U1 Hudtwalckerstraße barrierefrei und mit zweitem Zugang. Zweiter Zugang? Warum eigentlich nicht überall?

Ein Meilenstein für das barrierefreie Hamburg. Ab heute, den 13. Dezember 2023, ist die U1-Haltestelle Hudtwalckerstraße barrierefrei zu erreichen. Damit sind ab sofort im gesamten hvv-Netz 95 Prozent aller U-Bahn-Haltestellen barrierefrei zugänglich. Wenn zum Sommer die U1-Haltestelle Meßberg fertiggestellt wird, ist die komplette U1 barrierefrei. Lediglich die Haltestelle Kiekut soll, so die Entscheidung in Schleswig-Holstein, aufgrund der sehr geringen Fahrgastzahlen nicht barrierefrei umgebaut werden. In den nächsten Jahren stehen dann nur noch die „schweren Brocken“ der U3 an: Sierichstraße, Saarlandstraße und Sternschanze. Wir werden berichten.

Aber zurück zur U1-Haltestelle Hudtwalckerstraße. Diese Station hat neben dem barrierefreien Ausbau auch einen zusätzlichen Zugang erhalten. Warum eigentlich und warum hat nicht jede U-Bahn-Haltestelle zwei Zugänge? 

Zwei Zugänge sind kein Standard. Jede Haltestelle wird individuell bewertet. 

Dass Hudtwalckerstraße einen zusätzlichen Zugang erhalten hat, lag vor allem daran, dass es hier eine denkmalgeschützte Schalterhalle gibtund gleichzeitig zu wenig Platz. Ein Aufzug musste also an anderer Stelle hin. So befindet sich dieser jetzt von der Bebelallee aus kommend im nördlichen Bereich der Haltestelle. Bonus: Dieser Bereich wird so gleichzeitig besser erschlossen. Neben dem Aufzug ist auch ein Treppenaufgang an dieser Stelle integriert. Dadurch handelt es sich um einen vollwertigen Zugang – dies war der HOCHBAHN wichtig. Hintergrund ist nämlich, dass Aufzüge insbesondere von einer Personengruppe genutzt werden, die mobilitätstechnisch eingeschränkt ist. Ein zweigeteilter Zugang (mit Aufzug und Treppe) sorgt so für mehr Platz für Fahrgastströme, eine übersichtliche Gesamtsituation und damit für ein besseres Sicherheitsgefühl unter den Fahrgästen. Einziges Manko: Da sich auf der anderen Seite des Zugangs Privatgrundstücke befinden, konnte hier nur ein einseitiger Zugang geschaffen werden (zur Bebelallee). Denn: Für öffentliche Zugänge braucht es natürlich öffentlich zugängliche Bereiche. 

Der neue Ausgang der Hudtwalckerstraße befindet sich an der Bebelallee.
Der neue, barrierefreie Beitrag an der U1-Haltestelle Hudtwalckerstraße.

Denkmalschutz, zu wenig Platz, Privatgelände – was ist sonst noch entscheidend? 

Halten wir fest: Denkmalschutz, zu wenig Platz sowie Privatgelände beeinflussen das Für und Wider eines zusätzlichen Zugangs. Jetzt gibt es aber auch Haltestellen, wie beispielsweise die U1-Haltestelle Volksdorf, wo Platz und auch öffentliche Zuwegung für einen zusätzlichen Zugang da wären. Hier spielt dann aber das Erschließungspotential eine Rolle: Wie viele Fahrgäste würden denn einen solchen Zugang nutzen? Wenn an dieser Stelle beispielsweise nur wenige Einfamilienhäuser stehen und auch kein Gebiet für künftige Neubauten vorhanden ist, dann ist die Kluft zwischen Nutzen und Kosten schlichtweg zu groß, da verhältnismäßig kaum Menschen einen Zugang in dem Bereich nutzen würden. Aus dem gleichen Grund erhielt die U1-Haltestelle Oldenfelde auch nur einen Zugang, da in anderen Bereichen aufgrund der niedrigen Bebauung kein Erschließungspotential vorhanden ist. Anders bei der der U3-Haltestelle Sierichstraße: An dieser Station ist das Erschließungspotential hoch. So soll hier, sobald die Haltestelle künftig barrierefrei ausgebaut wird, ein zweiter Zugang entstehen. Auch die Fuhlsbüttler Straße wird aus demselben Grund des hohen Erschließungspotentials einen zweiten Zugang erhalten (voraussichtlich 2029). Bei der U3-Haltestelle Mönckebergstraße war ein anderer Grund für einen zusätzlichen Zugang verantwortlich Stichwort Fluchtwege. Die über 100 Jahre alte Station erhielt im Rahmen des barrierefreien Ausbaus im Jahr 2022 einen zweiten Zugang, aufgrund der Fluchtwegesituation, da es sich um eine unterirdische Haltestelle handelt.   

Wie ihr seht: Das Thema zusätzlicher Zugang ist echt komplex. Jede Haltestelle wird und muss dabei ganz individuell betrachtet und bewertet werden – nach Erschließungspotential beziehungsweise Nachverdichtungspotential, Denkmalschutz und vorhandenem Platz, Fluchtwegesituation sowie öffentliche Zuwegungen. 


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12 Kommentare zu: U1 Hudtwalckerstraße barrierefrei und mit zweitem Zugang. Zweiter Zugang? Warum eigentlich nicht überall?

  1. Mundsburg wäre ein Kandidat für zusätzliche Bahnsteigzugänge, denn die Haltestelle wird sehr stark frequentiert. Gibt es entsprechende Überlegungen?

