Titelbild U1-Sperrung nach Sommerferien

Eure häufigsten Fragen zur U1-Sperrung in Langenhorn

Der Endspurt auf der U1-Sperrung in Langenhorn bricht an. In der Zeit der Sperrung (und vor allem des Ersatzverkehrs) haben uns viele Fragen erreicht, die wir euch heute beantworten wollen. 


1. Warum kann nicht einfach durch die Haltestellen durchgefahren werden?

Viele von euch haben uns gefragt, wieso man denn gleich den ganzen Abschnitt sperren muss, anstatt mit der U-Bahn einfach durch die Haltestellen durchzufahren. Bei dieser Sperrung gab es mehrere Gründe, weshalb das nicht ging: der Neubau der Schalterhallendecke in Fuhlsbüttel Nord, denn hier klaffte über mehrere Wochen ein großes Loch in den Schienen; die Gleise auf der Haltestelle Klein Borstel wurden auf gesamter Bahnsteiglänge erneuert; und auf dem gesamten Streckenabschnitt gab es neue Schienen, Weichen und Schwellen. Da war und ist derzeit schlicht gar kein Durchkommen für die U-Bahn.


2. Wird auf den Baustellen überhaupt gearbeitet und wieso reicht es nicht, nur nachts zu arbeiten?

Zuallererst einmal das: Nur, weil man niemanden arbeiten sieht, heißt das nicht, dass nichts passiert. Viele Sachen sind von außen nicht zu sehen, gerade die Umbauten in den Schalterhallen sind dieses Mal besonders umfangreich und aufwendig. In der Zeit von 6-22 Uhr wird in zwei Schichten gearbeitet, also quasi fast rund um die Uhr. Nachts finden nur in Ausnahmefällen Arbeiten statt, weil dann die direkten Anwohner von dem Lärm der teils aufwendigen Arbeiten verschont bleiben sollen.

Nur nachts zu arbeiten und tagsüber Betrieb zu machen geht, aus dem Grund unter 1. schon mal nicht. Aber es ist eigentlich auch noch viel weniger einfach, wenn man es genau betrachtet. Denn: Unsere Betriebspause bei der U-Bahn ist nur sehr kurz. Nämlich rund vier Stunden. Ab der letzten Bahn würde allein für den An- und Abtransport aller Geräte so viel Zeit vergehen, dass fürs eigentliche Bauen kaum noch Zeit übrig wäre. Nicht so richtig effektiv und mit dem Ergebnis, dass die gesamte Baumaßnahme noch länger dauern würde.

Deshalb sperren wir die Haltestellen und Gleise lieber für einen bestimmten Zeitraum komplett und arbeiten dann eine längere durch. Vor allem aber die Arbeiten auf Gleisen, Bahnsteigen und an Bahnsteigkanten sind bei laufendem Betrieb und durchfahrenden Zügen oft gar nicht möglich. Die Arbeiten an mehreren Haltestellen dann zu bündeln und parallel laufen zu lassen, hat aber auch noch einen weiteren Vorteil: Unnötige Zufahrtswege entfallen, alles kann vor Ort bleiben. Und damit kann am nächsten Morgen eben direkt weitergearbeitet werden.

 


3. Warum setzt ihr nicht einfach noch mehr Ersatzbusse ein? Es sind definitiv zu wenige, die sind immer knackevoll.

Das Problem der Strecke ist, es gibt keine wirklich Alternative, vor allem keine andere U-Bahn oder S-Bahn, die für die Fahrgäste erreichbar wäre. Unsere Ersatzbusse fahren schon nach Ansage die Strecke, die weniger von normalen Autos verstopft ist, stehen aber eben immer noch mit im regulären Verkehr. Ist auf der Strecke Stau, stecken wir mit drin. Das ändern auch mehr Busse nicht. So oder so: Egal wie viele Busse wir einsetzen, sie können schlicht nicht ein Schienen-Verkehrsmittel wie die U-Bahn ersetzen.


