Titelbild U4 Elbbrücken

U4 Elbbrücken: Wer soll da denn überhaupt hin fahren?

Die einen lieben sie, die anderen kritisieren sie als Prestige-Projekt: Die HafenCity. Auf 157 ha entsteht seit Beginn der 2000er Jahre ein komplett neuer Stadtteil zwischen Speicherstadt und Elbe. Tausende Wohnungen wurden und werden gebaut, hunderte Unternehmen sind schon heute vor Ort, Bürogebäude und Hotels, Grundschulen und Kitas entstehen.

Damit ist die HafenCity Europas größtes innerstädtisches Stadtentwicklungsprojekt. Und mittendrin haben wir eine U-Bahn-Linie mit drei Haltestellen gebaut (Ok, erst im Dezember ist die letzte Haltestelle fertig, aber das zählt trotzdem).

Und obwohl so heute bereits über 3.000 Wohnungen fertig, über 730 Unternehmen vor Ort ansässig (und damit Arbeitsplätze bieten), Hotels und die Uni entstanden sind, werden immer wieder Stimmen laut, dass mit der U4 doch niemand fahren würde –weder heute noch in ein paar Jahren.

Aber ist das wirklich so? Ich gehe für euch auf Spurensuche.


Wer heute schon die U4 nutzt

Seit 2012 bzw. 2013 fährt die U4 vom Jungfernstieg bis zum Überseequartier und zur HafenCity Universität. Heute steigen am Überseequartier täglich rund 9.000 Menschen ein und aus. An der HafenCity Universität sind es mit rund 5.000 etwas weniger.

Die Haltestellen werden also von einer bunten Mischung aus Anwohnern, Studenten und denen, die hier arbeiten genutzt – Tendenz steigend. Denn nach wie vor wird rund um die Haltestellen gebaut. Mit dem Quartier Baakenhafen z.B. ist auch ein Ausflugsziel entstanden, das zusätzlich Besucher und Touristen anlockt – die dann mitunter auch mal U4 fahren ;-). Und auch weiter östlich Richtung Elbbrücken beginnen nach und nach die Bauarbeiten.


Wer künftig die U4 nutzen soll

Rund um die Haltestelle Elbbrücken ist heute zugegebenermaßen noch wenig bis gar nicht bebaut. Aber genau das ist ja eigentlich das Gute: auch hier haben wir die Infrastruktur gebaut, bevor an der Oberfläche etwas im Weg sein konnte. Klar, dass die Fahrgastzahlen so zu Beginn vielleicht noch geringer ausfallen werden, aber mit zunehmender Bebauung ansteigen werden.

Vor allem aber wird hier mit der S-Bahn-Haltestelle Elbbrücken, die im nächsten Jahr fertig werden soll, ein wichtiger Knotenpunkt entstehen. Denn künftig könnt ihr hier zwischen U- und S-Bahn umsteigen, es entsteht also eine neue Verbindung zwischen dem Hamburger Süden und der Innenstadt. Wer den Hauptbahnhof vermeiden will, hat hier eine gute Möglichkeit dazu.

Wenn das Gebiet um die Haltestelle bebaut ist, rechnen wir allein für die U-Bahn mit einer Fahrgastzahl von 18.000 Fahrgästen, die die Haltestelle Elbbrücken jeden Tag nutzen werden und von dort ihren Weg in die HafenCity, Innenstadt oder in den Süden Hamburgs antreten. Also eine ganz schöne Menge Menschen.


Wie es sogar noch weiter gehen kann

Und es geht immer weiter. Gegenüber den Elbbrücken ist der neue Stadtteil Grasbrook in Planung, in dem über 3.000 Wohnungen, bis zu 16.000 Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten und Bildungseinrichtungen entstehen sollen. Und auch hier macht natürlich die Überlegung Sinn, die Infrastruktur zu schaffen, bevor an der Oberfläche gebaut wird. Das ist zwar alles nicht spruchreif, allerdings waren die Kollegen beim Bau der U4-Haltestelle Elbbrücken schon so weitsichtig, dass sie die Haltestelle so gebaut haben, dass eine Weiterführung über die Elbe technisch „recht einfach“ möglich wäre. Und auch in den Planungen für die Bebauung des Grasbrook wird die Trasse für die U-Bahn freigehalten.


