Verwirrung im Bus – Ist der Einstieg vorn nun möglich oder nicht? Ein Blick auf die neue Normalität in Corona-Zeiten

Wer kennt sie nicht – Wörter, die man zuvor nie gebraucht hat, in Zeiten von Corona aus unserem alltäglichen Wortschatz aber gar nicht mehr wegzudenken sind. Neben Reproduktionsfaktor oder Tröpfcheninfektion ist eines davon die „Neue Normalität“.

Innerhalb der letzten Monate konnten Fahrgäste nur noch im hinteren Bereich der Busse einsteigen, während die vordere Tür geschlossen blieb und der Fahrerbereich mit einem Flatterband abgesperrt war.

Das ändert sich nun: Ab dem 22. Juni kommt das Flatterband ab und die vordere Tür wird wieder geöffnet. Grund dafür ist eine weitere Sicherheitsmaßnahme, die künftig Teil der neuen Normalität sein wird: Eine beidseitig entspiegelte Trennscheibe für den Fahrerbereich. Diese Trennscheibe vermeidet einen direkten Kontakt zwischen den Fahrern und Fahrgästen und schützt somit vor einer potenziellen Ansteckung mit dem Corona-Virus. Bedeutet für Fahrgäste: Der Einstieg vorn ist ab jetzt wieder möglich (Normalität), allerdings nur mit Trennscheibe zwischen Eingangsbereich und Fahrerin bzw. Fahrer (neu).

Bei einem Bus geht’s, beim anderen nicht. Warum so ein Chaos?

Die Änderung betrifft allerdings noch nicht gleich alle Busse. Innerhalb der nächsten Wochen fahren die einen schon mit Trennscheibe, während die anderen noch mit Flatterband unterwegs sind. Der Grund dafür ist relativ simpel: Die Verkehrsunternehmen HOCHBAHN und VHH haben zusammen eine Flotte von 1500 Bussen. Diese werden zwar alle umgerüstet. Allerdings passiert das natürlich nicht von heute auf morgen, sondern in mehreren nächtlichen Aktionen auf dem Betriebshof. Derzeit werden täglich rund 40 Busse mit einer Trennscheibe ausgestattet. Bis auch das letzte Fahrzeug versorgt ist, dauert es voraussichtlich noch bis etwa Mitte August.

Wichtig ist aber, dass man sich die bereits ausgerüsteten Busse zunutze macht, um das Absperrband zu entfernen und die vordere Tür wieder zu öffnen.

Warum? Weil durch den Wegfall des Flatterbands für die Fahrgäste wieder mehr Platz entsteht, auf den sie sich besser verteilen können. Die zusätzlich geöffnete Tür bietet natürlich auch für den Fahrgastfluss wieder mehr Raum. Für die Einhaltung des Sicherheitsabstands also eine gute Sache. Hinzu kommt eine bessere Durchlüftung, indem nun wieder alle Türen an den Haltestellen geöffnet werden. Plus: Mit der Einführung einer Trennscheibe ist auch der Ticketkauf bei der Fahrerin oder dem Fahrer wieder möglich. Alles Punkte, die natürlich auch auf das aktuelle HVV-Versprechen „Eine Sorge weniger“ zielen und entsprechend schnellstmöglich umgesetzt werden sollen.

Verwirrung im Bus - Ist der Einstieg vorn nun möglich oder nicht? Ein Blick auf die neue Normalität in Corona-Zeiten
Mit der Öffnung der vorderen Bustür und der Trennscheibe ist nun auch wieder der Ticketkauf im Fahrzeug möglich

Damit die Fahrgäste bestmöglich einsteigen und sich verteilen können, ist der Einstieg vorn allerdings nicht verpflichtend. Man kann auch nach wie vor hinten einsteigen, wenn dort mehr Platz zur Verfügung stehen sollte. Für den Ticketkauf ist es allerdings wieder sinnvoll, vorne einzusteigen 😉

Und wenn ich mir ein Ticket kaufen möchte, der Bus aber noch keine Trennscheibe hat?

Das kann innerhalb der nächsten Wochen natürlich passieren. Man gewöhnt sich wieder an den Einstieg vorn und Ticketkauf bei der Fahrerin oder dem Fahrer, erwischt dann aber einen Bus mit geschlossener Tür und Absperrband. In diesem Fall kontrolliert der Sicherheitsdienst nach Augenmaß. Hier gilt weiterhin, das Ticket beim Um- oder Ausstieg nachzukaufen.

Für die erste Zeit bleibt es also bei jeder Fahrt ein Ratespiel, ob Tür vorne auf, oder nicht. Erkennen kann man das an dem rot-weißen Aufkleber, der im Falle einer geschlossen Tür nach wie vor an der Außenseite angebracht ist.

