Titelbild_Dieselbusse Euro 5 und 6

Wieso wir mehr Dieselbusse kaufen, während alle von Dieselfahrverboten sprechen

Ganz Deutschland diskutiert Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in deutschen Innenstädten. Gerade gestern hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass diese Fahrverbote rechtlich zulässig sind.  Hamburg prüft deshalb jetzt Durchfahrtsbeschränkungen für Teile der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße.

Im Zuge der Diskussion rücken natürlich auch wir als Verkehrsunternehmen mit unseren Bussen in den Mittelpunkt des Interesses. Schließlich haben wir Dieselbusse im Einsatz und kaufen diese (erstmal) auch weiterhin ein.

Und genau daran wird seit letzter Woche Kritik geübt.  Im Kern der Kritik: Wir kaufen jetzt noch schnell viele Dieselbusse, bevor ab 2020 in Hamburg nur noch emissionsfreie Busse gekauft werden sollen. Kurz gesagt: Wir verschaffen uns Zeit.

Doch stimmt das? Schauen wir uns das Ganze mal genauer an.


1. Unsere Busse sind per se umweltfreundlicher als Pkw.

In vielen deutschen Städten sind die Stickoxidwerte heute zu hoch. Daran sind laut Umweltamt hauptsächlich Diesel-Pkw schuld, die für immerhin 72,5% der Stickoxid-Belastung  durch den Straßenverkehr verantwortlich sind (Lkw für noch mal 19%). Busse verursachen dagegen nur rund 3% der Emissionen, sind also prinzipiell weniger schlimm für die Umwelt. Ganz entscheidend sind dabei aber die Schadstoffklassen (EURO-Norm). Die HOCHBAHN-Busse haben schon zu 95 Prozent EURO 5 oder 6. Und wenn die letzten Euro 3 und 4 in den kommenden Monaten bis zum Sommer 2018 vom Hof rollen, gibt es nur noch Busse mit EURO 5 oder 6. Diese Entscheidung, die alten Busse früher rauszunehmen und durch die modernste Dieseltechnologie zu ersetzen hat der Vorstand schon vor zwei Jahren getroffen. Klar also, dass wir diese Busse vermehrt einkaufen. Und das ist auch gut so.

Stickoxide Busse Euro-Normen


 2. Neue Busse werden gebraucht

Die Busse, die wir nun also gerade neu gekauft haben, brauchen wir, um das Angebot auf die Straße zu bringen. Und ja, sie werden auch noch über 2020 hinaus im Einsatz sein. Denn wir können nicht die gesamte Flotte (und damit viele Busse vor Ende ihrer Lebenszeit von 10 bis 12 Jahren) auf einen Schlag gegen Elektrobusse austauschen. Das wäre nun alles andere als wirtschaftlich. So werden also eine Zeit lang die saubersten Dieselbusse und Elektrobusse parallel unterwegs sein. Ist dann aber im Mix die sauberste Busflotte, die realistisch darstellbar ist.

Bus-Flotte-Strategie


3. Serienreife Elektrobusse gibt es (noch) nicht

Stand heute gibt es immer noch keine serienreifen Elektrobusse für den Linienbetrieb. Aber um genau diese zu bekommen, läuft gerade eine Ausschreibung über insgesamt 60 Busse, die wir 2019 und 2020 kaufen wollen. Dieses Jahr sollen die ersten sechs Busse kommen – als Serienfahrzeuge. Denn, so viel sei an dieser Stelle verraten, die Ausschreibung zu den Elektrobussen läuft schon ganz vielversprechend.
Der Mix macht es also (vorübergehend). Klar ist das Ziel, Busse mit keinen Emissionen zu kaufen. Dafür haben wir die Beschaffungsinitiative, haben auf der Innovationslinie 109 viele verschiedene Technologien getestet und bereiten schon jetzt die nächste Ausschreibung für Elektrobusse vor.
So lange soll aber eben schon möglichst viel für die Umwelt getan werden. Und genau dafür erneuern wir unsere Dieselflotte und erreichen, dass schon im nächsten Quartal nur noch die umweltfreundlichsten Dieselbusse in Hamburg unterwegs sein werden.
Klar, wir haben nur einen geringen Anteil an der Stickoxid-Belastung in Hamburg, tragen aber dennoch einen Teil zur Besserung bei.

 

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7 Kommentare zu: Wieso wir mehr Dieselbusse kaufen, während alle von Dieselfahrverboten sprechen

  1. Das stimmt so nicht das es keine elektrobusse gibts. Voll aufgeladen 280 km. Da kann man auf die ladesaulen auf der 109 verzichten.

