Aktuell beschäftigt sich wohl so gut wie jede und jeder Wahlberechtige in Hamburg mit diesem einen Thema: Möchte ich, dass sich Hamburg für Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele bewirbt oder nicht? Eine komplexe Frage, die weit über das Event selbst hinausgeht und umso heißer diskutiert wird – schließlich gibt es für beide Seiten Argumente. Ein Stichwort, das dabei immer wieder fällt, ist auch Hamburgs Mobilität.
Aber wie genau hängt das zusammen? Welche konkreten Auswirkungen könnte es auf die Mobilität und besonders den ÖPNV haben, wenn Hamburg Olympiastadt würde? Schauen wir uns einmal an, wie die HOCHBAHN das sieht.
Rückenwind für Hamburgs ÖPNV
Ein zentrales Element von Hamburgs Olympia-Konzept ist es, während der Veranstaltung möglichst viele Besucherinnen und Besucher ohne Auto zu bewegen. Dafür wurde die Idee der “Spiele der kurzen Wege” entwickelt: Der Großteil der Sportstätten soll direkt im Hamburger Stadtgebiet liegen und so auf nachhaltige Weise erreichbar sein, also zu Fuß, per Fahrrad und – ihr ahnt es – mit Bus und Bahn.
Und das ist der entscheidende Punkt: Durch die olympischen Spiele rücken viele Mobilitätsprojekte stärker in den Fokus, und zwar auch auf Bundesebene. Weil die Olympia-Spiele von nationaler Bedeutung wären, würde Hamburg bei einer Ausrichtung eine zusätzliche Förderung des Bundes erhalten, die über die normalen Budgets hinausgeht. Und das wiederum würde es Hamburg ermöglichen, Verkehrsprojekte zu realisieren, die sonst vielleicht noch Jahrzehnte dauern würden.
Und welche Projekte konkret?
Ein sehr greifbares Beispiel dafür, wie Olympia und unsere Mobilität verwoben sind, ist die U5 mit ihrer geplanten Haltestelle “Arenen Volkspark”. Die Haltestelle wird zwar auch unabhängig von Olympia geplant und gebaut, wird während möglicher Sommerspiele aber ein zentrales Element, um die großen Menschenmengen am Stadion zu lenken. Und der feste Termin der Spiele sorgt dafür, dass Planung und Bau der U5 (aber auch der Ausbau anderen Linien) mit höchster Priorität vorangetrieben werden. Die Herleitung: Ohne eine leistungsfähige Schiene funktionieren die Spiele nicht, also muss der Ausbau jetzt passieren.

Dasselbe Prinzip greift für sehr viele Mobilitätsprojekte, die im Zuge der Spiele schneller realisiert werden könnten: Wir sprechen da etwa von dichteren Takten, dem Ausbau von Busverbindungen und generell zusätzlichen Kapazitäten, die der weltgrößten Sportveranstaltung gerecht werden (vielleicht habt ihr schon gehört, dass hier auch von Investitionen in Hamburgs Hauptbahnhof die Rede ist). Aber auch Projekte wie die verbesserte digitale Fahrgastinformation, autonomes Fahren und die Umstellung auf emissionsarme Antriebe würden mit Olympia Rückenwind bekommen. Und nicht zuletzt würde auch das Thema Barrierefreiheit noch stärker in den Fokus rücken, gerade natürlich auch mit Blick auf die Paralympics.
Ihr merkt, die Liste der Vorteile für Hamburgs Mobilität ist lang und vielfältig. Eines haben die Punkte dabei gemeinsam: Was im Zuge von Olympia angestoßen wird, bleibt auch langfristig für Hamburgs Mobilität erhalten – und prägt die Lebensqualität in unserer Stadt damit weit über die Spiele hinaus.
