U4-Wehrtore: Wächter im Untergrund

Nachts um 1 Uhr stehe ich mitten auf den Gleisen im U4-Tunnel zwischen den Haltestellen Überseequartier und HafenCity Universität. Kein Mensch zu sehen, keine U-Bahn, die fährt, nur die Tunnelbeleuchtung, Schienen, Schwellen, Schotter und ich. Auf einmal ein Rumpeln und Dröhnen aus dem Technikraum, in dem zwei meiner Kollegen verschwunden sind. Innerhalb einer Minute schließt sich vor meinen Augen das gigantische Stahltor. Denn das ist, was wir gerade tun: Sicherheitscheck bei den Wehrtoren der U4. 

Wehrtore – Hochwasserschutz für Tunnel und Stadt

Neun Tonnen Stahl sichern Hamburg vor einer möglichen Katastrophe. Da nämlich Teile unserer U-Bahn unter Wasser durchführen, werden Strecke und Haltestellen vor Überflutung geschützt werden.
Zwischen Überseequartier und der HafenCity Universität warten deshalb zwei Wehrtore auf ihren Einsatz. Denn hier fließt die Elbe über dem Tunnel – ein Loch in der Röhre und in kürzester Zeit würde das Wasser Haltestellen und Tunnel überfluten und somit bedeutende Teile des U-Bahn-Netzes lahm legen. An der Haltestelle Jungfernstieg kommen noch einmal zehn Wehrtore hinzu, denn sollte hier einmal das Wasser aus der Alster eindringen, können wir die Haltestelle dicht machen und so verhindern, dass es sich über die Tunnel ausbreitet und die Innenstadt absäuft.
Gleich mal zur Beruhigung: gebraucht wurden die Tore bisher noch nie. Die Hamburger U-Bahn hielt noch jedem Hochwasser stand. Und trotzdem haben wir seit Anfang der 70er Jahre die Wehrtore für die U2 am Jungfernstieg und seit 2012 vier weitere für die U4. Auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, ist schließlich besser, als von ihm überrascht zu werden.

Tunnel dicht in einer Minute

Obwohl die Stahltore sehr groß sind, verschließen sie den Tunnel in etwa einer Minute. Das Absenken kann durch mehrere Mechanismen ausgelöst werden. Zum einen kann die Leitstelle die Tore „fernsteuern“, also schließen bzw. öffnen, ohne direkt vor Ort zu sein. Dafür brauchen sie natürlich die Info, dass so viel Wasser in den Tunnel läuft, dass die Sicherung nötig wird. In der U-Bahn gibt es nämlich streng genommen immer ein wenig Wasser, was logisch ist, wenn man überlegt, dass sie unter der Erde und somit auch unter dem Grundwasserspiegel entlang führt. Dieses Wasser wird von Pumpen kontinuierlich aus den Tunneln geschafft und mit Wasserstandmeldern überwacht.  Wenn also Wasser in den Tunnel läuft, überwachen diese Wasserstandsmelder den Pegelstand und melden dies automatisch an die Leitstelle. Würde das Wasser auf ein bedrohliches Maß ansteigen, können die Kolleginnen und Kollegen aus der Leitstelle die Wehrtore schließen. Natürlich gibt es diese Möglichkeit auch direkt vor Ort im Maschinenraum. Auch hier wird das hydraulische Verschließen der Tore per Knopfdruck gestartet, sollte der Strom mal ausfallen, können sie außerdem von Hand ausgelöst werden.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Vier Mal im Jahr kontrollieren die Kollegen die Sauberkeit, Hydraulik und allgemeine Funktionsfähigkeit der Tore, schließlich kann auch bei der besten Technik mal was haken. Im Maschinenraum gleich neben den Gleisen überprüfen sie dafür die Motoren und die Hydraulikvorrichtung der beiden U4-Tore. Das geschieht Nachts, wenn kein Zug fährt, andernfalls würde er sprichwörtlich „vor verschlossener Tür“ stehen. Das kann im Ernstfall übrigens nicht passieren, weil die Leitstelle sofort den ganzen Betrieb stoppen würde.
Während des Sicherheitschecks haben wir beide Tore je drei Mal herunter- und hochfahren lassen. Dabei haben sich die Kollegen zusätzlich auch sämtliche Teile der Anlage angeschaut und die Öffnungs- und Schließzeiten der Tore gemessen. Zum Abschluss werden diese Daten in ein sogenanntes Wartungsprotokoll eingetragen – Ordnung muss schließlich sein!



2 Kommentare zu “U4-Wehrtore: Wächter im Untergrund

  1. Wow wirklich interessant. Aber mal eine dumme Frage: Klar der Zugverkehr ist dann sicher vollständig unterbrochen und der Strom abgestellt wenn sich das Tor schließt, aber sollte am Tor nicht dick und fett „Achtung“ oder Rot/Weiße oder Schwarz/Gelbe Markierungen sein?

    • Auf den alten Toren ist so ein gelber nachleuchtender Streifen drauf, bei den hier beschriebenen neuen Toren hat man darauf verzichten. Die Tore können natürlich erst schließen, wenn sich kein Zug mehr in dem Bereich befindet und weitere Züge dürfen nicht mehr fahren. Das ist im Fall der Fälle über die Signaltechnik im Tunnel geregelt.

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