Schwarz-weiß statt Orange – Was es mit dem neuen Design an der U1-Haltestelle Jungfernstieg auf sich hat

Es ist geschafft – die Sperrung zwischen Stephansplatz und Hauptbahnhof Süd ist beendet und wir können wieder wie gewohnt mit der U1 in die Innenstadt fahren. Zumindest zum Jungfernstieg, denn wie bereits berichtet, fahren die Bahnen an der Haltestelle Steinstraße bis einschließlich 6. September noch durch.

Der ein oder andere von euch wird seit Freitag bestimmt schonmal am Jungfernstieg ein- oder ausgestiegen sein. Was dabei nicht zu übersehen ist: Die Haltestelle ist kaum wiederzuerkennen. Wäre der Haltestellenname nicht angeschrieben, könnte man glatt meinen, sich verfahren zu haben.

Aber wieso wurde die Haltestelle überhaupt umgestaltet? Und was steckt hinter dem neuen Design? Eine Spurensuche.

Kurzer Rückblick: So sah die Haltestelle Jungfernstieg vorher aus

Wir erinnern uns: Seit den 70er Jahren schmückten knallorangefarbene Fliesen die Wände hinter dem Gleis. Ein unverkennbares Design, das es so in abgewandelter Form nur noch an der U-Bahn-Haltestelle Ritterstraße gibt.

Altes Design Jungfernstieg
U1-Haltestelle Jungfernstieg im alten Design (Foto: Jäkel)

Tatsächlich schien diese Gestaltung auch gar nicht so unbeliebt gewesen zu sein, wenn man die nachfolgenden Kommentare der Leser hier auf dem Blog liest.

Leserkommentar Jungfernstieg
Leserkommentar Jungfernstieg

Klar ist, dass es an der Zeit war, die Haltestelle barrierefrei auszubauen. Aber wieso wurde gleichzeitig auch das Design komplett erneuert?

Wieso hat man die ursprüngliche Gestaltung nicht erhalten?

Von meinen Kollegen aus dem Fachbereich habe ich erfahren, dass die Bausubstanz mittlerweile ganz schön in die Jahre gekommen ist und teilweise beschädigt war. Deshalb war eine Instandsetzung und Modernisierung der U1-Haltestelle am Jungfernstieg bereits seit Längerem Thema. Mit dem barrierefreien Ausbau bot es sich nun an, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und beide Vorhaben in die Tat umzusetzen.  

Aus welchem Grund hat man sich für das neue Design entschieden?

Seit der Wiedereröffnung zeigt sich die U1-Haltestelle am Jungfernstieg in einem edlen Hell-Dunkel-Look. Wo vorher die orangefarbenen Fliesen die Wände hinter dem Gleis zierten, sind nun schlichte mattschwarze Flächen zu sehen. Diese stehen in einem starken Kontrast zu einem hellem Terrazzo-Boden – ein gegossener Betonboden, der durch Weißzement seine helle Farbe erhält. Übrigens: Der Terrazzoboden ist als Bauweise seit der Antike bekannt und heute noch in vielen gründerzeitlichen Gebäuden zu finden.

Neues Haltestellendesign Jungfernstieg
Schwarz-weiß-Kontrast: Das neue Design an der U1-Haltestelle Jungfernstieg

Hinter dem Motiv für das neue Design steckt, dass die Haltestelle ursprünglich sehr niedrig und eng gebaut wurde. Durch die Bahnsteigerhöhung hat der Bahnsteig nun nochmals 20 cm an Höhe verloren.

Der neue schwarz-weiß-Kontrast lässt den Haltestellenraum größer und weiter wirken. Die mattschwarzen Flächen im Gleisbereich nehmen dem Auge mögliche Bezugspunkte, sodass die Raumkanten, die den Raum sonst eingrenzen würden, nicht mehr sofort sichtbar sind.

Mein Kollege Volker Schmidt aus dem Fachbereich hat das an dieser Stelle ganz schön formuliert: „Durch den starken Kontrast scheint der helle Fahrgastbereich quasi in einem unendlichen Raum zu schweben.“ Trotz der dunklen Außenflächen wirkt der Raum weiter als mit den orangefarbenen Fliesen.

Und was hat es mit dem Decken-Design auf sich?

An Stelle der früheren schlicht-weißen Putzdecke hat die Haltestelle eine Decke aus dreidimensionalen Metallplatten erhalten. Auch diese soll den Raum optisch anheben und größer wirken lassen. Es steckt aber noch eine ganz andere Idee dahinter: In ihrer sich spiegelnden Form vermittelt die Decke den Eindruck einer Wasseroberfläche. Damit wird die Lage der Haltestelle unter der Alster symbolisiert.

Wer steckt hinter dieser Design-Entwicklung?

Das Entwurfskonzept ist in Zusammenarbeit der HOCHBAHN und des Architekturbüros WRS Architekten & Stadtplaner aus Hamburg entstanden.

Um auch wirklich sicher zu sein, dass das Konzept aufgeht, haben die Planer in den Räumen des Architekturbüros sogar ein 1:1-Modell aufbauen lassen, an dem sie Materialien, Farbgebung und Beleuchtung getestet haben, bis das gewünschte Ergebnis zum Vorschein kam.

