Und wie genau funktioniert das nun mit den Verstärkerbussen in Corona-Zeiten?

Mehr Busse statt Betriebseinschränkungen – mit dieser Strategie reagiert die Hochbahn auf die aktuelle Corona-Krise. Im letzten Blog habe ich mir mal angeschaut, was denn eigentlich hinter dieser Strategie steckt, wo doch nur noch etwa ein Drittel der Fahrgäste unterwegs sind.  

Das Learning: Nicht auf allen Strecken sind deutlich weniger Fahrgäste unterwegs. Damit auch dort genügend Sicherheitsabstand gehalten werden kann, sind eben auch mehr Busse im Einsatz. 

Aber wie macht die Hochbahn das eigentlich mit dem bedarfsgerechten Fahrplanmanagement? Woher kommen die Informationen über zu volle Busse, welche Linien sind betroffen und wie können so schnell Busse nachgesteuert werden? All diese Fragen habe ich mir mal etwas genauer angeschaut.  

Woher kommen die Informationen über zu volle Busse? 

Es gibt verschiedene Wege, auf denen die Informationen über hoch ausgelastete Busse in die Leitstelle der Hochbahn gelangen.  

Zum einen ist da das Fahrgastzählsystem an den Türen ausgewählter Fahrzeuge. Dieses System erfordert allerdings eine zeitaufwendige Auswertung und kann deshalb nicht tagesaktuell genutzt werden. 

Zum anderen melden sich immer wieder Fahrgäste beim Kundendialog. Oder aber ein großer Arbeitgeber wie Airbus kontaktiert direkt die Kollegen der Hochbahn und gibt Auskunft über veränderte Schichtzeiten und die Auswirkungen auf Zubringerlinien.  

Daneben wird allerdings ein Weg ganz besonders für den Informationsfluss genutzt: Die Funkmeldungen der Busfahrerinnen und Busfahrer. Mit ihnen sind etwa 1700 Beobachter tagtäglich auf der Strecke und damit live vor Ort. Sobald die Busse stark ausgelastet sind, melden sie sich bei der Leitstelle mit einer Schätzung der Fahrgastzahlen sowie Informationen zur entsprechenden Haltestelle oder dem Linienabschnitt. Die Daten werden dort gesammelt und dem Kollegen zur Verfügung gestellt, der maßgeblich für das aktuelle Fahrplanmanagement verantwortlich ist: Reinhard Hübener, stellvertretender Busbetriebsleiter, wertet diese Daten täglich aus und sorgt dafür, dass am nächsten Tag an benötigter Stelle Verstärkerbusse auf die Straße kommen. Eine gar nicht so einfache Aufgabe, wie mir vor allem bei seinem folgenden Zitat bewusst wird: 

Das Fahrgastaufkommen ist täglich anders. Es ist eine Binsenweisheit, aber dennoch wahr: Unsere Fahrgäste melden sich vorher  schlicht nicht  an.

Deshalb kann es auch vorkommen, dass Herr Hübener nicht nur nachsteuert, sondern bei leeren Fahrzeugen auch wieder Verstärkerbusse aus dem laufenden Betrieb nimmt. 

U.a. mithilfe des Fahrplanbuchs und einer Liste der Meldungen wertet Reinhard Hübener die Daten aus und entscheidet, an welcher Stelle Verstärkerfahrten eingesetzt werden

Welche Linien davon betroffen sind

Im Wesentlichen geht es um die Linien, die wichtige Hafen- Industriestandorte versorgen. Die Linien 150, 151, 152, 153, 154, 254 und 354 im Umfeld des Hafens stechen hier besonders heraus. Die Linien X86 und 146 sind als Zubringerlinien für Airbus wichtig, während die Buslinien 23 und 292 für die Beschäftigten an der Lufthansa-Basis eine Rolle spielen und die Linie 8 die Arbeitskräfte bei Otto bedient. Sehr wichtig sind natürlich auch Linien, wie beispielsweise die 7, 20, 25, 172 und 292, die Krankenhaus-Einrichtungen in Hamburg anfahren. Oder aber es geht um größere Wohnsiedlungen, wie beispielsweise die Elbinsel Wilhelmsburg, die von der Linie 13 bedient wird.  

