Die Alster ist aus dem Stadtbild Hamburgs nicht wegzudenken. Und mit ihr gehören – neben den weißen Schwänen natürlich – die Alsterdampfer zu den Wahrzeichen der Hansestadt. Eines der Schiffe, das die Alsterschifffahrt der Nachkriegszeit geprägt hat wie kaum ein zweites, feiert heute Jubiläum: Die GOLDBEK lief vor genau 75 Jahren vom Stapel und ist seither auf Hamburgs schönstem Fluss unterwegs. Anlass, um einen Blick zurück auf die Geschichte der Alsterschifffahrt zu werfen.

Nach ihrem Ende im Zweiten Weltkrieg startet die Alsterschifffahrt mit den beiden Nachkriegsneubauten GOLDBEK und EILBEK 1951 in die Zukunft.
Die Anfänge auf der Alster
Abseits der wirtschaftlichen Bedeutung für den Betrieb von Mühlen und den Warentransport übers Wasser werden auf der Alster schon ab dem 15. Jahrhundert vergnügliche Lampion-Fahrten mit Musik unternommen. Doch der Personenverkehr auf dem Gewässer lässt noch etwas auf sich warten.
Nach den Ruderbooten dampft ALINA
Erst als sich Hamburg ab Mitte des 19. Jahrhunderts rasch in der Fläche ausdehnt und die Bevölkerung stark wächst, wird die Alster dann auch als Verkehrsweg für Personentransporte bedeutsam. Den Anfang machen Fährverkehre zur Alsterquerung mit Ruderbooten, bevor 1859 mit der in Hamburg gebauten ALINA der erste Alsterdampfer den Liniendienst aufnimmt. Zunächst geht es vom Jungfernstieg neun Mal am Tag zum Mühlenkamp und nach Eppendorf. Es folgen weitere Schiffe und neue Linien, sodass die Alsterschifffahrt ein Eckpfeiler des öffentlichen Personennahverkehrs wird, den bald mehrere Millionen Passagiere jährlich nutzen.

Zweiter Weltkrieg: Sperrholz und Tarnanstrich
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 endet der Linienverkehr der Alsterschifffahrt allerdings jäh. Es mangelt an Treibstoff und ein Großteil des Personals wird zum Kriegsdienst eingezogen. Auf der Alster selbst ist ohnehin kein Schiffsverkehr mehr möglich, denn sie wird zu großen Teilen mit Sperrholz überbaut. Diese Tarnbauten sollen es Bomberbesatzungen erschweren, die Wasserflächen der Alster als Orientierungspunkt für Anflüge und Bombenabwürfe zu nutzen.
Und auch an den Alsterschiffen selbst wird der Krieg sichtbar: Die weiße Lackierung weicht einem militärischen Tarnanstrich, der die Schiffe schwieriger identifizierbar machen soll. Ein Teil von ihnen ankert in Fleeten, andere werden als Reserveschiffe auf der Elbe eingesetzt, einige werden zudem von Bomben getroffen und teils schwer beschädigt. Nachdem der Linienverkehr schon lange stillsteht, wird Ende Dezember 1944 schließlich auch der Fährbetrieb auf den wenigen verbliebenen freien Wasserflächen eingestellt.

Neustart nach dem Krieg: Die GOLDBEK und die EILBEK kommen
Bei Kriegsende im Mai 1945 besteht die Alster-Flotte aus acht betriebsfähigen Motorschiffen und dem Dampfschiff ALSTER. Doch vorerst liegen sie noch an der Kette. Erst im Sommer 1946 nehmen dann die ersten beiden Schiffe wieder Fahrt auf, zunächst jedoch nur für Angehörige der britischen Besatzungsbehörden. Ab November 1946 dürfen dann auch die Hamburgerinnen und Hamburger wieder Alsterdampfer fahren, zunächst auf der Winterhuder-Linie, dann auch auf weiteren Linien. 1948 wird dann der Fährverkehr zwischen Uhlenhorst und Winterhude mit den beiden übrigen Barkassen AUE und RÖNNE wieder aufgenommen.
Von einem normalen Betrieb kann dennoch nicht die Rede sein. Denn Reste der Tarnbauten aus dem Krieg verhindern die freie Fahrt auf der Alster ebenso wie durch Bombentrichter entstandene Untiefen im Gewässer. Also heißt es erstmal: „Halbe Fahrt“. Im gewohnten Weiß erstrahlen Alsterdampfer auch noch nicht wieder, sie tragen noch länger den dunklen Tarnanstrich der Kriegszeit.
Gleichwohl soll die Alsterschifffahrt wieder auf Erfolgskurs gebracht werden und an die gut 3,6 Millionen Fahrgäste im Jahr 1932 anschließen. Dabei helfen sollen die beiden ersten Nachkriegsneubauten für die Weiße Flotte: Die EILBEK und die GOLDBEK. Beide Schiffe werden bei Oelkers in Neuhof gebaut.

Am 4. Juli 1951 läuft die GOLDBEK vom Stapel – sie ist damit der erste Nachkriegsneubau eines Alsterschiffs. Mit ihren gut 22 Metern Länge und fast 5 Metern Breite ist das Schiff für 200 Passagiere zugelassen und bietet 91 Sitzplätze. Drei Monate später liegt dann auch die EILBEK im Alsterwasser. Mit diesen beiden Neubauten wird die Alsterschifffahrt als eine Säule des ÖPNV der Hansestadt gestärkt, durchaus mit Erfolg: Anfang der 1950er Jahre wird sie von 3,4 Millionen Passagieren jährlich genutzt.
Die neuen Sommer-Rundfahrten und samstägliche Lampionfahrten der Alsterschiffe sorgen ab Anfang der 1950er Jahre schließlich für mehr Lebensfreude und eine neue Leichtigkeit auf der Alster. Und spätestens mit den Sonderverkehren der Weißen Flotte an den drei verkaufsoffenen Sonntagen vor Weihnachten 1952 ist Hamburg dann endgültig im „Wirtschaftswunder“ angekommen.

Neue Zeiten, neue Aufgaben
Mit der Verbreitung des Pkw und dem Ausbau des ÖPNV auf Straße und Schiene sinken die Passagierzahlen in den folgenden Jahrzehnten jedoch stark, so dass der Senat 1984 die Einstellung des inzwischen defizitären Linienverkehrs beschließt. Die Alsterschiffe bekommen damit eine neue Funktion, der Fokus liegt künftig ganz auf Touristik und Charterfahrten. Folgerichtig wird die GOLDBEK 1987 vom Linienschiff zum Salonschiff umgebaut und erhält damit die Form, die wir im Wesentlichen auch heute noch kennen. Zwar hat die Alsterschifffahrt sich im Laufe der Zeit stetig gewandelt, doch bleibt die Alsterflotte und mit ihr die GOLDBEK ein prägendes Symbol und eine besondere touristische Attraktion Hamburgs.
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