlich: Wir wissen es (noch) nicht.

Was wir aber wissen, ist, dass die Mobilitätswende alternativlos ist – also der Umstieg vom privaten PKW auf umweltfreundliche Mobilitätsangebote wie den ÖPNV. Wir sehen nun, dass ein Angebot wie das 9-Euro-Ticket zu solch einer Wende positiv beitragen kann. Denn die hohen Fahrgastzahlen seit Einführung des 9-Euro-Tickets sind bestimmt nicht nur auf zusätzliche Fahrten von ÖPNV-Nutzer*innen zurückzuführen, sondern auch auf Menschen, die bislang mit dem Auto unterwegs waren. Eine kürzlich veröffentlichte Sonderauswertung von Mobilfunkdaten des Statistischen Bundesamts unterstützt diese These: Die Bahnnutzung steigt bei einer gleichzeitigen Abnahme des Autoverkehrs. Und auch die Ergebnisse der bundesweiten Marktforschung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ziehen vergleichbare Schlüsse. Spannend bleibt, was die Befragung des hvv im Rahmen des 9-Euro-Tickets ergibt. Die Ergebnisse dazu werden im August vorgestellt.

Trotz des 9-Euro-Ticket gibt es aber nach wie vor Menschen, die den ÖPNV auch weiterhin nicht nutzen wollen. Das liegt häufig daran, dass neben dem Preis noch ein weiteres Argument entscheidend ist: das Leistungsangebot. Unmittelbares Feedback aus der Social Media Community zeigt, dass beispielsweise zu volle Fahrzeuge oder zu geringe Taktungen für viele immer noch gegen den ÖPNV sprechen.

Facebook-Kommentar 9-Euro-Ticket 1
Facebook-Kommentar 9-Euro-Ticket 2
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Wichtig ist der Ausbau

Um Leute also auch langfristig zum Umstieg zu bewegen, muss das Angebot ausgebaut werden. Und genau das passiert gerade. Verkehrsunternehmen wie die HOCHBAHN investieren massiv. In den U-Bahn-Netzausbau, in die Erweiterung der Busflotte, den Bau neuer Busbetriebshöfe und die Umstellung auf E-Mobilität sowie in den Personalausbau.

Um eine spürbare Mobilitätswende einzuleiten, also nachhaltig mehr Menschen vom ÖPNV-Angebot zu überzeugen, wird bereits viel getan. Klar ist aber, dass das finanziert werden muss. Das passiert durch Steuermittel ebenso wie durch Ticketverkäufe. Die Frage nach dem Verhältnis dabei ist nicht neu. Fakt ist: Umsonst kann es den ÖPNV nicht geben. Wird durch Preissenkungen bei Tickets weniger eingenommen, sind entsprechend mehr Ausgleichsbeträge für die Verkehrsunternehmen gefragt. Die Fortführung des 9-Euro-Tickets würde den Bund beispielsweise jährlich rund 10 Milliarden Euro kosten. Welche Finanzierungsmodelle künftig umsetzbar sind, ist letztendlich eine politische Frage.

Wie bewertet die HOCHBAHN das 9-Euro-Ticket?

Unabhängig davon, wie es künftig weitergeht, ist aber klar, dass das 9-Euro-Ticket in der aktuellen Situation (steigende Energiepreise als Folge des Krieges in der Ukraine) gut ist. Und zwar deshalb, weil die Fahrgäste direkt und unbürokratisch finanziell entlastet werden. Als Teil des vom Bund eingeführten Entlastungspakets hält das 9-Euro-Ticket also, was es verspricht.

Neben dem finanziellen Aspekt hat das 9-Euro-Ticket aber noch zwei weitere wesentliche Vorteile:

  • Es bietet einen einheitlichen Preis für alle und ist damit maximal simpel
  • Es ist bundesweit gültig und macht auch hier eines richtig: Keep it simple

Auch diese beiden Punkte sind entscheidende Gründe, weshalb so viele Menschen das 9-Euro-Ticket nutzen. Bezüglich der Frage, wie es künftig weitergeht, sollte sich also nicht nur mit dem Preis beschäftigt werden, sondern auch mit Möglichkeiten für einfache und bundesweit einheitliche oder sogar gültige Angebote. Politiker*innen wie Bundesverkehrsminister Volker Wissing oder Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann haben den Ball bereits aufgenommen (Beispielartikel des Spiegel). Klar ist also: Das 9-Euro-Ticket liefert bereits jetzt spannende Erkenntnisse, die für die Zukunft genutzt werden können. Aktuell ist es ein Realexperiment, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Was daraus letztendlich abgeleitet wird und wie es weitergeht, werden wir sehen 😊


Auch interessant: Sommer, 9-Euro-Ticket und Sperrung – wie passt das zusammen?

