Eine der jüngsten U-Bahn-Verlängerungen im HOCHBAHN-Netz findet nicht in Hamburg statt. Stattdessen erhält das schleswig-holsteinische Norderstedt eine U-Bahn. Vor 30 Jahren werden die beiden Haltestellen Richtweg und Norderstedt Mitte eröffnet – ein Doppeljubiläum.
Ein Blick auf die Anfänge
Mit der Inbetriebnahme der Ringlinie – der heutigen U3 – beginnt 1912 das U-Bahn-Zeitalter in Hamburg. Noch während am Ring gebaut wird, werden die Weichen gestellt, das U-Bahn-Netz zu erweitern. Auch eine Zweiglinie nach Ohlsdorf entsteht schon wenig später. Doch Schluss soll in der noch ländlich anmutenden Idylle, wo unter anderem der größte Parkfriedhof Europas lockt, nicht sein.
Die Langenhornerbahn entsteht
Schon im November 1912 beschließt die Hamburgische Bürgerschaft, die U-Bahn von Ohlsdorf aus über Fuhlsbüttel und Langenhorn bis nach Ochsenzoll zu verlängern. Dann geht alles ziemlich schnell: Bereits im Januar 1913 beginnen die Bauarbeiten am 7,7 Kilometer langen Abschnitt, der 1914 auch fertiggestellt wird. Allerdings verzögert sich durch den Beginn des Ersten Weltkriegs am 28. Juli 1914 die elektrische Ausrüstung der Strecke und die Eröffnungsfahrt findet erst am 5. Januar 1918 statt – mit einer Dampflok und zwei Personenwagen. Erst nach Kriegsende wird die Strecke elektrifiziert und geht am 1. Juli 1921 regulär in Betrieb, zusammen mit der ergänzten Haltestelle Langenhorn Süd. 1925 folgt die neue Haltestelle Klein Borstel.

Erstmal nur nach Garstedt
Doch schon 1931 gibt es erste vage Überlegungen, die Langenhornerbahn nach Garstedt zu verlängern. Zunächst geht 1953 jedoch die Strecke der Alsternordbahn von Ochsenzoll nach Ulzburg Süd in Betrieb. Im Zuge der Erweiterung des Hamburger Flughafens um eine zweite Startbahn wird die U-Bahn-Verlängerung wieder aktuell, da auf Garstedter Gebiet gebaut werden muss. Im Gegenzug wird die U-Bahn entlang der bestehenden Trasse der Alsternordbahn bis nach Garstedt verlängert. Im Juni 1969 wird die Verbindung in die damals noch eigenständige Gemeinde Garstedt fertig. Damit überquert die U-Bahn die Stadtgrenze nach Schleswig-Holstein, schließt ein wichtiges Wachstumsgebiet an und bietet Pendlerinnen und Pendlern eine direkte U-Bahn-Verbindung nach Hamburg. Für die kommenden Jahrzehnte bleibt Garstedt dann erstmal die Endhaltestelle der U1.

Vier zu Eins – Norderstedt entsteht
Unterdessen verändert sich nach Jahrzehnten der Planung die Stadtstruktur nördlich von Hamburg grundlegend: Nach einem schwierigen und politisch-gesellschaftlich nicht unumstrittenen Prozess, der bereits in den 50er Jahren beginnt, fusionieren zum 1. Januar 1970 die Gemeinden Garstedt, Friedrichsgabe, Glashütte und Harksheide offiziell und bilden so Norderstedt. Den Mittelpunkt der damals 55.770 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Stadt bildet Norderstedt-Mitte, wo bis in die 1990er Jahre ein neues Stadtzentrum mit Wohnquartieren, Einkaufmöglichkeiten und Verwaltungsbauten, etwa dem 1984 eingeweihten Rathaus, entsteht. Was fehlt: Eine zentral gelegene, schnelle ÖPNV-Verbindung nach Hamburg. Und so kommen die Ideen wieder auf, die U-Bahn von Garstedt aus hierher fortzuführen.

Baubeginn im Tunnel
In den frühen 1980er Jahren werden die Formalia geregelt, um die U-Bahn um gut 2,7 km zu verlängern. 1988 folgt dann die Gründung der Verkehrsgesellschaft Norderstedt mbH. Ihr gehört der Streckenabschnitt und sie hat die HOCHBAHN mit dem Betrieb beauftragt.
Der erste Spatenstich folgt schließlich am 9. September 1991. Los geht’s in Garstedt. Da dort keine Kehranlage vorhanden ist, beginnen die Bauarbeiten für die durchgehend zweigleisige Strecke quasi direkt am Bahnsteig. Es entsteht ein 560 m langer Tunnel, gefolgt von einer langen Rechtskurve in einem Einschnitt, bevor die Haltestelle Richtweg erreicht wird. Anschließend folgt eine langgezogene, oberirdisch geführte Linkskurve, die in einen 330 m langen Tunnel mündet, der schließlich in die Haltestelle Norderstedt Mitte führt.

Stahl, Glas und viel Tageslicht
Die transparente Architektur der Haltestellen geht auf die Entwürfe der Hamburger Architektenbüros Rintz, Baas und Schulte (Richtweg) sowie Adelhelm und Dittmer (Norderstedt Mitte) zurück. Bei beiden Haltestellen sind dabei Stahl und viele Glasflächen die dominierenden Gestaltungselemente.
Die Haltestelle Richtweg ist insofern baulich besonders, dass sie ebenerdig angelegt ist. So sind die beiden 120 m langen Seitenbahnsteige direkt und barrierearm erreichbar. Und auch die zum Queren der Gleise darüberliegende Fußgängerbrücke ist dank der seitlichen Aufschüttungen barrierearm nutzbar. Die Bahnsteigdächer wiederum sind für den optimalen Witterungsschutz fast bis an die Bahnsteigkante gezogen.

Mit geneigten Dächern und dem markanten roten Backstein fügt sich die Haltestelle Norderstedt Mitte, deren Bau im September 1992 beginnt, städtebaulich und architektonisch fast nahtlos in die umgebende Bebauung der Mitte Norderstedts ein, sodass ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Sichtbare Stahlkonstruktionen und viel Tageslicht prägen die Bahnsteighalle mit ihren drei Gleisen und zwei Bahnsteigen. Außen verkehrt die U-Bahn, in der Mitte halten die Triebwagen der AKN, was einen direkten und barrierefreien Umstieg ermöglicht.

Zur Eröffnung der Strecke am 28. September 1996 durchschneiden Hamburgs Erster Bürgermeister und Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis schließlich gemeinsam das symbolische rote Band, während auf der Strecke Sonderzüge verkehren und an der Haltestelle Norderstedt ein großes Volksfest zum Mitfeiern einlädt.

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