Titelbild Wasserstoffbusse vs E-Busse

Gibt es noch Wasserstoffbusse bei der HOCHBAHN? 

Die Aufregung in den letzten Wochen war groß. Viel war von Brennstoffzellen- und Batteriebussen die Rede und auf welche Antriebstechnologie für ihre Busse sich die HOCHBAHN künftig konzentrieren wird. Schnell verliert man den Überblick, wo wir mit unseren Bussen denn gerade überhaupt stehen. Und noch wichtiger: welche emissionsfreien Busse wir kaufen und einsetzen werden.  

Werfen wir darauf also mal einen genaueren Blick.  


Ein klares Ziel und unser Weg dorthin 

Nicht neu für viele von euch: Ab 2020 wollen wir nur noch emissionsfreie Busse anschaffen. Dieses Ziel hat sich Hamburg gesetzt.  

Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir viele Jahre ganz verschiedene Antriebstechnologien für Busse getestet (lest hier nach, welche) und untersucht, welche für unsere Bedarfe am Besten funktioniert.   

Das Ergebnis: E-Busse mit Steckerladung funktionieren (für uns und unsere Bedürfnisse) heute am zuverlässigsten. Und mehr noch, sie werden heute schon als serienreife Fahrzeuge angeboten und verkauft.   

Erster serienreifer Elektrobus
Der erste serienreife E-Bus von EvoBus bei seiner Vorstellung im November 2018.

Seit Ende letzten Jahres können uns die zwei Hersteller EvoBus und Solaris also die ersten Fahrzeuge liefern, die mit einer Ladung mindestens 150 km weit kommen. Heute fahren je zwei E-Busse von EvoBus und Solaris durch Hamburg. Und es geht immer weiter. 26 Busse folgen dieses, 30 kommendes Jahr. Und gerade bereiten wir die erste Ausschreibung für serienreife E-Gelenkbusse vor. Es geht also stetig voran mit dem Aufbau der emissionsfreien Bus-Flotte in Hamburg.  


Herausforderung Reichweite: Wasserstoff und Zwischenladung als Option   

Bei den serienreifen E-Bussen von EvoBus oder Solaris haben wir (und die Hersteller) aber nach wie vor die große Herausforderung Reichweite. Mit der derzeit garantierten Reichweite beider Hersteller von 150 Kilometern können wir die E-Busse auf den kürzeren Umläufen ohne Probleme einsetzen. Hier ersetzen sie also schon heute den ganz normalen Dieselbus. Die E-Busse, die im kommenden Jahr folgen, sollen schon garantiert 200 km Reichweite haben. 

In Zukunft brauchen wir aber E-Busse, die auch größere Reichweiten von über 200 km schaffen – bis zu 350 Kilometer und mehr. Ob die Fortschritte im Batteriebereich das sicherstellen, ist derzeit noch offen. Damit sind wir ab Mitte der 2020er Jahre aber sehr wahrscheinlich auf Möglichkeiten angewiesen, um die Reichweiten unserer E-Busse zu erhöhen. In jedem Fall müssen wir uns jetzt strategisch darauf einstellen, um rechtzeitig eine Lösung für größere Reichweiten zu haben. 


Die Option, auf die wir gemeinsam mit den Herstellern setzen, ist der E-Bus mit Batterie und Brennstoffzelle als Range Extender. Hier dient die Brennstoffzelle als zusätzliche Energiequelle auf dem Fahrzeug, die die Batterie bei der Fahrt nachlädt. Damit wird die Reichweite des “reinen Depotladers” beträchtlich verlängert. Zwei Fahrzeuge von Solaris erproben wir gerade im Echtbetrieb. Spätestens 2022 sollen die ersten Gelenkbusse mit dieser Technologie von EvoBus folgen. 

Hier zu sehen: Ein E-Bus mit Batterie und Brennstoffzelle als Range Extender von Solaris vor dem Hamburger Rathaus.

Eine weitere Option ist das Opportunity Charging, also das Laden auf der Strecke, z.B. an den Start- oder Zielhaltestellen mit Hilfe eines Pantografen. Hierfür müsste eine Ladeinfrastruktur aufgebaut werden, was sicherlich nicht überall ganz einfach sein dürfte. Darüber hinaus frisst das Aufladen aber auch Zeit, die wir im Fahrplan berücksichtigen müssen. 

Opportunity Charging
Opportunity Charging z.B. mit Hilfe von Pantografen an Start- und Endhaltestelle

Warum nicht einfach gleich auf Brennstoffzellenbusse setzen 

Nun könnte man fragen, wieso wir dann nicht gleich auf die Brennstoffzellentechnologie, also Wasserstoff setzen. Wer die News verfolgt hat, wird vielleicht noch konkreter fragen: Wieso behaltet ihr denn die Brennstoffzellenbusse, die ihr sowieso habt, nicht einfach? 