Eine Ausnahme gibt es allerdings noch: Bei Lehrfahrten ist der vordere Bereich auch mit Trennscheibe nach wie vor durch ein Band abgesperrt. Grund dafür ist, dass sich Lehrkräfte während der gesamten Fahrt in diesem Bereich aufhalten, die den auszubildenden Busfahrerinnen und -fahrern mit Streckenkunde sowie Tipps und Tricks zur Seite stehen. Da sie die Straße ebenso aufmerksam überblicken müssen und zudem in ständigem Austausch mit der Fahrerin oder dem Fahrer stehen, wird in solchen Fällen auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verzichtet. Während die Trennscheibe dabei als Schutz zwischen Lehr- und Auszubildendenkraft dient, wird der Schutz zwischen Lehrkraft und Fahrgästen eben durch das Absperrband gewährleistet. Update: Auch bei Lehrfahrten wird das Absperrband entfernt, sobald eine Trennscheibe für den Fahrerbereich eingebaut ist. Da die Lehrfahrerinnen und -fahrer so den Mindestabstand zu Fahrgästen nicht immer einhalten können, sind auch sie verpflichtet, während der Mitfahrt eine Maske zu tragen.

In jedem Fall aber ist es gut, den vorderen Busbereich zum frühestmöglichen Zeitpunkt wieder zu öffnen, um so vielen Fahrgästen wie möglich wieder mehr Platz und frische Luft zu bieten. In diesem Sinne: Auf eine gute Weiterfahrt, auch in der neuen Normalität.

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11 Kommentare zu: Verwirrung im Bus – Ist der Einstieg vorn nun möglich oder nicht? Ein Blick auf die neue Normalität in Corona-Zeiten

  1. Moin,

    Ich habe beobachtet, das einige Busfahrer/innen nur die vordere Tür öffnen und es dann keinen Abstand mehr gibt, weil die Leute beim Einsteigen in den Bus zusammenrücken. Das kann es doch nicht sein? Einerseits soll man Abstand halten, andererseits rücken die Fahrgäste zusammen, weil nur eine Tür offen ist. Ich musste letztens meine Fahrkarte vorzeigen und wurde gemahnt Abstand zu halten. Wenn nur die vordere Tür auf ist, wie bitteschön soll man da Abstand halten?

    Man sollte bis zum Ende der Corona Pandemie nur noch hinten Einsteigen. Der vordere Einstieg sollte zu bleiben. Auch zum Schutz der Busfahrer/innen. Es könnte nämlich auch sein, das die Busfahrer/innen sich trotz Trennscheibe mit dem Corona Virus infizieren.

    Diese Gefahr könnte bestehen. Muß aber nicht.

    1. Wie ich im Blogbeitrag schon erklärt habe, ist vorgesehen, alle Türen zu öffnen, um zum einen mehr Raum für den Fahrgastfluss zu bieten, sodass sich eben nicht alle zusammenquetschen müssen, und zum anderen auch für eine bessere Durchlüftung zu sorgen. Bei solchen Beobachtungen können Sie sich auch gerne an den Kundendialog der HOCHBAHN wenden: https://www.hochbahn.de/hochbahn/hamburg/de/Home/Unternehmen/Kontakt/Kontaktformular. Ich habe die Info auch mal an meine Kolleg*innen aus dem Betrieb weitergegeben.

  2. Kontrollieren nach Augenmass wenn im Bus kein Ticket verkauft wird? Klingt gut, aber auch ziemlich schlecht. Als Hamburger mit dunkler Hautfarbe hab ich leider nicht nur gute Erfahrungen gemacht.

    1. Die HOCHBAHN steht ganz klar für Vielfalt, Toleranz und Weltoffenheit. Diskriminierung oder Rassismus würden wir nicht akzeptieren. Sollten Sie andere Erfahrungen machen, bitten wir daher um eine Info und Details zum Vorfall an feedback@hochbahn.de. Sobald alle Busse mit einer Trennscheibe ausgestattet sind, ist der Ticketkauf natürlich auch überall wieder möglich. Bis dahin empfehlen wir möglichst den Ticketkauf per App oder am Fahrkartenautomaten.

  3. Aber der Mundschutz bleibt hoffentlich?
    Wenigstens sehen die Trennscheiben nicht so billig aus, wie die Wartehäuschen bei uns hier aufm Land.

    1. hallo ich bin katrin. ich hätte da mal eine frage wie lange dauert es noch bis der u bahnhof paradestrasse wieder öffnet. mit freundlichen grüssen eure katrin

  4. Es sollte allerdings grundsätzlich so bleiben, dass jederzeit alle Türen zum einsteigen und auch zum aussteigen benutzt werden dürfen. Einerseits ist so eine viel bessere Aufteilung möglich, andererseits werden so auch unnötige Kontakte vermieden: die Völkerwanderung durch den gesamten Bus entfällt und auch das Fahrpersonal freut sich sicherlich an kalten Tagen nicht ständig die Türen öffnen zu müssen.
    Falls jemand unterstellt, dass es dadurch mehr schwarzfahrer gibt sei gesagt: Es ist deutlich abschreckender wenn zu wirklich jeder Tages und Nachtzeit mit sehr regelmäßigen Kontrollen zu rechnen ist als wenn man lediglich irgendetwas kurz in Richtung Fahrer wedeln muss und in der Masse untergeht.

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