Von Rolltreppen, die nicht rollen… und warum sie das nicht tun

Rolltreppen sind schon eine tolle Erfindung. Hingehen, drauf stellen und ohne jegliche körperliche Anstrengung nach oben oder unten fahren. An mancher U-Bahn-Haltestelle gibt es sogar drei Stück, doch irgendwie funktionieren trotzdem immer nur zwei. Eine nach oben, eine nach unten und eine, die irgendwie immer still steht. 
Warum das so ist und wie Rolltreppen gewartet werden, habe ich mal beim Fachbereich Maschinelle Anlagen nachgefragt. Sind denn wirklich alle still stehenden Rolltreppen kaputt?

Rolltreppen sind Fahrtreppen

Als erstes lerne ich, dass Rolltreppen eigentlich nicht Rolltreppen heißen, sondern Fahrtreppen. Macht irgendwie auch mehr Sinn, denke ich – wieder was dazu gelernt.
Davon haben wir im U-Bahn-Netz 209 Stück. Eine stattliche Zahl, über die tagtäglich Tausende von Fahrgästen gehen und „fahren“.
Jede dieser Fahrtreppen hat eine Lebensdauer von rund 30 Jahren. Man kann sich also ausrechnen, wie viele Fahrgäste diese Treppen in ihrem „Leben“ transportieren. Dass da mal was klemmt, quietscht oder kaputt geht, erklärt sich von selbst.
Bei unserer U-Bahn gibt es aber auch Fahrtreppen, die gar nicht kaputt sind, sondern mit Absicht still stehen.

Die Sache mit den (vorübergehend) festen Treppen

Es gab da mal diese Geschichte in einer bekannten Hamburger Boulevardzeitung. Da schuf die Redaktion die „Gaga-Rolltreppe“ – eine Fahrtreppe, die einfach immer nur still stand. Diese Fahrtreppe ist nicht allein, sondern verbindet am Gänsemarkt zusammen mit zwei weiteren den Bahnsteig der U2 mit der Zwischenebene. Davon fährt eine nach oben, eine nach unten und Nummer drei steht.
Und das aus gutem Grund.
Eine Verordnung schreibt nämlich vor, dass eine Haltestelle jeweils durch eine feste Treppe erreichbar sein muss. Die ist nämlich für all jene wichtig, die die Fahrtreppen nicht benutzen wollen oder können. Stellen Sie sich z.B. vor, Sie haben Höhenangst und die Stufen unter Ihnen bewegen sich. Oder aber Sie dürfen die Fahrtreppe nicht benutzen, weil Sie mit einem Kinderwagen unterwegs sind. Dann ist die feste Treppe für Sie der einzige Zugang zur Haltestelle, wenn es nicht einen Aufzug gibt. Im Zuge des barrierefreien Ausbaus sind wir gerade auch an diesem wichtigen Thema dran.
Weil es am Gänsemarkt zur Zwischenebene aber eben keine „normale“ feste Treppe gibt, „springt“ immer eine der drei Rolltreppen als Ersatz ein.

Regelmäßige Inspektion

Um sicherzustellen, dass eine Fahrtreppe 30 Jahre ohne größere Probleme einsatzfähig ist, wird sie nach 15 Jahren Betrieb von Grund auf gewartet.
Aber auch in der Zeit dazwischen werden regelmäßig weniger aufwändige Untersuchungen durchgeführt.