    1. Hallo Thomas. Die stadträumliche Situation ist hier gar nicht so einfach und zudem steht die Haltestelle auch unter Denkmalschutz. Wir haben die Station jedoch im Blick und prüfen aktuell mit den zuständigen Behörden inwieweit hier weitere Planungen dazu verfolgt werden.

  2. Ich freue mich sehr, dass es mit dem barrierefreien Ausbau vorangeht.
    Können Sie vielleicht schon mal einen Ausblick auf die „schweren Brocken“ der U3 Sierichstraße, Saarlandstraße und Sternschanze geben? Wie geht es da weiter? Was ist da geplant?
    An der Sierichstraße ist meines Wissens nach ein zweiter Zugang geplant, der dann sicher den Fahrstuhl für den barrierefreien Zugang beinhalten wird.
    Wie sieht es an der Saarlandstraße aus? Und die Sternschanze ist sicher ein richtig großer Brocken.

    1. Hallo Michael, die U3-Haltestelle Saarlandstraße soll im Jahr 2024 barrierefrei ausgebaut werden. Der Umbau der U3-Haltestelle Sierichstraße wird im Zuge der U5-Baumaßnahmen im Jahr 2028 an der U-Bahn-Haltestelle Borgweg erfolgen, da zu diesem Zeitpunkt ohnehin umfangreiche Bauarbeiten als Vorbereitung für die Verknüpfung von U3 und U5 anstehen. Hier wollen wir also die beiden Baumaßnahmen bündeln, um die Einschränkungen für die Fahrgäste zu minimieren. Es ist richtig, dass in diesem Zuge die Station einen zweiten Zugang mit Aufzug erhalten wird. Und Sternschanze ist dann wirklich unser letzter großer Brocken – hier laufen aktuell noch die Planungen für den erforderlichen Neubau. Liebe Grüße!

      1. Hallo Saskia, danke für die schnelle Antwort. Vielleicht wäre das ein gutes Thema für einen nächsten Blogartikel. Was ist an den Haltestellen Sierichstraße und Saarlandstraße für den barrierefreien Ausbau geplant? Wo stehen die Planung? Wie sollen die Stationen nach dem Umbau aussehen?

      2. Hallo Saskia,
        wartet die Hochbahn bezüglich des Neubaus der Haltestelle Sternschanze noch die konkreten Entscheidungen und Planungen zum VET und den dadurch eventuell anstehenden Neubau der S-Bahn-Station in Tieflage ab?
        Und: Wäre es nicht jetzt eine Chance, egal, ob die S-Bahn-Station verändert wird oder nicht, die U-Bahn-Station näher nach Westen zu verlegen, um einen attraktiveren Übergang und eine bessere Erschließung des Schanzenviertels zu schaffen?
        Dass ihr die Haltestelle (wie auch die anderen beiden) dabei mit Vollzuglänge (120 m) baut, setze ich inzwischen mal voraus. 😉
        Alles Gute für 2024!🙂

      3. Hallo Jens, ja, es ist richtig, dass wir in Abstimmung mit der Behörde für Verkehr und Mobilität die Ergebnisse zum Trassenverlauf des VET abwarten, bevor die tiefergehenden Planungen der neuen U3-Haltestelle Sternschanze so richtig starten können. Aufgrund der extrem engen Kurvenlage, der niedrigen Deckenhöhe und des schmalen Bahnsteigs, muss die Station neu gebaut werden, um diese barrierefrei ausbauen zu können. Der Bahnsteig soll nach aktuellen Planungen dann auch für 120m lange U-Bahnen ausgelegt sein. Die Lage einer neuen U3-Haltestelle Sternschanze wird durch den vorhandenen Tunnel definiert und kann daher nicht frei gewählt werden. Ein verlegen nach Westen ist vor diesem Hintergrund leider nicht möglich. Wir finden auch, dass durch die jetzige Lage bereits eine gute Erschließung des Schanzenviertels, insbesondere auch des Schlachthofareals erreicht wird. Liebe Grüße.

  3. Der Zugang der Station Oldenfelde liegt aber genau an der weniger bewohnten Seite, da zu einer Hälfte der KGV „Am Knill“ und zu einem Viertel nur lockere Einfamilienhausbebauung (Straße Am Knill) liegt. Außer, man plant, den KGV aufzulösen und zu bebauen. Ich erinnere mich, dass damals kommuniziert wurde, dass der weitaus sinnvollere Ostzugang (bessere Erreichbarkeit der Bebauung Bekassinenau) nicht gebaut werden konnte, weil Privatgrundstücke in Anspruch genommen werden müssten.

    Nochmal zu Kiekut: Mir leuchtet es einfach nicht ein, dass es nicht möglich sein sollte, mit minimaleren Kosten einen barrierefreien Zugang zu schaffen. Ich schaue mir das gerade mal bei Streetview an. Es müsste doch nur die Treppe von der Straße Bei den Rauhen Bergen durch eine Rampe für Rollstuhlfahrer*innen ersetzt werden, die dann, wie schon jetzt, auf das ungenutzte Gleisbett führt. Vielleicht sollte der Kreis Stormarn mal darüber nachdenken. Sonst bleibt in ein paar Jahren dort der Makel, das einzige durchgestrichene Rollstuhlsymbol auf dem Schnellbahnplan zu haben.

  4. Moin,

    danke für die Einblicke.
    Zum Thema „Weitere Zugänge zu Schnellbahnstationen“ gibt es auch ein bürgerschaftliches Ersuchen vom 11.05.2022 (Drs, 22/8138) – das aber aus irgendwelchen Gründen unbeantwortet „versickert“ ist.

    P.S.: Bei der Bildunterschrift zum Zugang Oldenfelde muss es „…wurde kein zusätzlicher Zugang geschaffen“ heißen.

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