Als Schiffsführer für die HADAG unterwegs

Vermutlich ist jeder von uns schon mindestens einmal auf einer der Fähren durch den Hamburger Hafen geschippert. Egal ob im Sommer, bei Regen oder Schnee: die Fähren sind tagein tagaus auf der Elbe unterwegs. Denn schließlich sind sie nicht nur Ausflugsschiffe für dich und mich (und Millionen Hamburg-Besucher jedes Jahr), sondern vor allem ein Verkehrsmittel für viele Pendler, die so zu ihren Jobs im Hafen oder in der Stadt kommen.

Doch wer fährt diese Schiffe eigentlich jeden Tag? Und wie ist das so?

Ich treffe Schiffsführer Timm an diesem sonnigen Tag auf dem Ponton der HADAG direkt neben dem U-Boot-Museum im Hamburger Hafen. Seit 2006 fährt Timm die Fährschiffe der HADAG, eine Tochter der HOCHBAHN. 25 Schiffe sind es mittlerweile, die als regulärer Fährverkehr im Hafen, als Shuttles zu den Musical-Theatern oder als Ausflugsschiffe auf der Elbe unterwegs sind.


Die Schiffe der HADAG: Vielseitig einsetzbar

Rund 100 Kolleginnen und Kollegen sind sie bei der HADAG inzwischen, viele davon auf den Schiffen wie Timm. Manche haben, so wie er, bei der HADAG in drei Jahren ihre Ausbildung gemacht, andere kommen von außerhalb der Stadt zum Team hinzu. Hafenschiffer nennt man sie dann.

„Wir sind hier ein bisschen wie eine große Familie. Eigentlich kennt man jeden beim Vornamen“, lacht Timm, der offensichtlich seinen Traum-Job gefunden hat. Nach einem Schulpraktikum ging es als Azubi zur HADAG. „In drei Jahren habe ich so alle Theorie zum Hafen und den Schiffen beigebracht bekommen und durfte schließlich all die verschiedenen Schiffe fahren“, erzählt er stolz.

Bis zur ersten alleinigen Fahrt steht aber vor allem viel Lernen an. Denn Verkehrsregeln gelten natürlich auch auf dem Wasser. Die Technik des Schiffes will gelernt sein, auch das Radar und Funkgerät muss angewendet werden können. „Das Wetter ist ja nicht immer so sonnig wie heute“, lacht Timm. „Manchmal ist es richtiges Sauwetter oder der Nebel nimmt dir jegliche Sicht!“

Dann heißt es: Ruhe bewahren. Konzentration und mit der richtigen technischen Unterstützung durch den Nebel manövrieren. „Klar, ich bin alleine Herr über das Schiff, aber in der Betriebslenkung stehen mir immer Kollegen über Funk zur Seite. Hilfe würde ich also schnell bekommen“, erzählt er mir.


Die Ausbildung: Allerlei Prüfungen und das Hafenpatent

Nach den Abschlussprüfungen folgt das Hafenpatent für den Hamburger Hafen, eine Reihe praktischer Prüfungen und Zeugnisse fürs Funken bzw. das Radarpatent. Wer über 21 ist, kann dann den Personenbeförderungsschein machen und damit auch Fahrgäste mitnehmen.

„Der Job ist unglaublich abwechslungsreich. Mal fährst du eine klassische Pendler-Linie, mal den Shuttle zum Musical oder auch meine Lieblingslinie, die 62“, so Timm. Die ist in Hamburg auch bekannt als die günstige Alternative zur Hafenrundfahrt. Hier kann jeder mit einem normalen HVV-Ticket von den Landungsbrücken nach Finkenwerder und zurück fahren. „Dieser Trubel gefällt mir. Ich mag es, wenn Leben auf meinem Schiff ist.“

Mehr als 250 Fahrgäste darf Timm aber nicht mitnehmen, für mehr als diese Anzahl sind die Schiffe im sog. Ein-Mann-Status nicht zugelassen. Automatische Zählsysteme und auch seine Erfahrung helfen ihm dabei zu erkennen, wann „sein Schiff“ voll ist.


HADAG Fähre Hafen


Herausfordernd ist an warmen Sommertagen aber nicht nur die Anzahl der Fahrgäste, die sich aufs Schiff drängen, sondern z.B. auch Sperrungen im Hafen oder Sportboote, die unberechenbarer sind als Berufsschiffer. „Manchmal musst du auch warten, wenn z.B. ein großes Containerschiff vor dir wenden will. Oder aber du musst ganz genau aufpassen, was die kleinen Speed-Boote vor dir im Wasser machen.“ Seine Konzentration ist pausenlos gefragt, deshalb gibt es auch regelmäßige Pausen zum Durchschnaufen und runter kommen.

In seinem knapp acht Stunden Dienst ist Timm nicht nur Herr über das fahrende Schiff, sondern auch für dessen Sauberkeit und Funktionstüchtigkeit zuständig. Er überprüft vor und nach jeder Schicht die Benzin- und Ölstände und reinigt sowohl den Innenraum als auch die Scheiben der Schiffe. Je nach Schiffstyp (davon hat die HADAG vier in ihrer Flotte) ist das unterschiedlich aufwändig.


Schiffsführer HADAG

 


Schiffsführer: Ein Job im Schichtdienst

Wenn Timm in der Frühschicht startet, übergibt er das Schiff an den Kollegen der Spätschicht. Ruhezeiten müssen, wie z.B. auch bei Busfahrern auch als Schiffsführer eingehalten werden. Das heißt auch, dass er z.B. nie nach einem Spätdienst in den Frühdienst wechseln würde.

In der Regel folgen auf einen Block Frühdienst ein paar freie Tage, an die dann ein Spätdienst anschließt oder umgekehrt. Die Dienstpläne stehen vier Wochen im Voraus fest, Früh- oder Spätdienste im regelmäßigen Wechsel, jedes zweite Wochenende hat er für gewöhnlich frei.

„Das ist wirklich gut für meine private Planung und sicherlich nicht selbstverständlich im Schichtdienst“, so Timm. „Und die beste Aussicht, die hab‘ ich auf dem Wasser ja sowieso“, grinst er mich an, als wir uns verabschieden und macht mich dann doch ein klein wenig neidisch. Schließlich kehre ich nun zu meinem Computer am Schreibtisch zurück, während er jeden einzelnen Tag die schönste Stadt der Welt (ach, mein Hamburg) vom Wasser aus genießen kann.


Schiffsführer für Hamburg gesucht

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