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16 Kommentare zu: Das 9-Euro-Ticket für drei Monate – und dann?!

  1. Mit oder ohne ohne Zuschuss vom Bund, der HVV sollte auf jeden Fall die Preise der Monatskarten stark reduzieren. Keine 9€, aber auch nicht zurück zum teuersten ÖPNV deutschlandweit. Viele Leute nutzen ein günstiges Gebrauchtauto, was schneller und entspannter ist, und zusätzlich auch noch günstiger als ein Aboticket. Wenn der Preis zumindest niedriger ist, dann wird ein Teil der Leute umschwenken.
    Allerdings sollte man die Studien des 9€-Tickets mit Vorsicht genießen, denn viele Leute nutzen den ÖPNV zur Zeit gerade nicht für ihren Weg zur Arbeit, weil diese durch Freizeitfahrer übervoll sind. Dauerhaft günstige (aber nicht billige) Regionaltickets werden dann nicht mehr fast nur von Freizeitfahrern genutzt.

  2. Hallo Frau Steinat,
    hallo HVV-Entscheider,

    Was bedeutet die hier getätigte Aussage:

    „Neben dem finanziellen Aspekt hat das 9-Euro-Ticket aber noch zwei weitere wesentliche Vorteile: …simple“

    vor dem Hintergrund der ganzen
    – Waben,
    – Zonen,
    – Kurz-, Nah- und Standard-Bereiche,
    die aktuell der HVV-Tarif hat?

    Mit der Bitte um eine ernst gemeinte Antwort. Danke.

    1. Richtig. Beim 9-Euro-Ticket muss man sich keine Gedanken über ein kompliziertes Tarifsystem machen, sondern hat ein Ticket für einen Preis und das bundesweit

  3. Nach welchen Kriterien wird denn entscheiden, welcher Kommentar freigeschaltet wird und welcher nicht?
    Verstieß mein Kommentar gegen die Nettiquette oder sonstige Richtlinien?

    1. Entschuldigen Sie bitte, Ihr Kommentar ist nun natürlich veröffentlicht. Hat in diesem Fall nur etwas länger gedauert.

  4. Alternativlos ist es nicht. Vielleicht sollte man die erste Klasse wieder einführen, denn gerade auf der U2- ost und auf die andere seite der Elbe fühlt man sich wie im Babylon. Es ist dort sehr anstrengend Bahn (und Bus) zu fahren. Ich bin jederzeit bereit einen höheren Fahrpreis zu zahlen um ein angenehmeres Klientel um mich herum zu haben. Gerne auch die Wiedereinführung des Schnellbusses. U2 bis etwa Jungfernstieg ist ertragbar, ab dort jedoch verändert sich das Publikum drastisch. Ich wäre bereit das doppelte zu zahlen.

    1. Hallo Ludger, liebe Hochbahn,
      wir wissen alle wie dieser Kommentar gemeint ist und ich würde mich sehr freuen, wenn solche abwertende Meinungen über Menschen und Stadtteile im Osten und Süden in unserer Stadt und auf dieser Seite keinen Platz haben.
      Die Forderung nach der Einführung der 1. Klasse ist eine Meinung, das abschätzige Nasenrümpen über 100.000 von Menschen darf hier nicht seit 2 Wochen unkommentiert bleiben.

      1. Hallo Herr Streck,
        vielen Dank für diesen sehr wichtigen Hinweis. Tatsächlich ist der Kommentar durchgerutscht, ohne dass wir Stellung bezogen haben, was nicht der eigentlichen Haltung der Hochbahn entspricht. Diskriminierung hat bei der Hochbahn absolut keinen Platz. Wir stehen für Offenheit, Vielfalt und Toleranz und daher sind die Busse und Bahnen der Hochbahn für alle Hamburgerinnen und Hamburger in der Stadt unterwegs.

  5. Man sollte das 9-Euro-Ticket beibehalten und über eine Cannabissteuer querfinanzieren. Viele wären zur Zahlung einer derartigen Steuer bereit.

