Fahrkartenautomat kaputt- Schwarzfahren erlaubt?

Es gibt sie überall in Hamburg. Einstmals ein wahres Wunderwerk, heute an jeder U-Bahn Haltestelle zu finden und kaum eines näheren Blickes gewürdigt. Die Fahrkartenautomaten. Erst wenn sie kaputt sind, merkt man, wie wichtig sie sind.

Jeder hat es schon einmal erlebt: der Fahrkartenautomat ist kaputt. Das ist vor allem ärgerlich, weil es Zeit kostet. Auch ich war neulich in dieser Situation. Ein Fahrkartenautomat war kaputt, hinter dem anderen stauten sich die Leute. Da habe ich mich dann gefragt:

  • Was genau bedeutet eigentlich „Außer Betrieb“?     
  • Wie stellt die HOCHBAHN überhaupt fest, dass ein Automat kaputt ist?
  • Darf ich, wenn es keine Alternative zum Fahrkarten kaufen gibt, schwarzfahren?

Für Antworten auf diese Fragen habe ich hier bei der HOCHBAHN mal die Kollegen gelöchert.

Die Hochbahn hat in Hamburg um und bei 400 Fahrausweisautomaten im Bus und U-Bahn Verkehr. Bis auf das Gehäuse sind sie komplett identisch. Sie sind allen Wetterlagen ausgesetzt und werden täglich von tausenden Fahrgästen genutzt.
Logisch, dass da mal was kaputt geht.

Dafür gibt es verschiedene Gründe:

Meistens haben Ausfälle etwas mit der Technik im Inneren des Automaten zu tun, eher selten kommt es durch eine Beschädigung des Touchpads oder der Geldschlitze zu einer Störung.  Am häufigsten gehen Restgeldspeicher, Münzprüfer oder Drucker kaputt. Diese Dinge sind nämlich an fast jedem Fahrkartenkauf beteiligt, und dadurch hohen Strapazen ausgesetzt. Bei einer solchen Störung zeigt der Bildschirm dann „Außer Betrieb“ an. Gibt es einen Defekt am PC oder Netzteil bleibt er dagegen einfach schwarz.

Die Lebensdauer eines Automatengehäuses liegt bei durchschnittlich zwölf Jahren, die Technik ist (nicht zuletzt durch den technischen Fortschritt) deutlich kurzlebiger. Übrigens: Ein Automat ist nicht gleich komplett kaputt, bloß weil er eine Münze oder einen Schein nicht annimmt. Es kann nämlich vorkommen, dass abgenutzte oder verschmutze Münzen von den Fahrkartenautomaten nur nicht erkannt werden. In diesem Fall sollte man einfach ein anderes Geldstück benutzen. Das allseits beliebte Reiben der Münze am Fahrkartenautomaten bringt überhaupt nichts. Der Automat zeigt auch an, ob er bestimmte Scheine oder Münzen nicht annimmt, ein genauerer Blick lohnt sich also.

Final Hand
Wie wird der kaputte Automat von der HOCHBAHN bemerkt?

Sollte ein Automat defekt sein, meldet eine installierte Software die Störung dem System. Das System benachrichtigt bei allen Problemen die HOCHBAHN. Dass z.B. das Druckerpapier knapp wird, ist selten schlimm. Schwieriger sind die technischen Probleme, die meistens für einen Defekt sorgen. Aber die Kollegen versuchen es möglich zu machen, dass ein Fahrkartenautomat spätestens nach ungefähr zwei Stunden wieder einsatzbereit ist. Das ist selbstverständlich auch vom Problem, Zeitpunkt und Standort des Fahrkartenautomaten abhängig. So wird ein Automat an einer viel genutzten Haltestelle sinnvollerweise schneller repariert als einer an einer wenig genutzten Haltestelle. Das ist vielleicht nicht immer schön, aber irgendwie muss ja eine Auswahl getroffen werden.

Und nun das Wichtigste: Darf ich ohne Ticket fahren?

