Wieder Warnstreik – 24 Stunden kein Bus und Bahn

Keine erfreuliche Nachricht für uns Fahrgäste: Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat für morgen (Donnerstag, 15. Oktober) zu einem weiteren Warnstreik bei der HOCHBAHN und VHH aufgerufen – diesmal für 24 Stunden. Bedeutet im Klartext: Wahrscheinlich fahren den ganzen Tag und die darauffolgende Nacht keine Busse und keine U-Bahn.

Warum wird die HOCHBAHN bestreikt? 

Wie im Rahmen des letzten Warnstreiks berichtet, geht es um bundesweite Auseinandersetzungen zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und den kommunalen Arbeitgeberverbänden, da ver.di bundesweit einheitliche Arbeitsbedingungen für öffentliche Verkehrsunternehmen fordert. Davon ist die HOCHBAHN zunächst eigentlich nicht betroffen, da sie einen eigenen Haustarif hat und bei Verhandlungen über die sogenannten Tarifverträge für den kommunalen Nahverkehr gar kein Mitspracherecht besitzt. Diese sind Sache der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände und werden auf Landesebene vereinbart. 

Neben den bundeseinheitlichen Forderungen stellt ver.di aber auch Forderungen an die HOCHBAHN. Hier gab es einen ersten Termin, die zweite Verhandlungsrunde ist für den 29. Oktober vereinbart.

Sind denn alle Busse und Bahnen betroffen? 

Noch ist es nicht zu 100 % sicher. Aber es ist davon auszugehen, dass in diesem Fall alle Busse der HOCHBAHN und VHH sowie die U-Bahnen betroffen sind. S-Bahnen sowie der Fern- und Regionalverkehr fahren wie gewohnt.

Update: Der Ersatzverkehr für die S3/S31 zwischen Hammerbrook und Wilhelmsburg soll planmäßig fahren.

Warum sind S-Bahnen nicht betroffen? 

Die Forderungen von ver.di beziehen sich auf den kommunalen Nahverkehr. Da die S-Bahn Hamburg ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG ist und damit keine Tarifverträge für den kommunalen Nahverkehr führt, sind die S-Bahn-Züge nicht vom Warnstreik betroffen. Gleiches gilt natürlich für den Regional- und Fernverkehr. 

Warum sind die Auswirkungen nicht bekannt? 

Aktuell ist nicht genau absehbar, wie viele Fahrerinnen und Fahrer am Warnstreik teilnehmen und wie viele von ihnen ganz normal zum Dienst antreten werden. Aufgrund der Corona-Pandemie will die HOCHBAHN unter allen Umständen vermeiden, lediglich einzelne Fahrzeuge verkehren zu lassen, um einer Überfüllung von Bussen und Bahnen vorzubeugen. Daher sollten wir Fahrgäste eher davon ausgehen, dass es vermutlich kein oder nur ein sehr rudimentäres Angebot geben wird. 

Wie soll ich dann zur Arbeit kommen?

S-Bahnen sowie Regional- und Fernverkehr verkehren den gesamten Tag über und sind nicht vom Warnstreik betroffen. Fahrgäste, die üblicherweise mit Bussen und U-Bahnen unterwegs sind, sollten allerdings auf alternative Verkehrsmittel umsteigen. Für die Sportlichen und Bewegungsfreundlichen unter uns hilft vielleicht das Rad, um von A nach B zu kommen. Wer ansonsten die Möglichkeit hat: Eventuell bietet sich für Donnerstag eher ein Homeoffice-Tag an. 

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16 Kommentare zu: Wieder Warnstreik – 24 Stunden kein Bus und Bahn

  1. Grundsätzlich finde ich, dass jeder das Recht hat zu Streiken – so funktioniert die Demokratie und das ist gut und richtig.

    Allerdings frage ich mich, ob es wirklich jetzt sein muss? Wir befinden uns in einer sehr brenzligen Situation, die Corona Zahlen steigen jeden Tag weiter an. Ein Streik des Nahverkehrs trägt, wie bereits erwähnt, dazu bei dass die S-Bahnen hoffnungslos überfüllt sind.

    Außerem ist zu bedenken, dass nicht jeder in Hamburg die S-Bahn bequem vor der Haustür hat – die Menschen am Stadtrand sind auf die Busse angewiesen um vernünftig zur Arbeit zu kommen, wenn man keine Alternative hat muss man also morgens zu Fuß laufen, gern auch 30-60 Minuten.
    Gäbe es wenigstens einen Ersatzverkehr der nur unregelmäßig fährt (meinetwegen alle 30-60 Minuten) hätte man sich darauf einstellen können und hätte wenigstens eine Alternative gehabt.
    Und nein, nicht jeder kann einfach so einen Homeoffice Tag einlegen oder einen Urlaubstag nutzen.
    Ich bin heute mit dem Auto vom Stadtrand in die Innenstadt gefahren – klasse für die Umwelt, ich war sicher nicht die einzige die auf diese „grandiose“ Idee gekommen ist.

