Fahrradparkhaus Kellinghusenstraße

Hamburg auf dem Weg zur Fahrradstadt – Aber wieso erst jetzt?

Hamburg hat ein klares Ziel: die Mobilitätswende. Die Stadt wächst und damit auch das Verkehrsaufkommen. Gleichzeitig strebt Hamburg klare Klimaziele an. Die Lösung ist ein zukunftsfähiges, umweltfreundliches und attraktives Mobilitätsangebot, das Hamburg weiterhin lebenswert macht.

Der U-Bahn-Netzausbau mit Projekten wie der U4-Verlängerung auf die Horner Geest und dem Neubau der U5 leistet hier einen zentralen Beitrag. Im Umweltverbund spielt aber auch ein weiteres Verkehrsmittel eine entscheidende Rolle: das Fahrrad.

Hamburg = Fahrradstadt?

Für alle Radfahrerinnen und Radfahrer gibt es heute ein Highlight zu feiern: An der Kellinghusenstraße eröffnet Hamburgs erstes öffentliches Fahrradparkhaus.

Fahrradparkhaus
Das neue Fahrradparkhaus an der Kellinghusenstraße ist eröffnet
Fahrradstellplätze
Fahrradstellplätze im Parkhaus

Hier stellt Bike+Ride über zwei Etagen verteilt 600 geschützte Fahrradstellplätze zur Verfügung. Insgesamt bietet die Haltestelle rund 1 000 Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Ist das Rad einmal geparkt, können Hamburgerinnen und Hamburger einfach in die U1 oder U3 steigen, drei verschiedene MetroBus-Linien nutzen oder auf den hvv switch-Punkt mit Carsharing-Angeboten zurückgreifen und damit auf verschiedensten Wegen in ganz Hamburg unterwegs sein. Die Kellinghusenstraße macht also greifbar, was Mobilitätswende bedeutet: Es ist kein Verzicht und auch keine Einschränkung, das eigene Auto zu Hause stehen zu lassen. Es bietet die Möglichkeit, verschiedenste Mobilitätsangebote auf einfache und komfortable Weise zu nutzen und das in Verbindung mit dem eigenen Rad.

An diesem Punkt stellt sich mir allerdings auch eine Frage. Klar ist, dass manche Konzepte, wie beispielsweise Carsharing-Angebote, erst über die Zeit entstehen und in einem stetigen Entwicklungsprozess zur Mobilitätswende beitragen. Fahrräder hingegen sind schon seit über einem Jahrhundert ein fest etabliertes Fortbewegungsmittel. Und ich als ursprüngliche Stuttgarterin kann behaupten, dass Hamburg im Vergleich zu anderen Städten aufgrund der flachen Lage und verhältnismäßig kurzen Wegstrecken optimale Voraussetzungen für den Radverkehr bietet. Wieso also startet Hamburg durch den Bau von Fahrradparkhäusern, Velorouten, Pop-Up-Bikelanes und Co. erst jetzt, die Radverkehrs-Infrastruktur umfassend auszubauen? Hätte der Grundstein für eine Fahrradstadt nicht schon viel früher gelegt werden können?

Auf dem richtigen Weg, aber erst am Anfang

Der Mobilitätspunkt an der Kellinghusenstraße macht deutlich, in welche Richtung sich Hamburg in den nächsten Jahren sprichwörtlich bewegen wird. Allerdings ist solch ein Konzept wie Bike+Ride keine neue Erfindung. Schaut man sich Städte wie Münster oder Utrecht an, wird schnell klar, dass solche Angebote für die städtischen Radfahrer*innen bereits seit Jahren erfolgreich laufen und auf große Nachfrage stoßen. In Utrecht gibt es seit 2019 das größte Fahrradparkhaus der Welt. Die größte Fahrradstation Deutschlands befindet sich am Hauptbahnhof in Münster. Klar, Münster und Utrecht sind flächenmäßig kleiner und dadurch womöglich einfacher mit dem Rad zu durchqueren. Für eine Großstadt wie Hamburg sind die Wege aber immer noch verhältnismäßig kurz und einfach zu bewältigen, zumindest nach meiner Erfahrung. Und gerade für diejenigen, die in Randlagen wohnen und tatsächlich längere Strecken in die Innenstadt zurücklegen müssen, bietet sich ja genau solch ein Konzept wie das Fahrradparkhaus an der Kellinghusenstraße an: Die ersten Meilen werden mit dem Rad bewältigt, danach erfolgt der bequeme Umstieg in Bus und Bahn. Mit dem nun eingeweihten Fahrradparkhaus ist ein großer Meilenstein erreicht. Das nächste Parkhaus dieser Art ist für Harburg bereits in Planung. Der Bedarf dafür war aber mit Sicherheit auch schon früher da.

