Erhöhtes Beförderungsentgelt – Ab jetzt kostet Schwarzfahren 60 Euro

Bisher hat Schwarzfahren 40€ gekostet, ab August 2015 werden es 60€ sein. Für mich Anlass, das Thema einmal genauer zu beleuchten mit Hilfe eines Kollegen, der sich mit Schwarzfahren auskennt. David, seit 5 Jahren bei der Hochbahn-Wache im Prüfdienst beschäftigt, hat uns Rede und Antwort gestanden.


PrüfdienstSeit wann arbeiten Sie bei der Hochbahn-Wache?

2010 habe ich beim Prüfdienst der Hochbahn-Wache angefangen. Kein Neuland für mich, davor war ich nämlich schon in Halle an der Saale Fahrkartenprüfer.


Warum ist es so wichtig, zu kontrollieren?

Ich finde sehr wichtig, den ehrlichen Fahrgästen zu zeigen, dass es sich lohnt, eine Fahrkarte zu kaufen. Wer nicht kontrolliert wird, sieht schließlich langfristig keine Notwendigkeit eine Fahrkarte zu kaufen. Vor allem aber sind es nur die zahlenden Fahrgäste, die die Dienstleistung der HOCHBAHN oder auch aller anderen Verkehrsunternehmen in Hamburg zu würdigen wissen. Die Leistung, die in Bus und U-Bahn tagtäglich erbracht wird, kostet schließlich auch. Wer sie nutzt, sollte auch daran beteiligt sein. Es geht also nicht vorrangig darum, die, die „schwarz fahren“ zu erwischen, sondern vielmehr darum, alle Fahrgäste zu kontrollieren und damit auch wert zu schätzen, dass sich jemand ein Ticket gekauft hat.


Bisher hat Schwarzfahren 40€ gekostet, ab August werden es 60€ sein. Warum diese Erhöhung und wer bestimmt eigentlich die Höhe?

Das machen tatsächlich nicht wir. Das Bundesverkehrsministerium hat dem Bundesrat diese Anhebung als Vorschlag vorgelegt. Der hat dem dann zugestimmt und somit wird das in den Beförderungsbedingungen aller deutschen Verkehrsunternehmen geändert. Ich finde das sehr gut: jedes Jahr werden die Preise für Fahrkarten angehoben, das Erhöhte Beförderungsentgelt ist dagegen seit 2003 immer gleich geblieben.


KontrolleWas passiert mit dem Geld? Bekommen Sie einen Teil davon bzw. eine Prämie für jeden „erwischten“ Fahrgast?

Das ist wahrscheinlich der größte Mythos, den es über uns Prüfer gibt. Wobei ich verstehe, woher dieses Gerücht kommt: In manchen anderen Städten gibt es diese „Fangprämien“ nämlich in unterschiedlicher Ausführung. In Hamburg ist das nicht der Fall. Übrigens gibt es auch keine inoffizielle Vorgabe, wie viele „Schwarzfahrer“ man pro Schicht erfassen soll. Mal davon abgesehen, dass ich glaube, dass so etwas schlecht für das Klima zwischen uns und den Fahrgästen und auch unter uns Prüfern wäre. Wir sind schließlich nicht auf der Jagd, wo der gewinnt, der am meisten erwischt hat.


Gibt es zur Erhöhung schon Rückmeldungen der Fahrgäste?

Bisher sind die Rückmeldungen durchweg positiv. Vor allem empfinden es die zahlenden Fahrgäste als nur gerecht, dass auch das Schwarzfahren teurer wird.


Ich könnte mir vorstellen, dass Schwarzfahrer nun ungehalten reagieren, wenn sie erwischt werden und dann auch noch von der Erhöhung hören. Was ist das für ein Gefühl für Sie in dem Moment? Wie gehen Sie mit Beschimpfungen um?

Natürlich bin ich angespannt, das hört auch nach Jahren nicht auf. Gerade wenn jemand wirklich wüste Beschimpfungen ausspricht trifft mich das natürlich. Wir lernen aber regelmäßig, mit solchen Situationen umzugehen bzw. sie zu entschärfen. Manchmal hilft es schon, wenn ein Kollege die Aufnahme der Personalien übernimmt oder wir den Fahrgast mit aus dem Zug oder Bus nehmen.


Gibt es Situationen, in denen Sie darauf verzichten, das erhöhte Beförderungsentgelt zu fordern?

Verzichten wäre zu viel gesagt, aber es gibt Fälle, in denen wir nicht sofort aufschreiben. Wenn z.B. jemand versehentlich eine falsche Fahrkarte gekauft hat, helfen wir auch gerne mal mit einer kurzen Tarifberatung und kaufen gemeinsam das richtige Ticket. Gerade Touristen oder älteren Fahrgästen passiert das ja doch manchmal. Da sind wir dann nicht so streng, schließlich wollen wir niemanden schikanieren.



7 Kommentare zu “Erhöhtes Beförderungsentgelt – Ab jetzt kostet Schwarzfahren 60 Euro

  1. Steigt auch die Bearbeitungsgebühr, wenn ich bei einer Fahrkartenkontrolle meine Proficard vergessen habe? Waren früher mal 2,50 Nachbearbeitungsgebühr.