    Außerdem möchte ich zum Schluss kurz anmerken, dass die Busfahrer während der gesamten Corona Zeit weiterhin einen gesicherten Job hatten.
    Schichtarbeiten sollten anders vergütet werden, das ist richtig, aber was ist mit unserem Pflegepersonal, den Krankenschwestern, Ärzten, Einzelhändlern, Hotelfachleuten/Restaurantfachleuten? Auch die arbeiten in Schichtarbeit – das gehört nunmal zum Job dazu…

    1. Die HOCHBAHN wollte weder die Fahrgäste, noch die Fahrerinnen und Fahrer der Belastung aussetzen, in einer insgesamt unübersichtlichen betrieblichen Lage mit möglicherweise überfüllten Fahrzeugen unterwegs zu sein. Daher wird der Betrieb erst nach Streikende wieder aufgenommen.

  2. Guten Morgen,

    Ich habe Verständnis für die Streikenden, es ist völlig richtig, sich für die eigenen Rechte einzusetzen. Auch ihr von der Hochbahn seid normalerweise dafür bekannt, mit schwierigen Situationen gut umzugehen, anders als die roten Kollegen…

    Aber die Aussage, besser wir fahren gar nicht, als einzelne volle Fahrzeuge loszuschicken ist ein Griff ins Klo, genau wie beim ersten Streik: Damit habt ihr die Verantwortung auf die S-Bahn abgeschoben, nach dem Motto, wenn jetzt Corona ausbricht, ist ja ein anderes Unternehmen Schuld, hätten sie halt mehr Züge einsetzen sollen (was nicht möglich ist, da die Innenstadtstrecken bereits ausgelastet sind).
    Jede einzelne fahrende U-Bahn und sei es nur der U3-Ring, nimmt Belastung von der S-Bahn runter, das sollte einem erfahrenen Verkehrsunternehmen wohl klar sein.

    Ich schätze euch und eure Mitarbeiter wirklich sehr, bin seit 15 Jahren täglicher Kunde. Aber da habt ihr in meinen Augen vor zwei Wochen einen großen Fehler begangen und ihn heute leider wiederholt.

    Liebe Grüße,

    Michael

    1. Da vereinfachen Sie die Situation leider etwas. Die HOCHBAHN zwingt ja niemanden, die S-Bahn zu benutzen. Damit wird nur eine mögliche Alternative aufgezeigt. Andere Optionen sind beispielsweise Carsharing, Taxis, Fahrräder usw. Und viele Leute können auch Home Office machen. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, ob er oder sie heute unbedingt unterwegs sein muss, oder es bestenfalls vermeiden kann.
      Da kein stabiler Betrieb gewährleistet werden kann, ist die Gefahr zu groß, dass die einzeln fahrenden Fahrzeuge am Ende zu überfüllt sind. Deshalb verzichtet die HOCHBAHN aus Verantwortung gegenüber Fahrgästen sowie Fahrerinnen und Fahrern darauf. Ein stabiler S-Bahn-Takt ist da nochmal was anderes.
      Dass die Situation für die Fahrgäste trotzdem frustrierend ist, verstehen wir gut. So geht es uns allen, aber das bringt ein Streik leider nun mal mit sich. Kommen Sie gut durch den Tag!

      1. Nein Frau Steinat, Sie vereinfachen die Situation etwas!
        Nicht jeder von uns kann problemlos einen Homeoffice Tag oder einen Urlaubstag nehmen.
        Nicht jeder Hamburger hat einen Führerschein um die Carsharing Angebote zu nutzen.
        Haben Sie probiert, heute ein Taxi zu rufen? Viel Spaß, alles ist hoffnungslos ausgebucht.
        Und nein, nicht jeder kann für sich selbst entscheiden ob er heute unterwegs sein muss, es gibt nämlich Menschen, die für Ihren Job dringend gebraucht werden und keine Wahl haben.
        Mal an Feuerwehrleute, Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen, BUSFAHRER, U-BAHN FAHRER usw. gedacht?
        Wahrscheinlich nicht…
        Bleiben Sie gesund.

