Sperrung auf der U1 – muss das sein?

Vom 13. Juni bis 3. Juli wird die U1 zwischen Ohlsdorf und Lattenkamp gesperrt. Und vom 4. Juli bis zum 7. September ist sogar die Strecke zwischen Ohlsdorf und Kellinghusenstraße gesperrt. Keine schöne Nachricht für uns Fahrgäste. Aber: Während dieser Sperrzeit werden zahlreiche Maßnahmen durchgeführt, damit der U1-Abschnitt künftig zuverlässig, sicher und noch einfacher genutzt werden kann. Was bei uns schon Standard, aber dennoch wichtig ist: Die Maßnahmen wurden so geplant, dass so viel wie möglich in so wenig Sperrzeit wie nötig umgesetzt wird. Was alles gemacht wird, stelle ich euch nun einmal vor.

Im Wesentlichen geht es um zwei Punkte:

1. Das Hamburger U-Bahn-Netz wird barrierefrei ausgebaut, um künftig allen Menschen uneingeschränkt Zugang zum Schnellbahnnetz zu ermöglichen

2. Das U-Bahn-Netz muss teilweise erneuert und laufend saniert werden, um es auch sicher und fit für die nächsten 100 Jahre zu machen (wie auch schon die U3)

U-Bahn für alle durch barrierefreien Ausbau

Erst vor zwei Tagen wurde die U3-Haltestelle Mönckebergstraße nach 16-monatiger Sperrung wiedereröffnet. Damit sind nun alle U-Bahn-Haltestellen in Hamburgs Innenstadt barrierefrei. Im gesamten U-Bahn-Netz sind es knapp 95 Prozent. Ziel ist, den barrierefreien Ausbau innerhalb der nächsten Jahre im gesamten Netz fertigzustellen. Es fehlen noch die U1-Haltestellen Alsterdorf, Hudtwalckerstraße und Meßberg sowie die U3-Haltestellen Sierichstraße, Saarlandstraße und Sternschanze. Im Endspurt werden nun direkt die nächsten Haltestellen angepackt: Alsterdorf und Hudtwalckerstraße auf der U1.

Was alles zum barrierefreien Ausbau gehört

An der Haltestelle Alsterdorf wird der Bahnsteig komplett abgerissen und neu gebaut.

Barrierefreier Ausbau U1-Alsterdorf
In Alsterdorf erhält die Haltestelle einen komplett neuen Bahnsteig und einen Aufzug

Die Haltestelle Hudtwalckerstraße erhält zusätzlich sogar einen zweiten Zugang in Richtung Norden, der unter anderem das Altenheim Diakoniestiftung Alt-Hamburg sowie die bei den Hamburgerinnen und Hamburgern sehr beliebte Liegewiese Winterhuder Kai besser erschließt.

Barrierefreier Ausbau U1-Hudtwalckerstraße
Die U1-Haltestelle Hudtwalckerstraße erhält sogar einen zweiten Zugang

Im Rahmen des barrierefreien Ausbaus erhalten die beiden Haltestellen neben Aufzügen natürlich auch erhöhte Bahnsteige für einen ebenerdigen Ein- und Ausstieg sowie ein taktiles Leitsystem für seheingeschränkte Menschen.

Erneuerung und Sanierung auf der U1

Auch die U1 hat – wie schon die U3 – mittlerweile viele Jahre auf dem Buckel. Die U-Bahn-Brücke über die Carl-Cohn-Straße beispielsweise ist noch im Originalzustand und damit 108 Jahre alt. Inzwischen hat sie das Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer erreicht und muss durch einen Neubau ersetzt werden, der die darüberfahrenden U-Bahn-Züge dann auch für die nächsten 100 Jahre sicher und verlässlich trägt. 

Alte U-Bahn-Brücke Carl-Cohn-Straße
Die alte Brücke über die Carl-Cohn-Straße
U-Bahn-Brücke Carl-Cohn-Straße
Visualisierung der neuen Brücke über die Carl-Cohn-Straße

Was dort konkret gemacht wird

Vereinfacht gesagt: Die alte Brücke wird zunächst ausgehoben und verschrottet. Im Anschluss werden die Widerlager eingebaut – das sind die Bauteile, auf denen die Brücke aufliegt. Sobald das abgeschlossen ist, kann der Neubau etwa einen Monat später per Mobilkran eingehoben werden. Vorteil der neuen Brücke: Die Pendelstützen des bisherigen Bauwerks können entfallen. Das ermöglicht mehr Platz für die darunter führenden Fuß- und Radwege.

Auch zwei weitere Brückenbauwerke an den Haltestellen Alsterdorf und Lattenkamp müssen angepackt werden. Sie müssen allerdings nicht neu gebaut, sondern nur instandgesetzt werden. Und um das Ganze komplett zu machen, finden während der Sperrung umfassende Gleisbauarbeiten auf dem betroffenen Streckenabschnitt ebenso wie vorbereitende Arbeiten für den Bau der U5 statt. Um es auf den Punkt zu bringen: Es passiert ganz schön viel in den rund 12 Wochen Sperrzeit.

Eine Detailübersicht zu den Maßnahmen auf der U1.

U1-Sperrung: was das für mich als Fahrgast bedeutet

Wir Fahrgäste werden aber natürlich nicht einfach stehen gelassen. Es gibt auch in diesem Fall einige Fahralternativen, die ich hier einmal aufliste:

Schnellbahnen:

Um aus der oder in die Innenstadt zu kommen, können Fahrgäste ab und bis Ohlsdorf die S1 und S11 nutzen. In Barmbek ist darüber hinaus ein Umstieg in die U3 möglich.

