Warum es in U-Bahnen kein WLAN gibt

Letzte Woche sind sechs weitere U-Bahn-Haltestellen „ans Netz“ gegangen. Nun könnt ihr beim Warten auf die U-Bahn auch am Hauptbahnhof Nord, Dehnhaide, Hamburger Straße, Mundsburg, Uhlandstraße und am U3-Bahnsteig an der Lübecker Straße kostenlos im Internet surfen. In den U-Bahn-Zügen gibt es dagegen nach wie vor kein WLAN – denn das ist gar nicht so einfach.

Das Mobilfunknetz ist Basis für WLAN

Mobilfunknetze sind die Grundlage jeder mobilen Kommunikation. Sie sind die Basis dafür, dass überhaupt mit dem Handy telefoniert werden kann. Aber nicht nur Sprache, sondern auch Daten werden mittlerweile übermittelt. Apps wie Facebook, Snapchat oder Whatsapp greifen darauf zurück und auch deine Mails können von unterwegs verschickt werden.

Mit der neuesten Generation des LTE sind Mobilfunknetze so leistungsfähig wie nie. Immer größere Datenmengen können so übertragen werden. Tatsächlich ist es oft sogar so, dass nur mit 3G oder LTE überhaupt mehr als Telefonieren möglich ist.

Die leistungsstarken LTE-Mobilfunknetze bilden deshalb auch die Basis für unser WLAN in Bussen. Anders als die U-Bahn-Haltestellen, die wie zuhause nämlich über Glasfaser ans Netz gebracht werden können, sind diese ja in Bewegung und müssen mobil „Internet-fähig“ gemacht werden. Und nur LTE stellt die erforderlichen Übertragungs-Bandbreiten dafür zur Verfügung.

In den Bussen ist also ein Router eingebaut, der auf die Funkzellen des Mobilfunknetzes zugreift, das Signal in den Bus überträgt, wo du es dann via WLAN nutzen kannst. Vom Prinzip her gut, denn durch die gute LTE-Abdeckung an der Oberfläche klappt das in Bussen, unter der Erde würde es da aber ein wenig komplizierter. Denn wo kein LTE, da kein WLAN.

Denn U-Bahnen fahren (auch) im Tunnel

Denn auch die sich im Untergrund bewegenden U-Bahnen müssten sich ja via Router in das LTE-Netz der Mobilfunkhersteller einwählen. Genau wie die Busse an der Oberfläche. Genau das ist aber der Haken: in unseren U-Bahn-Tunneln gibt es bisher nämlich noch kein ausreichendes LTE-Netz. Und außerdem müssten die LTE-Zellen sehr klein sein, um im höchsten Fall 800 Fahrgästen in einem Zug den Zugang zum Internet über das WLAN zu ermöglichen. Wir müssen uns also weiter gedulden.

WLAN auf den U-Bahn-Haltestellen funktioniert übrigens wie euer WLAN Zuhause. Mit einem Glasfaserkabel werden die Router versorgt und strahlen dann entsprechend das WLAN auf die Haltestellen – verhältnismäßig einfach.



10 Kommentare zu “Warum es in U-Bahnen kein WLAN gibt

  1. Wenn dem so ist – das mit den 800 Teilnehmern pro Zelle – dann käme doch zumindest die Linie U4 für eine W-Lanversorgung in Zügen – und sei es auch erstmal nur testweise – in Frage. Denn m.W. ist es bis dato eher die Ausnahme das so viele Fahrgäste je Intervall im Zug dieser Linie geschweige im Netz derer sind/wären. Außerdem würde es die Attraktivität der Linie steigern,(„Hey ich nehme die U4 statt die U2, da hab/bleib ich im Netz“). Zumal man mit Ihr ja eh demnächst an Hamburgs schönste U-Bahnstation mit Elbblick gelangen wird, die wohl wie selbstverständlich die erste U-Bahnstation Hamburgs mit W-Lanversorgung von Anbeginn sein wird.

    • Auch für ein solches „Pilotprojekt“ müssten wir die Züge ausrüsten, und damit man auch aussagekräftige Ergebnisse erhält, müssten das eine ganze Menge Züge sein, also alle, die im Regelfall diese Strecke befahren. Das löst aber nicht das Problem der fehlenden leistungsstarken Anbindung über LTE im Tunnel.

      • Gewiss, da gebe ich Ihnen Recht, ohne die LTE Tunnelversorgung sind die am besten ausgestatteten Züge, null und nichtig. Allerdings gibt es in meinen Augen immer ein Bestreben der Mobilfunkunternehme dieses zu ermöglichen. Im Gegenzug wäre dieses mit Sicherheit auch eine positive Unternehmensdarstellung. Ich würde allerdings nicht die gesamte U-Bahnflotte zu einer Pilotphase zur Seite ziehen, Einheiten des DT4 wie DT5 – die ja eh schon auf der Strecke im Regelnetrieb dort verkehren – reichen wohl zunächst für einen repräsentativen DemoBetrieb aus. Weitergehende Tests könnten ja vorgenommen werden, wenn die Versorgung doch ausgeweitet werden würde.