Grasbrook Planungen


U4 Elbbrücken: Schaut sie euch selbst an

Das Beste zum Schluss: Natürlich werden auch viele Schaulustige einfach mal so zum Gucken an die Haltestelle kommen. Ab dem frühen Freitag-Morgen am 7.12. könnt ihr (und alle anderen Hamburger auch) dann endlich mit der U4 bis zu den Elbbrücken fahren und euch die neue Haltestelle live anschauen.

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19 Kommentare zu: U4 Elbbrücken: Wer soll da denn überhaupt hin fahren?

  1. Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung 🙂 Die Kollegen können sich ja gerne mal die Einwohnerzahlen bzw. das Einzugsgebiet ansehen. Ist sehr Attraktiv. Auch weil diverse Bauvorhaben realisiert wurden bzw. noch realisiert werden. Mein Vorschlag: Die Linie 111 verlängern bis S-Tiefstack mit Zwischenhalt U-Elbbrücken. Ein Warte bzw. Wendebereich am neuen U-Bahnhof entfällt. Ist ja bereits S-Tiefstack vorhanden. Aus der 111 kann dann ja schon fast eine Metrobuslinie entstehen.

  2. Sie zitieren da ja gerne irgendwelche Twitter-Kommentare. Prüfen sie eigentlich ob das echte Menschen sind? Und ob das Hamburger sind, oder zumindest Leute die sich für den Hamburger Nahverkehr interessieren, und nicht z.B. russiche Trolls?

    Zum Thema, es ist absolut richtig die U-Bahn zuerst zu bauen. Zum ersten ist es billiger in unbebautem Gebiet zu bauen. Und das Kosten-Risiko viel, viel geringer. Und dann ist es auch so dass Verkehrsmittelwahl auch an der Gewohnheit liegt. Und wenn die U-Bahn zuerst da ist werden sich viele Leute die da wohnen und arbeiten werden von Anfang an ans U-Bahn fahren gewöhnen, und nicht erst ans Autofahren gewöhnen.

    1. Ihren zweiten Punkt kann ich unterstreichen. Zu den Tweets: Natürlich achte ich darauf, dass das Leute sind, die wir aus unserem täglichen Dialog auf Twitter auch kennen. Wenngleich das natürlich nie zu 100% ausgeschlossen werden kann, dass sich dahinter ein Bot o.ä. verbirgt. Das ist wohl das Risiko des Internets 😉 An dieser Stelle sollen die Tweets ja sinnbildlich für den Vorwurf stehen, der uns z.B. auch auf Facebook oder in der Presse erreicht.

  3. Es wäre schön wenn die U4 nach Wilhelmsburg- Harburg verlängert werden würde, ist das vielleicht in Planung? Weil viele mit der S-Bahn sehr unzufrieden sind.

    1. Das kann ich total verstehen. Im Senatskonzept ist eine Verlängerung nach Harburg oder Wilhelmsburg aber nicht vorgesehen. Sollte sich das ändern, können wir mit der Planung beginnen. Baulich ist die Verlängerung an der U4-Haltestelle Elbbrücken mitgedacht.

  4. Am besten finde ich die Busanbindung der Haltestelle. Ein Bus je Tag (Montag bis Freitag). Zum Glück fährt der Bus auch noch vor 5 Uhr morgens. Optimale Planung.

  5. Falsch ist jedoch schon die Bezeichnung des Stadtteils. Grasbrook war und ist der Bereich nördlich der Elbe inkl. Hafen City, weshalb auch die Queen Mary klassischerweise am Anleger Grasbrook fest macht.

    Der neue Stadtteil liegt auf dem Kleinen Grasbrook, der dem (großen) Grasbrook gegenüber liegt, auch der Stadtteil wird offiziell als Kleiner Grasbrook bezeichnet.

