Die U5 ist mit 29 Kilometern und 24 Haltestellen Hamburgs größtes U-Bahn-Neubauprojekt. Um die Belastungen für die Stadt während der Bauzeit so weit wie möglich zu begrenzen, werden zwei Drittel der Strecke mit Tunnelbohrmaschinen unter der Erde gebaut. Das verbleibende Drittel sind Haltestellen, Notausstiege sowie Kehr- und Abstellanlagen (quasi Parkplätze für die Züge), die in offener Bauweise hergestellt werden müssen.
U5-Logistikflächen – wofür überhaupt?
Für den Bau der Tunnelstrecke kommen mehrere Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz (neben dem Bohrer für den ersten Bauabschnitt können das für den weiteren Verlauf nach derzeitigem Planungsstand bis zu 13 sein). Damit diese betrieben werden können, benötigen sie sogenannte Logistikflächen, die sich im Gegensatz zu den Tunnelbohrmaschinen an der Oberfläche befinden. Vereinfacht gesagt verwalten sie die abgetragene Erde. Denn wie ihr euch vorstellen könnt, fällt bei 29 Kilometern Tunnel einiges davon an. Um zu verstehen, von welcher Größenordnung wir sprechen: Eine Logistikfläche pro Tunnelbohrmaschine benötigt rund 6.000m2. Das entspricht etwas mehr als 80% eines Fußballfeldes.

Wie die U5-Logistikflächen ausgewählt wurden
Konsequenterweise gilt auch für die Logistikflächen, dass sie die Stadt so wenig wie möglich belasten sollen. Für die ersten beiden Bauabschnitte der U5 gelingt das sehr gut: Auf dem ersten Abschnitt kann die Logistikfläche direkt neben dem Startschacht der Tunnelbohrmaschine hinter dem Busbetriebshof Alsterdorf eingerichtet werden. Ab Herbst 2027 soll dort der Tunnelvortrieb in Richtung Bramfeld starten. Auch für den zweiten geplanten Tunnelabschnitt zwischen der City Nord und dem Borgweg gibt es eine Lösung: Hier wird eine Logistikfläche am Jahnring in unmittelbarer Nähe zum künftigen Startschacht eingerichtet. Heute befindet sich dort bereits eine Baustelleneinrichtungsfläche (BE-Fläche) für die U5.

Wie ihr euch denken könnt, ist es auf dem weiteren Streckenverlauf der U5 durch dicht bebaute Stadtteile wie Winterhude, St. Georg, die Innenstadt, Eimsbüttel, Eppendorf und Stellingen nahezu unmöglich, verfügbare Flächen dieser Größe direkt an den Baustellen zu finden.
Deshalb hat das Planungsteam der U5 den Suchraum für Logistikflächen entlang des Streckenverlaufs zwischen der Jarrestraße und den Arenen auf das technisch mögliche Maximum erweitert. Dabei sprechen wir von rund 1,5 Kilometern Luftlinie Entfernung zu den jeweiligen Startschächten. In diesem Suchraum liegen insgesamt 178 Flächen, die ausreichend groß für eine Logistikfläche wären. In den vergangenen Monaten haben es sich die Planerinnen und Planer der U5 zur Aufgabe gemacht, diejenigen Flächen zu identifizieren, die die Stadt am wenigsten belasten.
Die Qual der Wahl – Welche Flächen ausgewählt wurden und warum
In einem ersten Schritt hat das Team Flächen aus den insgesamt 178 herausgefiltert, die mindestens 12.000 m2 groß sind und damit zwei Tunnelbohrmaschinen versorgen können. Damit kann die Gesamtzahl der benötigten Logistikflächen in der Stadt reduziert werden. Im nachfolgenden Auswahlprozess galt die Prämisse: So wenig Belastung wie möglich für Mensch, Natur und Mobilität. Konkret heißt das, dass folgende Flächen ausgeschlossen wurden:
- Kriterium Mensch: Flächen, die unmittelbar an Wohnsiedlungen angrenzen sowie Freizeitflächen (Sport- und Spielplätze, Parks etc.)
- Kriterium Natur und Umwelt: schützenswerte Biotope sowie Flächen mit besonderem Arten-, Wasser-, Boden- und Denkmalschutz
- Kriterium Mobilität: Flächen, die den städtischen Verkehr zu sehr beeinträchtigen und solche, die kleine (Wohngebiets-)Straßen zu sehr belasten würden
Im Rahmen dieses Verfahrens wurde beispielsweise eine Fläche in der Außenalster aus Gründen des Umweltschutzes ausgeschlossen (ihr erinnert euch möglicherweise an die Diskussion im letzten Jahr).
Nach intensiven Prüfungen hat das Team stadtweit sechs Flächen identifiziert, die überwiegend versiegelt sind, nicht sozial genutzt werden und die verkehrlichen Beeinträchtigungen so gut es geht begrenzen:


Wie es nun weitergeht
Im weiteren Verlauf folgt nun die Detailplanung inklusive der Prüfung von Optimierungspotenzialen. Sprich: Welche Flächenzuschnitte können die Eingriffe in das Umfeld auf ein Minimum begrenzen? Wie lange müssen die Flächen beansprucht werden? Welche Ausgleichsmaßnahmen, wie beispielsweise der Ersatz für wegfallende Parkplätze, sind möglich?
Die Logistikflächen sind Bestandteil der Planfeststellungsunterlagen. Das bedeutet, dass sie im Rahmen der späteren Planfeststellungsverfahren von der zuständigen Behörde geprüft werden, um genehmigt werden zu können. Die Einrichtung der Flächen erfolgt dann schrittweise ab 2030.
Das U5-Team verfolgt das klare Ziel, die Eingriffe in die Stadt beim Bau so gering wie möglich zu halten. Und trotzdem, ganz werden sie sich nicht vermeiden lassen. Am Ende wird es sich aber auszahlen: Denn dann profitieren wir alle von 24 neuen U-Bahn-Haltestellen in der ganzen Stadt und nebenbei von der modernsten U-Bahn-Linie Deutschlands.
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