Fahralternativen U1-Sperrung
Den Fahrgästen stehen mehrere Fahralternativen zur Verfügung

Ein Hinweis an dieser Stelle: vom 7. bis 28. Juli ist die S1 zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel gesperrt. Es wird aber natürlich ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Buslinien

Neben der S1/S11 und U3 stehen auch die regulären Buslinien zur Verfügung:

  • in/aus Richtung Innenstadt: MetroBus-Linie 19 
  • in/aus Richtung Ohlsdorf/Fuhlsbüttel: StadtBus-Linien 118, 179, 292 und 392
  • Die StadtBus-Linie 292 wird in den Hauptverkehrszeiten zwischen U Lattenkamp und Lufthansa-Basis auf einen 10-Minuten-Takt verdichtet

Und last but not least: Zwischen Ohlsdorf und Lattenkamp und später dann Kellinghusenstraße wird natürlich ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Die Busse steuern bis auf die Sengelmannstraße alle betroffenen Haltestellen an. Für den Bereich Sengelmannstraße werden alternativ „Knappe Böge“ und „Stiftung Alsterdorf“ angefahren.

Übrigens: Für die, die stattdessen lieber mit dem Rad fahren wollen, gibt es neben dem Fahrradparkhaus an der Kellinghusenstraße an jeder U1-Haltestelle StadtRad-Stationen.

Deine persönlich beste Alternative zum Ziel und alle Informationen findest du auf hvv.de/u1.

Wir werden also auch während der U1-Sperrung weiterhin von A nach B kommen. Und der Lichtblick ist, dass ab nächstem Jahr der gesamte Westast der U1 barrierefrei zugänglich ist und wir mindestens für die nächsten 100 Jahre weiterhin verlässlich mit der U1 unterwegs sein können. Dafür kann man eine 12-wöchige Sperrung auch mal aushalten 😊

Kommentieren

10 Kommentare zu: Sperrung auf der U1 – muss das sein?

  1. Warum fahren die U Bahnen von Ohlsdorf nicht alle durch na Norderstedt Mitte?
    Nach dem Ersatzverkehr muss man dann noch abwarten bis der Richtige Zug fährt.

    Als wenn man durch die Maßnahme nicht genug warten muss. Und heute noch Singnalstörung zusätzlich. 🙁

    Statt 35 Minuten bin ich nun täglich min. 60 Minuten zur Arbeit unterwegs.

    1. Die Züge zwischen Norderstedt Mitte und Ohlsdorf fahren weiterhin nach dem normalen Fahrplan. Daher gibt es wie gewöhnlich auch Fahrten, die nur bis Ochsenzoll verkehren.

  2. Über die Beantwortung folgender Fragen würde ich mich freuen:
    1. Wird der bestehende Eingang zur Hudtwalckerstraße barrierefrei oder nur der neue Eingang? Wie weit ist dieser von der Bushaltestelle entfernt?
    2. Wurde geprüft, ob ein Durchgang vom neuen Eingang zur Alsterdorfer Straße möglich wäre?
    3. Wann gab es die letzte Vollsperrung zwischen Lattenkamp und Kellinghusenstraße?
    4. Wann wurde die Haltestelle Alsterdorf zuletzt umfassend umgebaut? Meines Erachtens ist das nicht lange her. Warum wurde sie damals nicht barrierefrei umgebaut?

    1. An der Hudtwalckerstraße wird der Aufzug an den neuen Zugang gebaut. Dieser ist ca. 80 Meter von der Bushaltestelle vor dem bestehenden Eingang entfernt. Ein Durchgang vom neuen Eingang zur anderen Seite ist nicht möglich, da hier Privatgrundstücke mit bestehender Bebauung angrenzen. Die Haltestelle Alsterdorf wurde zuletzt 1997 umfassend umgebaut. Zu dieser Zeit gab es noch keine Pläne zum barrierefreien Ausbau des Hamburger Schnellbahnnetzes.

  3. Apropos neue Zugänge: aktuell wird ein neuer Zugang für Hafencity Universität gebaut (unter der Pfeilerbahn durch) richtig?
    Dazu habe ich von euch nirgendwo eine Bekanntmachung gesehen, die Baustelle sieht aber sehr danach aus (und wenn ich mich recht erinnere, wurde für diesen Zugang bei der Erneuerung der Pfeilerbahn schon eine Vorleistung erbracht).

    1. Richtig – aktuell baut die HafenCity Hamburg GmbH den sogenannten Oberhafentunnel, der nach Fertigstellung an die U-Bahn-Haltestelle HafenCity Universität angeschlossen wird und damit einen weiteren Zugang zur Haltestelle ermöglicht.

    1. U-Bahnen verfügen über Frischluft-, Klimaanlagen- und Lüftungs-Systeme, ähnlich wie bei Bussen. Das Öffnen der Türen beim Fahrgastwechsel sorgt zusätzlich für einen Luftwechsel.

  4. Toll das die HOCHBAHN so fleißig in ihr Netz investiert.

    Das besonderen Wert auf den Erhalt des Historischen Flair gelegt wird finde ich Großartig!

    Ich hoffe nur das man auf einige kleine Details achtet.

    So wurden früher die Wiederlager immer mit Klinker im Kopfverband verkleidet.

    Es wäre toll wenn man das bei den neuen Wiederlagern und am neuen Zugang von der Haltestelle Hudtwalckerstraße auch wieder so machen würde.

    Auch wenn der neue Zugang die tollen Fliesen bekommt die man an der Haltestelle noch sehen kann wäre das Spitze.

    Das die neue Brücke an der Haltestelle Ohlsdorf ihr Grüne Farbe behält finde ich auch sehr gelungen.

Schreibe einen Kommentar