Innerhalb der HOCHBAHN werden verschiedene Fachabteilungen in solch eine Entwicklung eingebunden: Zum einen sind das natürlich Architekten und Ingenieure der Hochbauplanung. Zum anderen sind das aber auch der U-Bahn-Betrieb sowie die zuständigen Kolleginnen und Kollegen für Gebäudeverwaltung, da diese in Fragen Instandhaltungsfreundlichkeit und Reinigungsfähigkeit ebenso einen Blick auf die Materialauswahl werfen.
Im Zuge dieser Abstimmungen wird dann das endgültige Gestaltungskonzept festgelegt.

Welche Bauarbeiten müssen jetzt noch fertiggestellt werden?

Die Haltestelle ist wieder befahrbar, der barrierefreie Ausbau wird aller Voraussicht nach aber im Frühjahr 2021 fertig sein.

Dafür muss der Aufzug noch installiert werden. Und auch der Ausbau in einigen Nebenräumen – also hinter den Kulissen – ist noch in Arbeit.  Die bereits jetzt schon erkennbare Spiegeldecke und Wandfläche befinden sich an einigen Stellen auch noch in den finalen Zügen. In jedem Fall ist die neue Haltestelle aber schon jetzt ein echter Hingucker!

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19 Kommentare zu: Schwarz-weiß statt Orange – Was es mit dem neuen Design an der U1-Haltestelle Jungfernstieg auf sich hat

  1. Das neue Design wirkt gelungen auf dem Foto. Am besten ist die Abwesenheit der Großwerbeplakate. Wird das so bleiben? Ich hoffe, denn die wirkten immer sehr primitiv.

    1. Die klassischen Werbetafeln wird es nicht mehr geben. Ströer plant stattdessen eine neue Generation von Großbilddisplays im Gleisbereich, die mit verschiedenen, wechselnden Motiven bespielt werden sollen.

  2. Ich finde das neue Design der Haltestelle Jungfernstieg auch gelungen, finde allerdings das Schwarz an den Seitenwänden zu dunkel. Wie wäre es denn mit einer Rekonstruktion des ursprünglichen rot-weißen Fliesen-Mosaiks, wie dieses bis ungefähr Anfang der 1970er Jahre vorhanden war und dann anlässlich der IGA 1973 durch das jetzt ersetzte orangene Design ersetzt worden ist?
    Eine gleiche Rekonstruktion des ursprünglichen Fliesen-Mosaiks könnte ich mir auch in Stephansplatz vorstellen, ganz gleich, welche Variante mit der U5 zum Tragen kommt.

  3. Ja genau: Das machen dann die vielen fleissigen und kompetenten Mitarbeiter der TEREG. Die haben die Haltestellen- und Fahrzeugreinigung seit mehr als 50 Jahren praktisch „im Blut“. Ich kenne die U-Bahnverkehrsnetze anderer deutscher Städte wie Berlin und München. Da sind wir hier in puncto Sauberkeit im U-Bahn- und Busbereich mal richtig gut aufgestellt. Und Hamburg verdient zu Recht den Zusatz “ meine Perle“…

  4. Ich kam gestern 30.August Sonntags in Kiwittsmoor von der Bahn raus. Eine Gruppe von Hoch Bahn Mitarbeiter wollen meine Fahrkarte kontrollieren. Weil ich meine Maske verloren habe, hatte ich mit der Hand mein poli vor dem Mund gehalten. Da ich in anderer Hand Blumen hatte, musste ich mein e Bahn-Karte vom Rucksack raus bringen. Ein Hoch Bahnmitarbeiter 40 Euro mir eine Straf-Zettel schreibt. Er meinte dass ich keine Maske habe, obwohl er gesehen hat dass ich meine poli an der Mund halte. Er hat sich doll rassistisch verhalten und suchte Probleme. Als ich aufgeregt war und Polizei angerufen habe, hat eindere Mitarbeiter so verhalten, als ob ich ein Verbrecher bin. Warum braucht man Bahn Karte wenn man sowieso Strafe wegen Böse Gründe bezahlen muss. Ich bin wortlos. Ich weiß nur eins. Ihr büßt für eure Verbrechen und rassistisches Verhalten. Und ich werde meine Karte kundigen. Ich werde nicht Rassisten für ihre Dienste bezahlen. Ich werde an euch rechen. Ihr habt mich nach 12 Stunde Wochenendenachtschicht fertig gemacht. Übrigens keine von Mitarbeiter hatte Dinstkleidumgen an. Als ich Ausweis erlangt habe, haben die mich ohne Grund 40 Euro schrafzettel geschrieben. Ich bezahle 40 Euro. Aber ihr werdet für die Ausbeutung mehr bezahlen. Und Ihre Mitarbeiter haben kein cm von mir Abstand gehabt, obwohl ich Ihnen mehr mals gesagt habe.
    Wenn ich keine schwarze Haare hätte, würde ich nicht einfach so wie Verbrecher behandelt werde.
    Ihr habt das ganze bei mir gut.

