Sensationsfund

Aprilscherz: Sensationsfund 2.0 auf der U3-Baustelle

April, April 😊 Wie sich viele von euch mit Blick auf das Datum schon gedacht haben, handelt es sich bei unserer wurmigen Geschichte um einen Aprilscherz. Und für diejenigen, die nicht von selbst drauf gekommen sind: Lasst euch nicht wurmen!

Die Würmer sind doch nicht so unbekannt, wie gedacht 😉

Übrigens: In Deutschland gibt es mindestens 47 Arten von Regenwürmern (die aufgrund ihrer Ringe zu den Ringelwürmern gehören). Die meisten von ihnen leben im Boden, einige wenige aber auch im Wasser – z.B. in der Alster. Leider gelten 25 dieser Arten als gefährdet, weshalb sie trotz ihres häufigen Ekelfaktors geschützt werden sollten. Denn für einen gesunden Boden sind sie essenziell: Durch ihre Gänge bringen sie sauerstoffreiche Luft in die Erde und durchlüften damit den Boden. Allerdings passiert das nicht am Mönkedamm – zumindest nicht mit dem Hamburger Fleetwurm 😉 Frohe Ostern!


Eines ist sicher: Auf den U3-Baustellen der HOCHBAHN in Hamburgs Innenstadt wird es nicht langweilig. Im November erst kam bei Baggerarbeiten für den barrierefreien Ausbau der U-Bahn-Haltestelle Rathaus ein historischer Sarg zum Vorschein, der tief unter der Erde vergraben war. Tage später sind die Kolleginnen und Kollegen vor Ort dann noch auf einen Pferdeschädel, Ziegenbockhörner und ein gesamtes Pfeilerfundament gestoßen.

Doch es bleibt nicht nur bei diesem Fundstück. Im Rahmen der Bauarbeiten am Mönkedammfleet zur Sanierung der U3 wurde gestern eine ganze Wurm-Population im Erdreich entdeckt. Erstmal nicht ungewöhnlich und vermutlich zu langweilig, um euch das allein auf dem Blog zu erzählen. Das eigentlich Besondere am Fund: Die vorgefundene Wurmpopulation ist bislang vollkommen unbekannt.

Auch für die Expertin Dr. Alexandra Kerbl, Abteilungsleiterin für Annelida am Centrum für Naturkunde der Uni Hamburg, ist das ein Ereignis, das sie nicht so schnell vergisst:

Dieser Fund ist großartig! Wir glauben immer, wir müssen an exotische und unberührte Orte wie den Regenwald oder die Tiefsee reisen, um neue Arten zu finden, und dann finden wir ein solches Tier mitten in unserer Stadt.

Ein Wurm, den niemand kennt

Zurzeit wird das Fleet mithilfe eines Fangedamms trockengelegt, um den jetzigen Trog gesichert abbrechen und anschließend erneuern zu können.

Dabei bot sich den Kolleginnen und Kollegen gestern ein ungewöhnlicher Anblick: Eine ganze Population an schwarzen, ca. fünf Zentimeter langen Würmern schlängelte sich durch das feuchte Erdreich.

Bislang unbekannte Wurmart am Mönkedammfleet
Im Glasgefäß befindet sich einer der auf der Baustelle gefundenen Würmer

Die Arbeiten am Trog wurden natürlich erst einmal gestoppt. Um herauszufinden, mit welcher Sorte Wurm wir es hier zu tun haben, kamen die Expertinnen und Experten für Annelida von der Universität Hamburg zu Hilfe. Für diejenigen, die es genau so wenig wussten, wie ich bislang: Annelida ist der Fachbegriff für Ringelwürmer 😉

Nach einer ersten Inspektion dann die Überraschung: Nicht einmal dem Expertenteam ist diese Wurmpopulation bekannt.

Die HOCHBAHN stößt also auf eine Wurmart, von der bis heute niemand wusste, dass sie überhaupt existiert. Dagegen finde ich einen historischen Sarg fast schon unspektakulär.

Nun gilt es, die Würmer wortwörtlich genauer unter die Lupe zu nehmen. Eine der ersten Fragen, die das Forschungsteam um Frau Kerbl nun beantworten möchte, ist, wie dieser neu entdeckte Wurm lebt. Viele andere Wurmarten ernähren sich nämlich von vermoderndem Laub, das allerdings in diesem Lebensraum am Mönkedamm nicht wirklich vorhanden ist. Am Zoologischen Museum Hamburg gibt es aber eine der größten Regenwurm-Sammlungen der Welt. Daher kann das Expertenteam auf umfangreiches Vergleichsmaterial zurückgreifen.

Wie soll er denn nu heißen?

Jetzt, wo der Wurm bekannt ist, braucht er natürlich auch einen Namen. Die HOCHBAHN als erste Entdeckerin dieser Population hat die Ehre, den Wurm zu taufen. Und da die Fundstelle am Mönkedammfleet liegt, kam auch schon die erste Idee auf: Der Hamburger Fleetwurm. Eigentlich ganz kreativ, wie ich finde 🙂 . Falls ihr ebenso kreative Ideen habt, könnt ihr sie gerne in den Kommentaren teilen. Ich gebe die Vorschläge dann weiter. In den nächsten Tagen lasse ich euch dann wissen, mit welchem Namen der neue Erdbewohner in Abstimmung mit dem Expertenteam der Uni Hamburg getauft wird.

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6 Kommentare zu: Aprilscherz: Sensationsfund 2.0 auf der U3-Baustelle

      1. Um zu verifizieren, ob eine Tier- oder Pflanzenart weltweit tatsächlich unbekannt ist, braucht es im wirklichen Leben abseits von April-April vermutlich eine etwas längere Recherche als nur 24 Stunden.

  1. Könnte es sich dabei eventuell gar um eine außerirdische Population handeln, wie im Film „Evolution“ beschrieben?

    Super gelungen: April, April!
    🤣

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