Dazu muss man wissen, dass die Brennstoffzellenbusse, die wir bis Ende letzten Jahres hatten, auch nur Prototypen waren, die wir seit 2011 getestet haben. Dieses Forschungsprojekt ist jetzt ausgelaufen, hat uns aber auch wichtige Erkenntnisse gebracht. 

Denn gerade die Lagerung und/oder Produktion einer großen Menge an Wasserstoff, den wir für eine komplette Flotte dieser Busse benötigen würden, stellt uns vor einige Herausforderungen. Hier sind gesetzliche Auflagen zu erfüllen. Die E-Busse mit Batterie und Brennstoffzelle als Range Extender lösen das Problem dadurch, dass die benötigte Menge an Wasserstoff deutlich geringer ist. Mit den hierfür benötigten Mengen haben wir keine Lagerprobleme. Die Brennstoffzellentechnologie bleibt deshalb ein wichtiger Baustein der Fahrzeugstrategie der HOCHBAHN, um das Ziel zu erreichen, dass spätestens 2030 der letzte Dieselbus vom HOCHBAHN-Hof fährt. 

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4 Kommentare zu: Gibt es noch Wasserstoffbusse bei der HOCHBAHN? 

  1. Wird eigentlich die Umweltbilanz der gesamten Kette beachtet? Oft liest man ja, dass insgesamt betrachtet Batteriebetriebene Autos gar nicht mal besser sind. Die Umwelt wird nur an anderer Stelle belastet.

    Also die konkrete Fragen:
    – Aus welcher Motivation heraus wird aktuell in batteriebetriebene Busse investiert? E is trendy? Bessere Luft in der Stadt? Oder um wirklich den globalen Klimahaushalt aufzubessern?

    – Wenn man alles zusammen betrachtet, wie sind die Umweltbilanzen Diesel vs Batterie vs Wasserstoff?
    Produktion, Produktion der Batterien (Austausch nach x Jahren nötig?), Stromproduktion (ich weiß ihr bezieht „Ökostrom“, aber Strom ist Strom ist Strommix), Entsorgung. Wahrscheinlich gibt es noch weitere Faktoren…

    Ich denke in dieser Hinsicht ist bei zukünftiger Mobilität noch nicht dass letzte Wort gesprochen.

    1. Eines unserer TOP-Nachhaltigkeitsziele lautet: Verantwortung übernehmen – lokal und global. Das Thema nachhaltige Beschaffung spielt in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Erstmalig werden wir in diesem Jahr Nachhaltigkeitsstandards in den Beschaffungsvorgängen der HOCHBAHN verankern. Bezugsrahmen sind zunächst die Ziele und Werte des „United Nations Global Compact“, denen sich die HOCHBAHN im Jahr 2017 verpflichtet hat und die integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie HOCHBAHN 2030 und unserer Geschäftsprozesse sind. Diese Nachhaltigkeitsstandards werden in Form eines Code of Conducts für unsere Lieferanten verpflichtend. Uns ist es also wichtig, mit Lieferanten zusammenzuarbeiten, die nach ökologischen und sozialen Standards handeln. Bei Risikoprodukten wie z.B. den Batteriezellen für Elektrobusse gehen wir einen Schritt weiter und werden Nachhaltigkeitsleistungen bei den Herstellern im Detail abfragen und im Rahmen der Vergabe bewerten. Aufgrund der Komplexität und zahlreichen Risiken steht dabei die Transparenz und Kontrolle über die Lieferketten für die Batteriezellen im Fokus, um Menschenrechte und Umwelt zu schützen. Dazu beziehen wir nur noch zertifizierten, also hochwertigen Ökostrom und sorgen so dafür, dass der grüne Anteil im Stromsee durch den Ausbau Erneuerbarer-Energie-Anlagen wächst.
      Ich gebe Ihnen aber völlig Recht, dass da in Zukunft sicher noch viel mehr passieren wird.

      1. Ok, das beantwortet die erste Frage: Ihr tut etwas und macht euch nicht nur Gedanken ums Kleine.

        Allerdings bleibt Frage 2 offen. Vielleicht kannst du hier mal die Studien verlinken, nach denen ihr die Entscheidung zugunsten Batteriebus getroffen habt. Dort müsste ja herauskommen, dass global betrachtet der E-Bus am sinnvollsten ist –
        oder in einem weiteren Artikel die Umweltbilanzen der verschiedenen Antriebsarten aufschlüsseln.

      2. Die Entscheidung für E-Busse mit Batterien beruhen ja auf unseren Erfahrungen mit Herstellern und Technologien. Umweltbilanzen nehme ich mal mit in meinen Themenspeicher. Das einfach zu erklären wäre sicherlich ganz spannend.

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