Pilot-Projekt WLAN: Houston dankt allen Pionieren auf der 5!

WLAN auf der Linie 5 und an den U-Bahn-Haltestellen Mönckebergstraße und Borgweg: ein kleiner Klick für einen Menschen, ein riesiger Sprung für Hamburg – und Ihr seid alle unsere Neil Armstrongs! Indem wir nämlich eine der meist genutzten Buslinien Europas mit WLAN ausstatten, begeben wir uns auf unbekanntes Terrain und gewinnen in einer Pilotphase mit Euch wichtige Erkenntnisse, um Nutzungsanforderungen und Ausrüstung optimal aufeinander abzustimmen.

Klar, WLAN gibt‘s schon in Fernbussen, vereinzelt an einer nicht-innerstädtischen Haltestelle oder punktuell in einem Linienbus. Auf ein völlig anderes Level begeben wir uns aber deshalb, weil es in dieser Größenordnung – eine Buslinie mit 60 000 Fahrgästen pro Tag und 15 km Strecke – noch keine Erfahrungswerte gibt. Steigt also mit uns ein in unsere „Apollo 11“ der Hochbahn, die Linie 5!

Die letzten Monate haben unsere Kollegen aus der Abteilung „Zugsicherungs- und Kommunikationsanlagen“ intensiv geprüft, welche Rahmenbedingungen im ersten Schritt geschaffen werden müssen: Es gab Performance-Tests entlang der Strecke, der beste Standort der Router im Bus musste gesucht werden (bei verschiedenen Busmodellen), überlegt werden (unter anderem auch mit so Internet-Menschen wie mir), wie ein optimaler Registrierungsprozess aussieht, abgeschätzt, wie Ihr das WLAN im Bus nutzen werdet , daraus die Datenmengen abgeleitet und das alles  mit anderen betroffenen Bereichen (zum Beispiel unserem Busbetrieb) und dem Kommunkationsdienstleister wilhelm.tel eng abgestimmt.

Und so starten wir nun:

WLAN auf der Buslinie 5Nummer5lebt

  • In jedem Fahrzeug der Linie 5 ist ein LTE/WLAN-Router installiert.
  • Mit einer Bandbreite pro Nutzer von 1 MBit/sec. ist komfortables Surfen möglich, pro Nutzer und Tag wird eine Datenmenge von 100MB zur Verfügung gestellt.
  • Im besten Fall können ca. 100 Nutzer in einem Bus gleichzeitig surfen – abhängig vom LTE-Empfang.
  • Die Registrierung erfolgt über den SSID (Service Set Identifier) „MobyKlick“. Die Anmeldung gilt jeweils für einen Betriebstag bis nachts um 2 Uhr. Überall, wo die SSID MobyKlick ausgestrahlt wird, sollte sich das Smartphone innerhalb dieses Zeitraums automatisch verbinden.

WLAN an den U-Bahn-Haltestellen Borgweg und Mönckebergstraße

  • In den U-Bahn-Haltestellen ist durch die breitbandige Anbindung mittels Glasfaser eine hohe Leistungsfähigkeit für ca. 500 Nutzer gegeben.
  • Hier gibt es keine Begrenzungen, weder in der Bandbreite noch in der Datenmenge.

Und was ist, wenn das WLAN doch mal nicht so richtig funktioniert? Dann lernen wir daraus!

Die LTE-Versorgung auf der Linie 5 ist grundsätzlich flächendeckend vorhanden und wir haben alle Weichen dafür gestellt, dass ein komfortables Surfen möglich ist. Sollte es doch mal haken, kann das verschiedene Gründe haben: Möglicherweise stören physikalische Einflüsse (bauliche Barrieren, hohe Luftfeuchtigkeit etc.) kurzfristig die Funkverbindung oder es haben sich so viele Teilnehmer in eine Funkzelle eingebucht, dass sich die Bandbreite unter allen temporär reduziert. Oder die Tagesration im Bus von 100 MB ist für eine Einzelperson ganz einfach verbraucht. In seltenen Ausnahmefällen kann sich auch mal der Router aufhängen – während der Fahrt kann der Fahrer diesen jedoch nicht wieder hochfahren. Da der Router mit der Zündung des Fahrzeuges verbunden ist, kann er nur durch das Aus- und Einschalten der Zündung neu gestartet werden, und das geht erst wieder an der Endhaltestelle.

Unsere „Überlebenstipps“, wenn es hakt: Bitte erst einmal das WLAN für einen Moment aus- und ein paar Augenblicke später wieder anschalten. Dann einfach mal schauen, ob auch andere Fahrgäste Probleme haben oder ob es am eigenen Smartphone/Verbrauch liegt. Wenn mehrere Tage in Folge Probleme auftauchen, sind wir für einen kurzen Hinweis beim Aussteigen an den Busfahrer oder an unsere Social Media Redaktion auf Twitter dankbar. Ein Pilotprojekt lebt schließlich von seinen Piloten! Auf Basis Eurer und unserer Erfahrungswerte wird es nach Beendigung des Pilotbetriebes Ende September eine Auswertung geben und eine Entscheidung über das weitere Vorgehen gefällt.