  2. Liebe Pia,

    wieder einmal ein interessanter Artikel. Ich würde aber kommentieren, ob es kein ausreichendes LTE-Netz geben soll. Auf der U2 (zumindest vom Hbf bis Lutterothstraße) habe ich inzwischen mit dem Netz der Telekom durchgehend sehr guten LTE-Empfang. Es ist natürlich möglich, dass das Netz nicht für eine große Anzahl an Nutzern ausreichend wäre, aber die Netzabdeckung allein ist ausreichend.
    Ansonsten danke für deine immer interessanten und aktuellen Artikel.

  3. Und genau so wie die U-Bahn Haltestellen versorgt werden, könnten auch die Tunnel versorgt werden – mit Routern an Glasfaser.

  4. Hallo, das überhaupt Wlan angeboten wird finde ich super. Aber warum wird in den U-Bahn-Tunneln LTE benötigt? Kann nicht das leistungsfähigere Glasfaser-Wlan der Haltestellen mittels Wlan-Repeater in die Tunnel gebracht werden? Das funktioniert bei mir zu Hause sehr gut und ich kann mich vom Bereich des Routers in den Bereich des Repeaters ohne Unterbrechung bewegen.

    • Hier die Antwort unserer Experten: Es muss LTE sein, da nur dieses Verfahren ein breitbandiges Netz mit Übergabe zwischen den Accesspunkten der Zellen sicherstellt.
      Bei fahrenden Zügen ist eine Weitergabe zwischen WLAN-Zellen nur bei geringen Geschwindigkeiten zuverlässig möglich, da der Router erst die Verbindung zu „seinem“ Accesspoint verlieren muss, ehe er einen neuen sucht und sich dort anmeldet. Das führt bei höheren Geschwindigkeiten dazu, dass der mobile Router den Bereich eines WLAN-Accesspoints so schnell durchfährt, dass er nur noch mit Anmeldevorgängen beschäftigt ist. Lässt man den mobilen Router weg und würde ein flächendeckendes WLAN im Tunnel ausstrahlen, an dem sich die Endgeräte direkt anmelden, dann wäre das Problem noch viel gravierender, weil nahezu alle Smartphones der Fahrgäste gleichzeitig die Verbindung verlieren und eine Anmeldung beim neuen Accespoint beginnen.

      • Hallo,
        wenn man das ganze richtig angeht, sollte es auch funktionieren, WLAN von den Haltestellen in die Tunnel zu verbreiten. Hier muss man das Rad nicht neu erfinden, der MERU Controller Fortinet MC6000 ist genau dazu da den reibungslosen Handover von einer WLAN Zelle zur anderen zu ermöglichen, ohne dass sich ein Gerät in einem WLAN abmeldet und im nächsten anmelden muss. Er unterstützt bis zu 5000 WLAN access points, das sollte für das gesamte Steckennetz ausreichen.
        Freundliche Grüße,
        John

  5. Moin,

    das ist eine schöne Zustandsbeschreibung mit vielen „Geht nicht!“. Aber was heißt das für die Zukunft? Wollt ihr die beschriebenen Probleme noch lösen?

    LTE ist in vielen U-Bahn-Abschnitten zwischenzeitlich verfügbar und wenn es denn richtig konfiguriert ist, bringt es auch eine gute Performance. Ein weiterer Ausbau sollte technisch möglich sein. Wenn die Netzbetreiber das nicht von sich aus tun wollen, kann die Hochbahn finanziell nachhelfen.

    Sollte das nicht gehen, ist LTE-Technik mittlerweile auch für das ohne gesonderte Lizenz nutzbare 5-GHz-Band verfügbar. Die ERP ist stark beschränkt, das ließe sich aber womöglich über Schlitzkabel an den Tunnelwänden umgehen. Schlitzkabel wären auch eine Idee, wie man mit „normalem“ WLAN häufige Zellwechsel vermeiden könnte.

    Schließlich liegt der ganz große Teil des U-Bahn-Netzes oberirdisch und ist bereits gut per LTE angeschlossen. Hier könnte die Hochbahn direkt morgen mit dem Einbau der Technik beginnen und würde ihren Fahrgästen von Ochsenzoll bis Schlump oder von Farmsen bis Uhlandstraße direkt durchgehend WLAN anbieten können.

    • Schlitzkabel kannst du vergessen, viel zu teuer. Wir bekommen WLAN nur, weil auf den Haltestellen eh Glasfaser vorhanden und Router verhältnismäßig günstig sind. Die Gesamtkosten für den Ausbau dürften relativ schnell abgeschrieben sein und die Wartung ist vernachlässigbar, da sie eh stattfinden würde, da das Netz wie gesagt schon da ist. Es ist einfach eine gute Marketing-Aktion.

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