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  3. Ihr Mitarbeiter sagt, dass die Erhöhung vom Bundesverkehrsministerium als Vorschlag vorgelegt worden sei.

    Das stimmt, aber seien Sie doch so fair und sagen, welche Branche(nverbände) das politische Berlin von der Erhöhung „überzeugt“ hat: Das waren Vereine, in denen u.a. die HOCHBAHN Mitglied ist, die ganz offen dafür lobbyiert haben.

    Die Änderung musste auch nicht zwingend umgesetzt werden. Es ist meines Wissens nur der Höchstbetrag, der angehoben wurde. Der HVV hätte weiter 40 € nehmen können.

    Schließlich stimmt, dass die Schwarzfahrgebühr seit 12 Jahren unverändert war, während seitdem sowohl Verbraucherpreise als auch Ticketpreise stiegen. Interessanter ist, wie stark die Kosten jeweils erhöht wurden:

    Die Verbraucherpreise stiegen seit 2003 um etwa 20 Prozent.
    Die Fahrpreise des HVV wurden dagegen um etwa 36 Prozent erhöht.
    Die Schwarzfahrgebühr wiederum steigt um 50 Prozent.

    Ein Argument, das man von den Verkehrsunternehmen oft hört, ist die „Abschreckung“. 40 € für das Schwarzfahren seien in Relation zu den Fahrkartenpreisen zu billig. Das finde ich ein interessantes Argument. Denn das Erhöhte Beförderungsentgelt ist nur eine der Konsequenzen für Schwarzfahrer. Die zweite ist das Strafverfahren. Auch die Hochbahn dürfte ja gute „Kundin“ bei der Staatsanwaltschaft sein und fleißig diese Behörde mit Strafanzeigen versorgen. Aus Berlin hieß es einmal, dort sei eine halbe JVA zeitweise nur mit Schwarzfahrern belegt gewesen. Das halte ich persönlich ja für ziemlich abschreckend. Die genauen Zusammenhänge, was jemanden zum Schwarzfahren treibt und was ihn davon abhält, sind auch kaum wissenschaftlich untersucht. Wir haben da Freitag kurz recherchiert und kaum etwas gefunden. Das finde ich ja auch interessant, wo die Branche doch allein in Hamburg Schäden in Höhe von einer kompletten U-Bahn-Linie pro Jahrzehnt beklagt. Ein „Best Practise“ in Europa scheint sich auch nicht herausgebildet zu haben: in Hamburg gibt es den „Einstieg vorn“ bei Bussen und keine Sperren bei der Bahn, in Wien gibt es gar keine Zugangskontrollen, in Budapest ist jede Metrostation mit Kontrollorganen besetzt. Das müsste doch im Interesse der Branche sein, wissenschaftlich fundiert zu wissen, welche Mechanismen bestehen.

    • Natürlich ist es so, dass der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), in dem auch die HOCHBAHN Mitglied ist, ein Treiber der Erhöhung des EBE gewesen ist. Ich persönlich finde das durchaus nachvollziehbar, schließlich sind es doch auch die Verkehrsunternehmen, denen die Verluste entstehen.
      Bis zu 60 € können nun erhoben werden. Sie haben Recht, dass der HVV hätte bei 40 € bleiben können. Mit Blick auf den Abschreckungscharakter und, dass das EBE seit 2003 nicht mehr erhöht worden ist, ist die Anhebung um 20€ nachvollziehbar.
      Zu ihrem letzten Punkt der Strafanzeigen gegen Schwarzfahrer. Aus einer kleinen Anfrage vom Mai 2015 geht hervor, dass in 2013 insgesamt 17 und in 2014 insgesamt 16 Personen eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung erhielten. Oft spielten dann aber auch noch weitere Straftaten eine Rolle. Mitnichten wird also eine halbe JVA mit Schwarzfahrern belegt.
      Eine einheitliche Prüfung in allen Städten scheint kaum umsetzbar. So würden z.B. Sperren im Schnellbahnbereich Investitionen in einem hohen Millionenbetrag bedeuten und bei einigen Stationen umfangreiche Umbauten erfordern. Außerdem muss man hier z.B. auch Nachteile bei Evakuierungen beachten. Schwarzfahrerquoten in Städten mit Sperren zeigen übrigens, dass die Quoten damit auch nicht niedriger sind.
      Und hier geht es ganz ehrlich auch nicht um eine wissenschaftliche Analyse, sondern schlicht darum, dass der ehrliche Kunde nicht dadurch bestraft wird, dass andere sich nicht an der Finanzierung einer Leistung beteiligen.

  4. Es könnte auch 100 oder 1000 Euro kosten, abschrecken würde es nicht. Nur die Gefahr, erwischt zu werden schreckt wirklich ab und die ist zumindest in der U-/S-Bahn sehr gering. Ich persönlich fahre täglich U-Bahn und werde im Jahr vielleicht zwei mal kontrolliert. Je weiter man sich von der Innenstadt entfernt, desto geringer wird dabei die Gefahr der Kontrolle.

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