  6. Das 9€ Ticket hat offenbar vor allem mehr zusätzlichen Freizeitverkehr erzeugt, jeder motorisierte Mehrverkehr schadet aber dem Klima, Verkehrsvermeidung wäre besser. Im Juli sind die Verkaufszahlen offenbar deutlich zurückgegangen. Wie viele wurden von überfüllten Fahrzeugen und zahlreichen Fahrtausfällen dauerhaft abgeschreckt? Im normalen Berufs- und Tagesverkehrsbedarf waren die Veränderungen offenbar deutlich geringer und eher Mitnahmeeffekte. Warum zu Fuß laufen oder radfahren, wenn das vorhandene Ticket den Bus kostenlos macht. Für Autofahrer, die bereit sind, dafür meist über 200€ im Monat auszugeben, ist es weitgehend egal, ob der ÖPNV 100 oder 200€ billiger ist, wo doch gerade der Spritpreis wieder kräftig gesunken ist.
    Denen müsste man eher einen ordentlichen Sitzplatz, direkte Verbindungen oder zumindest zuverlässige Anschlüsse ohne lange Wartezeit garantieren. Ja, auch das oft sozial schwache ÖPNV-Publikum, dank 9€ deutlich angewachsen, verfehlt seine abschreckende Wirkung wohl nicht. Folge: Weitere soziale Spaltung der Gesellschaft.

    Eine bundesweite ÖPNV-Flatrate würde Zugangshemmisse beseitigen und schließlich ist es egal, ob ich 100 km ÖPNV durch 10x 5km Pendeln an einem Ort, 100 km Einmalfahrt oder 10 Fahren an 10 verschiedenen Orten „verbrauche“, die bisherigen Preisunterschiede dafür sind aber immens. Im Auto brauche ich auch nicht für jedes Bundesland einen anderen Führerschein und muss mein in Hamburg getanktes Benzin in Bayern entsorgen lassen um es durch bayerisches Benzin zu ersetzen. Man könnte damit auch viele Zonen-, Waben-, Zahlgrenzen-, Ringe- und Tarifgebiets-Tüftler bis hin zu Anwälten, Gerichten und Strafanstalten mit weit sinnvolleren Tätigkeiten beschäftigen, als ÖPNV-Nutzer zu piesacken.

  7. „Trotz des 9-Euro-Ticket gibt es aber nach wie vor Menschen, die den ÖPNV auch weiterhin nicht nutzen wollen.“

    Laut VDV sind 31 Mio. Tickets verkauft. Inklusive Abos. Inklusive Besucher aus dem Ausland. Deutschland hat 83,1 Mio. Einwohner. Ich würde sagen: Das 9-Euro-Ticket zeigt, dass die Mehrheit selbst für einen Symbolpreis nicht ÖPNV nutzen will. Sonst hättet ihr nicht 31 Mio. Tickets verkauft, sondern mindestens 60 Mio.

    Das Problem ist euer Angebot.
    Warum haben Gemeinden wie Wakendorf II, 1.500 Einwohner, 10 km hinter der Stadtgrenze, am Wochenende gar kein Angebot? Der letzte Bus fährt Sonnabend Vormittag. Man kommt danach einfach nicht mehr hin. Kein Bus, keine Bahn, kein Moia, kein Sammeltaxi. Unter der Woche fährt der letzte Bus übrigens um 19 Uhr, davor alle zwei Stunden einer.

    Das ist das HVV-Angebot im Jahr 2022. Weiß man seit Jahren. Es wurde nichts geändert.

    Wo was fährt, ist es gerade oft hoffnungslos voll. Metronom zum Beispiel. Mit Stehplätzen und Zugbegleitern, die gar nicht mehr durchkommen, mit Fahrradwagen, in denen man generell wochenlang keine Fahrräder mitnehmen darf.

    Sowas kommt nicht aus heiterem Himmel. Kriegt der HVV nicht in den Griff.

    Die Baustellen der Bahn sind dann das nächste Dauerthema. Wie lang bastelt die S-Bahn schon an ihren Tunnelbahnhöfen? Es gibt Plakate, da wurde schon sechsmal das Fertigstellungsdatum geändert. Selbst die DB-Leute sind kaum stolz auf ihre Performance. Was kommt aus der Hammerbrookstraße? Immer nur Durchhalteparolen, das Problem besteht ja schon seit Jahren. Am überfüllten Hauptbahnhof steht seit Wochen die neue Treppe zu Gleis 5/6 scheinbar fertig, aber mit Sperrschild. Arbeiter habe ich noch nicht gesehen. Wie lang sind diese Zugänge jetzt schon geplant? Wenn die Bahn in dem Tempo weitermacht, könnt ihr die Mobilitätswende vergessen