Übrigens steuert nicht nur die Hochbahn nach, sondern auch andere Verkehrsunternehmen des HVV. Die VHH beispielsweise hat sieben zusätzliche Fahrten sowie die Verlängerung zweier bestehender Fahrten eingerichtet, um Arbeitsplätze bei H&M, Heinemann oder die Deutsche Post besser zu versorgen. 

Aber was genau sind eigentlich Verstärkerbusse? 

Verstärkerbusse sind zusätzliche Busse, die unmittelbar vor oder parallel zum regulär nach Fahrplan fahrenden Bus eingesetzt werden, sodass die Fahrgäste eine Alternative haben und sich so auf mehr Platz mit größerem Abstand verteilen können.  

In manchen Fällen, wie beispielsweise bei Nachtbussen, werden aber auch Solobusse durch Gelenkbusse ersetzt, die innerhalb des Fahrzeugs mehr Raum bieten. 

Insgesamt sind werktäglich rund 100 Verstärkerfahrten unterwegs. 

Und woher kommen all die zusätzlichen Busse mit ihren Fahrerinnen und Fahrern? 

Bei den Verstärkerbussen handelt es sich um Bereitschaftswagen, die normalerweise dann im Einsatz sind, wenn andere Fahrzeuge aufgrund von Staus und entsprechenden Verspätungen, Unfällen oder außerplanmäßigen Betriebsstörungen im U-Bahn-Bereich die eigentlich geplanten Fahrten nicht leisten können. Sollte ein Bus der Hochbahn also beispielsweise im Stau stehen und damit die nachfolgenden Haltestellen für einen längeren Zeitraum nicht bedienen können, kann ersatzweise ein Bereitschaftswagen einspringen und den Betrieb fortsetzen. Da die Straßen in Zeiten von Corona allerdings deutlich leerer sind und solche Fälle seltener vorkommen, können die zur Verfügung stehenden Bereitschaftswagen stattdessen als Verstärkerbusse eingesetzt werden.  

Auch mit Eigenverantwortung sicher ans Ziel kommen 

Wie für uns alle ist die Corona-Zeit auch für die Hochbahn eine Ausnahmesituation, die es so noch nie gegeben hat.  

Doch selbst ohne Erfahrungswerte arbeiten die Kolleginnen und Kollegen in der Leitstelle und der Verkehrsplanung auf Hochtouren, um die Leute in Hamburg zur richtigen Zeit und an richtiger Stelle mit Fahrten zu versorgen, damit sie nicht nur verlässlich, sondern auch sicher und möglichst gesund ans Ziel kommen.  

Trotzdem ist das Fahrplanmanagement natürlich keine Garantie dafür, dass der nötige Sicherheitsabstand auch immer eingehalten werden kann. Neben den bekannten Zubringerstrecken gibt es hin und wieder auch einmalige Zufallsereignisse, die zu höheren Auslastungen führen. In solchen Fällen ist es wichtig, dass wir alle auch eigenverantwortlich handeln und vielleicht auch erst den nächsten Bus nehmen, wenn der andere zu voll ist.  

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4 Kommentare zu: Und wie genau funktioniert das nun mit den Verstärkerbussen in Corona-Zeiten?

    1. Ja, die HOCHBAHN setzt bei Bedarf auch weiterhin Verstärkerbusse ein. Auf den Linien 16 und 18 können auch in Zeiten von erhöhtem Fahrgastaufkommen in der Regel alle Fahrgäste befördert werden, so dass auf diesen Linien normalerweise keine Verstärkerbusse notwendig sind. Die Busfahrer*innen haben das aber natürlich im Blick und melden potenziellen Bedarf an die Leitstelle.

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    Nach HVV Plan &’ Haltestelle , sollte der 183 um 12:36uhr kommen ist aber um 12:44 Uhr gekommen

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