Vier Monate U1-Sperrung – Wer hat sich das denn ausgedacht?

Wir U1-Nutzer müssen diesen Sommer ganz stark sein: denn ab dem ersten Juli-Wochenende wird die Strecke zwischen Volksdorf und Großhansdorf für fast vier Monate komplett gesperrt.

Ist Ihnen doch egal? Da draußen ist doch eh kein Mensch? Großhansdorf – da gibt’s eine U-Bahn-Haltestelle?

Klar, Innenstadt ist der U1-Ast dort oben nun wirklich nicht, aber immerhin sind jeden Tag 12.600 Leute auf diesem Abschnitt unterwegs – und 4 Monate Sperrung klingen nach einer echt langen Zeit.

4 Monate

Wenn ich nun also als Fahrgast betroffen bin, sprich überhaupt nicht mehr mit der U-Bahn fahren kann, dann ist das, wie oben ausgedrückt, echt „heftig“. Ändern wir nun aber kurz mal den Blickwinkel und schauen uns an, was in dieser Zeit alles gemacht wird. Aus Spaß sperren nämlich auch die Betriebler nicht einfach mal eben einen so langen Streckenabschnitt.

1.  Die U1 ist alt.
Klingt wie eine doofe Ausrede, ist aber die Wurzel allen Übels. Denn weil der Abschnitt so alt ist, ist es um die Barrierefreiheit der Haltestellen schlecht bestellt. Schlimmer noch, sie existiert praktisch gar nicht. Das wollen und müssen wir ändern. Warum wir das jetzt aber hier oben machen und nicht an vermeintlich viel wichtigeren Haltestellen? Weil es vom Timing gerade sehr gut passt. Wir können die Bauarbeiten zur Barrierefreiheit gerade nämlich mit etwas anderem bündeln und so nur einmal sperren, denn:

2. Auch die Brücken sind alt.
Entlang der U1-Äste ab Volksdorf müssen insgesamt sieben Brücken saniert und erneuert werden. Allein auf dem Abschnitt nach Großhansdorf sind es fünf davon. Die Brücken hier sind fast 100 Jahre alt und haben ihre Lebensdauer ganz einfach erreicht. Und dieBrücke zwischen Kiekut und Großhansdorf hat beim Orkan „Xaver“ so viel abgekriegt, dass sie nun in Reparatur muss. Weil die Bauarbeiten dafür von langer Hand geplant sind und die Strecke für das Aus- und Einheben der Brücken ohnehin gesperrt werden muss, springt das Team für Barrierefreiheit quasi auf den Zug mit auf. So finden die Arbeiten an den Brücken und auf den Haltstellen gleichzeitig statt, anstatt für den barrierefreien Ausbau zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal sperren zu müssen.

3. Gleise und Weichen gleich mit
Weil wir nun sowieso am Werk sind, werden gleich auch Bahnsteigkanten, Schienen und Weichen erneuert und die Haltestellen saniert. Und auch die B+R-Anlagen an drei Haltestellen werden erneuert und vergrößert.

Bahnhöfe gleichzeitig

Zum Schluss aber auch eine gute Nachricht:

SEV

Nur weil wir bauen, hören wir nämlich nicht auf zu fahren. Statt U-Bahnen fahren Busse auf der gesamten Strecke.  Das dauert dann zwar ca. 20 Minuten länger, ist aber besser, als überhaupt nicht zu fahren.

Ersatzverkehr

Für Frühaufsteher gibt’s sogar noch einen Ersatzverkehr mit Taxen. Denn wer hätte gedacht, dass die erste Bahn aus Großhansdorf normalerweise schon um 4:32 Richtung Innenstadt fährt?

Taxi



6 Kommentare zu “Vier Monate U1-Sperrung – Wer hat sich das denn ausgedacht?

  1. In den Blog hätte man vielleicht auch noch auf die Frage von @Aus_der-UBahn eingehen müssen, warum es dann bei einem 20-Minuten-Takt (außerhalb der RushHour) von Volksdorf nach Ohlstedt bleibt und nicht einfach die Großhansdorfer Bahnen nach Ohlstedt fährt. Dann hätte man dort nen 10 Minuten-Takt für die Dauer der Sperrung des anderen Astes.

