Von Kurzzügen und kurzen Zügen

Neulich Morgen fuhr ich mal mit der U3 zur Arbeit. Normalerweise ist die U1 meine angestammte Linie. Deshalb war ich schon sehr überrascht, hier zur Hauptverkehrszeit auf eine U-Bahn zu treffen, die in ihrer Länge nicht den ganzen Bahnsteig – zum Beispiel an der Hamburger Straße – ausfüllte. So ein richtiger Kurzzug, wie ich ihn von der U1 zu verkehrsärmeren Zeiten kenne, schien es zwar auch nicht zu sein. Aber eben trotzdem einer, in dem es ganz schön kuschelig wurde, obwohl die Bahnsteiglänge in meinen Augen mehr her gegeben hätte. Da bin ich offenbar nicht allein, mich zu fragen:

Lang oder kurz – Kurzzug oder kurzer Zug?

Weil die Bahnsteige der U-Bahn in Hamburg maximal 120 Meter lang sind, sind auch unsere Züge nie länger. Dann gibt es neben den langen normalen Zügen aber eben auch den ominösen Kurzzug, der als Verstärker oder zu verkehrsärmeren Zeiten eingesetzt wird. Warum sollten wir schließlich mehr Gewicht schleppen und dadurch unnötig Energie verbrauchen, wenn es das Fahrgastaufkommen zu bestimmten Zeitfenstern gar nicht nötig macht. Auf der U1, U2 und U4 ist ein Kurzzug ein 60 oder 80 Meter langer Zug, der nicht die gesamte Bahnsteiglänge ausfüllt.
Und dann gibt es da eben noch meine U3 von neulich Morgen.
Auf dieser Linie gibt es nämlich noch aus der Gründerzeit der HOCHBAHN Bahnsteige, die nur 90 Meter lang sind und damit eben von Hause aus zu kurz für einen 120-Meter Zug. Deshalb fahren hier hauptsächlich die älteren DT3 und DT5 mit ihren 80 Metern Länge. Das bedeutet aber eben auch, dass diese Züge bei längeren Bahnsteigen kürzer sind, aber nicht im eigentlichen Sinne ein „Kurzzug“.

Klingt ja schon irgendwie seltsam. Heißt es doch schließlich, dass wir auf der U3 überhaupt niemals einen langen Zug von 120 Metern einsetzen können, weil an kurzen Bahnsteigen die Hälfte noch im Tunnel oder vor der Haltestelle stünde. Kann man dann nicht vielleicht einfach die kurzen Bahnsteige verlängern? Oder nicht wenigstens 90-Meter- U-Bahnen bestellen?
Die „zu kurzen“ Bahnsteige umzubauen, wäre tatsächlich eine Option. Kostet aber sehr viel Geld und bedeutet lange Sperrpausen der U3 für den Umbau. Zumal ja nicht nur die Bahnsteige, sondern auch die Ein- und Ausgänge aus den Haltestellen umgebaut werden müssten. Fällt als Lösung also erst einmal raus.
90-Meter-Züge zu entwickeln, klingt erst mal auch nach einer guten Idee. Würde aber dann verhindern, dass die Fahrzeuge auf allen vier U-Bahn-Linien eingesetzt werden können. Ein 90-Meter-Zug bestünde dann nämlich, weil das baulich so festgelegt ist, aus zwei 45-Meter-Fahrzeugen. Er wäre damit zwar perfekt für die U3 und immerhin 10 Meter länger als die Züge heute, auf allen anderen Linien wäre er aber nicht mehr passend – in der kurzen Version zu klein für das Fahrgastaufkommen und in der längeren zu lang für den Bahnsteig.

Die Zukunft auf der U3

Die U3 ist dennoch fit für die Zukunft – auch wenn wir an der Zuglänge aktuell nicht drehen. Müssen wir gar nicht, denn die Züge an sich sind in der Gesamtheit fähig, alle Fahrgäste mitzunehmen. Die Stellschraube, an der wir drehen können, sind die Verstärkerzüge. Die fahren schon jetzt zu bestimmen Zeitfenstern und verstärken dann den regulären 5-Minuten-Takt auf alle drei Minuten. Nach oben ist noch dadurch Luft, dass wir den Einsatzzeitraum der Verstärkerzüge ausdehnen können. Wer hätte es gedacht: Lang lebe der kurze Zug 😉


Wer noch tiefer ins Thema Bahnsteiglängen und Zugtypen einsteigen will, findet bei welt.de einen toll erklärten Artikel dazu, warum Hamburgs U-Bahn was ganz besonderes ist.

Titel Zugtypen

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9 Kommentare zu: Von Kurzzügen und kurzen Zügen

  1. „So ein richtiger Kurzzug, wie ich ihn von der U1 zu verkehrsärmeren Zeiten kenne, schien es zwar auch nicht zu sein.“

    Wäre dieser Zug in genau dieser Konfiguration auf der U1 unterwegs, und das kommt beizeiten vor, wäre es aber wieder ein „Kurzzug“ auf dem Anzeiger.