Das bedeutet, wir könnten das WLAN auf der Linie 5 und an den beiden U-Bahn-Haltestellen dann im Idealfall nicht nur stabilisieren, sondern sogar möglicherweise auf allen Buslinien und allen U-Bahn-Haltestellen nach und nach WLAN einführen. In den U-Bahnen müssen zunächst einmal die Netzanbieter die Voraussetzungen in Form eines LTE-Netzes schaffen, bevor wir aktiv werden könnten.

In diesem Sinne: Houston aus der Steinstraße dankt allen Pionieren, lasst uns das Ding rocken!



12 Kommentare zu “Pilot-Projekt WLAN: Houston dankt allen Pionieren auf der 5!

  1. Ich hätte da direkt mal ein paar Fragen :):

    1. Hinweis an den Fahrer ist schwierig, da man nicht vorne aussteigen soll.
    2. Gibt es auch MobyKlick (S) für Wilhelm.tel Kunden?
    3. Ist das immer auf 1 MBit/s (nicht sec) gedrosselt, oder gibt’s auch mehr, wenn verfügbar?
    4. Warum nur 100 MB/d? Netflix, YouTube ade.
    5. Wird der Nutzer anhand der MAC identifiziert?
    6. Warum muss man mich extra (jeden Tag) anmelden?

    • 2. In den U-Bahnhöfen gibt es mobyklick(s), im Bus nicht.
      3. & 4. Die Busse werden per LTE angebunden. Das ist also der Flaschenhals und diese Leistung wird der Mobilfunknetzbetreiber der Hochbahn sicherlich auch entsprechend berechnen. Im Access-Bereich gibt es oft die Situation, dass recht wenig Nutzer für den Löwenanteil des Datenverkehrs verantwortlich sind. (10 % machen 90 % Aufkommen und ähnlich.) Ich kann mir vorstellen, dass die Hochbahn die Poweruser zumindest für den Anfang gern etwas drosseln möchte. In der U-Bahn ist der Flaschenhals keiner, die Bandbreite per eigener Glasfaser ist im Vergleich so groß und so billig, dass man sich die Restriktionen spart. Denk ich.

  2. Hallo, guter Schritt, den ihr da macht!

    Die VHH haben auf der 3 ja auch einen Pilotbetrieb mit W-LAN, nutzen aber einen anderen Betreiber.

    Gibt es Pläne das irgendwann zu vereinheitlichen?

    Viele Grüße!

  3. Verstehe irgendwie dieses feierliche Werbe-Tamtam der Hochbahn zur WLAN-Einführung in der Linie 5 nicht.
    Die VHH haben WLAN schon seit über einem Jahr in der Linie 3.
    Die Linie 5 mag zwar bis zu 60000 Fahrgäste pro Tag haben, die VHH gibt auf ihrer Homepage an, die Linie 3 habe bis zu 30000 Fahrgäste pro Tag. Also mindestens die Hälfte der Linie 5.
    Inwiefern sind Erfahrungswerte bei 30000 Fahrgästen nicht vergleichbar mit Erfahrungswerten bei 60000 Fahrgästen? Was sollen die 30000 Mehr-Fahrgäste auf der Linie 5 schon großartig anders machen als die 30000 auf der Linie 3?
    Es fühlt sich so an, als ob die Hochbahn sich als Pionier für etwas darstellt, was es schon längst in Hamburg gibt.

    • Wie sagt man so schön: Eigene Erfahrungen machen hilft! Und genau das tun wir 😉 Natürlich tauschen wir uns auch mit den Kollegen von der VHH aus.

      • Hallo, sehr schön, dass die Hochbahn nun auch mit der WLAN Einführung nachzieht.
        Die Stadtwerke Erfurt haben ihre 76 Straßenbahnen seit Anfang diesen Jahres komplett mit WLAN ausgerüstet, dort funktioniert es sehr gut bei etwa 75.000 Fahrgästen im Netz. Aber man muss natürlich auch eigene Erfahrungen machen.
        Ich würde mich sehr freuen, bei einem meiner nächsten Besuche in Hamburg auch dort schnell im Internet surfen zu können.

      • Nur noch einmal die Frage:
        Seid ihr nicht etwas spät dran?

