Haltestellennamen U-Bahn

Wie bekommen U-Bahn-Haltestellen eigentlich ihre Namen?

Seit Mittwoch ist es offiziell: die neuen U4-Haltestellen auf der Horner Geest haben ein Design. Aber nicht nur das, wir suchen bis zum Sommer nach den passenden Namen für die neuen Haltestellen (nämlich hier). Denn die bisherigen Namen, Dannerallee und Stoltenstraße, sind nur Arbeitstitel, die unsere Planer den Haltestellen gegeben haben. Und die sind noch keineswegs gesetzt.

Ein ungewöhnliches Verfahren, das es bisher noch nicht gab und bei dem in meinem Kopf direkt die Frage aufkam: Wie läuft das denn sonst? Wer legt Haltestellennamen eigentlich fest? Und weshalb heißt Schlump eigentlich Schlump?

Für euch begebe ich mich auf Spurensuche:


Worauf kommt es beim Haltestellennamen eigentlich an?

Geht im Kopf doch mal die Beispiele durch, die ihr so kennt. Meist sind es Straßennamen (Lübecker Straße, Wartenau, Straßburger Straße) oder aber Stadtteile (Barmbek, Wandsbek-Gartenstadt, Volksdorf) und manchmal auch Einrichtungen, die einfach jeder kennt (Rathaus, Landungsbrücken). Gemein haben die alle, dass sie vor allem der Orientierung von uns Fahrgästen dienen. Eigentlich ja auch logisch. Schließlich haben wir ja meist ein Ziel, zu dem wir mit der U-Bahn fahren. Wer sich nun dort gar nicht auskennt, dem hilft ein Name doch schon mal weiter. Die meisten Namen sind auch nicht besonders lang und leicht zu merken (Ausnahmen bestätigen die Regel), zumindest für die Neubauhaltestellen gilt diese Maßgabe jedenfalls.


Wer Haltestellennamen festlegt

Meistens kommt der Haltestellenname (übrigens nicht nur bei der U-Bahn, sondern auch beim Bus) von unseren Planern. Natürlich werden die Vorschläge dann aber auch mit dem HVV, Behörden oder sogar der Politik abgestimmt. Ein Beispiel dafür sind zwei Haltestellen in der Hafen City. Hafen City Universität hieß zunächst Lohsepark und die Elbbrücken Chicago Square. Schließlich entschied man sich für zwei andere Namen, die zeitlos sind und Orientierung im wachsenden Stadtteil Hafen City bieten.


Warum man nicht einfach Haltestellen umbenennt

Immer wieder gibt es auch Diskussionen um die Umbenennung von U-Bahn-Haltestellen. Trabrennbahn ist so ein Beispiel, die namens gebende gibt es nämlich schon längst nicht mehr an der Stelle, heute liegt die Trabrennbahn ja bekanntermaßen in Bahrenfeld. Oder auch die Straßburger Straße. Hier fordern manche, dass sie in Dulsberg umbenannt werden sollte, da so der umliegende Stadtteil heißt.

Nun ist so eine Umbenennung aber eben auch nicht einfach so gemacht. Schließlich ist jede Haltestelle mit ihrem Namen (und z.B. auch ihrem betrieblichen Kürzel) in unseren Systemen und denen vom HVV hinterlegt. Würde der Name geändert, müssten nicht nur Haltestellenschilder geändert werden, sondern alle Auskunftssysteme, die es so gibt. Also die Fahrplanbücher, die Netzpläne auf allen Haltestellen in allen Fahrzeugen, Fahrpläne und z.B. auch die App. Ein Rattenschwanz, der ziemlich lang ist.

Viel wichtiger aber ist doch, dass der erste Name ja nun schon einmal für Orientierung gesorgt hat. Und dann plötzlich einfach weg ist. Also mal ehrlich, ist es so viel Verwirrung und Aufwand wirklich wert? Ich finde doch, dass viele Namen wirklich sehr passend sind und genau das machen, was sie machen sollen: Orientierung bieten. Und ganz ehrlich, will wirklich jemand von uns auf alberne Touristen verzichten, die sich in der U-Bahn über Haltestellennamen wie Schlump („Höhö, das klingt wie Schlumpf!“) oder Mümmelmannsberg amüsieren? 😉

Fun Fact zu Schlump und Mümmelmannsberg: Dass der Name Schlump vom gleichnamigen Ortsteil in Eimsbüttel kommt, ist sicherlich vielen bekannt. Dass Slump aber niederdeutsch ist und Schlamm bedeutet, wusste ich z.B. bisher nicht. Es liegt also nahe, dass das Gebiet um Schlump ehemals sumpfiges oder schlammiges Gelände war.

Genauso spannend ist der Ursprung von Mümmelmannsberg. Die gleichnamige Großwohnsiedlung ist nach der Straße benannt, die quasi direkt durch sie durch führt. Während des Baus der Siedlung tummelten sich – wie auch heute noch in vielen Hamburger Stadtteilen – sehr viele Hasen, „Mümmelmänner“. Außerdem war die Erzählung „Mümmelmann. Ein Tierbuch“ des Autors Herrman Löns sehr beliebt und somit Straße und Gebiet einfach Mümmelmannsberg getauft.


Mehr Infos:

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3 Kommentare zu: Wie bekommen U-Bahn-Haltestellen eigentlich ihre Namen?

  1. Auf der U1:

    Farmsen – (Oldenfelde) – Berne – Meiendorfer Weg – Volksdorf,
    warum nicht
    Farmsen – (Oldenfelde) – Berne – Meiendorf – Volksdorf,
    also alles nach Wandsbeker Ortsteilen? Mit der Inbetriebnahme der neuen Haltestelle wäre es doch eine gute Gelegenheit zur Umbenennung, da alle Pläne ohnehin neu gedruckt werden müssen.

  2. „heute liegt die Trabrennbahn ja bekanntermaßen in Bahrenfeld“

    Die (eine) Trabrennbahn lag immer in Bahrenfeld! Erst wurde die in Bahrenfeld gebaut, dann die in Farmsen, dann bekam die in Farmsen U-Bahn-Anschluss, und dann ging sie Pleite so dass nur Bahrenfeld übrig blieb.

  3. Hermann Löns war ein überzeugter Antisemit:
    „Ich bin Teutone hoch vier. Wir haben genug mit Humanistik, National-Altruismus und Internationalismus uns kaputt gemacht, so sehr, dass ich eine ganz gehörige Portion Chauvinismus sogar für unbedingt nötig halte. Natürlich passt das den Juden nicht und darum zetern sie über Teutonismus. Das aber ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

    (Quelle: https://www1.wdr.de/stichtag444.html )

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