Neubau des ZOB Harburg – muss das sein?

Am Montag (3.6.) geht es los, nach 40 Jahren Betriebsdauer wird der ZOB Harburg – der Verkehrsknotenpunkt im Hamburger Süden – abgerissen, um einem Neubau zu weichen. Ein echtes Mammutprojekt, das auch Fahrgäste vor eine Herausforderung stellt: Für zwei Jahre wird der ZOB Harburg für den Busbetrieb gesperrt, alle 25 Buslinien umgeleitet und etwa 40.000 Menschen, die hier aktuell täglich ein-, aus- oder umsteigen, müssen sich auf geänderte Fahrpläne und neue Wege einstellen. Da fragt man sich als Fahrgast zu Recht: Neubau des ZOB Harburg – muss das sein? 

Nadelöhr im Hamburger Süden

Die Antwort: Ja, es muss. Am ZOB Harburg sind täglich 40.000 Fahrgäste unterwegs, in Spitzenzeiten kommen hier stündlich 150 Busse an oder fahren ab. Damit platzt der Busbahnhof schon heute aus allen Nähten. Das ist vor allem deshalb problematisch, weil die Hochbahn noch große Pläne für den Busbetrieb im Hamburger Süden hat: Mit dem Hamburg-Takt soll jede Hamburgerin und jeder Hamburger von morgens bis abends innerhalb von fünf Minuten ein öffentliches Mobilitätsangebot erreichen können. Der private Pkw soll damit für die meisten Menschen überflüssig werden, im Süden genauso wie im Norden der Elbe. Und damit das klappt, brauchen wir – ihr ahnt es – ein größeres Busangebot und damit einen größeren ZOB Harburg.

Anders gesagt: Ohne den neuen ZOB Harburg würde der Hamburger Süden in Sachen Mobilitätswende auf lange Sicht abgehängt – und das können wir nun wirklich nicht in Kauf nehmen, oder? 

Der Zentrale Omnibusbahnhof in Harburg in der Seitenansicht.
Der ZOB Harburg bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Knotenpunkt im Hamburger Süden.

Was ist hier eigentlich geplant? 

Ziel ist also, die Kapazitäten des ZOB Harburg massiv auszuweiten, insgesamt um 73 %. Das bisherige Dach mit Bestandsgebäude aus den 80er Jahren wird dafür komplett abgerissen und durch einen Neubau mit längeren Abfahrbereichen ersetzt. An ihnen werden ab Sommer 2026 all die Busse halten, die hier ihre End- oder Zielhaltestelle haben. Die am stärksten nachgefragten Linien werden in Zukunft allerdings an einer neuen Verkehrsinsel inmitten der Hannoverschen Straße halten, wo dann die durchlaufenden Linien aus Sinstorf und Rönneburg im dichten Takt halten. So müssen diese nicht erst in den ZOB einfahren und die Fahrt kann schneller weitergehen!

Ein gemeinsames Dach verbindet schließlich beide Bereiche und fügt sie so zum neuen ZOB Harburg zusammen. Natürlich – wie ihr es vielleicht schon von anderen Hochbahn-Projekten kennt – mit klima- und insektenfreundlicher Dachbepflanzung sowie Solaranlagen (die im Übrigen ausreichen, um den gesamten Energiebedarf der Busanlage zu decken! 😎 ). Ein neuer Aufzug und taktile Leitsysteme für sehbehinderte Menschen sorgen außerdem dafür, dass alle Fahrgäste möglichst ohne Hürden am Busverkehr der Zukunft teilhaben können.

Die Visualisierung aus der Vogelperspektive zeigt das begrünte Dach des neuen ZOB Harburg.

Aber sollte das Alles nicht schon früher losgehen? 

Tatsächlich war der Start der Abbrucharbeiten ursprünglich früher angesetzt, wurde schließlich aber auf Juni 2024 verschoben. Hintergrund ist, dass der neue ZOB Harburg kein Projekt “auf der grünen Wiese” ist, sondern sich in einem Umfeld aus anderen, teils ebenfalls sehr alten Bestandsbauten eingliedert. Und das wurde bei der Busplatte – also das befahrbare Dach des unter dem ZOB liegenden Parkhauses – zur Herausforderung: Nachdem über den Architektur-Entwurf des neuen ZOBs entschieden war, wurde bei den vertiefenden Planungen festgestellt, dass diese Busplatte sanierungsbedürftig ist. Keine gute Grundlage also, um darauf den neuen Busbahnhof zu errichten! Es folgten Gespräche mit dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG), der die Busplatte unterhält, und der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM). Außerdem wurden neue Berechnungen zur Statik angestellt usw. Alles mit dem Ziel, dass die Sanierung der Busplatte parallel zu den ZOB Harburg-Arbeiten laufen kann, damit eine zweite Sperrung zu einem späteren Zeitpunkt verhindert wird. Ein kleines Mammutprojekt vor dem Mammutprojekt also, das natürlich zusätzliche Zeit in Anspruch nahm!

Wie es jetzt für Fahrgäste weitergeht

Die Planer*innen haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit Fahrgäste auch während der zweijährigen Sperrung zuverlässig von A nach B kommen (Anmerkung vom 7.6.2024: Ob das wirklich funktioniert, hat sich Florian hier angeschaut!). Das Wichtigste, was ihr euch für die Zeit merken solltet: Neuer Umsteigepunkt zwischen allen Buslinien und der S-Bahn ist ab Montag (3.6.) die S-Bahn-Haltestelle Harburg Rathaus – und zwar konstant über alle Bauphasen bis Sommer 2026 hinweg. Einzige Ausnahme ist die Buslinie 153, die nicht an der S Harburg Rathaus hält, sondern direkt bis zur Haltestelle Wilhelmsburg durchfährt. Für Details zu eurer Verbindung checkt am besten die hvv-App, hvv.de oder schaut euch die Projektseite an.