Blick über den Tellerrand: So hat Olympia andere Städte geprägt
Dass dieses Konzept funktioniert, zeigen mehrere Beispiele aus der Vergangenheit. Denn viele Städte, die wir heute für ihre Lebensqualität und Infrastruktur bewundern, hatten Olympia als Startschuss:
München (1972): Das gesamte heutige U- und S-Bahn-Netz Münchens wurde maßgeblich für die Olympischen Spiele aus dem Boden gestampft. Ohne diesen „Olympia-Druck“ hätte die Stadt vermutlich erst Jahrzehnte später ein so leistungsfähiges Schienennetz erhalten, das heute noch das Rückgrat der Münchner Mobilität bildet.
Barcelona (1992): Die Stadt nutzte die Spiele für eine komplette Neuerfindung. Neben der Öffnung der Stadt zum Meer wurde das gesamte Verkehrssystem modernisiert. Die Investitionen, die im Zuge von Olympia flossen, machten Barcelona erst zu der modernen Metropole, die sie heute ist.
London (2012): Hier war Olympia der Hebel, um den vernachlässigten Osten der Stadt verkehrstechnisch zu erschließen. Die Anbindung an den ÖPNV wurde so massiv verbessert, dass die Stadtteile noch heute von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren.
Paris (2024): Die Olympischen Sommerspiele haben die Mobilitätsentwicklung in Frankreichs Hauptstadt stark beschleunigt und wirkten als Katalysator für einen nachhaltigen Umbau der Mobilität. Der Fokus lag dabei vor allem auf der Förderung des Radverkehrs, dem Ausbau des ÖPNV und der Reduzierung des privaten Pkw-Verkehrs. Die Auswirkungen auf die Lebensqualität in Paris sind dabei bis heute deutlich spürbar. Insbesondere der barrierefreie Ausbau hat durch die Spiele profitiert.
Ihr entscheidet, Hamburg!
Nun habt ihr einen Einblick, was Olympia für Hamburgs Mobilität bedeuten kann: Die Chance, Hamburgs ÖPNV an vielen Stellen schneller und nachhaltig auszubauen – quasi ein Katalysator für die Mobilitätswende und die Entwicklung unserer Stadt.
Was mir aber an dieser Stelle aber wichtig ist: Die Entscheidung, ob man Olympia in Hamburg austragen möchte oder nicht, ist weit komplexer als nur die Frage nach der Mobilität oder natürlich dem Event selbst. Sie berührt auch Aspekte der Stadtgestaltung, zum Wohnungsmarkt, zur Entwicklung von Sportangeboten, der Wirtschaft, finanzielle Aspekte und natürlich auch die ganz persönliche Frage, ob ich mir die weltgrößte Sportveranstaltung für meine Stadt vorstellen kann.
Deshalb meine Bitte: Macht euch schlau, hört euch Argumente beider Seiten an, geht noch einmal in euch – und dann gebt eure Stimme ab, ob per Briefwahl oder am 31.5. an der Urne!
Auch interessant:
Hier geht es zu Hamburgs Olympia-Konzept
Und nun?
Wie wird sich die Ablehnung auswirken?
Dauert alles jetzt länger oder werden Pläne eingestampft?
Kann es noch Anpassungen geben?
Für viele Mobilitätsprojekte in Hamburg wären Olympia und die entsprechenden Fördergelder eine Chance gewesen, das kann man nicht wegreden. Aber auch jetzt, wo sich Hamburg gegen die Bewerbung entschieden hat, richtet die HOCHBAHN den Blick nach vorn und verfolgt ihre Projekte natürlich auch weiterhin!
Auch möglich, es gibt kein Olympia und trotzdem gibt die Politik massiven Rückenwind für den ÖPNV – nur so eine ganz krasse Idee.
Man könnte noch krasser denken, das Geld, was alleine für die Spielstätten/Olympiabewerbung etc. ausgegeben werden würde, könnte man verwenden um noch mehr in den ÖPNV zu investieren- auch mit zeitlicher Priorisierung.
Busways über die Autobahn/Elbtunnel sind so oder so notwendig, wenn die Stadt es ernst meint mit der Mobilitätswende.
PS: Schreibt mal bitte, was man bei der Eingabe von Kommentaren bei euch beachten muss, damit kein ERROR sowieso erscheint.