Zuversichtlicher Blick nach vorn

Im Nachhinein ist es immer leicht zu sagen, was früher hätte besser gemacht werden können. Wichtig ist aber der Blick nach vorn und der ist in diesem Fall vielversprechend.

Anjes Tjarks, Hamburgs Senator für Verkehr und Mobilitätswende, macht das ehrgeizige Ziel für Hamburgs Mobilitätswende so deutlich:

Der Umweltverbund soll bis Ende der Legislatur einen Anteil von 80% an den Wegen haben – heute sind es rund 64%.

Verkehrssenator Anjes Tjarks
Verkehrssenator Anjes Tjarks bei der Eröffnung des Fahrradparkhauses

Um das zu schaffen, saniert und baut Hamburg seit dem vergangenen Jahr unter anderem die Radverkehrsinfrastruktur spürbar aus. Stichwort Sanierung: In vielen Fällen sind ja bereits Radwege vorhanden. Doch ein Grund, weshalb sie nicht immer einfach zu befahren sind, sind die vielen Bäume, die entlang von Hamburgs Straßen gepflanzt sind und mit ihren Wurzeln die Wege wieder aufreißen. Heißt im Umkehrschluss: Hamburg ist eine sehr grüne Stadt und damit bereits heute sehr lebenswert 😊. Bedeutet aber auch, dass künftig auch verstärkt andere Gestaltungen für den Straßenraum geplant werden müssen. Zum Beispiel die Verlagerung der Radwege auf die Straße.

Neben Radwegen ist ein wichtiger Bestandteil aber eben auch das Schaffen von geschützten Stellplätzen für Räder und eine sinnvolle Vernetzung des Fahrrads mit dem ÖPNV im Umweltverbund. Das Parkhaus an der Kellinghusentraße ist ein erster Schritt. Und weitere folgen: Bis 2030 will Bike+Ride 40.000 Fahrradstellplätze schaffen. Bleiben wir gespannt 😊

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17 Kommentare zu: Hamburg auf dem Weg zur Fahrradstadt – Aber wieso erst jetzt?

  1. Heute ein Verriss im Hamburger Abendblatt: das Fahrradhaus wird nicht angenommen und steht ziemlich leer. Natürlich kann man erst nach dem Winter eine Bilanz ziehen.

    Was mich allerdings wundert, ist die Vorgabe, solche Gebäude hauptsächlich an Umsteigehaltestellen errichten zu wollen. Meines Erachtens ist der Bedarf gerade hier besonders gering, weil hier bereits Bahnen in alle vier Himmelsrichtungen fahren. Wo in allen Richtungen in Abständen von ein paar hundert Metern schon die nächsten Haltestellen vorhanden sind, kann ich entweder dort direkt in die Bahn einsteigen oder mein Fahrrad dort abstellen.

    Fahrradparkhäuser sind also eher in Außenbezirken sinnvoll, in denen die Versorgung mit U- und S-Bahnen dünn ist, und nicht mitten in der Stadt.

  2. Moin liebe Hochbahn, ich bin schon ein großer Fan vom ÖPNV. Und trotzdem habe ich, viel viele im letzten Jahr das Radfahren wiederentdeckt. Ich finde daher Eure Idee, ein Parkhaus fürs Fahrrad zu bauen, eine tolle Idee. Weiter so und mehr von solchen tollen Ideen.

  3. Liebe Frau Lena Steinat,
    jedes Mal die gleiche Antwort an Stelle der wahren Begründung ist schwach, sehr schach (hat es nicht eher damit zu tun, dass man Fahrräder im Haus nicht fahren darf oder soll?) – Autos dürfen in der Tiefgarage fahren aber die Räder dürfen nicht gefahren werden – ein deutliches Minuszeichen für Bequemlichkeit (anderes Beispiel: Utrecht !!).
    Ihr Verweis auf den ebenerdigen Zugang unten hilft auch nicht weiter, wenn dieser Etage schon komplett besetzt ist. Dann stehen z.B. Radwanderer mit Gepäck schon
    mit schüttelnden Kopf vor der Schieberampe.
    Wie sieht es eigentlich aus, um Fahrradanhänger (z.B. für Kindertransporte) sicher mit oder ohne dem Fahrrad abzustellen?