  1. Monatliche Sichtwartung: Die einfachste aller Wartungsarbeiten umfasst in erster Linie das Offensichtliche: Fährt die Fahrtreppe überhaupt? Nebenbei wird geguckt, ob die Treppe quietscht, die Laufbänder zum Festhalten und alle Lichter funktionieren und ob es z.B. Schäden durch Vandalismus gibt. Wenn was nicht stimmt, wird es behoben.
  2. Normale Wartung (alle 3 Monate): Hier wird die Treppe einmal komplett auseinander genommen, alle Treppenstufen ausgebaut und die Grube unter den Stufen gereinigt. Denn auch da fällt sehr viel Dreck rein. Auch die ganz allgemeine Einstellung der Treppe und ihre Elektrik werden überprüft, bevor sie wieder zusammengebaut wird.
  3. Jahreswartung: Umfasst die jährliche Überprüfung der Elektronik und der Sicherheit der Fahrtreppe – quasi der „TÜV“ wie für das Auto, nur für die Fahrtreppe. Das machen übrigens unsere Kollegen von der FFG (Fahrzeugwerkstätten Falkenried GmbH) selbst und keine externen Gutachter.
  4. Grundüberholung: Bei einer Lebensdauer von 30 Jahren wird nach der Hälfte, also 15 Jahren, bei jeder Fahrtreppe eine Grundüberholung durchgeführt. Das ist ein Komplett-Ausbau der Fahrtreppe. Jede einzelne Stufe wird ausgebaut und zur Reinigung in die Werkstatt gebracht. Was von der Treppe vor Ort an der Haltestelle übrig bleibt, wird generalüberholt. Die Treppe bekommt neue Rollen und Kugellager und auch elektrische Bauteile werden ausgetauscht. Das dauert in etwa drei bis vier Wochen, in denen jedes Einzelteil fein säuberlich auseinander genommen und anschließend wieder zusammengebaut wird.

Warum die Wartung so lange dauert

Haben Sie schon mal erlebt, dass in einem Einkaufszentrum eine Fahrtreppe stillsteht? Aber sicher sind diese doch auch irgendwann mal kaputt, müssen repariert oder gewartet werden.
Wie kann es also sein, dass die Fahrtreppen bei unserer U-Bahn über einen viel längeren Zeitraum nicht benutzbar sind?
Die Lösung liegt auf der Hand: ein Kaufhaus hat ca. zehn Stunden am Tag geöffnet, an (in der Regel) sechs Tagen in der Woche. Wartungsarbeiten können also in der Nacht oder am Sonntag durchgeführt werden. Bei unserer U-Bahn läuft der Betrieb dagegen ca. 20 Stunden am Tag. In vier Stunden während der Betriebspause wäre eine Wartung ganz einfach nicht zu schaffen. Stattdessen versuchen wir, alle Wartungsarbeiten gebündelt innerhalb eines Zeitraums von drei bis vier Wochen durchzuführen. Wenn wir dabei schneller sind, werden die Fahrtreppen aber natürlich auch schon vorher wieder in Betrieb genommen. Und sind wir mal ehrlich, mehr Dreck als im Kaufhaus gibt es draußen auf unseren Haltestellen schon. Somit also auch mehr Dreck, mit dem unsere Fahrtreppen zu „kämpfen“ haben.

Was tun, wenn die Fahrtreppe steht?

2014 hatten unsere Fahrtreppen eine Verfügbarkeit von 96,9%. Das heißt also, dass der Großteil ohne größere Probleme oder Störungen läuft. Unsere mobilen Dienste überprüfen jede Haltestelle zweimal täglich und melden jede nicht-funktionierende Fahrtreppe. Sie als Fahrgast können das übrigens auch tun, nämlich über unsere Infosäulen oder die Info-Hotline 19449.

 



8 Kommentare zu “Von Rolltreppen, die nicht rollen… und warum sie das nicht tun

  1. Sinnvoll wäre eine „Wechselautomatik“ der Rolltreppen an der U2-Halte Messehallen hoch zum Sievekingplatz. Hier sind wohl die längsten Rolltreppen im HVV-Gebiet. Wenn da hin und wieder mal eine Rolltreppe eben nicht aufwärts fährt muss man halt laufen, was bei etwa 26 Metern Höhenunterschied schon anstrengend ist. Hier sollte der Betreiber die Rolltreppen vielleicht so einstellen, dass beim Ausfall einer Rolltreppe aufwärts automatisch die andere Rolltreppe aufwärts den Betrieb aufnimmt. Ist sowas möglich?

