Keine Panik im Untergrund – der Notausstieg

Mein persönliches Horror-Szenario: die U-Bahn bleibt im Tunnel stecken und ich sitze mittendrin. Aus welchem Grund auch immer der Zug nun nicht weiter fahren kann – ich warte vermutlich nur eine kurze Zeit geduldig, werde schnell unruhig und will recht schnell nur eines: raus.

Doch wie genau geht das eigentlich? Wie kommen ich und andere Fahrgäste aus einem Zug und dann auch schnell ins Freie? Denn egal, ob es ein Feuer im Tunnel oder einen langwierigen Schaden am Fahrzeug gibt – unsere Fahrgäste müssen sicher und schnell aus dem Tunnel raus.

Ich habe mich mit meinem Kollegen Andreas ins Gleisbett begeben, um genau das herauszufinden.

Ausgangssituation – aus dem Zug in den Tunnel

Ganz wichtig, egal was passiert und so schwer es auch ist: immer auf den Zugfahrer/ die Zugfahrerin warten. Denn draußen im Gleis ist es wegen der Stromschiene und anderer Züge echt gefährlich. Und auch die 90cm Höhe runter bis ins Gleisbett – ganz ohne sind auch die nicht. Das ist auch der Grund, weshalb wir immer erst versuchen, den schadhaften Zug zur nächsten Haltestelle zu schieben. Das dauert zwar etwas, bis der „Abschlepp-Zug“ da ist, an der Haltestelle können Fahrgäste dafür aber ohne Gefahr aussteigen und über die Ausgänge raus.

Nur wenn das nicht geht, müssen wir auf freier Strecke aus dem Zug und evakuieren. Dafür wird dann der Zugverkehr eingestellt und der Strom auf den Stromschienen abgestellt. Automatisch geht dann auch das Tunnellicht an.

Wenn das Signal kommt, dass alle aussteigen sollen, werden – so der Plan an allen Türen Mitarbeiter stehen, die beim Aussteigen ins Gleisbett helfen. Gemeinsam geht es dann zum Notausstieg oder, wenn das näher ist, zur nächsten Haltestelle. Dabei gilt übrigens das gleiche Gebot wie auf einem Schiff: unser Mann/ unsere Frau geht als Letzte von Bord und checkt noch einmal, ob niemand im Zug geblieben ist. Genauso machen es jetzt auch Andreas und ich: auf den Schwellen zwischen den Schienen Richtung Notausstieg.

Der Weg nach draußen – aus dem Tunnel an die Oberfläche

Den Notausstieg finden wir recht einfach. Wer bei der Fahrt im Tunnel mal raus geschaut hat, hat vielleicht die blauen Lampen bemerkt. Genau die markieren den Notausstieg. Schilder an den Tunnelwänden markieren zudem alle 50 Meter die Entfernung zum nächsten Notausstieg oder zur nächsten Haltestelle. Alle 600 Meter gibt es einen Notausstieg, sodass man max. 300 Meter laufen muss.

Einmal gefunden, gibt es nur noch den Weg nach oben. Je nach Tiefenlage des Tunnels sind das mehrere Treppen – hier an der Steinstraße waren es heute etwa fünf. An die Oberfläche kommt man bei jedem Notausstieg durch das Öffnen eines leicht gängigen Deckels. Den kann jeder bedienen, weil er durch Gegengewichte leicht nachgibt. Spannend ist, wo man an der Oberfläche dann raus kommt – nämlich ausschließlich auf sicheren Flächen und nie im Straßenraum. Damit der Notausstieg nicht zugeparkt wird, sieht er an der Oberfläche ähnlich aus wie ein Luftschacht. Das sichert, dass er nicht blockiert werden kann.

Ist der Deckel einmal entriegelt, kann er von Hand hochgedrückt werden. Und dass das wirklich ganz einfach geht, habe ich hier mal getestet und Andreas gefilmt.

Übrigens: Sobald jemand den Deckel öffnet, läuft automatisch eine Meldung bei den Kollegen in der Betriebszentrale und bei der Hochbahn-Wache auf.
Und für die Feuerwehr funktioniert der Notausstieg eben auch in umgekehrter Richtung. Die können den Notausstieg nämlich von außen mit einem speziellen Schlüssel öffnen und so schnellstmöglich in den Tunnel gelangen, um dort zum Einsatzort zu gelangen, falls es z.B. dort brennen sollte.



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