Wieso die Haltestelle Mönckebergstraße unbedingt jetzt barrierefrei ausgebaut werden muss

Es geht los: Während die seit Beginn des Jahres laufenden Leitungsarbeiten nun abgeschlossen sind, starten ab dem 6. Juli die eigentlichen Bauarbeiten für den barrierefreien Ausbau an der U-Bahn-Haltestelle Mönckebergstraße.

Auch wenn der barrierefreie Ausbau an sich natürlich eine gute und auch notwendige Sache ist, gibt es doch einige, die über die Bauarbeiten nicht wirklich glücklich sind. Es geht vor allem um Gewerbetreibende, die diese Baustelle direkt vor ihren Läden haben. Sie fürchten, dass durch die Beeinträchtigungen ihre Kunden wegbleiben. Und gerade während Corona ist das natürlich noch weniger schön. Deshalb fordern viele von ihnen, die Bauarbeiten zu verschieben.

Solch eine Verschiebung hätte allerdings weitreichende Konsequenzen und ist für die HOCHBAHN deshalb auch keine Option. Welche Gründe das hat und was vor Ort trotzdem passiert, um die Geschäfte so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, schaue ich mir mal genauer an.

Punkt 1: Wieso ist eine Verschiebung des barrierefreien Ausbaus keine Option?

Grund hierfür ist die ab nächstem Jahr anstehende U3-Sanierung in der Innenstadt. Wie Pia bereits erklärt hat, muss der über 100 Jahre alte U-Bahn-Trog am Adolphsplatz bzw. am Mönkedamm durch einen Neubau ersetzt werden, um auch in den kommenden Jahren einen sicheren U-Bahn-Betrieb garantieren zu können. Schon jetzt fährt die U-Bahn dort nur noch mit 30km/h statt der technisch zulässigen 40 km/h. Um einen Verschleiß der Infrastruktur zu verhindern und die Bausubstanz zu erneuern, muss die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Baumwall im Januar 2021 für vierzehn Monate gesperrt werden. Darin liegt aber auch eine Chance: Die Mönckebergstraße liegt bekanntlich genau auf dieser Strecke und kann ebenso wie die Haltestelle am Rathaus entsprechend im „Windschatten“ des Großbauprojekts gleich mit umgebaut und saniert werden. Im Frühjahr 2022 sind dann beide Haltestellen barrierefrei erreichbar.

Was passiert, wenn man die Bauarbeiten nicht zusammenlegt?

Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Da beide Baumaßnahmen mit Streckensperrungen verbunden sind, würden die sich bei einer Verschiebung des barrierefreien Ausbaus in der Mönckebergstraße natürlich summieren. Heißt: Statt vierzehn Monaten wäre der U3-Betrieb in der Innenstadt dann zwei oder drei Jahre später nochmals für 12 Monate und damit für insgesamt 26 Monate unterbrochen. Für die täglich rund 65000 Fahrgäste, die auf der Gesamtstrecke zwischen Hauptbahnhof und Rödingsmarkt/Baumwall unterwegs sind, wären das keine schönen Aussichten.

Und wenn man den barrierefreien Ausbau erstmal gar nicht macht?

Mal ehrlich – niemand von uns würde diese Option ernsthaft in Erwägung ziehen. Ganz abgesehen davon, dass auf Basis der UN Behindertenrechtskonvention eine EU-Gesetzgebung hervorgegangen ist, die offiziell vorgibt, innerhalb der nächsten Jahre den ÖPNV barrierefrei auszubauen. Die Frage, ob nun barrierefrei oder nicht, steht also gar nicht zur Debatte. Bleibt die Frage, ob 14 oder 26 Monate Sperrung. Und da hat die HOCHBAHN (und vermutlich auch viele Fahrgäste) eine ganz klare Antwort.

Punkt 2: Und was bedeutet das nun für die Geschäfte in der Mönckebergstraße?

Natürlich muss die Sorge der Gewerbetreibenden trotzdem ernst genommen werden. Ziel ist, einen bestmöglichen Kompromiss für beide Seiten zu finden. Beispielsweise arbeitet die HOCHBAHN wie auch bei den Bauarbeiten zur U4 am Jungfernstieg daran, die Bauflächen weiter zu minimieren und damit mehr Raum für Anlieger und Passanten zu schaffen, auch wenn der Planfeststellungsbeschluss das nicht vorschreibt. Nun ist es den Planern der HOCHBAHN in den fortschreitenden Planungen gelungen, die Bauabläufe so zu optimieren, dass die Arbeiten auf der Südseite der Mönckebergstraße um mindestens einen Monat verkürzt werden können und damit frühestens Anfang August starten. Bedeutet im Umkehrschluss mindestens ein Monat mehr uneingeschränkte Nutzung der Flächen. Parallel laufen bereits weitere Prüfungen, ob und wie man die Auswirkungen der Bauarbeiten reduzieren kann.

Was bekommt man oberirdisch denn von der Baustelle mit?

Während der Bauzeit passieren die Busse, aber auch der Lieferverkehr und die Fahrradfahrer*innen im sogenannten Blockverkehr abwechselnd die Baustelle. Geregelt wird das Ganze durch ein Ampelsystem, so auch an den Fußgängerüberwegen vor und hinter der Baustelle. Damit das sonst so übliche Baustellenchaos durch herumstehende Maschinen, Fahrzeuge und Baustellenschrott von der Einkaufsstraße ferngehalten wird, ist die Baufläche durch eine blickdichte Umzäunung abgegrenzt. Das bietet natürlich auch Schallschutz und verhindert eine Verschmutzung des Umfelds. Auch hierfür stehen die HOCHBAHN und die Gewerbetreibenden im Austausch, um die Umzäunung optisch gemeinsam zu gestalten. Zwischen der abgegrenzten Baufläche und den Geschäften befinden sich dann geordnete Gehwege von drei Meter Breite. So chaotisch wie auf dem Foto sieht es dann also nicht mehr aus (was hier der Tatsache geschuldet war, dass die vorangegangenen Leitungsarbeiten auch näher an den Hauswänden durchgeführt werden mussten).

Fazit

Klar ist also, dass ab Montag gebaut wird, um das Sperrungsfenster der U3-Sanierung im nächsten Jahr mitnutzen zu können. Nichtsdestotrotz wird geprüft, ob es über die einmonatige Verkürzung der Bauzeit hinaus noch weiteres Optimierungspotenzial gibt, um die Eingriffsintensität vor Ort zu verringern. Sollte das der Fall sein, werde ich euch in jedem Fall auf dem Laufenden halten.

Kommentieren

1 Kommentar zu: Wieso die Haltestelle Mönckebergstraße unbedingt jetzt barrierefrei ausgebaut werden muss

Schreibe einen Kommentar