    1. Wie im Beitrag bereits erwähnt: Städte wie Utrecht oder Münster sind natürlich Vorbilder, was die Infrastruktur für den Radverkehr betrifft. Daher sind Meilensteine wie die Eröffnung des Fahrradparkhauses an der Kellinghusenstraße ein Zeichen dafür, dass sich Hamburg auf dem richtigen Weg befindet. Es gibt nun insgesamt 1000 und davon 600 geschützte Abstellplätze inklusive Schließfächer mit Lademöglichkeit und Reparatursäulen, wo vorhin eine alte, wenig attraktiv gestaltete Abstellfläche am Loogeplatz war. Für Lastenräder stehen 17 Plätze zur Verfügung. Und was das Fahren betrifft: Aufgrund des dicht bebauten Umfelds steht eben nur ein begrenzter Platz zur Verfügung. Der Hinweis, dass in Utrecht das bislang größte Fahrradparkhaus der Welt steht, lässt vermuten, dass solch eine Konstruktion entsprechend Platz benötigt.

  4. Wird dieses Jahr nach dem Sommerfahrplan gefahren oder sind — wie bereits letztes Jahr — keine Taktverdünnungen während der Ferienzeit geplant?

  5. Dem Artikel kann ich nicht entnehmen, wie die Fahrräder überwacht werden. Die Räder stehen offen und nicht in Einzelboxen. Gibt es ein Schließsystem oder muss jeder Nutzer sein eigenes Schloss verwenden? Wenn es nicht zumindest eine Kameraüberwachung gibt, kommt es mir eher wie ein Paradies für Fahrraddiebe vor, die dort vor den Blicken der Öffentlichkeit geschützt ungestört „arbeiten“ können.

    Bei der Architektur ist offenbar noch sehr viel Luft nach oben. Wie kann man in diese schöne Gegend und an diesen schönen alten U-Bahnhof einen derart plumpen Neubau stellen? Immer wenn ich dort vorbei radele, ärgere ich mich über dieses unansehnliche Gebäude.

    1. Die Sicherung des eigenen Fahrrads muss durch den Nutzer selbst mit einem eigenem Schloss erfolgen. Natürlich empfiehlt es sich hierbei, die allgemeinen Empfehlungen der Polizei zum sicheren Fahrradabstellen zu berücksichtigen. Es wird keinerlei Haftung für die eingestellten Fahrräder übernommen. Das Fahrradparkhaus ist mit einer Videoanlage ausgestattet, die es ermöglicht, z.B. bei Straftaten anlassbezogene Auswertungen durchzuführen. Zudem kann sich bei Bedarf die Leitstelle zuschalten.

      Beim Bau des Gebäudes wurde bewusst die blockartige Bebauung vermieden und stattdessen ein plastisch geformter Baukörper errichtet. In Anlehnung an das historische Haltestellenbauwerk wurden die Konturen in fließenden Rundungen geformt. Aber alles ist bekanntlich Geschmacksache.

  6. Wie steil ist die Schieberampe?
    Gibt es einen Schlauchautomaten?
    Wie lange darf man sein Rad dort parken bis es abgeschleppt wird und wo landet es dann?

    1. 1. Die Schieberampe hat eine Steigung von 10%.
      2. Einen Schlauchautomaten gibt es nicht.
      3. Man darf sein Fahrrad im öffentlichen Bereich maximal 7 Tage ununterbrochen abstellen. Danach wird das Fahrrad auf Kosten der Eigentümerin oder des Eigentümers entfernt und als Fundsache behandelt.

    1. Die untere Etage ist ebenerdig begehbar und bietet Platz für zahlreiche Räder und Lastenfahrräder. Die obere Etage ist per Schieberampe zugänglich. Für zusätzliche Services, wie einen Lastenaufzug, benötigt man mehr Fläche, die an einem viel genutzten, städtischen Mobilitätspunkt wie an der Kellinghusenstraße nicht gegeben ist.

    1. Nein, die untere Etage, die auch Platz für Lastenräder bietet, hat einen ebenerdigen Zugang. Die obere Etage ist per Schieberampe zugänglich.

  7. Auf allen Bildern sehe ich Treppen. Gibt es auch für Menschen mit Bewegungseinschränkung die Möglichkeit dieses Fahrradparkhaus zu nutzen? Wie sieht es aus mit schweren Lastenrädern oder Fahrradanhängern?

    Unpassend finde ich dass ein Hauptproblem der Radwegzerstörung nicht erwähnt wird: das Befahren mit viel zu schweren Transportern und LKW. Z.B. am Heidenkampsweg gibt es keine Bäume, die Radwege werden aber regelmäßig überfahren und geparkt und sind dadurch ganz schnell zur Holperstrecke geworden.

    1. Die untere Etage hat einen ebenerdigen Zugang und bietet Platz für Lastenräder. Die obere Etage ist per Schieberampe zugänglich.

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