Gelb, funktional, modern. Die Haltestelle Meßberg wird 60

Recht unscheinbar wirken die Treppenabgänge, die an der heutigen Willi-Brandt-Straße und direkt neben dem Chilehaus am Meßberg in die gleichnamige U-Bahn-Haltestelle führen. Doch gerade ihre Lage und die dezente Bauweise sind wesentliche Kennzeichen für den ersten Haltestellenneubau der Nachkriegszeit.

Sind die Haltestellen der 1912 eröffneten Ringlinie noch architektonisch-künstlerische Statements des frühen 20. Jahrhunderts, so besinnt man sich in den 1950er Jahren auf den Zweck der Bauwerke. Es entstehen funktionale Tunnelhaltestellen, die sich nur wenige gestalterische Besonderheiten erlauben. Knall-gelbe Wandkacheln hier, ein schickes Mosaik (von Fritz Kronenberg) dort. Ansonsten Treppen, Zwischenebenen mit Fahrkartenautomaten und Kiosk und natürlich der Bahnsteig mit seinen kurzen, runden Säulen. Die Haltestelle Meßberg passt ins Hamburg der jungen Bundesrepublik, wo die Moderne einzieht.

U-Bahn-Achsen und flexible Busse

Der Bau der Haltestelle ist Teil einer Ausarbeitung der im Jahr 1954 eingesetzten „Kommission für Verkehrsfragen“. Neben dem Ausbau des Hamburger Straßennetzes wird dabei im Wesentlichen auch der öffentliche Personennahverkehr gestärkt. Das U-Bahn-Netz soll auf etwa 100 Kilometer Länge erweitert werden, was nahezu einer Verdoppelung entspricht. Zugleich soll die U-Bahn zum Hauptverkehrsträger auf den wichtigen Verkehrsachsen werden und so die direkte Verbindung ins Zentrum zuverlässig gewährleisten. Busse, die im dichter werdenden Stadtverkehr flexibel fahren können, ersetzen schrittweise die statischen Straßenbahnen und übernehmen als Zubringer von Knotenpunkten aus die Verkehrsversorgung in der Fläche.

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Das Achsenmodell von Fritz Schumacher, 1920. Aus: Kopitzsch/Tilgner: Hamburg Lexikon

Über Haltestelle Meßberg nach Wandsbek

Um die Erreichbarkeit der Innenstadt mit der U-Bahn zu verbessern, gilt es als erstes, die Lücke zwischen den beiden Knotenpunkten Jungfernstieg und Hauptbahnhof zu schließen, wodurch man wichtige Umsteigemöglichkeiten schafft. Dabei bietet sich die Gelegenheit, mit neuen Haltestellen auch die Teile der Innenstadt an die U-Bahn anzuschließen, in denen sich die Bürolandschaft immer mehr verdichtet. Als vor 60 Jahren – am 22. Februar 1960 – die Haltestelle Meßberg eröffnet wird und ihr am 2. Oktober die Haltestellen Steinstraße und Hauptbahnhof Süd folgen, ist mit dem innerstädtischen Ausbau des U-Bahn-Netzes ein wichtiger Baustein der Verkehrsentwicklung gesetzt.

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Die Haltestelle Lohmühlenstraße um 1961

In einem zweiten Schritt wird der bisher mit der U-Bahn nicht erreichbare Hamburger Osten ans Netz angeschlossen. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in gewachsenen Wohnquartieren wie Dulsberg oder Eilbek, aber auch in Wandsbek selbst, ist hier eine U-Bahn besonders notwendig. Insbesondere, weil durch die Schließung von Baulücken zukünftig eine weitere Bevölkerungsverdichtung erwartet wird. Die U-Bahn-Erweiterung ist also zugleich ein Verkehrsinfrastrukturprojekt der Zukunft, bei dem am 28. Oktober 1962 mit der Eröffnung der Umsteigeanlage Wandsbek Markt einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt in Betrieb geht. Von hier verzweigt sich ein dichtes Netz von Buslinien nach Jenfeld, Tonndorf, Rahlstedt, Bramfeld, Horn und Billstedt. Kaum sechs Monate später sind dann auch die folgenden Haltestellen Straßburger Straße und Alter Teichweg fertig und in Wandsbek Gartenstadt besteht nun Anschluss an die Walddörfer Bahn – das U-Bahn-Netz wächst und verzahnt sich immer mehr.

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Wandsbek Anfang der 1960er Jahre

Bedarf und Vernetzung – Grundlagen des Netzausbaus

Es zeigt sich, dass bereits der damalige Netzausbau bis nach Wandsbek zwei wesentlichen Grundmerkmalen folgt, die auch die Basis des heutigen U-Bahn-Netzausbaus bilden: Dem Bedarf nach einer verlässlichen und modernen U-Bahn-Anbindung möglichst vieler Hamburgerinnen und Hamburger sowie der gleichzeitigen sinnvollen Vernetzung von Linien und Verkehrswegen.

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Die Haltestelle Meßberg um 1960

Beispielsweise beim Bau der U4 kommen die beiden Planungskriterien erneut zum Tragen: Mit der HafenCity als größtes städtebauliches Projekt Europas entsteht der Bedarf für einen Anschluss an das Schnellbahnnetz. Mit der Führung über die Haltestelle Jungfernstieg ist darüber hinaus eine optimale Verknüpfung zu bestehenden Linien gewährleistet.