Ist es die Länge, die eine Größe nicht überschreiten darf, oder werden bestimmte Sonderzeichen nicht anerkannt?
Ich habe deshalb u.a. meinen letzten Text geteilt, damit ich ihn irgendwie durchbekomme, was aber nicht schön ist.
Oh, das wäre mir tatsächlich neu! An der Länge kann es nicht liegen. Ich schaue mir das aber an. Sorry wegen der Umstände und danke für den Hinweis.
Hallo Nora, danke schön für Deine Antworten!
Ich konnte nicht herausfinden, wodurch es zu den mehrfachen Error-Meldungen gekommen ist, bis mein Kommentar abgeschickt wurde. Ich hatte jedenfalls alle Sonderzeichen herausgenommen. Deshalb sieht mein Text auch so komisch aus und sollte eigentlich eine Antwort auf Anonym 19.05. sein.
(Fortsetzung)
Die Hochbahn braucht sich also noch keine Gedanken über die Umplanung des Busverkehrs im Bereich Tonndorf zu machen. Die Busse dürfen also weiterhin genau die spitzen Winkel an den Kreuzungen bei uns befahren, und auch die Nothaltestelle Bahnhof Tonndorf (Tonndorfer Hauptstraße) bedienen. Und die 29 (ist zwar vhh.mobility) weiterhin deswegen eine extra Ehrenrunde mit spitzen Winkeln um den Bahnhof drehen.
Übrigens, in Bergedorf solls was geben: Paddeln auf der Dove-Elbe oder so.
Hallo Jens! Sicher richtig, dass in Wandsbek noch nicht alles perfekt läuft. Die Mobilitätswende ist da ein Prozess, der eben etwas Zeit braucht. Mit dem Neubau der Busanlage Rahlstedt, neuen Busverbindungen und dem Bau der S4 (das wiederum ist aber natürlich Sache der S-Bahn) passiert aber definitiv auch in deiner Ecke was – und das natürlich auch ohne Olympia ☺️
Mein hundertprozentiges Nein ist schon gekommen.
Falls Hamburg diesmal wirklich für Olympia stimmen und ich dann noch in Hamburg wohnen sollte, dann bin ich aber froh, dass diese Sportstätten (und die ganze Hektik und Überhitztheit) maximal weit von meinem Bezirk Wandsbek entfernt liegen.
Was den ÖPNV-Ausbau bei uns betrifft, mache ich mir eh keine Illusionen. Das war schon beim Busbeschleunigungsprogramm so, und ist es heute auch beim S4-Bau: In diesem Jahrzehnt kommt die sowieso nicht mehr, vielleicht irgendwann gegen Ende des nächsten Jahrzehnts.
Olympia ist wie die allermeisten Projekte in Hamburg wieder einmal auf die altbekannten Stadtteile konzentriert, der Rest der Stadt bekommt dann die PKW-Flut, Wohnungswahnsinn und Abgedrängtheit ohne dass mal eine einzige Verbesserung für den ÖPNV oder Radverkehr angedacht oder umgesetzt wird (siehe: PKW-Flut, die will man ja nicht in Altona sehen). Welche Sportart soll denn beispielsweise in Bergedorf stattfinden? Oder in Harburg?
Neben den erheblichen Kosten ist das der Grund, warum bei mir 100% ein Nein kommt.
Toll, dass die U 5 dann schon 2036 am Stadion hält!
Moin! Im Falle einer Olympia-Bewerbung könnten einzelne U5-Abschnitte priorisiert und Abläufe weiter optimiert werden. Wenn wir über einen U5-Anschluss zum Olympia-Stadion sprechen, dann aber tatsächlich für die Spiele ab 2040. Am Ende ist die U5 eben immer noch Hamburgs größtes Schnellbahnprojekt – und da muss natürlich sichergestellt sein, dass Planung, Genehmigung und Bau sorgfältig umgesetzt werden.
Toll, dass die U 5 Haltestelle dann schon 2036 am Stadion hält!