    • Ich verstehe Ihren Grundgedanken, aber dieser Mehreinsatz an U-Bahnen lohnt dort einfach nicht. Das Angebot bis Ohlstedt im 20-Minutentakt fahren wir ja nicht willkürlich, sondern weil er für die Anzahl der Fahrgäste, die dort oben hin wollen, ausreichend ist. Daran ändert auch die Sperrung des Astes nach Großhansdorf nichts. Die fahren ja nicht plötzlich alle stattdessen auf dem Ast ab/nach Ohlstedt.

  2. Super Sache! Aber ich hoffe wir müssen nicht 4 Monate diese undeutliche und mit Atemgeräuschen versehende Ansage von „Hier spricht die Leitstelle….“ anhören.

    Wieso gibt’s hierfür eigentlich keine zusammengesetzte Ansage mit der Stimme von Anke Harnack? Soviel Variationen von Rettungswageneinsatz, Feuerwehreinsatz und Sperrung zwischen Station X und Y gibt es doch garnicht. oder? Und für Sonderfälle kann ja immer noch ein Mensch sprechen 😉

    • Unsere Kolleginnen und Kollegen nehmen die Ansagen live in der Leitstelle auf und haben dafür genaue Vorgaben. Da es sich aber eben um echte Menschen handelt, hört man diese auch atmen oder Pausen machen. Die Kolleginnen und Kollegen sind immer bemüht, deutliche Ansagen zu machen. Manchmal sind auch gar nicht die gesprochenen Texte und Sprecher das Problem, sondern die Lautsprecher. Wie das kommt, haben wir hier im Blog auch schon mal aufgelöst. Wenn Sie aber in nächster Zeit in einem Zug sitzen, in dem die Ansagen schwer zu verstehen sind, geben Sie uns bitte mit der Angabe der Wagennummer Bescheid. Dann können wir prüfen, ob dort was kaputt ist. Am wichtigsten ist uns nämlich, dass Sie als Fahrgast die Information verstehen können.

  3. Der SEV läuft ja eigentlich sehr gut, nur frage ich mich, warum der U1-SEV ganz allgemein nicht bei am Bahnhof Ahrensburg (oder der Haltestelle Hamburger Straße) hält und ein DB-SEV auch in Ahrensburg West: Auf ihrem Fahrtweg müssen die Busse immer an beiden Stationen nahezu direkt vorbei und halten nicht, obwohl viele Leute gerade dann auf die jeweils andere Strecke ausweichen.
    Ich hatte es schon häufiger, dass ich nach der Uni am „falschen“ Bahnhof stand und dann zu meinem Fahrrad laufen musste, während der U1-Bus daneben vorbeifuhr… das geht meist trotzdem schneller als über Volksdorf heimzukommen, man könnte die Sache aber durch den zusätzlichen Halt nochmal deutlich beschleunigen. Bei zukünftigen Ersatzverkehren vielleicht. 😉

    • Danke für Ihren Hinweis (den ich direkt auch an die Kollege weitergegeben habe). Nur so viel dazu: Wir haben die Option „Halt an der Haltestelle Ahrensburg“ geprüft. Die Simulation der Fahrgastströme hat aber gezeigt, dass letztlich nur ein sehr geringer Teil an Fahrgästen diese Option wählen würde. Darauf hat sicher auch Einfluss, dass die Regionalbahn RB81 bis Ende 2017 mit einem eingeschränkten Fahrplan fährt. Seit 13.12.2015 bis Ende 2017 fallen bis zu 50% der Regionalbahnen RB 81 zwischen Bad Oldesloe über Bargteheide und Ahrensburg bis Hamburg aus. In den Hauptverkehrszeiten fahren so statt vier pro Stunde und Richtung nur zwei Züge. Grund: Bauarbeiten an zwei Brücken am Berliner Tor. Umsteigen auf die RB war und ist also nur bedingt eine Alternative.
      Auch angesichts der Tatsache, dass sich die Fahrzeit des SEV durch den zusätzlichen Halt deutlich verlängern würde und wir damit den akzeptierten Rahmen von 20 zusätzlichen Minuten sprengen würden, haben unsere Planer von der Option abgesehen. Ab 21.10. läuft ja auch alles wieder ganz normal. Gute Fahrt für Sie!

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