  2. Und dann gäbe es noch die Möglichkeit, 30m lange Züge zu bestellen. 3 Einheiten für die 90m langen Bahnsteige, 4 Einheiten für die 120m langen Bahnsteige.

    Diese haben jedoch leider den Nachteil, dass diese unbenutzte Führerstände besitzen, die neben Platz auch unnötig Geld kosten.

    Eine alternative Lösung wäre die Anschaffung von 90 und 30 Meter langen Zügen. Die 90m-Variante fährt auf der U3 und als Kurzläufer auf den Linien U1, U2 und U4, wo Vollzüge überdimensioniert, die 60m langen DT4-Kurzzüge jedoch häufig überfüllt sind. Die Stamm Fahrten würden von 90+30m-Zügen gefahren, in der NVZ wird für die Kurzläufer der 30m-Teil abgekoppelt.

    1. Ich habe nichts gegen d. Kurzzüge, doof ist aber wie diese Züge manchmal halten. Es gibt noch viele Haltestellen, die nur einen Aus/Eingang haben, aber der liegt nicht unbedingt in der Mitte sondern manchmal an einem Ende der Haltestelle. Doof ist es, wenn die Kurzzüge in der Mitte der gesamten Haltestellenlänge halten obwohl man sowie so nicht von der Mitte kommt, oder die Haltestelle an beiden Enden Ein/Ausgang haben. Es kommt dadurch oft zu einer Situation dass man noch länger laufen muss, da man zwischen dem Eingang und dem haltenden Zug unnötig eine Lücke macht. Spontan als Beispiel kann ich Hoisbüttel nehmen. Vor kurzem habe ich dort einen alten Mann gesehen, der mühselig mit einer Krücke in einen Kurzzug noch einsteigen wollte. Wären Kurzzüge immer so nah wie möglich bei solcher Haltestelle unmittelbar zu dem Ein/Ausgang halten, nicht nur für viele ist dann klarer, sondern auch sicherer da bei dieser Lücke mehr passieren könnte

      1. Ich verstehe, was Sie meinen. Allerdings ist der Grund dafür, dass manche Kurzzüge in der Mitte des Bahnsteiges und nicht direkt am Ausgang halten, der der Barrierefreiheit. Vor allem bei teilerhöhten Bahnsteigen ist der Einstieg mit Kinderwagen/Rollstuhl/Rollator nur an dieser Stelle gesichert. Dafür müssen die Züge dann entsprechend zuverlässig halten. Ist doof für die, die es nicht brauchen, aber wirklich gut und wichtig für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste.

  3. Also wenn da 10 Meter zu wenig sind, warum hängt man nicht einfach einen Anhänger hinten an, außerhalb eines Triebfahrzeugverbandes, der ebenfalls über eine Steuerungseinheit für die Fahrer bereithält? So könnte man flexibel die Fahrzeuge um 10 Meter verlängern aber ebenfalls die Fahrzeuge auf anderen Linien einsetzen, da man denn einfach den 10 Meter-Wagen wieder wegnimmt. Technisch gesehen müsste das doch möglich sein, wenn Ihr schon einen DT5 mit einen DT3 (und umgekehrt) abschleppen könnt, ist das doch ein Kinderspiel für Euch 😉

  4. Hallo,
    dann gab es damals (und heute in Restexemplaren) aber noch den DT2, der als Zwei-Wagen-Einheit mit rund 28,5 Meter immerhin 5,5 Meter (als Zug aus drei Einheiten) mehr auf der U3 brachte… die Konfiguration war eigentlich passgenau. Wobei, stimmt das mit den 90 Metern? Mir war, als hätte ich gehört, dass z.B. 1,5 DT4 (technisch eh nicht, aber von der theoretischen Länge) auch zu lang wären, obwohl das dann ziemlich genau 90 Meter wären…
    Gruß
    Carsten

  5. „Dies war übrigens auch der Grund, weshalb 2009 der Verlauf der Linien U2 und U3 im Osten getauscht wurde, um alle kurzen Bahnsteige auf der Linie U3 zu haben….“

    So steht’s im verlinkten Artikel, aber das stimmt doch so gar nicht, oder? Die kurzen Bahnhöfe waren doch schon immer nur auf der U3.

    1. Das stimmt, ist im Artikel von der Welt ein wenig missverständlich ausgedrückt. Grund für den Linientausch war, dass man vor allem auf dem Billstedter Ast der heutigen U2 wieder lange Züge einsetzen konnte. Die waren seit jeher für lange Züge ausgelegt, konnten als Ost-Ast der alten U3 aber eben wegen der kurzen Bahnsteige immer auch nur von 80-Meter-Zügen befahren werden.

    2. Du hast Recht. Die Äste wurde vertauscht, weil die Nachfrage auf der Billstedter U-Bahn (-> Mümmelmannsberg) größer ist als auf dem Ostring (-> Wandsbek-Gartenstadt).

      Mit dem Linientausch wurde es möglich, die längeren Züge (U2) auf den stärker belasteten Abschnitt (Billstedter U-Bahn) zu schicken.

      Beide vertauschten Äste verfügen über 120 Meter lange Bahnsteige, sonst hätte man vor 2009 die U2 nicht mit Vollzügen führen können.

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