Aus dem einst beschaulichen Dörfchen Niendorf wird ab den 1970er Jahren ein beliebtes und teils dicht bebautes Wohnquartier. Der Bau der U-Bahn zum Niendorfer Markt ist der Anfang einer wichtigen verkehrlichen Erschließung, die 1991 in Niendorf Nord abgeschlossen wird – und die das Leben der Menschen dort bis heute verändert. Ein Blick zurück anlässlich der Inbetriebnahme der U2-Haltestellen Joachim-Mähl-Straße, Schippelsweg und Niendorf Nord am 9. März 1991 und damit dem 35-jährigen Jubiläum.
Vom Dörfchen zum beliebten Hamburger Stadtteil
Niendorf – aus dem Plattdeutschen für “das neue Dorf” – ist lange ein kleines dänisches Bauerndorf im Grünen. Im 19. Jahrhundert beginnt die Entwicklung Niendorfs, das nach dem Deutsch-Dänischen Krieg seit 1867 zum Kreis Pinneberg der preußischen Provinz Schleswig-Holstein gehört, hin zum Vorort und schließlich Stadtteil Hamburgs.
Dabei legt Niendorf ein beachtliches Wachstum hin: Zu Anfang des 20. Jahrhunderts, Niendorf hat kaum etwas mehr als 1.100 Einwohner und gerade erst eine Freiwillige Feuerwehr gegründet, entdecken wohlhabende Hamburger das ländliche Idyll. Sie lassen Villen und große Bürgerhäuser bauen und machen Niendorf zu ihren Sommersitzen, um dem hamburgischen Großstadttrubel zu entfliehen.
Die richtig große Veränderung in Niendorf kommt dann aber erst mit und nach dem 2. Weltkrieg: Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 wird das Gebiet Hamburg zugeschlagen und die Bevölkerung wächst bis 1939 auf mehr als 7.940 Menschen an.In der Nachkriegszeit werden dann die Grundlagen für weiteres Wachstum gelegt: Einerseits durch das Abholzen von Teilen des Niendorfer Geheges zur Brennholzgewinnung. Zum anderen durch die 1946 vom Senat beschlossene teilweise Trockenlegung des Ohmoors, wodurch 300 Hektar Land gewonnen werden. Darauf entsteht schrittweise das Quartier Niendorf Nord, dessen markanteste Gebäude wohl die in den 1970er Jahren gebauten Hochhäuser an der Paul-Sorge-Straße sind, die mitunter als Affenfelsen verspottet werden.
Mit dem stetigen Wachstum wird die Frage einer leistungsfähigeren Verkehrsanbindung immer lauter. Damals gibt es zwar die Buslinie 102, doch sind Strecke und Fahrzeit in die Innenstadt lang. Eine U-Bahn muss her!
Nächster Halt: Niendorf Markt

Als der zwischenzeitlich entworfene Plan zum Bau einer U-Bahn-Verbindung von Niendorf und Lokstedt über Hoheluft zum Stephansplatz aus technischen und monetären Gründen nicht umsetzbar ist, wird ab 1979 umgedacht: Von der 1966 eröffneten Haltestelle Hagenbecks Tierpark aus entsteht eine Tunnelstrecke nach Niendorf. Um mehr Menschen Zugang zur U-Bahn zu ermöglichen und die Abstände zwischen den Haltestellen nicht zu groß werden zu lassen, wird ab Juni 1979 am Hagendeel die gleichnamige Haltestelle gebaut.
Die vorläufige Endhaltestelle Niendorf Markt entsteht direkt unter dem einstigen Dorfzentrum Niendorfs am Tibarg. Über die nur wenige Schritte entfernte Busanlage versorgen Buslinien zusätzlich den Ort. Beide Haltestellen werden gemeinsam am 2. Juni 1985 in Betrieb genommen.
Endhaltestelle? Noch lange nicht!
Schon kurz darauf starten die Planungen zur Verlängerung, bevor 1987 die eigentlichen Bauarbeiten im Wesentlichen unter der Hauptverkehrsachse, der Paul-Sorge-Straße, beginnen. Die drei Haltestellen Niendorf Nord, Schippelsweg und Joachim-Mähl-Straße sollen dabei das weitläufige Areal abdecken, das zwar weitgehend von Einzelhausbebauung geprägt ist, jedoch ab den 1970er Jahren mit mehreren größeren Wohnquartieren deutlich nachverdichtet wird.
Die U Joachim-Mähl-Straße