Und auch bei der Planung der U5 sind die Bedarfsermittlung und die Einrichtung sinnvoller Umsteigemöglichkeiten maßgebliche Kriterien. Zum einen werden dicht besiedelte Stadtteile wie Bramfeld oder Steilshoop erstmalig an das U-Bahn-Netz angeschlossen. Zum anderen werden aber auch wichtige Knotenpunkte in der Innenstadt, wie beispielsweise die Universität oder das UKE, angebunden und durch Umsteigemöglichkeiten am Hauptbahnhof oder Stephansplatz mit den bestehenden Linien verknüpft. Was sich im Vergleich zu damals allerdings geändert hat, ist, dass neben den Aspekten der Anbindung und Vernetzung auch ein barrierefreier Zugang als wesentliche Voraussetzung für den Netzausbau gilt. Heute sind bereits rund 85% des Bestandsnetzes barrierefrei ausgebaut, die Haltestelle Meßberg folgt 2022. Zum Anlass des 60jährigen Geburtstages kann aber festgehalten werden, dass der Bau der Haltestelle Meßberg bis heute gültige Maßstäbe setzt: Die U-Bahn wächst mit der Stadt und für die Hamburgerinnen und Hamburger.



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6 Kommentare zu: Gelb, funktional, modern. Die Haltestelle Meßberg wird 60

  1. Schade finde ich, daß damals mit der U1 am Hauptbahnhof-Süd nicht auf eine bessere Vernetzung mit der U3 mittels bahnsteiggleichem Umstieg geachtet wurde.

    Falls jemals ein neuer S-Bahntunnel (Vorschlag von Enak Ferlemann zur Kapazitätserweiterung am Hauptbahnhof) unter der Kirchenallee gebaut werden sollte, würde das aber auch die Verlegung von U-Hauptbahnhof-Süd nötig machen, so daß der bahnsteiggleiche Umstieg mitsamt 125 Meter langen Bahnsteigen ohne Kurven (U3!) doch noch kommen könnte.

  2. Moin!

    Kann es sein, dass das oben mit „Wandsbek“ beschriftete Bild eigentlich den Bau der U1 in St. Georg zeigt? Die Baugrube müsste die heutige U-Bahn-Haltestelle Lohmühlenstraße darstellen, darunter der Tunnel Richtung Hauptbahnhof mit der Unterfahrung der Lindenstraße. Die Tunneldecke ist dazwischen schon geschlossen (oder noch nicht gebaut), aber man sieht eine sandige Baulücke, das ist die Fläche des Philips-Hochhauses Steindamm 94, in dem heute u.a. der HVV seine Büros hat.

    Die Haltestelle Lohmühlenstraße ging im Juli 1961 in Betrieb. Hinten sieht man das Hochhaus der Zentrale der Neuen Heimat (Lübecker Str. 1), die 1955/56 eröffnet wurde. Die Bäume sehen wenig belaubt aus, das Bild müsste also zwischen 1955 und dem Frühjahr 1961 entstanden sein

    1. Das Bild zeigt eindeutig St. Georg. Die Baugrube der Station Lohmühlenstr. erkennt man sehr gut. Die Straßenbahn durch den Steindamm dürfte schon stillgelegt sein. Man hatte ihr eigens noch eine Umleitung über Angerstr. und Conventstr. für ein Jahr errichtet, da die Kreuzung des Rings in der Lübecker Str. bzw. die Baugrube für den Bahnsteig der U1 vermutlich zuerst angegangen wurden. Die Luftaufnahme sollte wohl im Herbst 1960 entstanden sein.

      Interessanterweise wird auf dem letzten Bild am Bahnsteig Messberg die Zugrichtung „Lübecker Str.“ angezeigt. Ich erinnere mich noch, als auf dem damals neuen Bahnsteig an der Lübecker Str. die Züge auf dem Gegengleis ankamen und die Leute in die Busse umstiegen, die ihre Schleife von der Angerstr. kommend in die Lübecker Str. abbiegend an der Polizeiwache vorbei drehten.

      1. Moin!
        Danke für die Adleraugen, auch diese Konkretisierungen nehme ich gerne mit auf.

    2. Moin!
      Danke für die Anmerkungen, da muss ich mich korrigieren.
      Ich ging davon aus, dass das Bild Wandsbek zeigt, mit dem Bezirksamt bzw. der Waldorf-Schule im Vordergrund.

  3. Ich weiß nie, warum der U-Bahn-Anschluss Wandsbeks immer so „hochgejubelt“ wird. Liegt es daran, dass überdimensional viele Haltestellen den Namen „Wandsbek“ tragen? Gut, dar Stadtteil Eilbek ist mehr als super an das Schnellbahnnetz angeschlossen. Das war es dann aber auch schon. Der Rest ist ein ZOB, der schon fast am Verkehrsinfarkt leidet, und bei dem ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie er in Zukunft noch mehr Buslinien aufnehmen soll, sowie die bereits seit Anfang des letzten Jahrhunderts bestehende Walddörferbahn. Alles Weitere wird bei uns im Bezirk Wandsbek mit unattraktiven langen Busfahrten gemacht, die meist im MIV-Stau stecken. Nicht einmal eine Verlängerung der U4 ins dicht besiedelte Jenfeld ist vorgesehen, obwohl die U4-Ost fast bis an die Bezirksgrenze reichen soll.

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