E-Tretroller HOCHBAHN VOI

E-Tretroller in Hamburg: Fluch oder Segen?

Seit Mitte Juni können E-Tretroller auch in Deutschland für den Straßenverkehr zugelassen werden. Und kaum einen Monat später sind sie auch von Hamburgs Straßen fast nicht mehr weg zu denken. Viele haben sie schon ausprobiert. Einige sind Fans, andere aber auch echte Gegner der Roller, die mit bis zu 20 km/h eigentlich vorrangig auf Fahrradwegen unterwegs sein sollen.

Doch wie ist so ein neues Mobilitätsangebot eigentlich für die HOCHBAHN? Konkurrenz? Eine gute Ergänzung? Und darf ich die Modelle der verschiedenen Miet-Anbieter eigentlich problemlos in Bus und Bahn mitnehmen?

Eine Bestandsaufnahme.


Elektro-Tretroller: Ein internationales Phänomen

Was für uns noch „Neuland“ ist, gehört in vielen Ländern längst zum Straßenbild dazu: Elektro-Tretroller, oft auch als E-Scooter bezeichnet. Sie sind meist in festen Gebieten in der Stadt aufgestellt und für jeden ab 18 Jahren frei nutzbar. Einzige Voraussetzung: Du hast die App des jeweiligen Anbieters, kannst die Scooter so freischalten und am Ende deiner Fahrt auch bezahlen. Innerhalb des Geschäftsgebietes kannst du sie bequem abstellen, sobald du dein Ziel erreicht hast. Im Grunde also eine runde Sache.

Mit einem Preis von 15-20 Cent pro Minute sind sie aber eigentlich auch ziemlich teuer. Eins wird damit auf jeden Fall deutlich: Die Scooter sind eigentlich nur für kurze Wege gedacht. Und genau hier werden die E-Tretroller nun auch interessant für uns als HOCHBAHN. Denn: Wir können weder mit unseren Bussen, noch mit unseren U-Bahnen überall sein. Heißt: Es gibt Flecken in dieser Stadt, da kommst du bisher nur zu Fuß, mit dem Fahrrad oder aber im schlechtesten Fall (so sehen wir das jedenfalls) mit deinem Auto hin.

Und genau für diese Lücken könnten E-Tretroller eine super Lösung sein.


Ein Pilotprojekt: E-Tretroller für die erste oder letzte Meile

Nun seht ihr die meisten E-Tretroller vermutlich vor allem in der Hamburger Innenstadt. Gerade hierauf haben sich die ersten Anbieter konzentriert. Dabei ist das Netz mit Bus oder Bahnen hier besonders eng. Meist liegen nur wenige Meter zwischen den Haltestellen. Das eigentliche, eher schon mal nervige Problem ist doch eigentlich der Weg morgens zu meiner Starthaltestelle oder abends von ihr zurück zu mir nach Hause – die erste oder letzte Meile.

Diesem Ansatz folgt das neue Pilotprojekt, das wir mit der schwedischen Firma VOI im Juli starten.

E-Tretroller bei der HOCHBAHN VOI

Die Roller von VOI stehen dann nämlich nicht nur in der Innenstadt, sondern exklusiv auch an den P+R-Anlagen an der U1 in Berne und an der S Poppenbüttel. Hier könnt ihr sie mieten, wenn ihr aus der Bahn aussteigt und damit bequem die letzten Meter nach Hause fahren. Im Gebiet zwischen diesen beiden Haltestellen, das immerhin fast 5km² groß ist, könnt ihr den Scooter überall abstellen – bestenfalls also auch direkt vor eurer Haustür. Am nächsten Morgen geht’s es dann genau umgekehrt wieder zurück zur Haltestelle.


E-Tretroller in Bus und U-Bahn: Vorsicht bei der Mitnahme 

Wenn ihr die Roller mal mit in Bus oder Bahn nehmen wollt, solltet ihr ein paar Dinge beachten: E-Tretroller werden bei der Beförderung in Bussen und Bahnen wie Fahrräder behandelt. Bedeutet: In geklapptem Zustand gelten kleine und leichte E-Tretroller als Handgepäck, können sie nicht geklappt werden (wie die meisten Mietmodelle), dann gelten die gleichen Sperrfristen, die es auch fürs Fahrrad gibt. Es gibt außerdem viele Buslinien, auf denen eine Mitnahme von Fahrrädern (und damit auch E-Tretrollern) überhaupt nicht erlaubt ist. Informiert euch also vorher, was für eure Linie gilt.

Eigentlich ist die Mitnahme der Miet-Roller ja aber ohnehin nicht zu empfehlen, schließlich läuft eure Miete ja auch dann weiter, wenn ihr damit in Bus und Bahn unterwegs seid. Wer sich also stattdessen seinen eigenen E-Tretroller zulegt, der achtet am Besten darauf, dass dieser geklappt werden kann und dann eben als Gepäckstück jederzeit mitgenommen werden kann.