    Das ist ja Deutsche Hochban.

    1. Hallo,
      aus der Ferne können wir uns zu diesem Vorfall nur schwer äußern. Dass die Kollegen keine Dienstkleidung anhatten, ist erstmal nicht ungewöhnlich, da zurzeit auch Kontrollen in Zivil stattfinden. Eins ist aber klar: Rassismus hat bei uns keinen Platz und wird nicht akzeptiert. In einem konkreten Fall helfen bei der Aufklärung unsere Kollegen aus dem Beschwerdemanagement gerne weiter. Sie erreichen Sie unter feedback@hochbahn.de
      Bitte schildern Sie den Fall dort nochmal, mit Datum und Uhrzeit, dann können die Kollegen es nach verfolgen.

  5. Alao ich finde es sieht schön aus. Ich werde zwar die Orangen Fliesen vermissen, aber das ist ein guter Ersatz finde ich. Das selbe Design wurde auch beim Bahnhof Reeperbahn und Königstrasse benutzt. Da frag ich mich, werden noch mehr Station so gemacht?

  6. Ergänzung:
    Ihr bekommt immer wieder richtig toll und mit Liebe gestaltete Tunnelstationen hin. Bei den barrierefreien Umbauten sieht man an vielen Stellen, dass ihr euch bis in Details Gedanken zur Gestaltung gemacht hat. Es ist richtig angenehm, diese Stationen zu benutzen, zumal ihr die Reinigung gut im Griff habt und die Haltestellen auch nach Jahren noch wirklich ästhetische Top-Eindrücke hinterlassen.

    Jetzt das „aber“: Ausgerechnet Hauptbahnhof Süd/U1 fällt raus. Die Haltestelle sieht auf der Bahnsteigebene aus, als wenn die DB sie nebenbei nach ihrem S-Bahn-Standard betreut: seit fünf Jahren eine Baustelle, abgenutzter Boden, Bauzäune, die Decke abgenommen, immer wieder liegt Müll rum, nachts am Wochenende gern Kotze. Alles nicht schön. Was ist da geplant?

    1. Ich gebe das Kompliment gerne an die Kolleg*innen weiter 🙂
      Zu Ihrer Frage: Am Hauptbahnhof Süd wird zurzeit die Decke über dem Bahnsteig der U1 bearbeitet, Bodenbeläge in der Schalterhalle sowie Bahnsteigwände folgen. Die Bauzeiten sind deshalb so lang, weil dort keine Betriebsunterbrechung möglich ist und daher sehr viele Arbeiten innerhalb von nur drei Stunden in den nächtlichen Betriebspausen ausgeführt werden können. Deshalb kommen die Kolleg*innen da nur langsam voran. Hätten wir auch gerne anders, aber die Kolleg*innen tun bereits, was im Bereich des Möglichen liegt 🙂

  7. Ich ziehe meinen Hut! War gestern kurz am Jungfernstieg und finde die Lösung ausgesprochen gelungen. Die Problematik mit der niedrigen Decke war mir gar nicht bewusst.

  8. Ich finde das neue Design schön. Ich frage mich nur, was sind das für Kasten, die neben der Kamera direkt über der Bahnsteigkante an der Decke hängen? Ich finde, die fallen hier besonders stark auf… Oder gibt es diese auch in allen anderen Bahnhöfen, nur ist mir dies nie aufgefallen?

    1. Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Kästen Sie genau meinen. Ich habe aber mal bei meinem Kollegen nachgefragt und folgende Antwort erhalten:
      „Im Deckenbereich an der Bahnsteigkante gibt es zwei verschiedene Kästen:
      Zum einen längliche Lautsprecher im Abstand von ca. 10 m zueinander.
      Zum anderen gibt es direkt neben den Kameras technische Übergabedosen, von denen die Kamera versorgt wird.
      Diese sind recht klein und fast quadratisch.“
      Hilft Ihnen das weiter? 🙂

      1. Ich glaube, gemeint sind eher diese grau-silbrigen Kästen, die aussehen wie kleine Monitore… sieht jedenfalls nicht aus wie ein Lautsprecher und auch zu groß für eine „kleine quadratische Übergabebox“. Mich würde jedenfalls auch interessieren, wozu die da sind. 😉

  9. Als ich das erste Mal die Haltestelle gesehen habe konnte ich diese fast nicht wiedererkennen. Ich bin aber sehr positiv überrascht. Das Design ist gelungen.

  10. Ich finde das neue Design ausgesprochen gelungen!

    Es wirkt etwas „spacig“ und ist mal etwas völlig anderes. Mir gefällt es.

    Ich hoffe nur, dass die Hochbahn mit dem hellen Boden besser zurecht kommt, als die S-Bahn. Dort sah der Boden ja nach wenigen Wochen ganz schlimm aus.

    1. Genau aus solchen Gründen sind die Kolleginnen und Kollegen der Gebäudeverwaltung mit in den Entscheidungsprozess eingebunden, um auch bewerten zu können, wie gut oder schlecht sich die jeweiligen Materialien reinigen lassen. Für eine regelmäßige Reinigung ist natürlich gesorgt 🙂

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