Sicher unterwegs am Bahnsteig: Können KI-Kameras dabei unterstützen?

Vielleicht habt ihr es auch gerade in den Medien gelesen oder es wurde euch in eure Timeline gespült: In einem Pilotprojekt testet die HOCHBAHN aktuell den Einsatz von KI-Kameras an ausgewählten U-Bahn-Haltestellen. Die Idee: Sie sollen Gefahrensituationen automatisch erkennen, sodass das Team noch schneller darauf reagieren kann. Eine erste Auswertung zeigt jetzt: Das Konzept ist vielversprechend! Schauen wir uns das also einmal genauer an. 

Warum der aufmerksame Blick so wichtig ist 

Die HOCHBAHN hat ihre U-Bahn-Haltestellen rund um die Uhr fest im Blick: Neben der HOCHBAHN-WACHE, die täglich im gesamten Netz unterwegs ist, sind dafür schon heute an jeder U-Bahn-Haltestelle Kameras im Einsatz, über die die Leitstelle jederzeit schauen kann, was am Bahnsteig vor sich geht. So sieht das Team zum Beispiel, wenn jemand unbefugt die Gleise betritt, wenn ein Fahrgast am Boden liegt und offensichtlich Hilfe braucht, ein Bahnsteig sehr voll ist oder es zu einer Auseinandersetzung kommt. Die Kolleginnen und Kollegen reagieren dann direkt, indem sie je nach Situation Durchsagen machen, ein Team der HOCHBAHN-WACHE oder den Rettungsdienst informieren oder das Fahrpersonal anweisen, den Zug zu stoppen. Ihr könnt euch vorstellen: Je früher das Team so eine kritische Situation bemerkt, desto besser. 

  

Ein Blick in die U-Bahn-Leisttelle, in der ein Kollege der HOCHBAHN-Wache die Bahnsteige beobachtet.
Die guten Geister im Hintergrund: Über Bildschirme haben die Kolleginnen und Kollegen der HOCHBAHN-WACHE die U-Bahn-Haltestellen jederzeit im Blick.

Können KI-Kameras dabei unterstützen? 

Um das Team in der Leitstelle, das immerhin 93 U-Bahn-Haltestellen gleichzeitig im Blick hat, dabei zu unterstützen, schauen HOCHBAHN und HOCHBAHN-WACHE laufend nach neuen Möglichkeiten. Und hier kommen die neuen KI-Kameras ins Spiel. Die Idee: Sie sollen sicherheitskritische Muster automatisch erkennen – z.B. die besagte liegende Person, ein Gerangel oder sehr viele Menschen am Bahnsteig. Fällt der KI eine solche Situation auf, gibt sie automatisch einen Hinweis an die Leitstelle, die den eingehenden Vorfall dann mit geschultem Auge bewertet. So können die Kolleginnen und Kollegen wertvolle Zeit gewinnen und noch früher reagieren bzw. Hilfe holen. 

Wo das Projekt gerade konkret steht – und wie es weitergeht 

Das Projekt verlief bisher in mehreren Phasen, in denen unterschiedliche Ansätze erprobt wurden: Im ersten Schritt wurde an drei ausgewählten, besonders viel genutzten U-Bahn-Haltestellen geprüft, ob sich die Bestandskameras mit KI verknüpfen und entsprechend nutzen lassen. In einem zweiten Schritt wurde das Ganze an den Haltestellen Baumwall und Barmbek dann mit neuen KI-Kameras wiederholt. Die neuen Kameras hatten dabei klar die Nase vorn: Die KI-gestützte Videoanalyse bietet hier tatsächlich vielversprechende Möglichkeiten, kritische Situationen früher zu erkennen. Deshalb sollen sie an den beiden Haltestellen nun auch in Zukunft eingesetzt werden – erstmal allerdings nicht im Dauerbetrieb, sondern weiterhin phasenweise. Noch dieses Jahr sollen außerdem die U Landungsbrücken und 2027 auch die U Hauptbahnhof Süd folgen. Übrigens: Für Fahrgäste sind diese Tests mit der KI-gestützten Videoerkennung, die in Einklang mit den geltenden Datenschutzvorgaben der DSGVO steht, von außen nicht wahrnehmbar. 

So viel also zum aktuellen Stand des Pilotprojekts. Inwieweit KI auf lange Sicht einen festen Beitrag zur Sicherheit an unseren U-Bahn-Haltestellen leisten kann, wird sich aber noch zeigen. Auch, weil die Software noch weiteres Training benötigt, um eine wirklich zuverlässige Assistenz zu sein. Denn wie jeder andere neue Mitarbeitende auch wird die KI erst noch „eingearbeitet“, um die verschiedenen Situationen wirklich zuverlässig zu erkennen. Ich werde hier berichten, wie es weitergeht! 

Gut zu wissen: Das aufmerksame menschliche Auge ist auch in Zukunft noch gefordert. Auch Fahrgäste sind hier übrigens immer wieder eine große Hilfe. Wenn ihr also seht, dass jemand Hilfe braucht oder am Bahnsteig ein komisches Bauchgefühl habt, erreicht ihr die Leitstelle jederzeit über die Notrufsäule. Davon gibt der es an jedem Bahnsteig mindestens eine. Hier erklärt euch Florian, wie das funktioniert! 


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1 Kommentar zu: Sicher unterwegs am Bahnsteig: Können KI-Kameras dabei unterstützen?

  1. Leider gibt die Hochbahn keine konkreten Infos dazu, warum das Projekt erfolgreich sei. Wie oft erkannte die KI ein Ereignis, wie viele davon wurden korrekt/fehlerhaft eingestuft? Ohne diese Angaben lässt sich nicht prüfen, ob das Projekt wirklich erfolgreich sei.

    Es gibt viele offene Fragen, z.B.: Muss ich damit rechnen, dass die Hochbahn-Wache zu mir kommt, falls ich mich zu lange am Bahnsteig aufhalte oder laut KI abweichende Verhaltensmuster zeige? Werden die Daten zum Training von KI-Modellen verwendet? Wenn ja, werden diese mit Dritten geteilt?

    Als Unternehmen öff. Hand ist die Hochbahn zur Transparenz verpflichtet. Dieser Pflicht kommt sie leider nicht nach, was sehr enttäuschend ist. Solange bleibt die KI-Verhaltensmustererkennung ein Überwachungssystem eine „Blackbox“ mit fraglichem Nutzen, von der niemand weiß, wie genau sie funktioniert.

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