Die erste Haltestelle der Verlängerung, Joachim-Mähl-Straße, liegt 880 Meter hinter Niendorf Markt . Die Tunnelhaltestelle bekommt wegen der baulichen Enge unter der Straße sehr schmale Seitenbahnsteige, die teils von der galerieartigen Zwischenebene überspannt werden. Hier zieren große Bauernhaus-Motive die Wände und lehnen sich an den ursprünglich ländlichen Charakter Niendorfs an. Ein Relief trägt zudem die Lebensdaten des niederdeutschen Dichters Joachim Mähl, dem Namensgeber der Haltestelle. Die ursprüngliche Farbgebung der Wandkacheln an den Bahnsteigwänden in abgestuften braunen, gelben, grünen und blauen Tönen nimmt in der Deutung von Erde, Natur und Himmel abstrakten Bezug auf Norddeutsche Landschaften.

Weiter geht’s zur U Schippelsweg
Nur etwa zwei Minuten Fahrzeit entfernt folgt die Haltestelle Schippelsweg. Ähnlich gestaltet mit einer als Galerie angelegten Zwischenebene fallen auch hier die schmalen Seitenbahnsteige auf, welche wiederum der Baulage unter der Straße geschuldet sind. Die mit Emailplatten verkleideten Wände zeigen Szenen norddeutscher Ländlichkeit wie Fischerboote, Reetdachhäuser, aber auch der Blick über die Elbe auf die Insel Schweinesand und historische Gebäude wie die Mühle von Munkbrarup bei Flensburg und die Curslacker Kirche. Die Motive stammen vom Künstlerpaar Ursula und Günter Talkenberg und entstehen damals als Teil des Programms „Kunst im öffentlichen Raum“.

Endhaltestelle: Niendorf Nord

Die Lage der Endhaltestelle wird bewusst so gewählt, dass sie inmitten eines in den 1970er und 1980er Jahren entstandenen großen Neubaugebietes mit Hochhausbebauung am Wagrierweg/ Nordalbingerweg liegt. Damit erhalten so vielen Menschen wie möglich ein direkter U-Bahn-Zugang.
Die insgesamt dunkle Gestaltung der Haltestelle mit Backsteinwänden ist ein Gesamtkunstwerk an sich. Besonders markant sind die mit weißen Kacheln verkleideten Pfeiler auf dem Mittelbahnsteig, die am oberen Ende als Leuchtstoffröhren auslaufen und von runden Sitzbänken so eingefasst sind, dass sie an Birken erinnern. Ebenso zeigen die Mosaike an den Seitenwänden Birkenstämme mit blühenden Zweigen. Damit nimmt die Gesamtgestaltung Bezug auf das mit Birken bewachsene nahegelegene Ohmoor, das zum Teil für den Bau der Hochhaussiedlung trockengelegt worden ist, zum Teil aber bis heute ein wertvolles Biotop für Hamburg bietet

Blick nach vorne: Hamburg wächst weiter – und mit ihr das U-Bahn-Netz
Mit der Inbetriebnahme der drei Haltestellen am 9. März 1991 wird gewährleistet, dass für die Menschen auch hier eine schnelle Verbindung in die Innenstadt besteht – und damit eine zuverlässige Anbindung an ihre Arbeitsstätte, Uni, Kultur- und Freizeitangebote. Die Verlängerung zeigt, dass auch in den 80er und 90er Jahren die U-Bahn fast organisch zusammen mit der Stadt wächst und dem Mobilitätsbedürfnis der Hamburgerinnen und Hamburger nachkommt.
Das setzt sich bis heute fort: Mit dem Bau der U5, der Verlängerung der U4, aber auch der Verdichtung der U3 wächst das U-Bahn-Netz auch weiterhin mit der Stadt mit. Wer einen Blick in die Zukunft werfen möchte: Auf schneller-durch-hamburg.de begleiten meine Kolleginnen und Kollegen alle HOCHBAHN-Projekte zum Netzausbau, zeigen neue Haltestellen-Entwürfe und nehmen euch mit hinter die Bauzäune.

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Mit der U-Bahn100 wird der 100-Sek.-Takt auf U2 und U4 möglich.