Seitenwechsel: tausche Büro gegen Blaumann – Tag 2 Wagenkästen DT3

Heute ging es direkt an die U-Bahnen, genauer noch, an einen DT3. In einer der Werkstatt-Hallen stehen die Fahrzeuge der unterschiedlichen U-Bahn-Typen und warten auf die Kollegen, die ihnen im wahrsten Sinne des Wortes an ihr „Innerstes“ wollen.

Auch heute startet mein Tag unverschämt früh und obwohl ich gestern früher ins Bett gegangen bin (ja, der gute Vorsatz hat funktioniert!), fällt mir das Aufstehen noch schwerer als gestern.
Ich bin sehr gespannt darauf, was mich heute erwartet und habe direkt aus der Erfahrung von gestern gelernt und mir meinen Kaffee mitgenommen und Brote fürs Frühstück geschmiert. Sowieso stelle ich fest, dass ich meinen morgendlichen Ablauf im Vergleich schon optimiert habe. Vom Weckerklingeln bis zum Verlassen des Hauses vergehen heute keine 15 Minuten.

In der Werkstatt angekommen bringt mich Werkstattleiter Hartmut in die Wagenhalle 2 und übergibt mich an die Kollegen, die hier für die Instandsetzung der Wagenkästen, also quasi für das „Gehäuse“ der U-Bahn zuständig sind.
Hier wird vor allem viel aus-, an-, ab- und eingebaut. Z.B. auch der Stromabnehmer, den ich mit Thorsten gestern neu zusammengebaut habe. Faszinierend zu sehen, wie das Zusammenspiel der verschiedenen Bereiche funktioniert – hier in der Wagenhalle ist das Einzelteil halt schmutzig, alt oder funktioniert nicht und wird dann repariert und sauber wieder eingebaut.

Ich arbeite heute mit Robert, der Mechatroniker ist. Zusammen haben wir den Auftrag zwei Schützenbatterien und ein Starkstromschaltwerk auszubauen, zu tauschen und später wieder einzubauen. Normalerweise hat Robert dafür eine zeitliche Vorgabe, weil er nun heute aber auch noch ein Auge auf mich werfen soll, ist das nicht ganz so streng. Das ist übrigens völlig normal in der Werkstatt, weil die „alten Hasen“ oft Neulinge und auch Azubis anlernen.

Das Starkstromschaltwerk und die Schützenbatterien steuern das Anfahren und Bremsen dieses DT3. Wenn da was nicht stimmt, bewegt sich erst mal nichts.
Mein erster Blick fällt auf die Schützenbatterie, an der unheimlich viele Muttern, Schrauben und Kabel angebracht sind.

Damit man da nicht durcheinander kommt, gibt es auch hierfür eine Anleitung, wie ich sie gestern schon in der Schlosserei kennen gelernt habe. Wir lösen also die gefühlt 100 Muttern und Schrauben und ziehen die Batterie aus dem Fahrzeug. Echt anstrengend und ganz schöne Fummelarbeit, so auf den Knien und geduckt halb in das Fahrzeug gekrochen. Am Ende des Tages habe ich Muskelkater im Handgelenk und mir auch ziemlich viel vom U-Bahn-Staub ins Gesicht geschmiert.

Pia

Nach der Mittagspause schauen wir auch mal in der Halle nebenan bei den Kollegen vorbei. Die testen dort gerade die Türen bei einem DT4. Dort gab es wohl Probleme mit der Verriegelung. Und wenn das passiert, müssen alle Türen neu eingestellt und dann eben auch geprüft werden, bevor die U-Bahn wieder in den Betrieb gehen kann.
Diese Prüfung machen die Kollegen interessanterweise über einen stinknormalen Laptop, der an die U-Bahn angeschlossen wird. Jeder Wagen wird separat geprüft und dann darf ein Auserwählter jede (!) der Türen einzeln öffnen und schließen.

Elektronik in den Türen

Da wir hier aber mehr im Weg rum stehen als helfen, verziehen wir uns schnell wieder nach nebenan und lassen die Kollegen ihre Arbeit machen. Morgen geht’s mit dieser U-Bahn dann aber wahrscheinlich noch auf eine Probefahrt. Vielleicht darf ich mit und dann eben alles nochmal unter realen Bedingungen testen. Man mag nämlich gar nicht glauben, wie viel Steigung es bei der Hamburger U-Bahn gibt. Diese und z.B. auch Kurvenlagen von Haltestellen beeinflussen nämlich das Schließverhalten der Türen. Deshalb muss eben auch außerhalb der Werkstatt nochmal getestet werden, ob wirklich alles wieder einwandfrei funktioniert.

Am Ende dieses Tages haben Robert und ich die beiden Batterien getauscht und auch das Starkstromschaltwerk sitzt an seinem angestammten Platz. Morgen geht es dann weiter in der Drehgestellmontage in der Haupthalle. Da lerne ich dann quasi das Skelett der U-Bahnen kennen.


Bis Freitag noch werde ich nicht wie üblich im Büro hinter dem Schreibtisch sitzen, sondern stattdessen in den U-Bahn-Werkstätten kräftig mit anpacken. Schließlich schreibt es sich zwar leicht von den hunderten Kolleginnen und Kollegen, die hinter den Kulissen dafür sorgen, dass Hamburgs U-Bahnen laufen, wirklich zu erleben, was es heißt, handwerklich hart in der Werkstatt zu arbeiten, geht nur live vor Ort. Und weil es da eben so viel zu entdecken, fotografieren, fragen und zum drüber Schreiben gibt, gibt’s hier auf dem Blog jeden Tag meinen Bericht zum Tag. Und am Ende ja vielleicht auch den ein oder anderen, der Lust bekommt selbst Teil unserer großen HOCHBAHN-Familie zu werden?

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Tag 1 in der Schlosserei
Tag 3 in der Drehgestellmontage
Tag 4 in der Elektro-Werkstatt
Tag 5 in der Betriebswerkstatt Farmsen

 



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