Vielleicht hat der eine oder die andere von euch die SWR-Dokumentation „Verschollen“ gesehen, die derzeit die Herstellung und Verwendung von „grünem Stahl“ – und damit meinen wir CO₂-reduzierten Stahl – kritisch beleuchtet. In der Doku geht es um Aufforstungsprojekte eines Stahlherstellers in Brasilien, die in der Kritik stehen, dass sie einerseits als CO₂-Kompensationsmaßnahmen zertifiziert und anerkannt werden, während gleichzeitig genau diese aufgeforsteten Plantagen zur Bio-Kohle-Herstellung genutzt werden, um daraus dann Rohstoffe für die Stahl-Produktion zu gewinnen.
Auch der BUND Hamburg hat sich geäußert und kritisiert insbesondere den Umgang und die Kompensation mit CO₂-Zertifikaten. Der Vorwurf: CO₂-Zertifikate, die im Zuge der Produktion von CO₂-reduziertem Stahl vergeben werden, seien oft intransparent und anfällig für Missbrauch. Ein Projekt wie die U5 müsse sicherstellen, dass in seinem Namen kein Greenwashing erfolgt und Menschenrechts- sowie Umweltstandards im Zusammenhang mit den Stahl-Lieferketten für die U5 stets eingehalten werden.
Vorwürfe, die wir uns einmal genauer anschauen wollen.
Vorwurf 1: Die U5 nutzt CO₂-reduzierten Stahl, dessen Rohstoffe durch Bio-Kohle aus Eukalyptus-Plantagen gewonnen werden.
Die U5 setzt beim Bau der U5 seit 2024 CO2-reduzierten Bewehrungsstahl ein. Das bedeutet, dass der CO2-Ausstoß bei der Produktion dieses Bewehrungsstahls deutlich niedriger ist als beim herkömmlichen Bewehrungsstahl. Erreicht wird dies vor allem durch die Produktionsroute: Anstatt in der weit verbreiteten Hochofenroute wird der CO2-reduzierte Bewehrungsstahl im sogenannten Elektrolichtbogenverfahren produziert. Dabei wird vorwiegend Stahlschrott als Ausgangsstoff verwendet.
Eisenerzpellets, wie in der Dokumentation beschrieben, werden aber vor allem in der Hochofenroute oder in sogenannten Direktreduktionsanlagen verwendet. Zwar wurden bei der U5 auch Stähle aus der Produktion in der Hochofenroute werden bei der U5 verbaut, die U5 hat aber das Ziel, bevorzugt Stahlprodukte aus dem Elektrolichtbogenverfahren zu beziehen, da damit nicht nur eine weitere CO2 -Reduktion erzielt wird, sondern gleichzeitig auch der Einsatz von Primärmaterial wie den in der Kritik stehenden Eisenerzpellets sinkt.
In der Dokumentation wird fälschlicherweise der Eindruck erweckt, dass wir CO₂‑reduzierten Bewehrungsstahl aus dem ArcelorMittal‑Werk in Hamburg beziehen, in dem eine Direktreduktionsanlage mit einem Elektrolichtbogenofen kombiniert wird. Diese Darstellung ist irreführend. Zwar setzen wir CO₂‑reduzierten Bewehrungsstahl von ArcelorMittal ein, jedoch stammt dieser ausschließlich aus einem Werk in Warschau. Dort erfolgt die Produktion des Stahls in einem Elektrolichtbogenofen auf Schrottbasis, nicht über das in Hamburg verwendete Verfahren.
Vorwurf 2: Greenwashing durch den Kauf von CO₂-Zertifikaten
Und was ist mit CO₂-Zertifikaten? Auch hier klare Worte: Wir kaufen keine Zertifikate durch Aufforstungsprojekte oder Ähnliches. Die CO₂-Reduktionsstrategie für die U5 basiert auf echten Maßnahmen: nachhaltige Planung und der verpflichtende Einsatz CO₂–reduzierter Baumaterialen.
Was das konkret für die U5 bedeutet?
Bereits seit Herbst 2024 verwenden wir auf dem ersten Bauabschnitt im Osten Hamburgs Bewehrungsstahl mit maximal 400 kg CO₂-äq/t – das ist ein Bruchteil der üblichen Emissionen der Herstellung im Stahlwerk. Den Stahl für die U5 bekommen die bauausführenden Firmen von verschiedenen Unternehmen geliefert. Diese wiederum haben Stahlwerke in ganz Europa. Dass dieser Stahl CO2 -reduziert ist, wird – wie oben geschildert – durch die Herstellung im Elektrolichtbogenverfahren mit hohem Recycling-Anteil sichergestellt.
ArcelorMittal ist hierbei einer von mehreren Herstellern, die an die für die U5 beauftragten Unternehmen liefern. Insgesamt liefert ArcelorMittal nur einen geringen Anteil des auf dem ersten Abschnitt der U5 verbauten Stahls. Jede dieser Stahl-Lieferungen für die U5 wird durch extern geprüfte Umweltproduktdeklarationen, sogenannte EPDs (Environmental Product Declaration), nachgewiesen und in unsere jährliche CO2 -Bilanz aufgenommen.
Uns allen ist klar, dass der Bau der U5 erhebliche Treibhausgasemissionen verursacht. Genau deshalb haben wir uns das klare Ziel gesetzt: 70 % weniger CO2 -Emissionen beim Bau der U5 – und das ohne Kompensation durch den Kauf von CO₂-Zertifikaten. Dieses Ziel erreichen wir ausschließlich durch unsere CO2-Reduktionsstrategie.
Seit 2017 ist die HOCHBAHN außerdem aktives UN-Global Compact Mitglied. Das heißt auch, dass wir nach den dafür geltenden zehn Prinzipien handeln und auch in unseren Lieferketten Verantwortung gegenüber Menschen und Umwelt übernehmen. Denn nachhaltiger Stahl bedeutet für uns nicht nur weniger CO₂, sondern eben auch Verantwortung für Umwelt, für Menschenrechte und für faire Standards. Auch wenn die in der Dokumentation erhobenen Vorwürfe gegen uns entkräftet werden, nimmt unser Team aus Nachhaltigkeitsexpertinnen und -experten der U5 und HOCHBAHN die Hinweise über Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen in Brasilien sehr ernst und geht dem sorgfältig nach.
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Es soll auch Leute geben, die es nicht interessiert… Ich möchte einfach schnell von A nach B kommen.
Wir haben diesen Beitrag hier veröffentlicht, weil die Doku bei einigen Leuten Fragen aufgeworfen hat. Wenn du nicht dazugehörst, no problem, nicht jedes Thema interessiert eben jede und jeden.