    Gruß

    • Das wäre wirklich super, wenn eine Fahrtreppe automatisch erkennen könnte, dass ihr „Nebenmann“ ausfällt und dann eben ganz von allein in Richtung nach oben umschaltet. Das gibt es bestimmt schon – wir haben das leider nicht.
      Wir haben aber auf manchen Haltestellen Fahrtreppen, die auf den Fahrgast reagieren und dann in die entsprechende Richtung fahren. Allerdings sind diese bei sehr langen Fahrtreppen (wie Ihr Beispiel an den Messehallen) sehr unpraktisch. Da so eine Fahrtreppe immer auf das Durchlaufen der Lichtschranke an einem Ende reagiert, läuft sie nämlich immer genau so lange in die eine Richtung, bis niemand mehr auf der Fahrtreppe ist oder durch die Lichtschranke geht. Sie können sich vorstellen, wie ärgerlich das für Sie wäre, wenn in der Gegenrichtung immer wieder ein einzelner Fahrgast nachkommt, bevor Sie überhaupt die Möglichkeit hatten, die Treppe in die entgegengesetzte Richtung in Bewegung zu setzen. Dann haben wir in die eine Richtung regelrecht einen Stau an Wartenden, wohingegen in die Gegenrichtung gerade mal eine einzige Person mit der Fahrtreppe fährt. Schön für den einzelnen „Fahrenden“, ein Ärgernis für Sie. Das ist der Grund, warum wir diesen Wechselbetrieb meist nur an kurzen Fahrtreppen einsetzen. Für alle anderen gilt, dass wir versuchen, die Fahrtreppe von der Haltestelle nach oben laufen zu lassen, um die Entfluchtung der Haltestelle sicherzustellen. Dafür stellt einer unserer Kollegen die Fahrtreppe dann „von Hand“ um. Die Priorität liegt bei unseren Fahrtreppen also immer auf der Richtung nach oben.

  2. Stimmt es, dass die Geschwindigkeit der Rolltreppen durch eine EU-Verordnung geregelt wird? Ich meine die Rolltreppen der U-Bahnen in Lissabon oder Prag wären früher schneller gewesen als in Hamburg oder Berlin, deren U-Bahnstationen liegen teilweise aber auch tiefer unter der Erde (längere Zugangswege).

    • Die Geschwindigkeit von Rolltreppen wird tatsächlich durch eine EU-Norm geregelt – EN 115. In der Regel liegt die Geschwindigkeit der Rolltreppen zwischen 0,5 und 0,65m/s. Die genaue Geschwindigkeit hängt auch vom Neigungswinkel der Treppe ab.

    • Sie haben Recht,
      die Rolltreppen in den osteuropäischen U-Bahnen (Prag, Budapest, Bukarest) waren früher deutlich schneller.

      Einige gingen richtig ab „wie Schmidts Katze“ und waren auf weit über 1 m/s eingestellt. Der „Tagesspiegel“ sagt gar, es seien 9 km/h, also 2,5 m/s, gewesen:

      http://www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr/rasende-rolltreppen-prag-du-hast-es-schneller-nicht-mehr-lange/1654976.html

      Ob EU-Norm oder nicht, seit einigen Jahren fahren sie auch in Osteuropa so langsam, wie die Hochbahn-Rolltreppen immer waren.

  3. Die Kapizität einer Rolltreppe erhöht man und die Verkürzung der Verweildauer auf der Treppe, durch den Hinweis auf dem Handlauf “ Rechts stehen – Links gehen “ Diese dauerschilder sollten natürlich auch bei S Bahn und der Fernbahn gemacht werden.

  4. Interessant zu lesen, trotzdem erklärt dies nicht, warum die Rolltreppen in der S-Bahn Wilhelmsburg wirklich permanent aus sind. Eine stabile Treppe ist dort überall vorhanden. Aber mindestens zu 50% im Monat sind die Rolltreppen außer Funktion oder bewegen sich nur in eine Richtung. Meist in keine. Woran liegt das? Sind diese Treppen besonders anfällig oder schnell verschmutzt nach 1-2 Wochen.

    Befriedigend ist dies jedenfalls nicht.

    • Woran das in Wilhelmsburg liegt, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Dort ist es doch die S-Bahn 😉
      Ich kann Ihnen nur sagen, dass Fahrtreppen einer immensen Belastung ausgesetzt sind, wenn tagtäglich viele Fahrgäste sie nutzen. Da kommt es entsprechend auf gute Wartung und regelmäßige Checks an. Wie das aber bei der S-Bahn gehandelt wird, müssten Sie mal dort bei den Kollegen anfragen.

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