Was sollen die weißen Pfeile und Trennlinien auf dem Boden der Haltestellen?

Wer kennt es nicht: volle Fußgängerzonen oder Bahnhöfe, an denen sich Passantinnen und Passanten in großen Mengen entgegenkommen. Man fragt sich, wo man sich im vielen Treiben einordnet, um nicht gegen den Strom zu laufen und entgegenkommenden Menschen permanent aus dem Weg zu gehen.

Generell, aber insbesondere in Zeiten von Corona, ist das eine Situation, die man natürlich gerne vermeiden möchte.

An einigen Haltestellen im Hamburger Schnellbahnnetz gibt es hierfür nun eine Lösung, die der eine oder die andere von euch vermutlich schon gesehen hat: seit Kurzem sind sie mit weißen Pfeilen und Trennspuren auf dem Boden ausgewiesen.

Das Simple daran: wir alle kennen diese Markierungen aus dem Straßenverkehr. Je Richtung gibt es eine Spur, die durch den Mittelstreifen vom Gegenverkehr abgetrennt ist. Die Markierungen erinnern Fahrgäste nun auch an den Haltestellen daran, sich beim Gehen rechts zu halten und damit nicht auf entgegenkommende Fahrgäste zu treffen. Weniger Aufeinandertreffen bedeutet mehr Abstand und Sicherheit und macht nebenbei das Vorankommen einfacher.

Und: Die Wegeleitung gibt den Fahrgästen auch eine Orientierung, gerade an den großen und oft unübersichtlichen Haltestellen (Stichwort Jungfernstieg). Neben Sicherheit spielt also auch der Fahrgastkomfort eine Rolle.

Aber bewirken die Bodenmarkierungen tatsächlich einen wesentlichen Unterschied? Verändern Menschen tatsächlich ihr Verhalten wegen einiger weniger Streifen auf dem Boden?

Wegeleitung im Test

Bereits im letzten Jahr hat die HOCHBAHN die Wegeleitung als Pilotprojekt an den Haltestellen „Wandsbek-Markt“ und „Hagenbecks Tierpark“ getestet. Um herauszufinden, ob und wie die Wegeleitung verstanden und angenommen wird, haben die Kolleginnen und Kollegen sowohl eine Beobachtung des Verhaltens als auch eine Befragung der Fahrgäste vor und nach der Beklebung durchgeführt.

Das Ergebnis:

Die Befragung ergab, dass nahezu alle Fahrgäste das Prinzip der Wegeleitung wahrnehmen (92 Prozent). Von denen, die es wahrnehmen, verstehen auch so gut wie alle (95 Prozent), was diese Pfeile sollen. Und: die allermeisten (85 Prozent) der Fahrgäste gaben dabei an, die Wegeleitung als sinnvolle und hilfreiche Maßnahme im Umgang mit der Pandemie zu empfinden. Und 90 Prozent sagten, dass sie sich künftig an die Empfehlung halten wollen.

Im Rahmen der Beobachtung hat sich das Bild bestätigt:  ein Großteil der Fahrgäste orientiert sich an der Wegeleitung und bleibt auf der entsprechenden Seite.

Während des Pilotprojekts war die HOCHBAHN in engem Austausch mit der Deutschen Bahn, die ebenso ein Konzept zur Wegeleitung getestet hat. In diesem Fall handelte es sich um rote Fußspuren, die einen geordneten Weg weisen sollen.

Aufgrund des positiven Ergebnisses des aus dem Straßenverkehr bekannten Zwei-Spuren-Systems mit Richtungspfeilen und Trennlinie hat die DB den Ansatz aufgegriffen und selbst nochmals in Berlin erprobt – und für wirksam befunden. Das Resultat: Die DB hat das Konzept der HOCHBAHN übernommen und mittlerweile bereits an 100 Bahnhöfen deutschlandweit umgesetzt – und wer hat´s erfunden? Hamburg!

Wegeleitung an wichtigen Knotenpunkten

In Hamburg selbst haben HOCHBAHN und S-Bahn nun die hoch frequentierten U- und S-Bahn-Umstiegspunkte sowie jeweils 4 bzw. 5 weitere Haltestellen von U- und S-Bahn mit der Wegeleitung ausgestattet. Allein im U-Bahn-Bereich sind damit fast 2,5 km Laufwege markiert.

Die weißen Pfeile und Trennlinien
Haltestellen werden mit der Wegeleitung ausgestattet

Konkret geht es neben Wandsbek-Markt und Hagenbecks Tierpark um folgende Haltestellen:

U- und S-Bahn-Umstiegspunkte:

  • Berliner Tor
  • Hauptbahnhof Nord
  • Hauptbahnhof Süd
  • Jungfernstieg
  • Barmbek
  • Ohlsdorf

U-Bahn-Haltestellen:

  • Kellinghusenstraße
  • Schlump
  • Wandsbek-Gartenstadt
  • Billstedt

S-Bahn-Haltestellen:

  • Dammtor
  • Harburg Rathaus
  • Reeperbahn
  • Landungsbrücken
  • Hamburg Airport

Aufgrund der hohen Zahl an täglich ein- und aussteigenden Fahrgästen – und damit vielen entgegenkommenden Menschen – sind die Markierungen an diesen Haltestellen besonders hilfreich. Die einheitliche Markierung im U- und S-Bahnnetz gibt den Fahrgästen zudem eine gute Orientierung.