4. Warum fahren jetzt auch die regulären Busse an anderen Orten?

Dass das zur Verwirrung führen kann, kann ich gut verstehen. Vor allem die Betroffenen des Ersatzverkehrs sollen nun möglichst einfach zu ihrem Ersatzverkehrsmittel geführt werden. Da das von der Frequenz und Menge aber mehr Busse sind, als normalerweise hier fahren, ist schlicht kein Platz für alle normalen Buslinien und die ganzen Ersatzbusse. Deshalb hat man sich überlegt, wie und welche der bestehenden Bus-Linien für die Zeit der Sperrung sinnvoll verlegt werden können. So landet ihr als „normale Busfahrgäste“ nicht mitten in den Wirren der Leute, die zum Ersatzverkehr strömen. Natürlich kann man hier darüber nachdenken, die Verlegung der Haltestelle deutlicher kenntlich zu machen, damit nicht auf einmal noch mehr Leute ihren Weg suchen müssen.


5. Warum gibt es keine Ersatzverkehr-Alternativen wie Stadtrad, E-Tretroller oder Moia?

Gerade bei Strecken ohne wirkliche Alternative wird es in Zukunft extrem wichtig sein, genau über solche Dinge auch nachzudenken. Vielleicht aber auch über Lösungen zu diskutieren, wie Sonderbusspuren o.ä.. Dabei sind wir aber auch immer an die Vorgaben und Genehmigungen durch die Stadt gebunden. Aber ja, genau das muss künftig auch gemacht werden.


6. Warum gestattet man in der U1 nicht die Fahrradmitnahme? Dann könnte man auf sein eigenes Rad umsteigen, statt den Ersatzverkehr zu nutzen.

Generell gelten für Fahrräder Sperrzeiten, denn insbesondere morgens und nachmittags bzw. am frühen Abend sind die Bahnen besonders voll. Sollten es die Fahrgastzahlen aber zulassen, könnte man darüber nachdenken, so eine Ausnahmeregelung mal vorzusehen. Das haben wir mal an die Verantwortlichen hier im Hause gegeben.

Nichtsdestotrotz gibt es noch zwei Möglichkeiten. Entweder ihr nehmt ein Klapprad, das als Gepäckstück gilt oder aber ihr fahrt euer Fahrrad am Wochenende (dann gelten die Sperrzeiten nicht) einfach zur Haltestelle Langenhorn Markt (oder Ohlsdorf). Hier könnt ihr dann aus der U-Bahn auf euer Rad springen und den Abschnitt mit dem Ersatzverkehr umgehen. Dann wartet euer Fahrrad für den Heimweg ebenso am Bahnsteig und ihr macht das ganze anders herum noch mal. Klar muss das Fahrrad dann gut angeschlossen sein, aber wenn das eure Idee für den Zwischenteil ist, wäre das doch vielleicht eine pragmatische Lösung.

Kommentieren

10 Kommentare zu: Eure häufigsten Fragen zur U1-Sperrung in Langenhorn

  1. Die Wiener Linien arbeiten bei einem ähnlichen Projekt – Vollsanierung einer 100 Jahre alten U-Bahn unter Vollsperrung – jetzt gerade in diesen Tagen „rund um die Uhr“ (https://www.wienerlinien.at/eportal3/ep/contentView.do/pageTypeId/66526/programId/74577/contentTypeId/1001/channelId/-47186/contentId/4203905). Und brauchen für 3,5 Kilometer Vollsanierung nur zwei Monate. Die Strecke verläuft zum Großteil nicht im Tunnel, aber durch ein extrem dicht besiedeltes Gebiet der Wiener Innenstadt.

    Gelten in Österreich andere Lärmschutzgrenzwerte?

    1. Aus dem Ärmel geschüttelt kenne ich die Rahmenbedingungen nicht. Kann viele Gründe haben. Andere Genehmigungsfristen, Auflagen, mehr Handwerker/Bauarbeiter, kein barrierefreier Ausbau, andere Maschinen etc.

    2. Ja, in Österreich im allgemeinen und auch in Wien gelten da in der Tat andere Spielregeln. Für den Lärmschutz auf Grund von Baulärm gilt das Wiener Baulärmgesetz. Ausgenommen davon sind alle Bereiche in denen der Bund für die Gesetzliche Regelung zuständig ist. Ausgenommen davon sind auch der Straßenbahn- und U-Bahnbau die dem Eisenbahnrecht unterliegen und bei denen damit nicht das Wiener Baulärmgesetz anzuwenden ist.
      (https://www.wien.gv.at/wirtschaft/gewerbe/technik/pdf/baulaerm.pdf)

      Die Langeweile mich in das Eisenbahnrecht in Österreich einzulesen hatte ich jetzt nicht mehr. Anhand der Tatsache das dort aber durchgearbeitet wird kann man wohl davon ausgehen, dass das Eisenbahnrecht in Punkto Lärmschutz bei der Streckenerhaltung deutlich großzügiger ist.

