Platzampel – Live-Test am Wandsbek Markt

Titelbild Platzampel HOCHBAHN Live-Test

Ihr erinnert Euch an die Platzampel? Was Anfang des Jahres nur graue Theorie war, wird jetzt konkreter: seit gestern läuft der Live-Test der Platzampel am Wandsbek Markt.

Zwei Wochen, ein Prototyp im Test

Die nächsten zwei Wochen beobachten meine Kolleginnen und Kollegen das Verhalten aller Fahrgäste, die am Wandsbek Markt in die U1 Richtung Innenstadt steigen. Hier ist für diesen Zeitraum nämlich ein LED-Band an der Decke des Bahnsteigs installiert, dessen Farbe von einem Kollegen individuell angesteuert und verändert werden kann.

Platzampel Close

So soll das LED-Band schon vor Einfahrt der U-Bahn zeigen, wo im Wagen noch Plätze frei sind. Das zeigt die Platzampel in drei verschiedenen Farben an. Grün heißt, reichlich Sitzplätze, gelb bedeutet, dass der Wagen schon etwas voller ist und rot zeigt an, dass es hier schon enger werden kann. Rot bedeutet also nicht, dass Ihr nicht mehr einsteigen dürft, sondern nur, dass es hier voller ist als in anderen Wagen. Die blaue Belegung des LED-Bandes zeigt übrigens die Position des Zuges am Bahnsteig an und damit auch, ob es sich um einen Kurzzug oder einen Vollzug handelt.

Wie funktioniert die Farbsteuerung?

Beim Prototypen der Platzampel muss die Farbe des LED-Bandes von Hand eingegeben werden. Dafür helfen auch unsere Azubis, Dualen Studenten und Werkstudenten kräftig mit. Die stehen nämlich an der Haltestelle davor, an der Straßburger Straße. Hier werfen sie einen Blick in die U-Bahnen und schauen, wie voll welcher Wagen ist.

Per Funkgerät geben sie die Info an einen Kollegen weiter, der am Wandsbek Markt die Lampen per Tablet steuert. Und wie von Zauberhand schalten sich die Lampen dort dann auf die gewünschte Farbe. So zeigt das LED-Band am Wandsbek Markt schon 1-2 Minuten vor Einfahrt der nächsten U-Bahn deren Füllegrad an.

So sieht das Ganze dann in der Praxis aus:

Wozu das Ganze?

Der Test läuft in dieser Woche in der Hauptverkehrszeit morgens und nächste Woche zusätzlich auch in der Hauptverkehrszeit am Nachmittag. Dann beobachten meine Kollegen Fahrgäste am Bahnsteig ganz genau und führen Befragungen durch. So soll der Test prüfen, ob Fahrgäste diese optische Unterstützung an der Haltestelle überhaupt wahrnehmen, sie hilfreich finden und sich dann entsprechend anders verhalten.

Daraus können wir auch ableiten, ob eine Platzampel nicht nur mir als Fahrgast einen zusätzlichen Komfort (mehr Platz) liefert, sondern sich auch insgesamt positiv auf die Auslastung einer U-Bahn auswirkt. Denn heute ist es wirklich ja meist so: im ersten und letzten Wagen ist es proppevoll, wogegen man in der Mitte des Zuges meist noch einen Platz findet. Der Test soll also zeigen, ob sich daran dank der Farbsteuerung etwas ändern lässt und wenn das so ist, ob aus dem Prototypen eine wirklich ausgereifte Anzeige werden kann.

Die Zukunft: offen

Denn das, was wir da gerade testen, ist eben auch „nur“ das – ein Prototyp. Die finale Lösung für eine Platzampel kann aber ganz anders aussehen. Ich hatte euch hier schon mal erklärt, wie dieses sogenannte Prototyping funktioniert.