      2. Wie schon gesagt – dass die Situation für Fahrgäste sehr frustrierend ist, können wir gut verstehen.

      3. Hat die Hochbahn versucht, gegen den während einer Pandemie wirklich gefährlichen Streik eine einstweilige Verfügung zu erwirken? Habe davon nichts gehört. Augen zu und durch, ist das bei Ihnen die Maxime?

      4. Ich kann dem Kommentator nur zustimmen: Ich konnte von Berne nach Bahrenfeld das Fahrrad nehmen, mache ich auch sonst häufiger. Aber das kann nicht jeder, genau wie nicht jeder das Geld hat, mit dem Taxi hin und zurück zu fahren. Gerade in den Berufen, wo man gezwungen ist, anwesend zu sein, weil sonst der Laden geschlossen bleibt (als Beispiel) ist das Einkommen am Monatsersten zur Hälfte für die Miete weg.

        Sehen Sie es mal andersherum: Wenn man einfach auf Alternativen zurückgreifen könnte, kann man ja ab sofort jede Woche an ein oder zwei Tagen gar nicht fahren. Dann stimmen auch die Arbeitsbedingungen, keiner muss mehr streiken und die Taxifahrer haben endlich wieder Kunden. 😉

        Ich bleibe dabei, die Entscheidung war in meinen Augen (und denen aller Arbeitskollegen) falsch und ich hätte anders gehandelt. Ist aber nicht meine Aufgabe und verurteilen möchte ich schon gar nicht. Die Stärke am ÖPNV ist doch, dass alle miteinander unterwegs sind, nicht gegeneinander wie auf der Straße. In dem Sinne schönen Freitag und das meine ich ernst. 🙂

  3. Das ist wieder typisch verdi. Völlig weltfremd, nur auf die eigene Macht bedacht. Wer heutzutage immer noch Mitglied in so einer „Gewerkschaft“ ist, dem ist leider nicht mehr zu helfen. Jeres einzelne Mitglied bei denen finanziert diesen Blödsinn und die schönen Teppichbüros derer Oberen. Nichts anderes. Um die Beschäftigten geht es denen doch schon lange nicht mehr.

    1. Lol. Jeder Streik ist freiwillig. Wenn es wirklich nicht um die Beschäftigten ginge würde keiner mitstreiken (kostet jeden einzelnen ja auch Geld)

  4. In Zeiten von Corona ist alles Mögliche und Unmögliche verboten. Da sollten diese Streiks mal als allererstes verboten sein, denn damit werden manche Leute ganz sicher in die Situation gebracht, sich in überfüllten Ersatzverkehrsmitteln aufhalten zu müssen, ob S-Bahn, Busse oder Automitfahrten. Unverantwortlich ist das vor allem auch von der Gewerkschaft!

  5. Es tut mir Leid, aber ich habe absolut kein Verständnis für diesen Streik. Es ist einfach nicht zu fassen, dass verdi mitten in der Pandemie zu einem Streik aufruft, um Forderungen und Lohnsteigerungen durchzusetzen. Andere Arbeiter bangen um Ihre Arbeitsstelle und nehmen sogar Lohnkürzungen hin, damit die Arbeitsstellen erhalten bleiben. Da streiken Arbeiter des öffentlichen Dienstes, die einen sicheren Arbeitsplatz haben allen Ernstes wegen u.a. höheren Gehältern. Abstruserweise bekommen auch Verwaltungsangestellte und Sparkassenmitarbeiter Lohnsteigerungen (sogar viel mehr als z.B. Busfahrer, da es einen prozentualen Wachstum für alle gibt), wenn verdi erfolgreich verhandelt.
    Ich unterstütze Krankenschwester und Busfahrer darin, dass sie mehr belohnt werden. Aber bitte nicht dafür mitten in der Pandemie streiken! Viele Arbeiter sind auf öff. Verkehrsmittel angewiesen und müssen morgen die S-Bahn nutzen, die mehr als überfüllt sein wird. Dann ist den ganzen Tag kein Abstand mehr zu halten; dann steht man Kopf an Kopf; Corona lässt grüßen. Unter diesen Umständen ist ein Streik bestimmt nicht heldenhaft. Eher eine makabere Geiselhaft. Daher mein dringender Appell an verdi: Bitte verschiebt unvermeidbare Streiks in den nächsten Sommer, wenn hoffentlich die Corona-Pandemie vorüber ist.

    1. „Ich unterstütze Krankenschwester und Busfahrer darin, dass sie mehr belohnt werden“

      Sagen sie dies bitte den Ministerpräsidenten und Bürgermeistern! Denn diese könnten den Streik jederzeit sofort beenden…

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