        Wer braucht Euer WLAN in einer Zeit, in der große Datenpakete beim Handyanbieter nichts mehr kosten? Die Preise purzeln gerade wie verrückt. 2 GB Highspeed LTE inkl. All-Net-Telefonflatrate kosten bei Simply & Co. noch 7 Euro im Monat. Aldi hat unlängst die Datenpakete zum gleichen Preis mal eben verdoppelt, wie man u.a. bei Euch in den Stationen auf den Werbepostern lesen kann. In Österreich gibt es bei Aldi 3 GB LTE bereits zum Preis einer Hochbahn-Tageskarte (https://www.hot.at/tarife.html), bei „Drei“ kosten 9 GB LTE 9 Euro/Monat (https://www.drei.at/portal/de/privat/tarife/internet-tarife/internet-fuer-unterwegs/).

        Wo liegt der Mehrwert, den die Hochbahn mit ihrem WLAN in einigen Monaten noch anbieten kann? Der Betrieb eines schnellen Internetzugangs ist doch gar nicht ihre Kernkompetenz, genauso wie Vodafones Busnetz wahrscheinlich nicht mehr wäre als eine Notlösung. Wäre es nicht sinnvoller, die Ressourcen der Hochbahn in Digital-Projekte zu stecken, bei denen die Hochbahn der Flaschenhals ist? Open Data, Echtzeitinformation, moderne Bestellprozesse für Abos und so weiter.

      • Ich verstehe Ihren Punkt sehr gut, aber an dieser Stelle bin ich selbst das beste Beispiel für jemanden mit einem verschwindend geringen Datenvolumen. Für mich ist also jedes öffentliche WLAN eine willkommene Bereicherung. Das mag nicht jeder so sehen (auch völlig ok), aber ich persönlich finde auch, dass es inzwischen irgendwie zum Standard dazu gehört. Deshalb: WLAN auch bei uns 😉
        Zu Ihrem letzten Punkt aber: natürlich kann das WLAN nur der Anfang sein. Deshalb sind wir genau an den von Ihnen angesprochenen Themen eben auch dran. Check-in / be-out und Echtzeitdaten sind da nur einige Beispiele. Einig sind wir uns sicher dabei: das digitale Zeitalter muss auch bei Verkehrsunternehmen Realität werden!

  4. @Pia Gängrich:

    Verstehe ich nicht. Die 2 GB Highspeed sind für „fast geschenkt“ – so würde ich weniger als 10 Euro/Moat inklusive All-Net-Flatrate einschätzen. Viel billiger geht es auch mit weniger Datenvolumen kaum, soll das Smartphone mehr sein als ein Briefbeschwerer. Und da Sie wenig Daten brauchen, würden die 2 GB auch ohne WLAN reichen.

    Was den letzten Punkt angeht: Sie müssen nicht nur dran arbeiten – das machen Sie ja schon einige Jahre – Sie müssen auch mal was zum Vorzeigen haben 😉 Das Bild, das Hochbahn und Partner abliefern, beschreibt selbst „traurig“ mittlerweile nur noch euphemistisch.

    • Ganz bei Ihnen. Digitalisierung ist das, woran wir uns orientieren müssen und das ja auch tun. Zu unserer Verteidigung aber auch mal diese Seite: wir sind Verbundpartner, Alleingänge gehen da nicht. Das ganze kostet viel Geld und will auch erst mal entwickelt werden. Wir haben 111 Buslinien, 4 U-Bahn-Linien und viele verschiedene Fahrzeuge, sowas passiert also nicht über Nacht, sondern braucht eben seine Zeit. Und wir wollen am Ende ja auch nachhaltige und zukunftsstabile Lösungen, die funktionieren. Finde ich persönlich besser als Schnellschüsse, die mich als Fahrgast dann nur frustrieren, weil sie eben nicht sicher und zuverlässig laufen. Seien Sie sicher, auch wir gucken nach links und rechts, ’ne Chance haben wir doch aber verdient?! 😉

      • Ich bin im Grundsatz bei Ihnen – und gebe auf jeden Fall noch Chancen 🙂 (Sonst würde ich Ihnen hier auch gar nicht schreiben, wenn ich nicht daran glaubte, dass es besser geht.)

        Einwände aus meiner Sicht: Nein, Sachen müssen gar nicht perfekt sein. Probieren Sie aus, lassen Sie die Leute ausprobieren. Digital ist eine Spielwiese besser als eine Wüste. Ihre Anwendungen laufen auch nicht perfekt im Sinne von „perfekt die Kundenerwartungen getroffen“. Schauen Sie auf die Bewertungen der HVV-App in den Appstores. Wenn der Verbund so lang bremst, darf das eigentlich kein Grund sein, das Problem lösungslos auszusitzen. Das klingt nach Behördenproblemen. 😉

        Ich freu‘ mich trotzdem auf die (hoffentlich kommenden) Digital-Innovationen in Hamburg!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie die folgende Aufgabe: *