      1. Die MOPO berichtet zur S-Bahn-Baustelle bei uns in Altona diesen Sommer, dass Anwohner „völlig entnervt“ gewesen seien. Die Bahn habe in der Nacht auf Sonntag zwischen 23.45 Uhr und 4.30 Uhr „Meißelarbeiten“ durchgeführt, die „das ganze Haus zum Vibrieren“ gebracht hätten. Das geschehe „seit einer Woche“ in „Tag und Nacht“.

        https://www.mopo.de/hamburg/anwohner-in-hamburg-verzweifelt-diese-bahn-baustelle-ist-ein-albtraum-32785062

        Wenn ich das richtig verstehe:
        Die DB hat in diesem Jahr eine Genehmigung für 24/7-Abbrucharbeiten per Bohrmeißel direkt gegenüber von Gründerzeit-Wohnhäusern in Altona bekommen,

        die Hochbahn dagegen muss 1/3 des Tages komplett Pause machen auf einer Baustelle, die an einigen Stellen über 150 Meter entfernt liegt vom nächsten Wohnhaus.

  2. „Egal wie viele Busse wir einsetzen, sie können schlicht nicht ein Schienen-Verkehrsmittel wie die U-Bahn ersetzen.“

    An folgenden Tagen habt ihr in den letzten 11 Jahren auf der U1 Ohlsdorf-Norderstedt, die keine Schienen-Alternative hat, unter Vollsperrung gebaut:

    9.8.2008-7.9.2008
    14.9.2012-16.9.2012
    28.9.2012-30.9.2012
    5.6.2013-8.9.2013
    13.9.2013-15.9.2013
    20.9.2013-22.9.2013
    28.8.2015-30.8.2015
    18.9.2015-20.9.2015
    22.7.2016-24.7.2016
    5.8.2016-7.8.2016
    4.4.2018-19.4.2018
    19.10.2018-28.10.2018
    3.6.2019-25.8.2019

    Kein Anspruch auf Vollständigkeit.
    Quelle: mein Notizbuch.

    1. Es ist richtig, dass wir jedes Jahr ganz unterschiedliche Sperrungen auf unseren U-Bahn-Linien haben. Übrigens auch auf allen anderen Linien. Bei einem teils über 100 Jahre alten Netz lässt sich das nicht vermeiden. Auch Ihre Daten zeigen, dass dies ganz unterschiedliche Maßnahmen sein können. Mal ist es eine Wochenendsperrung, bei der Gleise erneuert werden, mal werden Brücken ausgetauscht oder die Haltestellen barrierefrei. Dann muss es auch mal länger dauern (so wie jetzt gerade). Seien Sie aber sicher, dass wir das nicht zum Spaß machen, sondern vor allem für den sicheren Betrieb der U-Bahn und damit letztlich für all unsere Fahrgäste. Dass das für Sie Beeinträchtigungen bedeutet ist nicht schön, aber leider nicht immer zu vermeiden. Mit Ersatzverkehren oder Pendelverkehren (ich meine, dass davon bei Ihrer Aufzählung auch welche dabei waren), versuchen wir, die Beeinträchtigungen immer auch zu verringern und die Zeiträume möglichst kurz zu halten. Die Alternative wäre, das Netz verkommen zu lassen und irgendwann gar nicht mehr mit der U-Bahn fahren zu können.

      1. Waren alles Vollsperrungen mit Ersatzverkehr, in dem ich selbst drin saß. Nur dann mache ich einen Eintrag ins Notizbuch. Pendelverkehre sind Kindergeburtstag, da verliert man selten mehr als 10 Minuten und es gibt öfter sogar einen Sitzplatz. Nicht der Rede wert.

  3. Ist denn abzusehen das die Kollegen am 25.8. wirklich fertig sind, oder kann es passieren das noch ein paar Wochen drangehängt werden müssen? Bei so lang-laufenden Projekten gibt es ja immer eine gewisse Planungsunsicherheit.

Schreibe einen Kommentar