Aktuell sind noch deutlich weniger Hamburgerinnen und Hamburger unterwegs als üblich. Doch das wird sich künftig wieder ändern und genau dafür sind die Haltestellen bereits jetzt gut ausgerüstet. Denn gerade bei steigenden Fahrgastzahlen gilt es, die Menschen weiterhin daran zu erinnern, achtsam und vorsichtig zu bleiben.

Wie geht es euch damit? Habt ihr die Wegeleitung bereits wahrgenommen und achtet ihr seither bewusster darauf?

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13 Kommentare zu: Was sollen die weißen Pfeile und Trennlinien auf dem Boden der Haltestellen?

  1. In Ohlsdorf geh ich beim Umsteigen (U-S Bahn) unten immer sehr vorsichtig um die Ecken damit ich von den Links-Gehern nicht umgerannt werde ! Vielleicht sollte man da nochmal eine Woche die Links-Geher rausziehen und aufklären !

  2. Leider erlebe ich, dass oft viele „Geisterläufer“ unterwegs sind.
    Erst recht, wenn größere Ansammlungen von Menschen / Fahrgäste aus den Zügen die Treppe herunter wollen.
    Abstand halten, ist anscheinend dann auch nicht möglich.

  3. In Deutschland wohnend ist man ja an den Rechtsverkehr gewöhnt und geht intuitiv eher auf der rechten Seite eines Weges als auf der linken. Aber dennoch habe ich auch das Gefühl, dass die Markierungen einem nochmal einen kleinen (vielleicht unbewussten) Hinweis dazu geben.
    Als Autofahrer wäre man ja auch nicht so gerne im Gegenverkehr unterwegs. 😉

    Und wenn man nicht, wie in Paris oder London, ganze Tunnelsysteme getrennt nach Laufrichtung zur Verfügung hat, ist diese Lösung doch wirklich gut.

    Ich sah vor ein paar Tagen, dass in Süddeutschland auch Regionalzug-Wagen Laufrichtungspfeife bekommen sollten (also ein Türbereich nur zum Einstieg, der andere nur zum Ausstieg). Das fände ich – egal ob in der RB oder in der U-Bahn – etwas übertrieben.
    Hat die Hochbahn darüber schon nachgedacht? Mit welchem Ergebnis?

  4. „seit kurzem“
    Wow schon nach einem Jahr. Wollen wir Mal hoffen das nicht alle marginalen Innovation so lange dauern.

    (Und jetzt bitte nicht das Argument vorschieben das man es ja an verschiedenen Bahnhöfen „getestet“ hat und es deswegen solange gedauert hat)

    1. Na doch, in Deutschneckenland muss man doch so etwas Komplexes wie Striche auf dem Boden ein Jahr lang testen und danach noch akribisch die Ergebnisse auswerten. Genauso wie eine Bundesregierung/EU auch Impfstoff nicht einfach bestellen kann, wo kämen wir denn da hin, sondern erstmal monatelang diskutieren und auf ein Sonderangebot warten muss.

  5. Ich bin schon eine Weile nicht mehr ÖPNV gefahren, aber wäre das nicht jetzt der perfekte Zeitpunkt, um auch in HH das „rechts stehen, links gehen“-Prinzip auf den Rolltreppen einzuführen? Wenn man eh schon solche Markierungen macht, dann kann man diese Schilder gleich mit machen.

    In London, Paris etc. funktioniert das hervorragend. Da stellt sich so gut wie niemand links auf die Rolltreppe.

    1. Hallo Oliver, soweit ich weiß, gibt es dieses Prinzip schon sehr lange, auch in HH, links stehen und rechts gehen! Bedauerlicherweise halten sich die Menschen nicht daran oder sind nicht in der geistigen Lage, dieses Prinzip zu erfassen. 🙁

      1. Ja klar gilt dieses Prinzip inoffiziell. Aber in den von sehr vielen Großstädten wird dies durch Schilder an jeder Ecke verdeutlicht. Und darum ging es doch in diesem Artikel. Durch Markierungen den Passanten auf seine Laufwege hinzuweisen.

        Warum also nicht auch Markierungen in HH dafür aufstellen.

      2. Ich glaube hierfür sind die Rolltreppen in Hamburg einfach auch zu schmal. Schauen Sie sich mal Rolltreppen in der Moskauer Metro an!

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