 

Übrigens: Der ZOB Harburg ist nur eins von vielen Projekten, mit denen die Hochbahn den Verkehr im Hamburger Süden ordentlich auf Vordermann bringt. Was hier in Sachen Mobilitätswende alles passiert – von Schiene über Sharing bis zum Busverkehr – nehme ich hier für euch unter die Lupe: Hamburger Süden abgehängt? Wie steht es um die Mobilitätswende südlich der Elbe?


Außerdem interessant:

 

Von der City Nord bis nach Bramfeld – wie weit der U5-Bau fortgeschritten ist

Grüner geht immer: Warum Haltestellen und Dächer auf einmal blühen

Kommentieren

12 Kommentare zu: Neubau des ZOB Harburg – muss das sein?

  1. Hallo
    Interpretiere ich das richtig, dass der normale Autoverkehr Richtung Westen später unter der Überdachung, zwischen der Insel und dem eigentlichen ZOB, hindurch muss?

  2. Moin Moin

    Warum hält der 145er Bus Harburg Rathaus Hoehlertwiete? Ich muss jetzt den ganzen Harburger Ring hochgehen um zum 142er Bus zu kommen. Das ist für mich als stark gehbehinderter schwer. Ich brauche geschätzte 15min um zum anderen Bus zu kommen. Kann man das nicht ändern? Am jetzt gesperrten ZOB Harburg war der Weg viel kürzer. Vom Ankunftsbereich zum anderen Bus brauche ich nur einmal den ZOB durchqueren.
    Da wurde wohl nicht an behinderte Menschen gedacht.
    S Bahn Heimfeld ist auch keine Option, weil der Fahrstuhl oft außer Betrieb ist.

    Kann man den 145er nicht auf dem Harburger Ring halten lassen?

    1. Moin! Das habe ich mir einmal vom Projekt-Team erklären lassen: Natürlich wurden bei all ihren Überlegungen auch immer im Blick behalten, wo welche Linie während der Sperrung des ZOB idealerweise abfahren sollte und sie so geplant, dass für das Gros keine langen Umsteigewege entstehen. Leider lässt sich bei so einer großen Maßnahme aber nicht jede Umsteigebeziehung immer auf kurzem Wege erreichen. Bei der Linie 145 kommt als Herausforderung dazu, dass sie bei S Harburg Rathaus endet und deshalb einen Pausenplatz im direkten Umfeld benötigt – und diese Plätze sind im Harburger Ring zum einen nur begrenzt vorhanden und zum anderen aufgrund der vielen umgeleiteten Linien stark ausgelastet. Daher die Entscheidung für die Haltestelle Schloßmühlendamm, wo ausreichend Pausenplätze eingerichtet werden konnten.

      Und ein Tipp zur S Heimfeld: Im hvv Aufzugsplan kannst du immer live sehen, ob ein Aufzug funktioniert. Ich habe das mal kurz gemacht – aktuell gibt’s hier keine Probleme!

      1. Moin Frau Westphal,
        Danke für ihre Antwort. Man könnte es doch so machen, das sich die Linie 145 im Harburger Ring eine Lücke sucht, die Fahrgäste dort aussteigen lässt, und der dann leere Bus zum Pausenplatz fährt. Dann hat man als gehbehinderter keine langen Wege zu anderen Bussen. Wäre schön, wenn das ginge.

        Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

      2. Ich habe das einmal als Feedback an die Kolleg*innen weitergegeben. Und ebenso einen schönen Tag!

    1. Desolat ist ein starkes Wort 😉 Aber schreib mir doch gerne, was dich am Hochbahn-Angebot so stört, dann schauen wir in der Redaktion, ob wir dem in einem separaten Beitrag nachgehen können. Dafür ist unser Blog ja da!

  3. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die Mobilitätswende im Süden – besonders in den späteren Abendstunden – nicht an der Hamburger Landesgrenze aufhört. Auch der Landkreis Harburg sollte einbezogen werden.

  4. Warum dauert so ein Projekt zwei Jahre? Kosten dafür will man vermutlich auch gar nicht wissen.

    Also falls der Bauträger nicht feststeht, ich mach euch das mit meinen Jungs in 6 Monaten… Einfach melden 😉

    1. Ach Mensch, hättest du dich doch bloß eher gemeldet… 😉
      Aber im Ernst: Was von außen vielleicht so leicht aussieht, ist einfach ein echtes Mammutprojekt. Wir werden hier sicher noch weitere Einblicke geben, bei denen das noch deutlicher wird!

  5. Wie komme ich jetzt 🤗zum Haupteingang Bahnhof mit dem Bus von einer Haltestelle in der Bremerstrasse ❓wenn ich mit Reisegepäck in den Urlaub fahren will❓‼️

    1. Moin! Auch die neuen Verbindungen sind so gestaltet, dass sie möglichst barrierearm sind und sich Gepäck gut transportieren lässt. Schau für deine Verbindung am besten einmal in die hvv-App oder auf hvv.de .
      In dem Sinne: Schönen Urlaub schonmal 🌞

Schreibe einen Kommentar