Es geht jetzt also erst einmal darum, die Idee auf Herz und Nieren zu testen. Denn nun ist die Idee nicht mehr nur Theorie, sondern kann dank des Prototypen auch praktisch getestet werden. So können wir gemeinsam mit Fahrgästen schauen, ob sich die Platzampel auch in der Praxis bewährt und wo es vielleicht nachzubessern gilt. Und schlimmstenfalls, dass keiner die Platzampel braucht und wir sie deshalb eben nicht in einer finalen Version installieren werden.

Nach dem zweiwöchigen Probelauf folgen weitere Befragungen und dann werden die Ergebnisse ausgewertet. Ergeben Test und Befragungen, dass Fahrgäste die Platzampel nicht nutzen und auch nicht sinnvoll finden, wird die Konzeptidee verworfen. Verlaufen Test und Befragung positiv, wird das Konzept grundlegend in seiner Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit je Haltestelle untersucht. Und dann ist es ziemlich sicher eine Lösung, für die niemand mehr an der Haltestelle schauen muss, wie voll eine U-Bahn bereits ist. Es bleibt also spannend.

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8 Kommentare zu “Platzampel – Live-Test am Wandsbek Markt

  1. Für Gelegenheitsfahrer sicherlich eine gute Idee. Gibt es in den Station denn wenigstens Ansagen oder Hinweisschilder, was die Leuchten bedeuten sollen? Könnten ja sonst genauso „selbsterklärend“ sein wie die Schachbrettmuster am Boden (Achtung, Ironie).
    Aber gerade die vielen Berufspendler wissen genau wo sie sich am Bahnsteig am besten positionieren, damit sie dann beim Aussteigen gleich an der nächsten Treppe o.ä. sind. Die werden sich auch nicht von einem Leuchtband beeinflussen lassen.

    • Vielleicht sollte man auch die Farbe Rot verzichten und sich auf Grün und Orange (möglicherweise auch Gelb als Zwischenstufe) beschränken? Rot wirkt sehr „dominant“, d.h. es wird eher mit „Halt! Hier kein Einstieg, der Wagen ist voll“ assoziiert. Grün, Gelb und Orange wären da möglicherweise besser.

      • Für genau solche Fragen ist der Test jetzt auch gedacht. So können wir genau herausfinden, was wie ankommt und ggf. noch angepasst werden muss.

  2. >“Denn heute ist es wirklich ja meist so: im ersten und letzten Wagen ist es proppevoll, wogegen man in der Mitte des Zuges meist noch einen Platz findet.“

    Für Rush Hour stimmt diese Aussage nicht: Im Rush Hour ist sehr oft so proppevoll, dass nicht jeder mitfahren kann. Bunte Lämpchen helfen da auch nichts. Ob Fahrgäste außerhalb der Rush Hour sich homogen verteilen oder doch lieber anders, z.b. damit sie nach dem Aussteigen einen kürzeren Weg haben, ist doch nicht das primäre Problem des ÖPNV.
    Gab es bereits eine Voruntersuchung, ob die Verfahren für die automatische Ermittlung der Wagenbefüllung zuverlässig und finanzierbar sind? Wenn nicht, dann wird die Akzeptanz dementsprechend schlecht werden, falls dieses Projekt den Prototyping Status jemals übersteht.

    HVV sollte sein Budget, welches primär durch die immer teureren Fahrkarten finanziert wird, lieber in Projekte stecken, die zentrale Probleme des ÖPNV adressieren: Wie kann das Fahrgastaufkommen im Rush Hour besser bewältigt werden? Wäre es zum Beispiel nicht sinnvoll auch U-Bahn Linien zu realisieren, die nicht durch Hauptbahnhof durchfahren (Stichwort Ost-west Achse), um u.a. die vorhandenen Linien zu entlasten? Wie kann man den Ticketverkauf durch Busfahrer minimieren, damit Busse pünktlicher werden können? Wie können die Fahrkartenpreise in Zukunft stabil gehalten werden?