Es gibt auf jedem U-Bahnhof mindestens zwei Fahrkartenautomaten pro Eingang, sodass immer einer genutzt werden kann und soll. Im Bus gibt es außerdem die Möglichkeit, das Ticket beim Busfahrer zu kaufen. Sind wirklich mal beide Automaten kaputt (was aber in den letzten Jahren fast nie vorgekommen ist), darf man auch ohne Fahrschein einsteigen. Den kaputten Automaten dann bitte unbedingt an der Info-Säule melden, damit die Kollegen aus der Leitstelle Bescheid wissen, dass es an dieser Haltestelle keine Möglichkeit zum Fahrschein kaufen gibt.
ABER: Man sollte das Ticket dann entweder bei nächster Gelegenheit (an der nächsten Haltestelle) kaufen, oder es am Ende der Fahrt nachlösen. Muss man allerdings auf seiner Fahrt umsteigen, ist man verpflichtet, an der Umsteigehaltestelle eine Fahrkarte für die Weiterfahrt zu lösen. Ansonsten wird das Fahren als Schwarzfahren gewertet und kostet die üblichen 60€.
Die Fahrkartenprüfer kriegen übrigens die Info, wo tatsächlich kein Automat funktioniert hat. Auf’s  Glatteis führen kann man sie also nicht ;-).

Obwohl wir also automatisch wissen, dass ein Automat kaputt ist, ist es immer sicherer den Automat zu melden und wir freuen uns über solche Hinweise. Am schnellsten geht das über die Infosäule, oder aber über Facebook und Twitter.

Ps: Dieser Beitrag stammt von unserer Praktikantin Lena, die uns für zwei Wochen unter die Arme gegriffen hat. Toll gemacht!



Ein Kommentar zu “Fahrkartenautomat kaputt- Schwarzfahren erlaubt?

  1. Genau, zwei defekte Automaten habe ich noch nie erlebt. Mir sind aber schon mehrfach andere Defekte passiert:
    (1) Der Drucker zeigt ein unvollständiges Druckbild. Es war nicht zu erkennen wo ich eingestiegen bin. Das ist bei einer Kurz- oder Nahbereichskarte aber wichtig, denn wie soll der Prüfer erkennen, ob ich den gelösten Bereich eingehalten habe.
    In einem Fall bekam ich eine „Blanko“-Karte.
    (2) Ein anderes Problem sind immer wieder Geldwechsler: Ich habe schon mehrfach kein passendes Wechselgeld erhalten, die Anzeige welche Münzen und Scheine angenommen werden scheint nicht immer mit dem aktuellen Münzvorrat zu harmonieren. Auch ausländische Münzen, die zufällig die gleichen Größen und Gewichte wie Euro-Münzen haben, wurden mir schon zurück gegeben. (Z. B. Soweit ich mich erinnere: 20Ct entspricht einer thailändischen Münze, die zu dem Zeitpunkt einen Wechselkurs von etwa 0,15Ct hatte. Auch andere Münzfehler sind passiert).

    Bei Problemen mit dem Geldwechsler wünsche ich mir ein einfacheres Verfahren bei der Hochbahn UND dem HVV. Bei der Hochbahn wurde mir an einer Verkaufsstelle ein Formular ausgehändigt, das ich ausgefüllt an die Hochbahn senden sollte, nach einigen Tagen wurde der fehlerhafte Betrag auf mein Konto überwiesen. Bei der S-Bahn konnte ich ins Service-Center gehen, habe ein anders Formular ausgefüllt und bekam das Geld sofort ausgezahlt. Beides ist mit vielen Wegen verbunden. Besonnders störend empfand ich das es in diesem Fall KEINEN Verkehrsverbund gibt sondern jedes Unternehmen autonom arbeitet. Navh meinem Empfinden fühlt sich jedes Unternehmen im HVV nur für SEINE Automaten zuständig.

    Muss ich wenn die gleiche Situation bei der AKN auftreten sollte erst nach Kaltenkirchen fahren? Dann ist die Fahrkarte dort hin und zurück teurer als der mögliche Fehlbetrag.
    Hier, wie in einigen anderen Situationen auch, wünsche ich mir mehr Kooperationen innerhalb des HVV, die es dem Kunden einfacher machen sein Problem lösen zulassen.

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