      1. Ich selbst bin Anwohnerin auf der Veddel direkt auf der anderen Seite der Elbbrücken am Passierzettel .
        Ich finde es interessant dass dieser Stadtteil in der Beantwortung der Frage, wer zukünftig mit der U4 fahren wird, überhaupt nicht berücksichtigt wurde. Vielleicht hat daran einfach wirklich noch nie jemand gedacht, dass wir auch gerne mal in die Stadt fahren würden gerade wo die S3 seit Jahren chronisch überlastet ist -beziehungsweise fast jedes Wochenende Schienersatzverkehr ist. In der Stadtetwicklung ist eben klar für wen hier Infrastruktur gebaut wird. Der teuerste Stadtteil (der übrigens teilprivatisiert ist- es gibt sogar eine Hafencity Kuratorin !!) prallt sozusagen hier nicht nur geographisch an einen der sozial Benachteiligtsten …

      2. Da haben Sie natürlich Recht. Auch von der Veddel werden Fahrgäste unterwegs sein. Sie beweisen damit ja auch ganz gut, dass eine Haltestelle selbst dann sinnig ist, wenn sie vielleicht nicht direkt fußläufig erreichbar ist. Spannend wird für Sie dann sicherlich aber auch noch die neue S-Bahn-Haltestelle, die im nächsten Jahr fertig wird. Hier kann dann direkt in die U4 umgestiegen werden. Im Beitrag selbst ging es uns dieses Mal aber vorrangig um den Vorwurf, dass doch in der HafenCity niemand leben und arbeiten würde, der die U4 nutzt.

  6. Die potentiellen Ziele an den Elbbrücken im nächsten Jahr sind sehr überschaubar. Niemand wohnt da, außer ein paar Bauarbeitern arbeitet niemand da, Anschlüsse gibt es auch keine – bis auf den einen Bus um 4.50 Uhr früh.

    Ihr fahrt aber von 4.30 Uhr bis nach Mitternacht alle 10 Minuten mit einem 108 Tonnen schweren Zug dort rauf. Grob überschlagen verbraucht ihr für den Betrieb der Leerfahrten HCU-Elbbrücken und der Haltestelle Elbbrücken jeden Tag mehr Strom als ein normaler Hamburger Haushalt im ganzen Jahr. Die meisten Fahrten werden mit nur einem Menchen im Zug stattfinden – eurem Fahrer.

    Ist das nicht etwas klimaschädlich, so viele tausend Kilowattstunden Strom nutzlos zu verbraten?

    1. Ach was, das ist doch bestimmt grüner Strom, oder gelber, oder blauer, aber ganz bestimmt nachhaltig und ökologisch wertvoll.

    2. Verständlicher Punkt, den Sie da ansprechen. Aus betrieblicher Sicht würden wir aber ohnehin lang kehren müssen (also hinter der HafenCity Universität umdrehen). Das heißt auch, dass die Gesamtstrecke nicht zusätzlich ist. Klar, der (noch) fehlende Übergang zur S-Bahn ist nicht optimal, kommt aber im nächsten Jahr.
      Nach langer Abwägung haben sich die Kollegen doch für den Betrieb entschieden, da Nichtfahren sonst auch Auswirkungen auf die Strecke hat.

      1. Wurde nicht extra hinter Hafencity Universität eine Kehranlage zur Langwende gebaut? Der Stromverbrauch für den Betrieb zu den Elbbrücken liegt überschlagen bei etwa 1.000 Kilowattstunden pro Tag. Die Fertigstellung der S-Bahn ist längst nicht absehbar, Häuser für Wohnungen oder Arbeitsplätze wird es ebenso noch Monate nicht geben. Der Stromverbrauch bedeutet eine Emission von einer halben Tonne CO2 pro Tag. Auch wenn ihr Ökostrom nutzt – der Ökostrom für die Zugfahrten wäre sonst bei anderen Verbrauchern gelandet und hätte dort konventionellen Strom ersetzt. Ist es betrieblich nötig, auch um 22 Uhr am Sonntag Abend alle 10 Minuten leer ins Nirgendwo zu fahren?