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8 Kommentare zu: E-Tretroller in Hamburg: Fluch oder Segen?

  1. Der E-Roller ist nur ein Schönwetter Spaßroller für Turis und Hippster!
    Für die „letzte Meile“ taugt der im Alltag nichts. 1. Er ist viel zu teuer. (auch nach der HVV-Subventionierung. 2. Er ist unsicher, und verkehrsgefährdend, denn man kann ihn nicht einhändig fahren, um die Fahrtrichtung anzuzeigen (Blinker hat er ja nicht), 3. Er ist zum Einkaufen oder für die Büroaktentasche nicht geeignet, denn es gibt keinen Gepäckträger und 4. bei Eis und Schnee wird das Ding auch keinen Spaß mehr machen. auf den schlecht geräumten Radwegen noch unsicherer.

  2. Verstehe ich das richtig? Weil es für Menschen heutzutage eine Art Zumutung zu sein scheint, ein paar wenige Kilometer („die letzte Meile“ = 1,6 km – aber selbst falls es 2 oder 3 sein sollten…) zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren, müssen jetzt überall diese Roller rumstehen? Die, wie ich schwer annehme, bei schlechtem Wetter (das spätestens im Herbst wieder kommen wird) niemand mehr benutzen wird…

  3. Warum zahlt die Hochbahn einem mit mehr als 70 Mio. Euro Venture Capital ausgestatteten Unternehmen 10.000 Euro, damit diese ein für sie neues Geschäftsgebiet erschließen? Ist es nicht Aufgabe eben jenen Unternehmens zu schauen, wie und wie sie ihr Geschäftsmodell am besten weiterentwickeln und in die Gewinnzone kommen können?

  4. Hallo, ich fahre täglich von der U-Bahn Station Berne zur Arbeit. Habe nun gesehen und gelesen, das die Voi Station dort in Betrieb gegangen ist. In der Presse war von vergünstigen Preisen und Notenkontingente für Anwohner / HVV Benutzer zu lesen. Ich bin sowohl Anwohner als auch Proficard Inhaber. Wie kommt man an die vergünstigen Preise?

    1. Alle Informationen zu den Preisvorteilen finden Sie hier auf hochbahn.de.
      Als Anwohner entfällt für Sie die pauschale Entsperrgebühr der Roller von 1 Euro. Wer eine gültige HVV-Monats-, Profi- oder Abokarte (mind. Hamburg AB) besitzt, kann sich außerdem monatlich 100 Freiminuten sichern. Achtung: Nur so lang der Vorrat reicht, es gibt 500 x 100 Freiminuten. Dazu gibt es einen Voi-Gutschein im Wert von 5 Euro, wenn wir Sie für Umfragen und Aktionen anmorsen dürfen.
      Voraussetzung, um alle Vorteile einzufahren: man ist im Pilotgebiet gemeldet und hat sich via Voi-App einen Account (inkl. hinterlegter Zahlungsdaten) erstellt.

  5. Das Beispiel oben beschreibt eigentlich wunderbar warum E-Tretroller für die erste oder letzte Meile nicht funktionieren! Wenn am Bahnhof viele stehen, werden sie gerne genutzt, aber in der Gegenrichtung halt nur wenn sie wie dargestellt nchts vorm Haus bleiben, oder am Tage vor der Arbeit. Die Wege der meisten Menschen sind aber komplizierter – nach der Arbeit geht es z.B. ins Alstertal-EKZ zum Einkaufen, und dann wegen der Taschen mit dem Bus nach Hause. Oder zu einem Freund, und dann zusammen mit ihm (aber halt ohne den Tretroller, den er hat ja keinen) irgendwo hin.

    Ich denke es wird bald regelmaßig viel Geld ausgegeben werden um die Roller wieder nach Berne oder Poppenbüttel zurück zu führen, oder sie werden in der Pampa verrosten. (Es hat schon einen Grund warum selbst Nextbike, das ja um einiges billiger ist und mehr bringt (=weitere Strecken) kaum über die innere Stadt heraus kommt.)

    Die Zukunft der Mobilität sind E-Tretroller also sicher nicht. Eher ein Spaß für Touristen – und ob dass dann ein Fluch oder ein Segen ist, wird sich zeigen.

  6. Für manche sind die Roller sicherlich sinnvoll oder eine nette Spielerei, aber ich finde diese Roller einfach nur abartig teuer. Alle Hamburger Anbieter sind inzwischen bei mindestens 20 Cent/min angekommen plus dem einen Euro fürs Entsperren. Für 20 Cent/min bekommt man teilweise bei DriveNow einen Mini oder bei Car2Go einen Smart, mit dem man durch ganz Hamburg fahren könnte und nicht nur die letzte Meile bedienen. Da stimmt einfach das Preisverhältnis von dem Roller nicht mit dem Gebotenen überein, und solange dies so bleibt werde ich da kein Kunde.

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