Als die heutige U3 schon fast fertig gebaut ist, braucht es nur noch eine Gesellschaft, die die neue U-Bahn betreibt: Am 27. Mai 1911 wird die Hamburger Hochbahn AG gegründet. Anlässlich des 115-jährigen Jubiläums habe ich im historischen Archiv gestöbert und Anekdoten von prominenten und besonderen Fahrgästen zusammengetragen, die bereits in den verschiedenen Verkehrsmitteln der HOCHBAHN unterwegs waren.
1. Das U-Bahn-Mysterium
Natürlich gibt es damals zur Betriebsaufnahme der Ringlinie eine Eröffnungsfahrt: Am 15. Februar 1912 befahren Bürgerschaftsabgeordnete, Vertreter der Baufirmen, Ingenieure und andere Ehrengäste das erste Teilstück der Ringlinie zwischen den Haltestellen Rathausmarkt und Barmbek. Jede Haltestelle wird dabei inspiziert und jede Brücke begutachtet, bevor es auf dem nagelneuen Betriebshof in der Hellbrookstraße noch einen Festakt gibt. Soviel ist bekannt. Doch wer fuhr eigentlich die erste U-Bahn in Hamburg? Dazu gibt es keine Fotos und keine Überlieferungen. Und so bleibt es das große HOCHBAHN-Mysterium, wer denn die erste offizielle U-Bahn gefahren ist.

2. Die Queen dampft über die Alster
Im Rahmen ihres Staatsbesuches in der Bundesrepublik macht die britische Queen Elisabeth II. am 28. Mai 1965 auch Station in Hamburg, wo sich 70.000 Menschen auf dem Rathausmarkt zum Jubeln versammeln. In den 12 Stunden in der Hansestadt absolviert die Queen zusammen mit ihrem Ehemann Prinz Philip 20 Termine. Einer davon: Eine Fahrt im Alsterdampfer. Am Jungfernstieg begrüßen HOCHBAHN-Direktor Max Mroß und Kapitän Jänicke die Queen, bevor sie an Bord der Seebek geht. Auf der Rundfahrt bestaunt die Queen nicht nur Hamburg, sondern auch die ihr zu Ehren veranstaltete Segelregatta. Der Sieger des „Queen Elisabeth Cup“, Uli Libor, wird von der Königin höchst selbst ausgezeichnet. Mit an Bord ist damals auch der damalige Innensenator Helmut Schmidt, begleitet von seiner Frau Loki. Abends verlassen die Königin und der Prinz an Bord der königlichen Jacht Britannia dann Hamburg, verabschiedet von mehr als 200.000 Menschen am Elbufer.
3. Loki und Helmut Schmidt
Viele Verbindungen zur HOCHBAHN in unterschiedlichen Lebenslagen hat damals Helmut Schmidt. Nicht nur, dass er als Schüler wohl die Verkehrsmittel der HOCHBAHN nutzt, wobei er wohl auch mal ohne Fahrschein unterwegs gewesen sein soll – so legt zumindest die Anfrage der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung nahe, die damals um eine Kopie des Strafzettels bittet. In seiner Zeit als Innensenator trägt er wesentlich zur Bekämpfung der Flut 1962 bei, wobei auch Busse der HOCHBAHN eingesetzt werden. Aber Schmidt schippert, wie bereits erwähnt, auch mit der Queen über die Alster und ist zwischen 1958 und 1966 Mitglied des HOCHBAHN-Aufsichtsrates. Im September 1969 nimmt er zusammen mit seiner Frau Loki an der Eröffnung der Haltestelle Billstedt teil.
4. Uwe und Ilka Seeler
Ein richtig erfahrener HOCHBAHN-Nutzer ist damals auch Uwe Seeler. Nicht nur, dass er früher mit der U-Bahn zum Training nach Ochsenzoll fuhr. Auch als Lehrling ist er viel mit der U-Bahn unterwegs und lernt dabei seine Freundin kennen. Sie wohnt damals an der Isestraße und steigt am Eppendorfer Baum ein. Uwe Seelers Haltestelle ist Hoheluft und die U-Bahn wird zum beiderseits ersehnten Treffpunkt, wie Seeler in einem Interview 2012 erzählt. Diese Verbindung hält und Ilka und Uwe heiraten am 18. Februar 1959 in der St. Johannis Kirche in Eppendorf.
Nicht nur bei der deutschen Nationalmannschaft war Uwe Seeler Kapitän. Kurz nach seinem Rücktritt vom aktiven Fußballer-Leben im Mai 1972 – der HSV spielt gegen eine Weltauswahl – greift „Uns Uwe“ ans Ruder eines Alsterdampfers und schippert zusammen mit Sepp Herberger und Fritz Walter über Hamburgs Binnensee. Drei echte Fußball-Legenden auf Alsterrundfahrt!
5. Ein Weltstar auf der Rolltreppe
Im Frühjahr 1972 erkundet ein echter Weltstar aus Hollywood den Hamburger Untergrund: Kirk Douglas. Der Vater von Micheal Douglas nimmt in der neuen Haltestelle Gänsemarkt Szenen für den Kino-Film „Der achtbare Mann“ auf. Als Kulisse für actionreiche Verfolgungsjagten dienen dabei die langen Rolltreppen der am 31. Mai 1970 eröffneten Haltestelle.
6. Tatort Hochbahn
Auch das deutsche TV kommt nicht zu kurz. Manfred Krug dreht 1987 als Kriminalhauptkommissar Paul Stöver Szenen für den Tatort „Voll auf Hass“ in der U-Bahn. Und auch 1991 steht Krug zusammen mit Charles Brauer, alias Peter Brockmöller, für eine Folge der Krimireihe bei der HOCHBAHN vor der Kamera. Einige Szenen für den Krimi „Tod eines Mädchens“ entstehen damals auf der U-Bahn-Haltestelle Baumwall.
7. How much is the Alpaka
Tierisch wilde Minuten gibt es 2018, als die HOCHBAHN zu eher untypischen Klängen ungewöhnliche Fahrgäste chauffierte: Scooter-Frontmann H.P. Baxxter dröhnt „Hyperbahn, Hyperbahn“, als in der Haltestelle „Promi“ ein Kätzchen und ein Alpaka in die U-Bahn steigen. Später empfiehlt der Rapper das Bo zurecht: „Bus, Bus, wir brauchen Bus…“ – ein damals vieldiskutierter Youtube-Clip, mal anders und einzigartig.

Jetzt habt ihr einen kleinen Schweif durch die Geschichte der HOCHBAHN gemacht. Vollständig ist die Liste dabei aber sicher noch lange nicht. Nicht zuletzt, weil wir bei zuletzt 550 Mio. Fahrgästen im Jahr natürlich gar nicht alle guten Geschichten mitbekommen. Wenn ihr also so eine habt, ob historisch oder ganz aktuell: Schreibt sie gerne in die Kommentare!
Und wer nun einen Blick in die Zukunft werfen möchte: