Wieso wir den DT3 verschrotten… und trotzdem weiterhin im Einsatz haben

„Häh, wie kann das denn sein?“, denke ich, als ich lese, dass heute zwei von zehn frisch sanierten DT3 zurück zur HOCHBAHN kommen. Haben wir nicht neulich erst davon gesprochen, dass wir den DT3 jetzt nach und nach verschrotten können, weil wir immer mehr DT5 im Einsatz haben, die das alte Modell ablösen?

Was also steckt dahinter: Verschrotten auf der einen und Sanieren auf der anderen Seite? Ich begebe mich auf Spurensuche.

1. Hinweis: Drei Arten von U-Bahnen

Wer die HOCHBAHN kennt, kennt auch die drei Fahrzeugtypen, die bei uns fahren. Leicht zu merken sind das der DT3, DT4 und DT5. Drei Typen nicht einfach aus Gründen der Vielfalt (wer hätte das gedacht), sondern ganz einfach, weil die Fahrzeuge unterschiedlich alt sind. Im Hamburger U-Bahn-Netz fahren also drei Generationen von U-Bahnen, die –logisch – in ihrer Entwicklung mit der Zeit gegangen sind. Der DT3 ist also das bis jetzt älteste Fahrzeug, das überhaupt noch im Einsatz ist. Und hat so langsam das Ende seiner Lebensdauer erreicht. Heißt: nach knapp 50 Jahren ersetzt der moderne DT5 den DT3. Für die alten Fahrzeuge bedeutet das nach und nach, dass sie den Weg auf den Schrottplatz antreten. Denn wichtig ist ja vor allem eines: wir behalten genug Fahrzeuge, damit der Betrieb für uns Fahrgäste weiter läuft. Womit wir auch direkt bei Hinweis Nr. 2 wären.

2. Hinweis: Viele Fahrgäste brauchen viele Fahrzeuge

Bei rund 600.000 Fahrgästen (nur in der U-Bahn) jeden Tag brauchen wir natürlich auch entsprechend viele U-Bahnen. Schon mal genug für den laufenden Betrieb und dann natürlich auch welche als Reserve. Denn klar, es geht auch mal was kaputt, die U-Bahnen müssen in ihre notwendige Inspektion oder es gibt Großveranstaltungen, wie am letzten Wochenende den Hafengeburtstag. Es reicht also nicht nur punktgenau genügend Bahnen für den Bedarf zu haben, sondern ein Puffer gehört mit einkalkuliert. Wie Großstadt ja nicht gleich Großstadt ist, sind auch unsere U-Bahnen nicht „von der Stange“. Jedes Modell wird eigens für uns angefertigt, damit es ins Hamburger Netz passt und nach und nach an uns ausgeliefert. Wir können also nicht einfach auf einen Schlag alle DT3 verschrotten, weil uns sonst diese Fahrzeuge ersatzlos fehlen würden. Die DT3 bleiben Liebhabern also noch eine Zeit lang erhalten – manche sogar noch ein wenig länger.

3. Hinweis: Für alle Fälle gewappnet

Denn nicht alle DT3 landen auf dem Schrottplatz. Einige dürfen – trotz ihres hohen Alters – bleiben.
Zurzeit kriegen wir nämlich jeden Monat zwei neue DT5 geliefert. 2021 sind das dann insgesamt mal 118 Stück. Damit haben wir dann genügend moderne Fahrzeuge, um nur noch DT4 und DT5 fahren zu lassen, die den täglichen Bedarf decken. Sogar besser noch: sie decken auch die erwartete Steigerung der Fahrgastzahlen bis 2024. Und die Kollegen arbeiten ja auch jetzt schon an der nächsten Fahrzeuggeneration, dem DT6.
Bis es aber soweit ist und um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, schaffen sich die Kollegen aus dem Betrieb nun eine Notfall-Fahrzeugreserve an. Und die besteht eben aus zehn DT3, die nicht verschrottet werden. Stattdessen werden diese zehn vom Kern auf saniert, die Mechanik und Elektronik überarbeitet und auch die Hülle bekommt ein echtes Makeover. Generalüberholt kommen unsere „Oldtimer“ dann zurück auf die Gleise – gewappnet für ihren Einsatz bei z.B. Großveranstaltungen oder wenn’s bei der Lieferung der neuen DT5 mal hakt.

Seht hier in der Bildergalerie, wie die DT3 von alt zu neu werden.



7 Kommentare zu “Wieso wir den DT3 verschrotten… und trotzdem weiterhin im Einsatz haben

  1. Schade dass die Hochbahn beim Makeover nicht die Gelegenheit genutzt hat und gleich noch Fahrgast-Anzeigen im Innenraum montiert hat. Denn bisher gibts Fahrgastinfos im DT3 nur akkustisch als Ansage (die im Alltag übertönt werden kann und wird) und nicht auch noch mal irgendwo als optische Anzeige auf einem Display. Wenn die Fahrzeuge wirklich nochmal 10 Jahre eingesetzt werden sollen hätte sich dieser Schritt gelohnt!

    • Da sie eben nur noch als Reserve eingesetzt werden sollen, hätte sich der nachträgliche Einbau der Monitore eben leider nicht bezahlt gemacht. Und es ist ja nicht nur der Monitor, dahinter steckt in der U-Bahn-Decke noch eine ganze Menge mehr Technik, die nicht zu sehen ist.

  2. Ich hoffe sehr, es werden keine von diesem furchtbaren alten, lauten, kalten und ungemütlichen DT3 zu den normalen Stoßzeiten morgens zwischen 7 und 8 und abends zwischen 17 und 18 Uhr in der Woche auf der Linie U1 eingesetzt. Es gibt keine schlimmeren Züge und ich war froh, dass die Zeiten des DT3 nun endlich vorbei sein sollten. Genug Geld zahlen wir ja eigentlich alle.

  3. Pingback: DT3-Züge: Alte Bahnen bleiben der Linie U3 erhalten - vorerst | FINK.HAMBURG

  4. Die DT3 sind gute Bahnen mit denen ich sehr, sehr gerne fahre. Ein bischen oll, aber soliede. Mir wär’s lieber, würde man die muffigen DT4 alle ganz fix wieder aussortieren.

    • Muffige DT4?

      Gerade die renovierten Züge haben doch noch lange nach ihrem Werkstattaufenthalt einen angenehm frischen Geruch. Mir gefallen diese Züge. Und selbst die älteren, noch nicht überarbeiteten der 2./3./4. Serie (mit dem fliederfarbenen Design) – die man vielleicht als etwas unmodern ansehen könnte – sind mir lieber als die letzten beiden Serien (- die waren leider ein „künstlerischer Missgriff“, wohl dem Zeitgeist geschuldet -), mit ihrem kalten grau-in-grauen / stahlfarbenen Design und störenden, aufgesetzten Abfallbehältern. Aber irgendwann bekommen die ja auch ein freundliches Innendesign.

      Der zuverlässige DT4 soll noch lange fahren! Und auch die 10 DT3. (Die werden sicher etwa so eingesetzt, wie noch vor zwei Jahren die DT2: Wer also partout nicht damit fahren möchte, wartet eben ein paar Minuten auf den nächsten Zug. Der ist dann auf der U1 ein DT4 und auf der U3 ein DT5.)

      Was ich nur schade finde, ist, dass die Türsteuerung der ertüchtigten DT3 nicht auf Taster umgebaut wurde. Das wäre sicher für Behinderte, Leute mit Kinderwagen, viel Gepäck etc. gut gewesen. Wäre wohl vermutlich aber auch zu teuer geworden.

      • Die Türsteuerung hätte dann ja auch einen massiven Umbau der Elektronik dahinter geheißen. Ich meine, dass die DT3 dort ja rein mechanisch die Türen schließen. Vor dem Hintergrund, dass die DT3 ja „nur“ noch als Reserve eingesetzt werden sollen, stehen Aufwand und Nutzen in keinem idealen Verhältnis.

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