  8. Ich bin einer von denen, die nach etwas 5 Jahren des Auto-Pendelns wieder mal die „Öffis“ ausprobieren wollte (davor 4 Jahre HVV gependelt). Aber die Erfahrungen waren nicht wirklich einladend.
    * Jeder 2. Metronom fährt zu spät ab oder kommt zu spät an (ja ich weiß, ist nicht Hochbahn).
    * Gerade gestern, die Metronome, zwischen 6 Uhr und 7:30 Uhr sind zwei von 3 RB41 komplett ausgefallen. Ergo, wer es nicht mitbekommen hat Pech gehabt und die die es mitbekommen haben haben sich auf die verbliebenen RB41 aufgeteilt, sprich es war voller als voll
    * Zur Hauptverkehrszeit ists einfach grundsätzlich vieel zu voll. Mehr Züge oder längere Züge sind schlicht alternativlos, sonst ist keine Kapazitätssteigerung mehr möglich
    * FFP-2 Maskenpflicht? Macht ja teilweise nicht mal das Bahn/Zugpersonal. Ist ja klar, da kann man die Mitreisenden schlecht zum Tragen einer FFP2-Maske auffordern, wenn man selbst nur eine medizinische Maske trägt. Ist mir unverständlich, wieso es hier keine verbindliche Arbeitsanweisung gibt und diese mit aller Macht durchgesetzt wird. Klingt für mich nach durchsetzungsschwachen Vorgesetzten

    Aber es gibt auch einen positiven Punkt, der mir sehr gefallen hat:
    * Die zusätzlichen Treppenaufstiege am HBF entzerren das Gewühle zur Rush-Hour erheblich. Das habe ich von früher viel schlimmer in Erinnerung

    Es bleibt noch sehr viel zu tun, um auch konsequente Autofahrer (zu denen ich noch nicht mal gehöre) in den HVV zu holen. Das Glas ist leider noch nicht einmal halb voll.

    1. Ich fahre seit 10 Jahren mit dem Metronom und kann Ihnen garantieren, dass das völlig normal ist. Es wundert mich, dass 2018, als man einen neuen Anbieter hätte finden können (Vertrag mit dem Metronom lief aus), wieder den Metronom auf die Schiene ließ.

  9. „Wir sehen nun, dass ein Angebot wie das 9-Euro-Ticket zu solch einer Wende positiv beitragen kann.“

    Die Planer haben also nicht damit gerechnet, dass ein 9-Euro-Ticket zu mehr Fahrgästen führen würde. 🤣

    Nun verstehe ich endlich, warum zum Beispiel bei der U5 kein bahnsteiggleicher Umstieg am Dammtor, überhaupt kein Umstieg am Rübenkamp und keine Querverbindung zwischen Lattenkamp und Siemersplatz eingeplant wurden, stattdessen aber das Hamburger Kleinprofil mit besonders geringer Fahrgastkapazität Anwendung finden soll, und warum jede neue Linie wieder über Hbf. führt. Das alles muss einfach an dieser überlegenen Weitsicht der Planer liegen.

  10. Im vorher gesendeten Kommentar habe ich leider Ihren Namen falsch geschrieben. Ich bitte Sie daher um Entschuldigung. Deshalb habe den Kommentar erneut mit Ihrem richtigen Namen geschrieben. Bitte Veröffentlichen Sie nur den Kommentar mit dem richtigen Namen und ohne diesen oberen Bereich.Wenn das nicht geht, bitte keine Veröffentlichung des Kommentars.

    Sehr geehrte Frau Steinat,
    Zum 9,- € Ticket habe ich folgende Meinung.
    Es muss nicht unbedingt 9,- Euro kosten, vielleicht auch etwas mehr. Entscheidend ist für mich, dass meine HVV- Abokarte bundesweit im Regionalverkehr nutzbar ist! Hierzu habe ich bereits vor einem 3/4 Jahr einen Kommentar geschrieben, der von Ihnen an die zuständige Stelle weiter gegeben worden ist (laut ihrer Antwort) Leider habe ich dazu nie mehr etwas gehört, geschweige denn eine Antwort erhalten.

    Allerdings gehört auch dazu, dass bei einer bundesweiten Nutzung solcher Karten, die Busse und Bahnen so pünktlich sind, dass die benötigten Anschlüsse erreicht werden!
    Meine Erfahrung: Von Neuschönningstedt nach Pellworm 7 Stunden! ( Deutsche Bundesbahn hatte auf der Marschenbahn soviel Verspätung, dass weder in Heide noch in Husum die Anschlüsse erreicht wurden. Daher die Fähre nicht erreicht und somit 2 Stunden zusätzliche Wartezeit, mehrere andere auch, sowohl in Heide als auch in Husum.
    Generell jedoch wird die Attraktivität erhöht und kann dazu beitragen, dass mehr Leute die ÖPNVS nutzen werden, sofern die Pünktlichkeiten eingehalten werden.

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