      2. Ja, hinter der Haltestelle HafenCity Universität haben wir eine Kehr- und Abstellanlage. Diese ist vor allem schon für die Zukunft angelegt, da es zunehmend Veranstaltungen in der HafenCity geben wird, für die wir dann bei Bedarf zusätzliche Züge aus der Anlage holen können. Die Züge, die dort heute fahren, fahren wir ja sowieso, warum also nicht auch eine Station weiter, anstatt an der Haltestelle 10 Minuten auf die Rückfahrt zu warten. Dazu wird übrigens auch die Bremsenergie der Züge zum Anfahren im gleichen Abschnitt genutzt. Und wir sind sicher: Es werden Menschen mit dieser U-Bahn fahren.

      3. „Die Züge, die dort heute fahren, fahren wir ja sowieso, warum also nicht auch eine Station weiter, anstatt an der Haltestelle 10 Minuten auf die Rückfahrt zu warten. “

        1. Weil der Fahrstrom nicht aus der Steckdose kommt und ihr erhebliche Mengen CO2 damit verursacht, die bei einem Leerbetrieb total ineffizient sind 😉
        2. In den Randzeiten wartet der Zug keine 10 Minuten in Hafencity Universität, sondern nur 4 Minuten. In dieser Zeit wird deshalb für Elbbrücken ein zusätzlicher Umlauf mit zusätzlichem Fahrer und Zug fällig. Laut Fahrplan verzichtet ihr vorerst auf den Wochenend-Nachtverkehr zu den Elbbrücken – hat das einen anderen Grund als diesen Umstand?

        „Dazu wird übrigens auch die Bremsenergie der Züge zum Anfahren im gleichen Abschnitt genutzt.“

        Stimmt – wenn es einen anderen Zug im gleichen Abschnitt gäbe.

        Laut Fahrplan ist während des Abbremsens bei pünktlichem Betrieb (Minuten 6-7) aber kein anderer Zug auf der U4-Reststrecke. Der Gegenzug fährt während der Gefällefahrt gerade in BT ab. Das ist aber ein anderes Unterwerk. Mithin stimmt Dein Einwand in der Theorie, in der Praxis kann die Bremsenergie des nach Hafencity Universität herabfahrenden Zuges nur genutzt werden, wenn das Unterwerk die Energie speichern oder in die vorgelagerte Netzebene rückspeisen kann. Das ist aber meines Wissens am UW für diesen Abschnitt (leider) nicht gegeben. Zu diesen Ansätzen könnte man übrigens auch mal einen Blogpost machen. Ihr hattet ja aus ähnlichen Gründen einen Schwungradspeicher in den UW Ochsenzoll und Fuhlsbüttel eingebaut.

        „Es werden Menschen mit dieser U-Bahn fahren.“

        Kein Zweifel, aber es werden die ersten Wochen meist sehr wenige sein und viele Züge leer fahren.

  7. Eine Erhöhung der Fahrgastzahlen kurz- bis Mittelfristig kann erzielt werden, wenn es eine direkte Busanbindung nach Rothenburgsort (Billhorner Röhrendamm – Billhorner Mühlenweg bis zum S-Tiefstack), also bis zum Zentrum (Auch Rothenburgsorter Marktplatz) geben würde. Viele Rothenburgsorter wünschen sich das. Eine Entlastung der Linie 3 (direkt zum HBF) würde meines Erachtens auch eintreten. Ist so etwas in Planung? Vielleicht können Sie das ja an die Kollegen der HVV (Streckenplanung) weiterleiten. Der U-Bahnhof Elbbrücken ist ansich schon sehr schick.

    1. An dem Thema sind wir gemeinsam mit dem HVV dran! Voraussetzung für eine sinnvolle Anbindung an den Busverkehr ist eine entsprechende Infrastruktur im Umfeld. Bisher fehlt es vor Ort nicht nur an Straßen, auch fertiggestellte Gebäude sind noch nicht vorhanden. Wir erwarten aber, dass sich das baldmöglichst ändert und man dann entsprechend z.B. auch bestehende Linien verlängern kann. Ihre Idee gebe ich an die Kollegen weiter.

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