    Doruk Electra ist ein 100% mit Strom funktionierender Bus und komplett aus türkischer Produktion. Der Hersteller ist die Firma Otokar. Die Reichweite des Busses, mit komplett geladener Batterie beträgt 280 km. Die Busse wurden 6 Monate lang in Istanbul erfolgreich getestet.

    Da viele Bestellungen aus ganz Türkei vorliegen, geht Doruk Electra jetzt in Produktion. Die Aufladung der Batterien dauert 6-8 Stunden. Eine Batteriekapazitätssteigerung ist durch optimierte Zwischenladungen um 30-40% möglich

    1. Erst einmal, wir haben uns viele (europäische) Hersteller angesehen und ob deren Busse die Kriterien erfüllen, die es für den deutschen Markt braucht. Dabei war auch ein türkischer Fahrzeughersteller. Grundsätzlich hat sich dann jeder Hersteller für unsere E-Busse bewerben können, der nachweisen kann, dass er unsere Anforderungen erfüllt und mind. 150km Reichweite garantieren kann.
      Die Reichweite ist natürlich auch abhängig von Rahmenbedingungen wie z.B. dem Heizen von Bussen. Sie kann also nicht einfach ohne Weiteres verglichen werden.
      Für die serienreifen Fahrzeuge, die wir erwarten, haben wir nach Herstellern gesucht, die sowohl die nötige Reichweite als auch die Qualitätsansprüche, die der deutsche Markt an die Busse hat, erbringen können.

  2. So richtig erklärt es sich allerdings nicht wirklich.
    Man sollte eventuell etwas darauf eingehen, warum zur Zeit mehr Busse beschafft werden, als nötig sind. Es sind nur noch eine Handvoll Fahrzeuge mit der EURO 3 und EURO 4 Norm (insgesamt 20) unterwegs. Jetzt werden sicherlich die Fahrzeuge aus den Jahren 2006 ausgemustert, dabei handelt es sich allerdings nur um 30 Fahrzeuge, die Wagen 2601-2605 und 7601-7605 haben ja noch die Euro 3 Norm. Wenn man dieses Jahr 131 Fahrzeuge ordert, dabei allerdings noch ältere Fahrzeuge von ex Fa. Jasper ersetzt, bleib die Anzahl ja noch ziemlich hoch, denn eigentlich wären das dann nur 50 Wagen, die ersetzt werden müssten. Somit geht man also auch schon an die Solofahrzeuge aus dem Jahr 2007 ran. Die sind dann aber erst 11 Jahre alt und haben die EURO 5 Norm. Probleme wird man sicher mit den Schnellbussen bekommen. Die Fahrzeuge aus den Jahren 2009-2010 wären ja gerade kurz nach dem Jahr 2020 dran. Allerdings könnte man diese wohl noch nicht durch E-Busse ersetzen, da man die Reichweite nicht hätte, da diese Fahrzeuge immer schon mehr Kilometer zurücklegen, als die Linienbusse. Schon deshalb, weil unterwegs viel abgelöst wird. Da im Jahr 2019 noch einmal eine höhere Anzahl an Neufahrzeugen kommen soll, werden hier dann wohl die Gelenkbusse aus dem Jahr 2008 abgelöst, also auch erst 11 Jahre alt und Euro 5 Norm. Dann bleibt zwar danach noch etwas übrig, aber die größeren Serien wären dann raus. auch wenn die Baujahr 2007 eigentlich 2019 gehen würden. Man beschafft also schon mehr Fahrzeuge, als man benötigt und mustert Fahrzeuge mit der EURO 5 Norm früher aus, als es der Normalfall ist.

    1. Ich verstehe nicht recht, was Sie meinen. Wir mustern zuerst die Fahrzeuge mit EURO 3 und EURO 4 aus. Ja, auch die EURO 5 werden durch EURO 6 ersetzt, wie auch der Grafik unter 2. zu entnehmen ist. Aber, und auch das steht im Text, alle nach ihrer durchschnittlichen Lebensdauer von 10-12 Jahren. Im Durchschnitt bedeutet also auch, dass da Fahrzeuge dabei sind, die schon nach 8 Jahren raus gehen (aber immer begründet).

  3. Besser wäre es, wenn statt Diesel #CNG-Busse zum Einsatz kämen. So macht es Stockholm und auch andere Städte in Deutschland.

  4. Ein Grund, warum Dieselbusse sauberer sind als PKW: sie haben AdBlue (oder wie auch immer das beim jeweiligen Hersteller heißt) und benutzen es auch. Offensichtlich empfanden die Hersteller, dass es für Privatkunden zu kompliziert wäre, AdBlue nachtanken zu müssen.

    Und die PKW die tatsächlich AdBlue verbrauchen, haben keinen Weg, es vom Nutzer selbst nachzufüllen. (Letztens bei nem 5er BMW gesehen).

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