    • Sie sprechen da einige wichtige Punkte an, um die wir uns auch kümmern. Sicherlich wird die Platzampel kein Allheilmittel für die Fahrgastverteilung. Nun ist es ja auch ein Testlauf, wir wollen noch herausfinden, wie unsere Fahrgäste die Idee in der Praxis bewerten. Dann erst wird aus dem Prototypen eine finale Lösung entwickelt, die natürlich allen Anforderungen entspricht. Die haben wir aber eben noch nicht, deswegen kann ich Ihnen auch nicht sagen, wie sie funktioniert. Das ist eben das Wesen vom Prototyping. Auf das Fahrgastaufkommen haben die KollegInnen ständig einen Blick, deshalb werden auch, wie jetzt gerade, Fahrpläne angepasst, Takte erhöht oder längere Fahrzeuge eingesetzt. Ticketverkauf im Bus ist ein wichtiges Thema, zudem sich meine Kollegen auch bereits Gedanken gemacht haben. Um hier zu erleichtern, gibt es z.B. an vielen Haltestellen der Buslinien, die Teil der Busbeschleunigung sind, Fahrkartenautomaten. So kann vor Antritt der Fahrt ein Fahrschein gekauft werden. Und digitale Lösungen sind ja eh auf dem Vormarsch, solche Projekte beschäftigen uns auch.

  3. Ja, Dirk, das sehe ich genauso:
    Beim Umsteigen kommt es nicht selten auf Sekunden an, so dass man den Umsteigeweg versucht zu optimieren – unabhängig von den freien Sitzplätzen. Da stehe ich lieber in der U-Bahn, als dann u. U. 10 oder gar 20 Minuten auf den Anschlussbus zu warten.
    Ich weiß auch ohne Platzampel, dass es eher in der Mitte des Zuges freie Plätze gibt als vorne oder hinten – insbes. zur Hauptverkehrszeit.
    Das Geld sollte eher in sinnvollere Investitionen gesteckt werden, bsp. Verdichtung des Taktes, insbes. bei 20 minütigen Linien.
    Ich bin gespannt auf das Ergebnis der Befragung …

  4. Ich finde die Idee wirklich gut, doch wie Dirk schon sagte kennen die meisten Berufspendler ihre „perfekte Tür“ (mich eingeschlossen), um an ihrer Haltestelle in der Pole-Position zu stehen. Andererseits nehme ich da lieber einen kleinen Umweg zu den nächsten Waggons in Kauf, als auf die nächste Bahn zu warten, die dann wieder voll sein wird.
    Allgemein würde die „Platzampel“ aber für eine wesentlich gleichmäßigere Verteilung der Mitfahrer sorgen und z.B. auch Eltern mit Kinderwagen können schon vor Ankunft der Bahn einen leeren Waggon aussuchen und müssen nicht über den halben Bahnsteig sprinten oder ihren Kinderwagen in einen vollen Waggon hineinprügeln.

    Es würde auch schon ausreichen, wenn man während der Rushhour placebomäßig immer die vordersten und letzten Waggons als „voll“ kennzeichnet, damit gar nicht erst versucht wird sich reinzuquetschen und zu sagen „Einer geht noch“.

    Doch wie soll die Auslastung der Waggons eigentlich automatisch erhoben werden? Lässt sich bereits das Gewicht eines Wagens auslesen oder werden die neuen Bahnen jetzt mit einer Waage ausgestattet? 😉 Man könnte auch die Überwachungskameras zur Auswertung nutzen, je nachdem wie viele Menschen sich im Bild befinden. Oder man macht es pro Haltestelle ca. 2 Wochen lang händisch, sammelt und wertet die Daten aus und lässt dann nur die durchschnittliche Auslastung anzeigen, die dann mal mehr oder mal weniger stimmt aber immer noch was bewirkt.

    • Gute Punkte, die Sie da aufwerfen und Fragen, die Sie stellen 😉 Um die Antworten zu finden führen wir ja jetzt eben auch den Testlauf mit Befragungen etc. durch. Anschließend muss dann geschaut werden, wie eine finale Lösung der Platzampel aussehen könnte. Mit allen technischen Voraussetzungen, die sie dann erfüllen muss. Es bleibt also spannend, da es sich jetzt ja „nur“ um einen Prototypen handelt, der das Prinzip zeigen soll.

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