Titelbild Busfahrer Denis

Busfahrer Denis: “Radsaison ist ja eigentlich immer…”

Aus der Feder eines Berufskraftfahrers stammend wirkt die Überschrift im ersten Moment vielleicht ein wenig herablassend, ist aber keinesfalls so gemeint – denn für mich gehören Fahrradfahrer als Teilnehmer im Straßenverkehr zu meinem Berufsalltag und sogar ganz klar zum Stadtbild dazu. Den Radfahrern gilt meine besondere Aufmerksamkeit ungeachtet der Tages- und Jahreszeit.


Manchmal kommt es jedoch vor, dass es mir schwer fällt das Verhalten einiger Radler nachzuvollziehen. Insbesondere wenn sie sich selbst und auch andere unnötig gefährden. Und zwar in den Momenten, wenn sie auf der Straße fahren, obwohl ein Radweg vorhanden ist und es sich gerade nicht um ein dünn bereiftes Rennrad handelt. Dies geschieht teilweise auch nebeneinander radelnd im Klönschnack. Besonders schlimm finde ich es, wenn man das Handy während der Fahrt bedient und das dann auch noch ohne Hand am Lenker. Manchmal werde ich von Pedalisten geschnitten und selbst im großen Bus übersehen, denn einige schauen vorher nicht und scheren beispielsweise vom endenden Radweg einfach so auf die Kraftfahrstraße ein.


Verstehen kann ich es allerdings ein Stück weit schon, wieso es rebellisch bis militant eingestellte Fahrradfahrer gibt. Sie möchten gesehen, respektiert und im Straßenverkehr entsprechend anerkannt und nicht als exotische Minderheit abgetan werden. Ständig gibt es leider Konflikte meist verbaler und gestikulativer Natur und leider sind im Straßenverkehr tragischerweise zu oft tödlich verunglückte Unfallopfer seitens der Zweiradfahrer zu beklagen. Kritisch wird es tatsächlich bei einem Abbiegevorgang, hierbei müssen bei mir alle Automatismen greifen: u.a. Blick in die Außenspiegel, Blinken, Anpassen der Geschwindigkeit, Schulterblick, etc. Wir im Bus haben hingegen zum LKW zwar eine bessere Übersicht, aber sog. tote Winkel hat jedes mit Außenspiegeln ausgestattete Fahrzeug.



Vordergründlich geht es mir um den Menschen, aber auch die gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt. Es wäre wünschenswert wenn weder Bus- noch Radfahrer im Falle eines Falles auf ihr Recht pochten, sich selbst und dem jeweiligen Gegenüber auch mal einen Fehler zugestehen und nicht quasi direkt immer Vorsatz unterstellen. Auch ich habe zweimal jeweils einen Biker übersehen. Wenn ich meine Dienste fahre muss ich eine nicht unerhebliche Menge an verkehrs- und sicherheitsrelevanten Aspekten beachten und innerhalb kürzester Zeit entsprechende Entscheidungen treffen. Hierbei können leider auch Fehler passieren, welche ich als menschlich und ein großes Stück weit sogar als verzeihbar bezeichnen möchte.

In einer Situation wurde ich arg beschimpft und fühlte mich den Rest meiner Schicht echt mies wohl wissentlich einen immerhin prägenden Fehler gemacht zu haben. In der anderen Situation konnten wir uns prima via Handzeichen verständigen. Dem Grunde nach habe ich mich entschuldigt, der Radler lächelte nett, winkte mir zu und fuhr seiner Wege – ich glaube wir waren einfach beide auf einer Wellenlänge und heilfroh, dass nichts Schlimmeres passiert ist und genau das habe ich in meinen vorangegangenen Zeilen gemeint.


Übrigens liebe Fahrradfahrer, stört es mich persönlich gar nicht wenn ihr vor mir herfahrt. Ihr wisst schon, dann wenn wir euch im Nacken sitzen und vermeintlich mit den Hufen scharren. Ich bin recht geduldig und gelassen und ich würde den Teufel tun euch an ungeeigneter Stelle und zu geringem Sicherheitsabstand zu überholen – und ich bin sicher im Namen einer Vielzahl meiner Kolleginnen und Kollegen zu sprechen. Zwar scheint nicht jedem Fahrgast bei mir an Bord dieses Verhalten zu gefallen, denn manche haben es besonders und bestimmt auch berechtigter Weise eilig, aber ich allein trage gemäß des Credos “Sicherheit vor Pünktlichkeit” die Verantwortung.


Busfahrerin und Radfahrer

 


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Über Denis:

Als klassischer “Branchen-Wechsler” hat Denis erst zwei frische Dienstjahre als Busfahrer bei der Hochbahn auf dem Buckel. Er wollte sich einer besonderen beruflichen Herausforderung stellen und hat sich ganz nebenbei einen Kindheitstraum erfüllt. Der gebürtige Harburger fährt im Süden unserer Stadt, wo er groß geworden ist und sich demnach gut auskennt. Aber auch auf den Linien 34, 20 und 25, welche ihn gelegentlich in den Norden führen, fühlt er sich wohl – vor spontanen Schienenersatzverkehren schreckt er ebenfalls nicht zurück. Der 39-Jährige versteht das Prinzip Dienstleistung als solches und paart diese mit einer großen Portion Menschlichkeit. Das Busfahren an sich bereitet ihm darüber hinaus eine Menge Freude. Denis selbst gelangt regelmäßig mit dem Drahtesel zu seinem Betriebshof, unternimmt des Öfteren Radtouren mit seiner Familie und kennt somit auch die Perspektive eines Radlers recht gut.

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3 Kommentare zu: Busfahrer Denis: “Radsaison ist ja eigentlich immer…”

  1. Danke für den Artikel.
    Ich hätte jedoch einen Ergänzungswunsch:
    „… wenn sie (die Radfahrer) auf der Straße fahren, obwohl ein Radweg vorhanden ist…“ : Ich bitte hierbei zu beachten, dass nicht alle Radwege benutzungspflichtig sind.
    Leider wird man von so einigen Autofahrern beschimpft und schlimmeres, die diesen
    Unterschied nicht kennen.

  2. Danke für die umsichtige Betrachtung. Ich als Radfahrer sehe auch, dass viele Busfahrer umsichtig fahren und versuche gelegentliche Fehler mit Nachsicht zu behandeln.

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