Historisches Foto der U Hagenbecks Tierpark

Mit dem Zug zum Zoo – 60 Jahre Hagenbecks Tierpark

Schon 1914 fährt die U-Bahn nach Eimsbüttel, damalige Endhaltestelle: Die U Hellkamp. Den Wunsch, auch am Tierpark in Stellingen eine weitere Haltestelle zu bauen, gibt es schon da. Weiter geht es aber erst Jahrzehnte später, denn direkt hier ist Hamburg damals zu Ende.

Stadtplan mit frühen Planungen zur U-Bahn nach Eimsbüttel, um 1912
Stadtplan mit frühen Planungen zur U-Bahn nach Eimsbüttel, um 1912

Ein U-Bahn-Anschluss für Stellingen – es ist kompliziert

Langenfelde, Lokstedt und Stellingen liegen zwar nur einen Steinwurf entfernt. Doch eben nicht mehr in Hamburg, sondern schon im Nachbarstaat Preußen. An dieser staatlichen Rivalität scheitert dann eine Fortführung der U-Bahn. Selbst die persönliche Intervention des Tierpark-Gründers Carl Hagenbek mit der Bitte, die U-Bahn-Linie doch um eine Haltestelle zu verlängern, damit Besucherinnen und Besucher den Tierpark mit einem modernen ÖPNV leichter erreichen können, bleibt erfolglos. Für die nächsten Jahrzehnte ist die U Hellkamp die Endhaltestelle der U-Bahn in Eimsbüttel.

Gleichwohl ist der Tierpark trotzdem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar: Direkt geht es 1914 mit der Straßenbahnlinie 16 (Stellingen – Rathausmarkt), während andere Verbindungen immer Fußwege nötig machen, wie dezidierte Hinweise in Reisebüchern zeigen.

Auszug aus einem Reisebuch aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Auszug aus einem Reisebuch von 1914

Alles neu in Eimsbüttel

Als sich ab Mitte der 1950er Jahre Lokstedt und Stellingen mit vermehrter Einzelhausbebauung, den Studios des NDR, einigen Behörden und vielen Kleingärten strukturell verändern und stärker besiedelt werden, kommt die Frage einer Weiterführung der U-Bahn über Eimsbüttel hinaus wieder auf. Einfach weiterbauen ist allerdings keine Option. Denn nach ersten Planungen steht fest, dass bei der Verlängerung der bestehenden Linie über Brehmweg bis zum Tierpark die Haltestellenabstände zu gering wären. Stattdessen wird die U-Bahn in Eimsbüttel neu strukturiert: Die Haltestellen bekommen längere Bahnsteige und die Eingänge von der U Emilienstraße und U Osterstraße, wo Seitenbahnsteige eingerichtet werden, werden neu gestaltet:o Sie liegen nun neben den Straßen und sind von den Fußwegen aus direkt erreichbar. Nur an der Christuskirche bleibt die Eingangssituation als Insel in der Hauptverkehrsader erhalten. Zudem wird die Haltestelle Hellkamp aufgegebenund ab Mai 1965 durch den Neubau U Lutterothstraße ersetzt.

Der Tunnelausgang am Lenzweg, 1965.
Der Tunnelausgang am Lenzweg, 1965.

Nächster Halt: Hagenbecks Tierpark

Bei dieser umfassenden Modernisierung bleibt es nicht. Denn 1965 beginnen endlich die Arbeiten für den lang ersehnten U-Bahn-Anschluss von Hagenbecks Tierpark. Da die Strecke hinter dem Tunnel nach der Haltestelle Lutterothstraße als Einschnitt verläuft, kann das Bauvorhaben ebenso zügig wie unspektakulär umgesetzt werden. Passend dazu fällt die Gestaltung der Haltestelle aus: Funktional. Der ungewöhnlich breite Mittelbahnsteig läuft auf eine große Halle mit den Fahrkartenautomaten zu, in die von einem Fensterband Tageslicht einfällt. Von der Halle aus führen seitliche (Fahr-)Treppen zur Bushaltestelle und der Ladenzeile hinauf, während ein Fußgängertunnel die vielbefahrene Koppelstraße unterquert, sodass über die dortige Treppe und den Aufzug die Busse oder das Finanzamt gut erreichbar sind.

Nördlich der Haltestelle liegt eine sechsgleisige offene Abstellanlage, an deren Seiten inzwischen die Mitte der 1980er Jahre gebaute Strecke nach Niendorf verläuft.

Die fertiggestellte Haltestelle Hagenbecks Tierpark.
Die Haltestelle Hagenbecks Tierpark kurz nach ihrer Eröffnung.

Am 30. Oktober 1966 wird dann die Haltestelle eröffnet, die erst Koppelstraße heißen sollte, doch letztlich Hagenbecks Tierpark getauft wird, um die die Örtlichkeit zu benennen und die Orientierung zu erleichtern.

Animalisch-florale Kunstsammlung

Als Kontrast zur nüchtern-funktionalen Architektur der Haltestelle kommt die vielfältige künstlerische Ausstattung umso besser zur Geltung:

In der Halle steht seit 1968 eine hohe Bronzeskulptur, die anmutet wie eine Mischung aus Vogel, Schlage, Giraffe und Mensch. Geschaffen hat sie Hans Martin Ruwoldt (15.02.1891-16.10.1969), der vor allem als Tierbildhauer tätig war.

Auf das Fensterband an der Südseite bringt der aus Tokio stammende Künster Toshiya Kobayashi (*1959) sein Werk „magnolia ― love to nature” auf: Ausschnitte von Magnolienblüten kombiniert mit grünen Blatt- und Stilfragmenten, die zum Reflektieren über die Natur anregen sollen.

Gegenüber, im nach Norden verlaufenden Fußgängertunnel, hängen große Leuchtkästen an den Seitenwänden, die das Werk „Die fünf Kontinente” bilden. Der Hamburger Fotokünstler und Biologe Jochen Lempert (*1958) zeigt hier stark vergrößerte Muster verschiedener Tiere von allen fünf Kontinenten: Feuersalamander aus Europa, Zebras aus Afrika, Pfaue und Fasane aus Asien, Schmetterlinge aus Amerika und tropische Fische aus Australien.

Skulptur in der Haltestelle Hagenbecks Tierpark, um 2008.
Skulptur in der Haltestelle Hagenbecks Tierpark, um 2008

Kobayashis und Lemperts Werke sind 2007 installiert worden, anlässlich des 100-jährigen Bestehen von Hagenbecks Tierpark. Zusammen mit Ruwoldts Skulptur bilden sie die wohl größte Kunstsammlung in einer U-Bahn-Haltestelle, zumindest in Hamburg.

Übrigens: Die Geschichte der Haltestelle Hagenbecks Tierpark ist damit noch nicht auserzählt. In Zukunft soll sie zur Doppelhaltestelle werden, an der ihr direkt in die neue vollautomatische U5 umsteigen könnt. Alle aktuellen Infos zu Planung und Bau der neuen Linie findet ihr auf schneller-durch-hamburg.de.


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